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Schädliche Neuroleptika

Anndroi[dlexr hat die Diskussion gestartet


Nachdem ich in den letzten Wochen das Internet intensiv nach meinen Krankheitsproblemen durchsucht habe, stelle ich fest, dass anscheinend ein unkritischer Umgang mit Neuroleptika nicht selten vorkommt. Es scheint wohl Standard zu sein, Neuroleptika schon bei kleinen Symptomen und Problemen zu verordnen und sie teilweise fast schon wie Bonbons zu verteilen.

Hier gibt es folgendes zu sagen:

Neuroleptika sind keine Antidepressiva. Während SSRI als relativ kritisch und ohne bekannte schädliche Langzeitwirkungen gelten, gilt dies für Neuroleptika in keinster Weise.

Wenn man nur mal kurz im Internet nachschaut,sieht man das:

- Neuroleptika verursachen schwere Spätschäden wie Bewegungsstörungen

- verkürzen das Leben bis zu 25 Jahren

- töten Gehirnzellen und verkleinern bereits nach 2-8 Wochen Einsatz das Gehirn bis zu 10%.

Es gibt viele Fachartikel, die den Einsatz von Neuroleptika selbst bei Schizophrenie stark in Frage stellen, ein wirklicher dauerhafter Vorteil kann hier nicht belegt werden, es scheint häufig erst recht zu Rückfällen zu kommen, die dann sicher mit noch mehr Neuroleptika bekämpft werden.

Mein Eindruck ist, hier werden massiv Kosten für teure und lange Therapien gespart und viele Patienten, vor allem auch Demenzkranke ruhig gestellt und auf Dauer schwerst geschädigt.

Da mir auch schon Ärzte Neuroleptika gegen Angst andrehen wollten, kann ich nur dringend vor ihrem Einsatz warnen. Dieser sollte von sehr gut ausgebildeten Ärzten nur in äußersten Notfällen erfolgen.

Wissenschaftliche Quellen fordern:

- Neuroleptika nur in äußersten Notfällen

- in niedrigster Dosis

- maximal 3 Monate Therapie

Ich weiß nicht, warum anscheinend viele Ärzte damit so leichtfertig umgehen, ich möchte hier aber auch nicht spekulieren.

Es ist jedenfalls nach meiner Erfahrung nicht schädlich, die Therapie möglichst selbst in die Hand zu nehmen (falls möglich) und sich selber zu informieren und nicht jede Aussage eines Arztes unkritisch zu akzeptieren.

Antworten
pee-bxby


Es gibt viele Fachartikel, die den Einsatz von Neuroleptika selbst bei Schizophrenie stark in Frage stellen, ein wirklicher dauerhafter Vorteil kann hier nicht belegt werden, es scheint häufig erst recht zu Rückfällen zu kommen, die dann sicher mit noch mehr Neuroleptika bekämpft werden.

Kannst du mir solch einen Fachartikel verlinken?

Dass es mit Neuroleptika "erst recht zu Rückfällen" kommt, kann ich nicht glauben.

Ansonsten: Was ist die Alternative zu Neuroleptika bei Schizophrenie?

A/ndro#idlxer


Dr. Volkmar Aderhold, Institut für Sozialpsychiatrie an der Uni Greifswald:

Zur Notwendigkeit und Möglichkeit minimaler Anwendung von Neuroleptika, 04/2008

Zitat aus einem zusammengefassten Artikel:

Interkultureller Vergleich

Interkulturelle Vergleiche zeigen, dass Menschen mit Schizophrenie in Entwicklungsländern wie Indien, Nigeria und Kolumbien sehr viel seltener mit Neuroleptika behandelt werden, aber insgesamt deutlich weniger Episoden und mehr vollständige Remissionen erleben. Während in den Industrienationen je nach Untersuchung nur 6% – 32% der Patienten mit einer Episode auskommen, liegt der Vergleichswert in den ländlichen Regionen bei 42% – 54%. Chronifizierung und soziale Abhängigkeit dürften also nicht krankheitsimmanent bedingt sein, vielmehr sind psychosoziale und behandlungsbedingte Einflüsse anzunehmen.

Gibt man bei Google "Neuroleptika Kritik" ein findet man eine schier unendlich Anzahl an Fachartikeln, die diese Substanzen gar als "Vergewaltigung" oder "Körperverletzung" des Patienten kritisieren und nach meinem Kenntnisstand ist auch genau dies der Fall.

pmeb]by


Danke für die Quelle.

Aber: was ist die Alternative zu Neuroleptika bei Schizophrenie? Aussitzen? Ich kann ja nur von mir reden. Ich war während meiner Psychose mit einem großen Messer unterwegs um mich gegen Angreifer zu verteidigen. Das Neuroleptikum hat mich relativ schnell wieder "normal" gemacht. Und was ist mit der Arbeitsfähigkeit? Während eines Schubes bangt man unter Umständen um sein Leben und ist nicht mehr arbeitsfähig.

Bei Krankheiten, die nicht unter "Psychose" oder "bipolare Störung" fallen, bin ich auch klar gegen Neuroleptika. Außer sie werden augmentativ gegeben, wenn z.B. die reine AD-Therapie nicht anschlägt. Besser Neuroleptika zusätzlich geben, als wenn sich der Patient irgendwann umbringt.

Neuroleptika sind natürlich nicht ohne, ich weiß nur nicht, was die Alternative dazu ist, wenn ein Mensch an Schizophrenie erkrankt.

SliTlbe$rmonxdauge


Die Alternative bei Schizophrenie und anderen Krankheiten bei denen Gefahr für andere Menschen besteht, wäre: die Person dauerhaft einsperren. So wurde es früher gemacht. Und so wird es wohl auch gemacht wenn Menschen sich weigern, Medikamente zu nehmen.

Ob das eine echte Alternative ist ?

Dass _manche_ Ärzte allerdings bei "normalen" Depressionen ziemlich bald mit Neuroleptika oder Benzodiazepinen (nicht als Notfallmedikament sondern als Dauertherapie) anrücken, ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen.

Rgicbhard6x1


Zu Neuroleptika gibt es zwischenzeitlich Alternativen z.B. trizyklisch Diazepine wie z.B. Quetiapin.

Quetiapin ist angezeigt bei Manien Psychosen und Schizophrenie und hat relativ wenig Nebenwirkungen. Ich selbst nehme das schon 2 Jahre ohne Nebenwirkungen.

Bei mir ist es ein Manieschutz für was ich es nehme.

Durch lange Klinikaufenthalte muss ich sagen, es ist äußerst selten der Fall , dass Neuroleptika gegeben werden.

p ebbxy


Zu Neuroleptika gibt es zwischenzeitlich Alternativen z.B. trizyklisch Diazepine wie z.B. Quetiapin.

Quetiapin ist laut diversen Quellen aber ebenfalls ein atypisches Neuroleptikum.

S^childk%}te007


Aber: was ist die Alternative zu Neuroleptika bei Schizophrenie? Aussitzen?

Natürlich gibt es Alternatvien, die auch viel wirksamer als Medikamente sind. Von daher kann ich den Einwand von Richard verstehen. Nur dabei kann ich überhaupt nicht zustimmen:

Während SSRI als relativ kritisch und ohne bekannte schädliche Langzeitwirkungen gelten, gilt dies für Neuroleptika in keinster Weise.

Das stimmt nicht, denn SSRI verursachen oft Langzeitschäden.

ple&bbxy


Natürlich gibt es Alternatvien, die auch viel wirksamer als Medikamente sind. Von daher kann ich den Einwand von Richard verstehen.

Welche denn? :-)

S"inn!estäxter


es ist äußerst selten der Fall , dass Neuroleptika gegeben werden.

Ich beobachte eher das Gegenteil. Hausärzte spritzen frohgemut IMAP bei jedweden Befindlichkeitsstörungen. Und Neurologen verschreiben mittlerweile bei Angst und Nervosität seltener Benzos, stattdessen Neuroleptika.

a_nac6hxien


vor allem auch Demenzkranke ruhig gestellt

Haben Sie Demenzkranke, die aggresiv und unruhig sind, schon erlebt? Die Pflegende gehen an ihre psyhischen, physischen Grenzen, und irgendwann geht es eben nicht mehr. Leider überwiegt in der Öffentlichkeit das irreführende Bild der Demenzkranken, die sich an nichts errinern und in einer eigenen Welt friedlich leben... Dem ist nicht so.

[[http://www.metaphorcountry.com/dementia_nights/2009/08/why-blog-alzheimers-the-myth-of-dignity.html]]

Tippen Sie auch mal "Aggression und Demenz" oder besser noch "dementia and aggression" und lesen Sie in den Foren ruhig nach, was Pflegende berichten...

Im übrigen wird in der Pflege zunächst der nicht medikamentöse Ansatz ausprobiert. Manchmal kann der Einsatz von atypischen Neuroleptika auch heissen, dass die Demenzkranken weiterhin zu Hause bleiben können, und nicht in Heim übersiedeln müssen.

Sqchilcdk^r)öxte007


Welche denn? :-)

Zitat Bundesärztekammer:

Bei folgenden psychiatrischen Erkrankungen ist die EKT die Therapie der ersten Wahl:

1. wahnhafte Depression, depressiver Stupor, schizoaffektive Psychose mit schwerer depressiver Verstimmung,

[...]

[[http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.47.3203]]

pAebbxy


EKT? das ist aber schon krass.

Aber davon abgesehen gilt das für depressive Erkrankungen oder psychotische Erkrankungen mit depressiven Anteilen.

bei der am häufigsten auftretenden Schizophrenie (paranoide Schizophrenie) ist sie wohl nicht das Mittel erster Wahl. Sondern eben doch die ungeliebten Neuroleptika.

Das sage ich nicht, weil ich Neuroleptika toll finde sondern weil ich selbst gerne eine Alternative dazu hätte. Die Nebenwirkungen sind ja auch nicht ohne. Ich wäre froh, wenn es etwas anderes gäbe, aber bislang hat mir kein Arzt was anderes vorgeschlagen.

ABn]droWiqdler


Das stimmt nicht, denn SSRI verursachen oft Langzeitschäden.

Mir sind nur gelegentliche Sexualstörungen bekannt, die längere zeit anhalten können.

Hier ist vor allem Paroxetin und Sertralin zu nennen. Ich habe jedenfalls bisher weder schlimme Nebenwirkungen noch schlimme Langzeitwirkungen und ich nehme SSRI schon über 13 Jahre. Und Sexualstörungen hab ich auch keine. Die werden auch häufig durch Depressionen ausgelöst.

Bwr"um(mbaerxchi


Natürlich gibt es Alternatvien, die auch viel wirksamer als Medikamente sind.

Ich schließe mich da pebbys Frage an. Welche Alternativen denn? Klar, du hast die Alternative EKT genannt, aber die ist nur bei deinen o.g. Punkten empfohlen. Wie sieht es denn mit Alternativen für Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis aus?

Ich habe einige Klienten mit einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis. Die nehmen durch die Reihe alle NL – wir sprechen hier aber auch von chronisch psychisch Kranken. Bei einer einmaligen Psychose ist es natürlich ein Versuch wert, die Medikamente nach kurzer Zeit auszuschleichen, aber sonst sehe ich persönlich auch keine Alternativen, wenn man stabil bleiben möchte und gelegentlich auch mal etwas "Stress" hat.

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