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Mögliche (drohende?) Entwicklungen in der Psychotherapie?

PXeeKglee


Therapeut mit Studium und mehrjähriger Weiterbildung und konstanter Weiterbildung im Anschluss plus Intervision/Supervision ist man natürlich nicht in der Lage, Gruppentherapie zu betreiben und sich bei Schwierigkeiten mit Kollegen auszutauschen. Nein, das muss man auch wieder lernen.

Das finde ich zwischen den mehr oder weniger bürokratischen Regeln doch noch ziemlich sinnvoll. Gruppe ist halt nicht einfach (Familien)systeem in Gross. Ich habe sehr viel gelernt bei meiner Gruppentherapie-Ausbildung. Und die war im Verhältnis gar nicht so teuer.

Übrigens hat sich Belgien jetzt nach 20! Jahren Rumeierei entschieden Psychologen und Therapeuten getrennt anzuerkennen. Immerhin. Ich bin gespannt in welche Mühle ich hier dann komme :-/

Saunflowexr_73


@ PeeKlee:

Aber Gruppentherapie gehört eh zum Curriculum der Weiterbildung! Alle machen es, aber nach Approbation darf man es nicht abrechnen.

Inwiefern unterscheiden sich in Belgien denn Therapeuten und Psychologen? In D dürfen ja auch Nicht-Psychologen Kinder-/Jugendtherapeut werden; bei Erwachsenen ist der Zugang nur mit Diplom/Master mit klinischem Schwerpunkt möglich. Wobei die Weiterbildungsbedingungen für die KJP'ler noch miserabler sind.

TOestrYaxle


Allein in meinem entfernen Bekanntenkreis sind 10 Leute in Therapie, in meiner Familie sind weitere 5 Leute in Therapie. In dem Haus, wo ich wohne sind 3 Leute in Therapie. Innerhalb der letzten 5 Jahre waren 10 meiner Kollegen in Thearpie.

Eigenlich müsste halb Deutschland in Therapie, es wird niemals, so viele Plätze geben können, wie Bedarf besteht!!!

P[e7e~Klxee


nwiefern unterscheiden sich in Belgien denn Therapeuten und Psychologen? I

Bisher kann einfach jeder sich Therapeut nennen und sich ein chiques Schild an die Tür hängen. Es gibt keinerlei Abrechnungsmöglichkeiten mit der Krankenkasse. Therapie wird nicht bezahlt. Wer kein Geld hat, muss sich ans städische Ambulante Centrum wenden wo er dann Therapie zum verminderten Tarief bekommt. Das ist die Lage der "Therapeuten", wobei es einen festen Kreis der "Klassischen Therapeuten" gibt – halt alle die eine 4 jährige Ausbildung gemacht haben.

Das ist allerdings nicht verbunden an ein Masterdiplom Psychologie. Das kann man auch mit einem Bachelor Menschwissenschaften machen.

Und jetzt haben die Psychologen durchgeboxt dass sie als Gesundheidsberuf anerkannt werden und somit ambulant abrechnen können mit der Krankenkasse. Ich finde die Dialoge in den einschlâgingen Foren der Psychologen sehr erschreckend – diese Hochnäsigkeit den Bachelorleuten gegenüber. Dabei hilft mir das Uni-Studium nur marginal dabei ein gutes Gespräch führen zu können. Aber das ist eine Baustelle die mich jedes Mal wild werden lâsst. Alsob Master sein hilfreich ist für eine gute Arbeidsweise in der Praxis. Pfff.

a9ugz23x3


Das Angebot von Gruppentherapie durch Psychotherapeuten ist vielleicht deswegen so dünn, weil die wirkliche Erfahrung mit einer solchen Therapieform begrenzt ist. Meine Frau konnte diese Therapieform ohne Probleme bei der Bewilligung durch die Krankenkassen deswegen anbieten, weil sie vor dem Schritt in die Selbständigkeit über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren in einer Klinik solche Gruppen entweder selbst geleitet oder supervediert hat. In eigener Praxis hat sie dies fortgesetzt und mich als Co mit eingebunden. In dieser Form kann eine Therapiegruppe etwas leisten, keiner geht darin unter oder wird vergessen; Therapeut konzentriert sich auf jenen, der gerade dran ist; Co registriert, was der Rest der Gruppe macht.

Jdan7x4


@ sunflower

Danke für den ausführlichen Bericht. Dachte es wäre mehr Geld. Undankbare Entlohnung für so eine verantwortungsvolle Tätigkeit, finde ich. 3400 brutto ist zwar nun nicht "schlecht" aber wenn man sich anschaut was man in der freien Wirtschaft teilweise für vergleichsweise banale Tätigkeiten bekommen kann.. sicherlich frustrierend.

SWunfluopwer_73


@ PeeKlee:

Der Begriff "Psychotherapeut" ist in Deutschland geschützt; so dürfen sich nur Psychologen bzw. Ärzte mit zusätzlicher Weiterbildung nenne (die sich deutlich unterscheidet: Bei Psychologen halt die 4200 Stunden. Bei Ärzten eine beliebige Facharztausbildung plus ich meine 600 Stunden).

"Heilpraktiker für Psychotherapie" darf sich jeder nennen, der die Klausur beim Gesundheitsamt schafft. Darf sich dann aber nicht Psychotherapeut nennen.

Die Erwachsenen-Weiterbildung geht nur mit Diplom/Master in Psychologie. Kinder & Jugend geht auch mit Diplom/Master in (Sozial)Pädagogik, Heilpadädagogik oder halt Psychologie.

Bzg. Master:

Ich habe noch Diplom gemacht, aber auch im Bachelor & Master unterrichtet als Dozentin. Der Bachelor zumindest hier in D reicht NICHT aus für die Ausbildung. Klar, man lernt da nur (begrenzt) Gesprächsführung etc., aber mit nur einigen wenigen Stunden Vorlesung und Seminar in Klinischer Psychologie reicht es nun mal allein vom Störungs- & Interventionswissen nicht aus. Selbst die Berufsverbände fordern ja, dass es der Master sein muss. Was schon was heißt, v.a. vor dem Hintergrund, dass der Ausbildungsweg eh schon seeehr lang ist. Wobei immer mal wieder ein Direktstudium Psychotherapie diskutiert wird, um die teure Ausbildung zu umgehen. Fände ich bitter, weil man selber so viel gezahlt hat. Aber inhaltlich sinnvoll. Denn ich bin schon seit dem Hauptstudium so spezialisiert, dass ich von den anderen Bereichen (A&O, Pädagogische Psychologie) schlichtwehg NULL Ahnung habe und in dem Bereich kaum arbeiten könnte.

Und zumindest mit der Stuktur in D hat man mit dem Bachelor so gut wie keine Jobchancen. Der ist nicht viel wert. Es gibt praktisch keine Stellenausschreibungen. Und wenn, dann als keiner Testpsychologe, der halt nur testet. Für mickriges Gehalt.

@ Jan:

Joah, reich wird man nicht und Arbeit mit Menschen wird eh nicht gut bezahlt. Guck' Dir doch die Gesundheitsberufe an. Physiotherapie, Pflege,...: Alles viel Verantwortung, hohe Anforderungen – und wenig Geld.

Freundin von mir mit Bachelor in Wirtschaftsinformatik (3 Jahre Studium) verdient jetzt nach 6 Jahren netto mehr, als ich jemals brutto bekommen werde.

Und bzgl. Gehaltssenkung: Jeder Heilpraktiker für Psychotherapie (selbst die ohne Studium) können für eine Therapiesitzung mehr nehmen, als ein selbstständiger Therapeut für einen GKV-Patienten bekommt.

Man macht den Job zumindest heutzutage wirklich nur, wenn man es wirklich will. Aber nicht, um riech zu werden. Wenn man niedergelassen hart arbeitet, wenig Urlaub macht und eben nur wenig für die Praxis bezahlt hat (= keine Schulden), dann kann man aber durchaus GUT verdienen.

@ aug233:

Hat Deine Frau das in der Übergangszeit nach Einführung des Psychotherapeutengesetzes beantragt? Damals war mehr möglich. Aber für alle, die danach die Ausbildung machen mussten (erste Kurse ab 1999, d.h. erste Examen und Absolventen gab es 2003), werden deutlich über 100 Stunden Gruppenerfahrung gefordert. Plus 25 Stunden Supervision. Und auch wenn viele in der Klinikzeit während der Ausbildung an die 100er-Grenze rankommen, gibt's nie genug Supervision dafür. Also muss man wieder nachlegen. Mittlerweile ist die Gruppenqualifikation oder zumindest das Teilerreichen der geforderten Stundenzahlen wichtiges Kriterium bei der Vergabe von Kassensitzen durch die KV.

S`unfElowe)r_7x3


@ Nurahion:

Ich sage ja, bei TP bin ich nicht sicher... Das mit den "erst nur 25" beruht darauf, dass man nach einer best. Zahl bewilligter Therapien "gutachtenbefreit" ist. d.h. für 25 Sitzungen nur noch den Antrag stellen muss, aber ohne Gutachten. Daher machen erfahrene Therapeuten immer erst nur 25.

Ich bin noch nicht gutachtenbefreit, daher beantrage ich als VT'lerin immer gleich 45 Sitzungen. Ein Gutachten statt 2 – und frühzeitig beenden kann man die Therapie dann ja trotzdem, wenn es gut läuft. Hatte einige Male dann nur 30-35 Sitzungen.

aPug2V33


Sunflower, was treiben die heute ausbildenden Kliniken? In einer mir bekannten Klinik lautete das Konzept: Therapeut betreut 10 Patienten (Klienten), die gleichzeitig 2x pro Woche an der Gruppe teilnehmen, jeweils Doppelstunde. Bei 40 Arbeitswochen im Jahr kommt damit ein Therapeut auf etwa 80 Gruppentherapiestunden. Chefärztin, Oberärztin, Leitender Psychotherapeut teilten sich in die Supervision der Gruppentherapiestunden – praktisch lief jede Gruppentherapiestunde unter Supervision! Mir ist sehr wohl bekannt, dass dieses Konzept nicht weit verbreitet ist. Sehr oft berichteten Klienten nach einem Heilverfahren, dass sie in der Gruppentherapie mit einem Therapeuten allein zusammen gesessen haben.

Die Bewilligungsanträge zu den Gruppenstunden liefen für die ersten 30 oder 40 Klienten natürlich über die Gutachter, danach erfolgte Befreiung.

Schade, dass Konkurrenzdenken hält viele Therapeuten/innen von einem entspannten Arbeitsleben ab. "Wie löst Du das Problem?" – bei Handwerkern selbstverständlich. Bei Psychotherapeuten?

S[unfLlo7wer_7x3


@ aug233:

Ja, das fehlende Miteinander. Sobald man im Sattel sitzt, fährt man die Ellenbogen aus. Schicke Dir die Tage mal eine PN dazu (bin Dir eh noch eine Antwort schuldig!). Merke aber, dass ich mit meinem Gutmenschendenken und Naivität immer nur auf die Nase falle.

Sunflower, was treiben die heute ausbildenden Kliniken? In einer mir bekannten Klinik lautete das Konzept: Therapeut betreut 10 Patienten (Klienten), die gleichzeitig 2x pro Woche an der Gruppe teilnehmen, jeweils Doppelstunde. Bei 40 Arbeitswochen im Jahr kommt damit ein Therapeut auf etwa 80 Gruppentherapiestunden. Chefärztin, Oberärztin, Leitender Psychotherapeut teilten sich in die Supervision der Gruppentherapiestunden – praktisch lief jede Gruppentherapiestunde unter Supervision!

Ich war die einzige Psychologin auf Station mit 23 Betten. Habe meinen Stationsarzt (frisch von der Uni) drei Monate eingearbeitet, d.h. der hat in der Zeit nix gemacht. Und erst recht nicht allein. Die wichtigsten medizinischen Sachen (Entzugsstation!) liefen über einen 75jährigen Honorararzt. Neurologe und von moderner Therapie keine Ahnung. Nett und herzensgut, aber... Chefarzt war nicht präsent (doch, für die Assistenzärzte). Oberarzt war nett, aber außer zur Visite 1x pro Woche habe ich ihn nur gelegentlich gesehen oder im Notfall angefunkt. Betreute 2 Stationen... Von 7 Psychologen war nur einer approbiert, der war mit der Psychotherapiestation aber voll ausgelastet. Leitender Psychotherapeut: Was ist das?

Reguläre Supervision gab es einfach nicht. Ich habe auch 2 Gruppen pro Woche gemacht, aber "Supervision" erfolgte durch das (tolle und erfahrene) Pflegeteam. Hatte einen externen Supervisor, aber eben auch noch 8 ambulante Patienten und die Supervision war damit voll, so dass der Supervisor nicht für die Gruppentherapie unterschreiben wollte.

Was die heute "ausbildenden" Kliniken treiben? Ausbeute. Anleitung geht gegen Null, Supervision meist auch. Man ist billige Arbeitskraft (800€ brutto für die 30-Stunden-Stelle, und das war schon gut. Kollegen in anderen Kliniken haben bei der Stundenzahl z.T. nur 150-300€ bekommen. Die Uniklinik vor Ort macht einen 25%-Vertrag für die 42-Stunden-Woche mit Wochenendvisiten... Macht rd. 550€ netto...). Man besetzt reguläre Stellen mit Ausbildungskandidaten, spart massiv an Personal. Aber der Passus, dass man in den Kliniken "mitbeteiligt" ist und "angeleitet" wird, existiert nur auf dem Papier. Darum kocht es gerade auch so...

a}ug2c3x3


Erschreckende Ausbildungssituation – keine Ahnung ob repräsentativ.

Die geschilderte Personalausstattung in einer Reha-Klinik des Rentenversicherungsträgers (bei privatem Klinikträger) hat sich nicht wesentlich verändert. Es geht also auch anders.

S"unfLlpoweLr_7x3


In der Region und hier in NRW durchaus repräsentativ. Für Berlin & Hamburg ebenfalls. Zu viele Unis & Ausbildungsinstitute und attraktive Städte.

Soweit ich weiß, kommen Reha-Kliniken zumindest für die 1200 Stunden stationärer Ausbildung auch nicht in Frage, weil es um Akutpsychiatrie geht (Abdeckung ALLER Störungsbilder) und die Landesprüfungsämter Rehakliniken bestenfalls für die weiteren 600 stationären Stunden anerkennen. Ich hatte jam it der Suchtstation Schwierigkeiten, genügend Störungsbilder aus dem gesamten Spektrum zusammenzubekommen.

N]uriariuhzyoxn


@ Sunflower

Das hört sich extrem nervig an. Da frage ich mich unwillkürlich, wie das bei meiner Therapeutin (ärztliche Psychotherapeutin mit Dr. med) wohl ablief. Bin ja auch in NRW.

Klingt alles extrem undankbar. Wenn meine Thera mit mir durch ist und dann noch nicht selbst eine Therapie braucht bringe ich einen fetten Blumenstrauß mit ;-D

a\ug23x3


Da frage ich mich unwillkürlich, wie das bei meiner Therapeutin (ärztliche Psychotherapeutin mit Dr. med) wohl ablief. Bin ja auch in NRW.

Alles eine Frage, zu welchem Zeitpunkt sie die Ausbildung abgeschlossen hat und die Anerkennung als Fachärztin beantragen konnte. Da gab es praktisch drei Zeitstufen.

P^eeBKnlexe


für Interessierte:

[[http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/junge-psychotherapeuten-ausbildung-oder-ausbeutung-a-939348.html]]

Ich glaube, Sunflower weiss worüber sie schreiben... *:)

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