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Mögliche (drohende?) Entwicklungen in der Psychotherapie?

_@ParLvatxi_


Wie ist das eigentlich wenn man seine Therapie selber bezahlen will? Dann kommt man um alle diese Dinge drumrum, oder?

Ich würde es generell für sinnvoller halten, wenn man als Patient wenigstens eine Zuzahlung leisten muss. Fast überall muss man zuzahlen... für Physiotherapie, Medikamente, Krankenhausaufenthalte... warum nicht auch bei einer Psychotherapie?

a+uug233


Parvati, im Grundsatz ist Dein Vorschlag der Zuzahlung genau richtig. Wenn ich selbst etwas finanziell dazu leisten muss, dann erwarte ich eine entsprechende Gegenleistung und will in der Regel auch Erfolge sehen. Vermutlich sind zwischen 10% und 30% aller P=sychotherapien vergeudete Therapeutenleistung, weil die Empfängerseite nicht damit umgehen kann und eine wirkliche Veränderung im eigenen Lebensstil nicht will.

Man muss sich hier ja sehr vorsichtig ausdrücken um niemandem auf den berühmten Zeh zu treten.

Meine Meinung beruht auf Erfahrung und in den letzten 5 Jahren wird sich so viel nicht geändert haben.

BEarchelAon7etxa


Fast überall muss man zuzahlen... für Physiotherapie, Medikamente, Krankenhausaufenthalte... warum nicht auch bei einer Psychotherapie?

Ich verstehe zwar den Gedanken dahinter, aber ich denke, die Umsetzung wäre sehr schwierig. Wir sprechen hier ja nicht von einer homogenen Gruppe an möglichen Krankheitsbildern. Ein Teil davon hat zur Folge, dass bereits die riesigen Hürden, bis man einen Therapie- oder Klinikplatz bekommt, für einen Erkrankten fast nicht zu überwinden sind. Zudem sind manche Krankheitsbilder potentiell tödlich oder führen zumindest zu einer temporären oder dauerhaften Erwerbslosigkeit. Da ist das natürlich eine zusätzliche Hürde – wo kommt das Geld her? Für mich war damals die Zuzahlung zum Klinikaufenthalt ein fast unlösbares Problem. Wie unterscheidet man jetzt "leistungsfähige" Psychotherapiepatienten von denen, die man damit ins Verderben treibt oder die nicht mehr arbeitsfähig werden (und dann natürlich keine Steuern zahlen, was den Effekt ja wieder umkehrt, den man durch Zuzahlung anstrebt)? Da müssten dann wieder Chronikerregelungen her, wie bei Medikamenten auch. Nur kann die Überprüfung auf irgendwelche Gnadenkriterien auch wieder zur Folge haben, dass es für diejenigen, die die Hilfe am nötigsten hätten, noch unmöglicher wird, sie in Anspruch zu nehmen.

axug23x3


@ Barceloneta,

die Hindernisse sind von Dir korrekt angesprochen worden.

Eine Selbstbeteiligung führt unter dem Strich nicht zu kürzeren Wartezeiten.

SLunf4lo$wer_73


@ Barceloneta & aug:

:)z :)^

Die Komplexität hat Barceloneta ja schon angesprochen. Man sollte hier die Kosten des Verwaltungsaufwandes für irgendwelche Zuzahlungs- & Befreiungsregelungen auch nicht unterschätzen...

aMuCgZ23x3


Was wäre, wenn durch irgendein System mit Zuzahlung plötzlich genügend freie Therapieplätze zur Verfügung stehen? Ein Geringstverdiener ohne Kapitalpolster (soll es zunehmend geben) bricht heute psychisch zusammen. Therapeut hat freien Platz, aber nur gegen Eigenbeteiligung. Befreiung auf Antrag möglich. Wer bearbeitet den Antrag? Wer entscheidet darüber? Wer ist daran beteiligt? Wenn die Sache mit einem Behindertenausweis vergleich bar ist, welche Zeiten gehen da ins Land! Ein halbes Jahr, ein Jahr! Bis dahin hat sich der Therapiebedarf entweder erledigt oder derjenige ist in einem Fachkrankenhaus gelandet. Hat ihm der theoretisch sofortige Therapieplatz etwas genützt?

_&ParxvatJix_


Da ist das natürlich eine zusätzliche Hürde – wo kommt das Geld her?

So hart das jetzt klingt: Man muss eben immer mal was zur Seite legen für schlechte Zeiten. Man weiß nie, für was man es mal braucht. Gesundheit kostet eben nun mal. Bei Zuzahlungen ist es ja jetzt auch nicht so, dass man ständig zuzahlen muss. Es gibt ja, je nach Einkommen, eine Belastungsgrenze. Wenn man diese überschreitet, kann man eine Zuzahlungsbefreiung beantragen. Also alles, was dann über die Belastungsgrenze hinaus geht, muss man nicht mehr zuzahlen.

Da müssten dann wieder Chronikerregelungen her, wie bei Medikamenten auch.

Die Chronikerregelung gilt nicht nur für Medis. Sie gilt generell für alle Zuzahlungen (also auch für Heil- und Hilfsmittel, Krankenhauskosten etc.). Wenn man chronisch Krank ist, heißt das ja nur, dass man statt 2% nur noch 1% vom (Familien)bruttoeinkommen zuzahlen muss. Wenn man Hartz IV bezieht, dann ist die Berechnung etwas anders. Das wird die Belastungsgrenze anhand des aktuellen Regelsatzes berechnet. Aufs Jahr gerechnet, müsste dann ein Alleinstehender Hartz IV Bezieher um die 80€ im Jahr zuzahlen und, wenn dieser chronisch krank ist sind es um die 40€. Dürfte in etwas hinkommen. Genaue Zahlen habe ich da jetzt auch nicht zur Hand.

SMunfl[owerx_73


Das mit dem Beiseite-Legen: Theoretisch schön. Praktisch oft kaum machbar. Ich kann's nicht. Und gerade die psychisch Kranken gibt's oft schon eine lange Leidensgeschichte etc., die das noch erschwert.

Wir brauche nicht noch mehr Spaltung in arm und reich, in "kann sparen" vs. "kommt gerade so über die Runden und hat halt Pech gehabt, dass er/sie jetzt auch noch Therapie braucht".

Außerdem fällt es psychischen Sachen die Einstufung oft schwerer... wird öfter von den entsprechenden Stellen angezweifelt... Oder es kommt dann doch irgendein "Medikamentenzwang" zum Tragen. Ich hoffe daher, dass nie jemand auf diese dumme Idee kommt.

Und: Wann ist eine psychische Erkrankung chronisch?

Und: Psychotherapie läuft (noch?) auch länger als ein bisschen Physiotherapie. an der habe bspw. ich aber schon gespart, weil das Geld einfach nicht da war.

A*iyan"a89


Sunflower: Meinst du die Situation für Therapeuten könnte sich bessern? Ist ja schon seit Jahren so... aber wenn es jetzt wieder hochkocht? Je schlimmer die Politik es macht, desto höher ist vielleicht auch die Chance, dass man damit gehörig auf die Nase fällt.

Und würdest du es heute noch empfehlen den Weg des Therapeuten einzuschlagen? Oder abraten?

_dPatrvaxti_


Das mit dem Beiseite-Legen: Theoretisch schön. Praktisch oft kaum machbar. Ich kann's nicht. Und gerade die psychisch Kranken gibt's oft schon eine lange Leidensgeschichte etc., die das noch erschwert.

Das sparen nicht immer und bei jeden möglich ist, ist mir auch klar. Da müssen dann eben spezielle Härtefallregelungen her oder man muss eben später zahlen. Eine notwendige Behandlung geht meiner Meinung nach immer vor, egal, ob sich dies der Patient momentan leisten kann oder nicht.

Aber davon mal abgesehen: Was unterscheidet einen psychisch Kranken so sehr von einem körperlich Kranken?

Wenn ich mal für länger ins Krankenhaus muss, dann müssen die 10€ pro Tag auch irgendwie bezahlt werden. Klar ist das Mist. Ich wäre auch froh, wenn es keine Zuzahlungen gäbe. Aber das System muss ja auch irgendwie finanziert werden. So eine Zuzahlung sollte natürlich auch einen sinnvollen Zweck haben. Sicher nicht den, um die Taschen der Krankenkassen weiter zu füllen.

Und: Wann ist eine psychische Erkrankung chronisch?

Ab wann jemand chronisch krank ist, ist doch klar geregelt:

Unter einer chronischen Erkrankung versteht man eine länger andauernde, schwer heilbare Krankheit. In der gesetzlichen Krankenversicherung hat die Definition "schwerwiegend chronische Erkrankung" im Rahmen der Härtefallregelungen Auswirkungen auf die Höhe der Belastungsgrenze des Versicherten innerhalb eines Kalenderjahres. [...]

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat in einer Richtlinie definiert, dass als schwerwiegend chronisch krank einzustufen ist, wer seit mindestens einem Jahr lang wenigstens einmal pro Quartal wegen derselben Krankheit in ärztlicher Behandlung ist und zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllt:

[...]

Wegen der vorliegenden Erkrankung ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung (z. B. ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) erforderlich, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Krankheit, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist. Der kontinuierliche medizinische Versorgungsbedarf sowie das ebenfalls erforderliche therapiegerechte Verhalten des Patienten muss von einem Arzt bescheinigt werden. Zu einem therapiegerechten Verhalten zählen z. B. die regelmäßige Einnahme verordneter Medikamente oder die Teilnahme an Seminaren zu chronischen Erkrankungen, die von Krankenkassen angeboten werden.

Quelle: [[http://www.aok-bv.de/lexikon/c/index_00275.html]]

Psychotherapie läuft (noch?) auch länger als ein bisschen Physiotherapie.

Kommt auf die Erkrankung an. Auch Physiotherapie kann sich ziehen, falls dies nötig ist. Bei manchen Patienten werden 6 Sitzungen nicht immer ausreichen.

BParcelronexta


Das sparen nicht immer und bei jeden möglich ist, ist mir auch klar. Da müssen dann eben spezielle Härtefallregelungen her oder man muss eben später zahlen. Eine notwendige Behandlung geht meiner Meinung nach immer vor, egal, ob sich dies der Patient momentan leisten kann oder nicht.

Wie gesagt, ich kann deinen Grundgedanken ja schon nachvollziehen. Ich denke nur, dass er nicht umsetzbar ist oder die Situation für Betroffene noch auswegsloser macht, als es bisher schon der Fall ist. Es errichtet zusätzliche Hürden und Verzögerungen an einer Stelle, an der sie bereits wahnwitzig hoch sind. Die Härtefallregelungen würden, wie schon ausgeführt wurde, den Prozess nocheinmal deutlich länger und komplexer machen.

Aber davon mal abgesehen: Was unterscheidet einen psychisch Kranken so sehr von einem körperlich Kranken?

Das kommt darauf an, welche körperliche Krankheit du meinst. Je nach Krankheitsbild lähmen psychische Krankheiten den Betroffenen vollkommen. Sie machen ihn Handlungsunfähig, körperlich und im Geiste. Zusätzlich sind die Krankheiten oft sehr kräftezehrend, weil sie extrem langwierig sind. Nicht selten endet das ganze mit dem Tode. Der Patient ist leicht in einen Zustand totaler Hoffnungslosigkeit zu versetzen. Sprich, wenn man ihn vor eine finanziell für ihn schwer zu überwindende Hürde stellt und er verzweifelt dann verschlimmert das die Krankheit. Wie gesagt, ich hatte das mit dem stationären Aufenthalt. Mir war nämlich nicht bewusst, dass ich das zahlen muss, weil ich noch nie im Krankenhaus war. Rücklagen hatte ich keine, weil ich Studentin war. ich war erstmal völlig verzweifelt. Was das für jemanden heißt, der sowieso schon komplett labil ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Bei mir ist der schmale Grat zwischen "Durchhalten" und "ich will nicht mehr leben" in den Hochphasen meiner Erkrankung extrem leicht überschritten worden. Und mir ist ja so schon bis heute nicht klar, wie ich es damals eigentlich überhaupt geschafft habe, mir Hilfe zu holen. Die Kassen tun nämlich jetzt schon alles dafür, um einen daran zu hindern.

_5Parvmatix_


Ich denke nur, dass er nicht umsetzbar ist oder die Situation für Betroffene noch auswegsloser macht, als es bisher schon der Fall ist. Es errichtet zusätzliche Hürden und Verzögerungen an einer Stelle, an der sie bereits wahnwitzig hoch sind.

Hürden vielleicht ja... Verzögerungen? Wo?

Die Härtefallregelungen würden, wie schon ausgeführt wurde, den Prozess nocheinmal deutlich länger und komplexer machen.

Inwiefern?

Ehrlich gesagt, sind wir, was die Kostenübernahme für die Psychotherapie betrifft, noch recht gut dran. Die Frage ist nur, wie lange das noch so anhält...

Das kommt darauf an, welche körperliche Krankheit du meinst. Je nach Krankheitsbild lähmen psychische Krankheiten den Betroffenen vollkommen. Sie machen ihn Handlungsunfähig, körperlich und im Geiste. Zusätzlich sind die Krankheiten oft sehr kräftezehrend, weil sie extrem langwierig sind. Nicht selten endet das ganze mit dem Tode. Der Patient ist leicht in einen Zustand totaler Hoffnungslosigkeit zu versetzen. Sprich, wenn man ihn vor eine finanziell für ihn schwer zu überwindende Hürde stellt und er verzweifelt dann verschlimmert das die Krankheit.

Ist doch bei manchen körperlichen Kranken – die, je nach Schwere der Erkrankung, nicht selten auch psychische Probleme haben – nicht viel anders.

Wie gesagt, ich hatte das mit dem stationären Aufenthalt. Mir war nämlich nicht bewusst, dass ich das zahlen muss, weil ich noch nie im Krankenhaus war.

Nimms mir nicht übel, aber sowas sollte man wissen, selbst, wenn man noch nicht in einem Krankenhaus war. Spätestens, wenn man nicht mehr bei seinen Eltern familienversichert ist und sich selbst versichert, sollte man sich mit den Leistungen seiner Krankversicherung auseinandersetzen. Schon allein deshalb, damit es nicht mal zu so einem bösen Erwachen kommt, wie bei dir.

Rücklagen hatte ich keine, weil ich Studentin war. ich war erstmal völlig verzweifelt. Was das für jemanden heißt, der sowieso schon komplett labil ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

Das ist bei dir schlicht dumm gelaufen und ist zum Glück auch nicht die Regel.

BearceloLneta


@ Parvati

Sorry für die knappe Antwort, ich bin auf dem Sprung @:) Hoffentlich hab ich danach etwas mehr Zeit. Nur kurz dazu:

Nimms mir nicht übel, aber sowas sollte man wissen, selbst, wenn man noch nicht in einem Krankenhaus war. Spätestens, wenn man nicht mehr bei seinen Eltern familienversichert ist und sich selbst versichert, sollte man sich mit den Leistungen seiner Krankversicherung auseinandersetzen. Schon allein deshalb, damit es nicht mal zu so einem bösen Erwachen kommt, wie bei dir.

Da ich, wie ich ja schrieb, noch Studentin war (ganz am Anfang des Studiums) war ich natürlich noch familienversichert. Und in dem Moment war es mir auch nicht möglich, vorher irgendwas zu recherchieren – ich habe den ganzen Tag im Bett gelegen und war nicht mal mehr in der Lage, mich selbst zu ernähren.

Hürden vielleicht ja... Verzögerungen? Wo?

Wegen der Bearbeitungsdauer der Kostenübernahme für Härtefälle o.ä., also Fälle, in denen die Therapie nötig ist und derjenige nicht selbst bezahlen kann. In dem Zustand jemanden zu suchen, der einen Therapieplatz frei hat und mit dem man dann auch etwas anfangen kann und der dann noch die Zeit hat, zu warten, bis irgendwelche Befreiungen beantragt und durchgewunken wurden, ich weiß nicht.. scheint mir fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

_hParDvaztix_


Da ich, wie ich ja schrieb, noch Studentin war (ganz am Anfang des Studiums) war ich natürlich noch familienversichert. Und in dem Moment war es mir auch nicht möglich, vorher irgendwas zu recherchieren – ich habe den ganzen Tag im Bett gelegen und war nicht mal mehr in der Lage, mich selbst zu ernähren.

Wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, zu recherchieren, dann sehe ich das ein. Es geht mir aber eher darum, bevor man überhaupt erkrankt. Haben dass deine Eltern mit der Zuzahlung auch nicht gewusst? Haben die dich wenigstens unterstützt und eventuell gar die Zuzahlung für das KH getragen? Es gibt ja immer irgendwie einen Weg Hilfe zu bekommen und sei diese finanziell.

Wegen der Bearbeitungsdauer der Kostenübernahme für Härtefälle o.ä., also Fälle, in denen die Therapie nötig ist und derjenige nicht selbst bezahlen kann.

Die Krankenkasse kann doch erst einmal in Vorleistung gehen. In der Zwischenzeit kann diese entscheiden, ob ein Härtefall vorliegt oder nicht. Am einfachsten kann man einen Härtefall am Einkommen festmachen, wird ja z.B. bei den Kosten für Zahnersatz schon so gemacht.

Manchmal regeln sich solche Fälle eh schon von allein, da der Patient z.B. schon von der Zuzahlung befreit ist.

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