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Ich brauche eine Therapie und finde keinen Therapeuten

D(elkfinx93 hat die Diskussion gestartet


Ich kann nicht mehr. Ich leide unter Ängsten und Zwängen und habe im Moment das Gefühl, auch noch in eine Depression abzurutschen. Meine berufliche Leistung leidet darunter. Im Moment ist das noch nicht so schlimm, da ich "nur" ein FSJ mache. Nächstes Jahr beginne ich aber eine Ausbildung und dann muss ich fit sein.

Ich wohne in Niedersachsen, in der Nähe zu einer größeren Stadt. Es gibt viele Therapeuten, aber NIEMAND will mich behandeln. Die meisten Therapeuten haben sogar schon ihre Warteliste geschlossen. Ich habe gefühlt tausend Therapeuten angerufen (real wohl etwa 50), zu denen ich irgendwie gelangen könnte. Das traurige Resultat: Bei genau vier Leuten stehe ich auf der Warteliste, alle anderen nehmen nicht mal mehr auf die Warteliste auf. Mit der ersten Sitzung ist nicht vor Sommer 2015 zu rechnen :-o .

Bei einer einzigen Therapeutin war ich zu einem Erstgespräch. Das war ganz okay, ich habe ihr viel erzählt und sie machte einen guten Eindruck. Hinterher stellte sich heraus, dass sie keine neuen Patienten annimmt >:( . Dabei hat sie mir das am Telefon noch ganz anders erzählt.

Meine Krankenkasse hilft mir auch nicht weiter, die sagen nur, das Problem wäre bekannt, ich müsse mich gedulden oder wenn es gar nicht mehr gehen würde, ab und an stationär gehen :-o . Alleine eine ambulante Therapie ist für mich eine riesengroße Überwindung, stationär geht erst mal gar nicht. Abgesehen davon, dass die Akutkliniken hier keinen guten Ruf haben.

Wer hat das gleiche Problem? Wie seid ihr an einen Therapieplatz gekommen? Privat Zahlen ist völlig unmöglich.

Ich danke vielmals :-)

Antworten
SHunfl9owerx_73


Willkommen in der Realität. Das ist bitter, aber nach den ersten Veröffentlichungen des Koalitionsvertrages wird sich das noch verschlimmern.

Aber:

Wenn Du so viele Therapeuten abtelefoniert hast, gibt es noch die Möglichkeit, sich an Therapeuten ohne Kassenzulassung zu wenden und die Therapie im sog. Kostenerstattungsverfahren finanzieren zu lassen. Das ist eine Einezelfallentscheidung bei der Krankenkasse; in Deinem Fall (viele Therapeuten angerufen, keine Warteliste mehr oder erst Sommer 2015) und mit der Unterstützung des Therapeuten dürfte das kein Problem sein.

Schau mal hier:

1. [[http://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/fileadmin/main/g-datei-download/Patienteninformation/Flyer_Psychotherapie_in_Kostenerstattung.pdf]]

2. [[http://www.bptk.de/fileadmin/user_upload/News/BPtk/2012/20120420/BPtK_Ratgeber_Kostenerstattung.pdf]]

Gerade in Ballungszentren gibt es zunehmend Privatpraxen. Denn so wie Patienten keinen Therapieplatz finden haben auch Therapeuten keinerlei Chance, sich in eigener Kassenpraxis niederzulassen. Das ist dann der Ausweg, der gerne verschwiegen und von Kostenträgern verflucht wird, aber: Es funktioniert.

Und: Es gibt noch die Möglichkeit, sich an Ambulanzen von Ausbildungsinstituten zu wenden. Dort arbeiten Psychologen, die noch die Weiterbildung zum Psychotherapeuten absolvieren. Die sind genauso gut wie erfahrene Therapeuten, oft sogar noch motivierter und flexibler. Aus dem Kopf weiß ich, dass es Ambulanzen in etlichen Uni-Städten in Niedersachsen gibt (Osnabrück, Göttingen,...). Wenn Du Deine grobe Wohnregion angeben magst, kann ich gezielter schauen.

s*culllixe


Googel mal im Internet nach Psychologischen Beratungsstellen für Psychotherapien..

Sie vermitteln freie passende Therapieplätze..

D~elfBinx93


Danke dir, Sunflower. Das ist wirklich sehr hilfreich! Nur eins hab ich nicht so ganz verstanden |-o . Muss ich mich erst an die Krankenkasse oder an einen Therapeuten wenden?

der gerne verschwiegen und von Kostenträgern verflucht wird, aber: Es funktioniert.

Gut zu wissen, das erklärt, warum meine Krankenkasse mir davon nichts erzählt hat ]:D

Ich wohne in der Nähe von Hannover, also keiner kleinen Stadt. Privatpraxen gibt es hier genug.

Mal was anderes: Eine Bekannte hatte mir eine Therapie beim Heilpraktiker vorgeschlagen, da hätte sie sehr gute Erfahrungen mit gemacht. Ich stehe dem skeptisch gegenüber. Hat hier jemand Erfahrungen mit so einer Form der Therapie gemacht?

SVunflo9wer_x73


Parallel: Therapeuten kontaktieren, der geht dann die Schritte mit Dir durch. Plus pauschale Anfrage an die Krankenkasse stellen.

Therapie beim Heilpraktiker: :-X

Zahlt die Krankenkasse eigentlich nicht. Das vorab.

Ansonsten: "Heilpraktiker für Psychotherapie" kann jeder mit Hauptschulabschluss plus beliebiger Berufsausbildung werden, der sich dann entweder alleine, per Fernkurs oder gegen Geld an Privatschulen auf die schriftliche Prüfung vorbereitet. Er muss KEINERLEI praktische Patientenerfahrungen haben, wenn er dann eine Praxis aufmacht.

Psychologische Psychotherapeuten haben ein Studium absolviert (Diplom oder Master). Machen dann eine 4200 Stunden umfassende Weiterbildung, wo sie u.a. 1800 Stunden in Kliniken und anderen Einrichtungen arbeiten (18 Monate) plus 600 Behandlungsstunden von Patienten unter Supervision absolvieren. Plus umfassende Prüfung durch das Institut, welches auf für die Arztprüfungen zuständig ist.

Mach' Dir selber ein Bild bzgl. der Qualifikation und Eignung...

EINE Lösung wäre EVENTUELL jemand MIT Psychologie-Studium, der danach Heilpraktiker geworden ist. Führt aber auch nur zu mehr theoretischem Wissen, aber nicht unbedingt mehr praktischer Erfahrung.

Eine Heilpraktiker-Behandlung ist aber eher in Fällen zu empfehlen, wo jemand ein bisschen Beratung benötigt, aber nicht unbedingt Störungen von Krankheitswert hat. Wenn Du schon sagst, dass Du Ängste und Depressionen hast und nicht mehr kannst, ist das eine Nummer größer.

Eine Freundin von mir ist Heilpraktikern, allerdings mit Studium. Sie schickt alle Leute weg, wo sie nach 5 Terminen keine Besserung erlebt. Ich bin ausgebildete Psychotherapeutin und habe leider viele Patienten erlebt, die nach abstrusen und inkompetenten Therapieversuchen bei Heilpraktikern, und zwar v.a. denen OHNE Studium, im schlimmsten Fall völlig kaputt waren, im besten Fall seit Jahren keine Besserung erlebten.</p>
<p>Ohne dass es Standesdünkel ist: Studium plus mehrjährige Weiterbildung mit hohem Praxisanteil, konstant unter Beobachtung erfahrener Therapeuten, ist nun mal ein anderes Niveau als Hauptschule plus Ausbildung plus Klausur im Gesundheitsamt OHNE dass jemand der Person mal bei der praktischen Tätigkeit auf die Finger geschaut hat.

Ein Aspekt, mit dem Du Dich ergänzend beschäftigen solltest bzgl. einer "richtigen" Psychotherapie.

Es gibt drei offiziell anerkannte Therapierichtungen: Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie oder Psychoanalyse. Zu dem Bereich solltest Du Dich bei der Therapeutensuche selber schlau machen und überlegen, was Du willst. Bei Ängsten wird eindeutig die Verhaltenstherapie empfohlen, bei Depression liegt VT nur knapp vor TP. Eine "richtige" Analyse ist relativ langwierig und man sollte sich über diese sehr spezielle Therapieform gut informieren.

Ich schreibe das so deutlich, da im Hannoveraner Raum noch ein ungewöhnlicher Schwerpunkt aus TP und Analyse besteht.

aQug23x3


Bist Du bereit Deine ersten fünf Sätze hier aufzuschreiben, mit denen Du die telefonische Anfrage nach einem Therapieplatz beginnst?

DGelf*in93


Nun hab ich mit der Krankenkasse gesprochen, sie werden sich bemühen, dass ich auf eine Warteliste komme, die Wartezeiten von "nur" einem Jahr hat %-|

Kostenerstattungsverfahren erst, wenn ich nach einem Jahr keinen Platz bekommen habe trotz ihrer Hilfe. Und dann auch nur nach Gutachter, Nachweis, Gespräch mit Kassentherapeuten...

Ist doch alles scheiße :°(

_@Parvjatix_


Vielleicht musst du mal den Umkreis etwas erweitern und einen Therapeuten in einer Stadt suchen, die etwas weiter weg ist. Ansonsten eventuell doch in Erwägung ziehen eine Klinik aufzusuchen. Kann ja auch eine Tagesklinik sein.

sIopraxhin


Bei einer einzigen Therapeutin war ich zu einem Erstgespräch. Das war ganz okay, ich habe ihr viel erzählt und sie machte einen guten Eindruck. Hinterher stellte sich heraus, dass sie keine neuen Patienten annimmt >:( . Dabei hat sie mir das am Telefon noch ganz anders erzählt.

Das wundert dich nicht wirklich, oder?

An einem Erstgespräch kommt man schon mal schneller ran. Und zwar deshalb weil es auch Klieneten gibt die ganz gerne mal einen Termin absagen. Sobald du dann kommst den Termin wahr nimmst und deine Karte vorlegst, ist doch der Ausfall gerettet für den/die Thera

sjopraxhin


Übrigens mit einer richtigen psychischen Erkrankung würde ich auch keinen Heilpraktiker empfehlen

C6olinj8x7


Und was ist mit Umland? Ich wohne auch in der Stadt, wo ich kaum freie Plätze gefunden hatte, hab einen im Umland gewählt. War eine Stunde Zugfahrt dahin, aber es hat mir sehr viel geholfen!

A,mor!elxie


Ich suche auch nach einem guten Kinder und Jugendpsychologen... Hatte auch ein erstes Gespräch mit einer, jedoch würde die Therapie erst nächstes Jahr anfangen was viel zu spät ist... :(v

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