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sich abgrenzen- wie?

fnlbatwhxite hat die Diskussion gestartet


Ich weiß seit längerem, dass ich ein Problem habe, aber nachdem ich es erst selbst versucht habe zu lösen und es mir nicht gelingt frage ich euch.

Zu meiner aktuellen Situation:

Ich bin anscheinend ein recht guter Zuhörer und eine noch bessere Ratgeberin...und so froh ich bin, dass ich anscheinend die Gabe habe anderen weiterzuhelfen fühle ich mich manchmal überfordert, und gleichzeitig schuldig und doof das zu sagen.

Ich habe Freunde und Bekannte und sogar Freunde von Bekannten und auch nur kurze Partybekanntschaften (einmal gesehen) kommen zu mir um mich um Rat zu fragen, sich mit mir zu unterhalten. Sie heulen sich nicht aus, sondern sie kommen zum Teil wirklich einfach um mit mir zu reden und vor allem um meine Meinung zu hören, meine Sichtweise zu hören, oder zum Teil sogar einfach um bei mir zu sein. Und ja, es ist toll, und ich freue mich wirklich sehr wenn ich merke und zu hören bekomme, dass ich gut tue, entspanne, ihnen neue Denkansätze und Lösungswege gezeigt habe, und viele sagen auch, dass Gespräche mit mir auf allerlei Ebenen interessant seien, wahrscheinlich weil ich den Menschen zuhöre und anscheined oft 'komische Fragen' stelle. ich denke, ich bin gut darin mit auf Menschen zu konzentrieren. Auf Partys falle ich auf und Menschen die normalerweise eher weniger reden oder sich oft unwohl fühlen fühlen sich mit mir wohl, Leute, die üblicherweise bei anderen als arrogant oder schwierig genannt werden, werden bei mir sozial, freundlich, offen und fröhlich.

Ja, ich freue mich wirklich total darüber und mache das natürlich auch sehr gerne. Ich freue mich darüber, dass ich anscheinend als eine gute Person wahrgenommen werde, und ich liebe es, wenn ich hinterher höre, dass die Person durch mich in irgendwas weitergekommen ist, gesünder, glücklicher, Entscheidungen fällen konnte etc ist.

Dies ist keine überzogene Selbstdarstellung von mir, es ist wirklich so. Von vielen werde ich als etwas besonderes bezeichnet, man vertraut auf mich, und klar, es ist schön wenn man merkt, man tut anscheinend etwas richtig.

Aber: ich fühle mich manchmal damit überfordert und hatte vor ein paar Wochen beschlossen, dass ich mir selbst Prioritäten setzen muss um mit meinem eigenen Leben voranzukommen. Das bedeutete auch, dass ich aufpassen musste, dass ich mir meine Zeit zum Lernen nehme und Freunden oder Bekannten auch mal sagen muss, dass ich eben nicht kann.

Angefangen hat es damit, dass mein Mitbewohner mir etwas erzählen wollte als ich gerade nach Hause kam, noch ehe ich meine Sachen ausgezogen hatte. Seit ein paar Wochen geschah das häufiger, dass er auf mich einstürmte wenn ich noch in der Tür stand um mir seine Sachen zu erzählen. Ich meinte, dass es besser wäre, wenn wir das etwas verschieben würden, da ich gerade selbst noch lernen wollte. Am nächsten Tag bekam ich von Freunden zu hören, dass er beleidigt war. Das wiederholte sich ein paar Mal, und anstatt mir mehr Freheit zu geben erwartet er jetzt noch mehr von mir, man merkt, dass er unsicher ist, obwohl ich im natürlich immer wieder auch zuhöre, aber eben ab und zu auch mal sage, wenn es gerade nicht geht.

Anderes Beispiel: Eine Bekannte, die ich gerade näher kennengelernt hatte, wollte mir etwas erzählen. An sich freute ich mich, weil sie normalerweise eher eine Person ist, die eben wenigen vertraut. Und eigentlich fand ich es schön, dass sie mich so ehrlich um meine Meinung bat. Ich war auch da gerade am lernen und meinte ob wir das verschieben könnten. Das es dringend war, habe ich im dann aber doch zugestimmt...es war nichts schlimmes, sondern einfach etwas was sie gedanklich beschäftigte.

Ich habe auch schon ein paar mal die Erfahrung gemacht, dass sich Leute plötzlich, wenn sie merkten, dass ich für sie nicht immer für sie da sein kann, auf einmal verletzt, beleidigt und am Ende hasserfüllt sich von mir abgewendet haben, mir einen fiesen Brief schrieben, wie enttäuscht und traurig sie wären, und nicht weil ich aktiv gemein war, sondern weil ich ihnen nicht immer die gleiche Aufmerksamkeit geben kann.

Das ist das eine Problem: Ich bin sehr neugierig und offen, ich höre gerne zu und denke automatisch mit, sodass viele Menschen anscheinend den Eindruck bekommen, dass sie für mich etwas besonderes sind, weil ich aufmerksam zuhöre und anscheinend gut darin bin gute Antworten zu geben oder Fragen zu stellen etc.

Und wenn sie dann hinterher merken, dass das aber einfach meine Art ist, und es im Prinzip weniger mit ihnen selbst als mit meiner Art mit Menschen umzugehen zu tun hat, sind sie beleidigt du enttäuscht anstatt mich so anzunehmen!

Was soll ich tun? Und wie schaffe ich Distanz?

Und wie wirkt das alles auf euch?

Ich höre wirklich gerne zu, und natürlich ist es supertoll, dass man sich was aus meiner Meinung macht, aber manchmal habe ich auch das Gefühl, als eine Art Funktion gesehen zu werden, eben weil es den leuten schwerfällt es zu akzeptieren, wenn ich auch mal gerade nicht zum Reden bereit bin.

Antworten
EGhemgal+iger NJutze4r$ (#v530218x)


Hallo flatwhite,

du hast dein Problem ja schon selbst ausfindig gemacht. ;-)

Das ist das eine Problem: Ich bin sehr neugierig und offen, ich höre gerne zu und denke automatisch mit, sodass viele Menschen anscheinend den Eindruck bekommen, dass sie für mich etwas besonderes sind, weil ich aufmerksam zuhöre und anscheinend gut darin bin gute Antworten zu geben oder Fragen zu stellen etc.

Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass viele Menschen sich davon sehr geschmeichelt fühlen, dass du so intensiv auf sie eingehst gedanklich. Außerdem ist sowas eher selten – zumindest gegenüber reinen Bekannten/Fremden.

Andererseits gibt dir das doch wiederum eine gewisse Macht: Wenn der andere deine "Funktion" in Anspruch nehmen möchte, will er ja etwas von dir – nicht umgekehrt. Allein aus diesem Grunde muss sich der andere halt damit abfinden, dass du nicht permanent verfügbar bist. Ist außerdem eh das gute Recht eines Jeden. Da musst du eben nicht einknicken und dir ein schlechtes Gewissen machen lassen. Du hast an der stelle schon mehr "für den anderen" getan als weithin üblich ist. Deine Fähigkeit sich gut in die Situation des anderen hineinzuversetzen ist keine Dienstleistung, auf die man ein Anrecht erwerben kann. Erst recht nicht gratis.

Ich würde dir raten, dass du dir bewusst aussuchst, auf wen du dich so weit einlässt gedanklich und es trainieren, auch mal nur nach deinen Bedürfnissen zu gehen statt stets die Perspektive des anderen zu berücksichtigen und deine Belange hintenanzustellen. Wenn du deine Bedürfnissen und deiner Person eine höhere Prorität einräumst, werden andere dich in diesen Punkten zwangsläufig ernst nehmen, wenn es nicht zum Kontaktabbruch kommen soll. Du solltest dir immer wieder klar machen, dass du nicht verpflichtet bist für andere da zu sein. Erst recht nicht auf deine Kosten. Mit deinem Freund sollten bspw. Kompromisse möglich sein ohne dass er beleidigt/gekränkt ist, dass du nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehst, damit er mit dir über sich reden kann.

Sowas wie gesunder Egoismus und "Narzissmus" eben. Narzissmus in Anführungsstrichen, weil die meisten das "gesund" gerne überlesen und gleich an die pathologische Form denken. Ähnliches beim Wort "Egoismus", das z. B. für mich nicht per se negativ besetzt ist.

E`hema9liger aNutzeTr (#5r30218)


Ich habe auch schon ein paar mal die Erfahrung gemacht, dass sich Leute plötzlich, wenn sie merkten, dass ich für sie nicht immer für sie da sein kann, auf einmal verletzt, beleidigt und am Ende hasserfüllt sich von mir abgewendet haben, mir einen fiesen Brief schrieben, wie enttäuscht und traurig sie wären, und nicht weil ich aktiv gemein war, sondern weil ich ihnen nicht immer die gleiche Aufmerksamkeit geben kann.

Dass scheint mir kein echter Verlust für dich zu sein. Es ist völlig normal, dass man nicht immer jedem gleich aufmerksam gegenüber sein kann und zudem auch mal Phasen hat, in denen man für sich selbst viel Zeit braucht (die man sich auch legitimerweise nehmen sollte).

Soweit ich das verstanden habe, wollen sich die Leute bei dir auch primär "ausquatschen". Sind die denn umgekehrt unter'm Strich ähnlich aufmerksam im Rahmen ihrer Möglichkeiten für dich da, wenn du über etwas reden möchtest oder sonstwie etwas von denen möchtest?

E_hemal>igZer Nutzecr (#530x218)


Ja, ich freue mich wirklich total darüber und mache das natürlich auch sehr gerne. Ich freue mich darüber, dass ich anscheinend als eine gute Person wahrgenommen werde, und ich liebe es, wenn ich hinterher höre, dass die Person durch mich in irgendwas weitergekommen ist, gesünder, glücklicher, Entscheidungen fällen konnte etc ist.

Dies ist keine überzogene Selbstdarstellung von mir, es ist wirklich so. Von vielen werde ich als etwas besonderes bezeichnet, man vertraut auf mich, und klar, es ist schön wenn man merkt, man tut anscheinend etwas richtig.

das ist zwar ein angenehmer "Lohn" für deine Mühen, aber du solltest dich selbst nicht davon abhängig machen, dass man dich so wahrnehmen soll/der andere dich nicht für einen schlechten Menschen halten soll (wenn du mal keine Zeit hast etc.). Wenn du unabhängiger von der Beurteilung des Gegenübers wirst/bist(?), dann fällt es dir bedeutend leichter deine Interessen entgegen den Erwartungen des anderen an dich zu vertreten. Wenn du dagegen stets bemüht bist, dem positiven Fremdbild zu entsprechen, dann machst du dich selbst in gewisser Hinsicht abhängig.

AWpfel_kuchen00x7


Hey Flatwhite,

nun da hast du aber eine starke soziale Ader :-) und die scheint wohl eine deiner Stärken zu sein. Nuun, da sich deine Stärke so langsam zum Problem entwickelt, solltest du sie etwas ausbremsen.

Was Snaiperskaja [VSS] geschrieben hat, dem kann ich mich ganz anschließen. Du musst DICH an erste Stelle setzen und dann aufhören zuerst nach den Bedürfnissen der anderen zu gucken. Mir scheint es so, als hättest du dich selbst in den ganzen Bedürftigkiten deiner Bekannten verloren. Und du fängst sogar schon an dich über diese starke soziale Ader ( nenne ich jetzt mal so) zu definieren...also nach dem Motto: ich bin toll, weil ich so gut Anderen zuhören kann. Das finde ich bedenklich und da solltest du dich von wirklich abgrenzen, sonst besteht die Gefahr dass du vor lauter Problemen der Anderen gar nicht mehr weißt wer du bist und was du willst. Du bist nicht in erster Linie eine Zuhörerin, sondern ein Mensch, der auch viele andere Facetten als nur das Zuhören , besitzt. Und das geht schon mal gar nicht, dass andere wie dein Mitbewohner beleidigt reagieren, wenn du nicht zuhören kannst :|N . Da kannst du schon mal sehen, wie selbstverständlich das bereits von den Leuten um dich herum geworden ist, dass du immer da bist und nett zuhörst :|N :(v . SO geht das gar nicht.

Also mein tipp an dich wäre, dich mit Leuten zu umgeben, die gerne DIR zuhören und denen du dann auch zuhörst. Diese ganzen anderen Seelenausheuler, die beleidigt reagieren, wenn du nicht zuhörst und die nicht bereit sind, dir zuzuhören, solltest du ganz klar und bestimmt aus deiner Nähe wegkicken. Die nützen dir nichts, die wollen nur was von dir und sind nicht bereit, dir etwas zu geben. Sie wollen sich nur auskotzen und dich dafür benutzen, sonst interessieren sich nicht für dich. Und solche Kontakte laugen aus und sind total schädlich. Also weg damit. Trainiere einen gesunden Egoismus und gucke mehr auf dich selbst. Und definiere dich nicht nur über "Ich bin nur was wert, weil ich gut zuhören kann und mich andere deswegen mögen" :|N . Komme da bloß raus, sonst verzettelst du dich und kannst übrigens, wenn du mal Probleme bekommst und in einer Krise bist, schauen wo du bleibst, da viele deiner Ausheul-Kontakte nicht für dich da sein werden.... .

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