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Massiv mit Tabletten zugebombt

YdazIuxu hat die Diskussion gestartet


Hey,

Ich leide unter einer schweren Depression, und nehme dagegen Antidepressiva. 60mg Fluoxetin und 75mg Venlafaxin, demnächst soll wohl noch Methylphenidat dazukommen, eine Kombination, die die schlimmen Gedanken zwar unterdrückt, aber sie aufstauen lässt.

Ein sehr komisches Gefühl, zumal ich erst im August mit Antidepressiva begonnen habe, aber es ohne Tabletten einfach nicht mehr ging, und ich immer mehr brauchte.

Ich frage mich nun, wo soll das alles hinführen? Irgendwann ist die Grenze doch erreicht, und die Tabletten, die ich im Moment nehme, machen mich irgendwie "dauerhigh", aber wenn ich sie absetze, endet es in einer Katastrophe.

Ich kann kaum mehr schlafen, weil ich so zugebombt bin (siehe Uhrzeit), schwitze dauernd, ich kann zwar mein Studium noch gut bewältigen, aber die restliche Zeit schwimme ich zwischen extrem übersteigerten Antrieb und völliger Antriebslosigkeit (ich hab grade 5 Stunden mein Zimmer akribisch aufgeräumt...).

Das ist doch kein Leben mehr, aber ohne geht es eben auch nicht...

Mein Wesen hat sich, laut meiner Freunde, sehr zum Positiven verändert (sicher auch mit meinem eigenen Zutun), aber dennoch fühle ich mich wie ein Sklave der Tabletten. Sie bestimmen mich, nicht mehr das ich, was ich einmal war... Die Dosis zu reduzieren, habe ich mit meinem Arzt bereits versucht, aber bereits 40mg Fluoxetin sind nicht mehr haltbar...

Wo soll das alles hinführen? Soll ich ewig ein Leben führen, was von irgendwelchen Pharmaka bestimmt wird, und eigentlich aus mir einen anderen Menschen macht, der ich nicht bin?

Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit einem Übermaß an Tabletten? Wie seit ihr damit umgegangen?

LG

Yazuu

Antworten
S#ilberm+onxdauge


Hallo Yazuu,

gehst du zu einem Psychiater oder zu einem Allgemeinmediziner ? Nix gegen Allgemeinmediziner aber Psychiater haben wohl doch etwas mehr Erfahrung...

Zunächst einmal: ich möchte Antidepressiva (das sind keine Psychopharmaka) durchaus nicht verteufeln sondern finde sie in vielen Fällen durchaus sinnvoll. Aber:

Die Nebenwirkungen der Medikamente einfach mit einem anderen Medikament und noch dazu mit diesem (Methylphenidat ist ja ein Wirkstoff der beispielsweise in Ritalin vorkommt, dieses Medikament "beruhigt" nicht wie der Volksmund meint sondern wirkt anders) "unterdrücken zu wollen" das finde ich jetzt etwas merkwürdig.

Venlafaxin 75 mg ist übrigens die geringste Dosis – wurde mal ein Versuch gemacht, NUR mit Venlafaxin oder NUR mit Fluoxetin ? Oder mit was ganz anderem ? Es gibt so viele Antidepressiva...

Und der Vollständigkeit halber: Machst du eine Psychotherapie ? Hast du mal eine gemacht oder ist eine angedacht ?

S6ilbeArmo[ndauge


PS: Ich nehme 375 mg Venlafaxin

ATndroi:dlexr


Ich für meinen teil habe mich damit abgefunden dass ich wohl ewig Tabletten brauchen werde.

Fluoxetin und venlafaxin sind beides stark aktivierende Medikamente eventuell kannst du andere nehmen. Citalopram macht nicht so unruhig und aktiviert etwas weniger. Duloxetin etwas weniger als venlafaxin. Opipramol beruhigt und macht müde. Ich hab mit SSRI auch Schlafstörungen wenn ich kein opipramol nehme.

Yrazxuu


Hi,

erstmal danke für die Antworten.

Ich gehe zu einem (wie ich finde) extrem guten Psychiater. Meine Karriere begann mit 20 Fluoxetin, daraus wurden schnell 40, und daraus dann schnell 60. Das Venlafaxin soll gezielt auch gegen Antriebsschwäche vorgehen. Geplant ist (meinerseits) Fluoxetin schrittweise auszuschleichen und, grade wenn noch Methyphenidat dazukommt, auf eine viel höhere Dosis Venla umzusteigen, nächste Woche berede ich das mit meinem Doc. Denn ich habe ja auch eine massive Antriebsschwäche, bei der 75 nicht ausreichen, das war erstmal nur so ein Versuch (seit 6 Wochen). Die Frage ist nur, wenn ich mich richtig mit Venla zuballere, schwitze ich dann nicht wie ein Schwein? Schon 75 bringen mich zum Schwitzen.

A.ndrRoidlexr


Und was soll das Methylphenidat bewirken?

Z=wac)kx44


Hallo Yazuu, was heißt "massiv mit Tabletten zugebombt"? Dich hat eine schwere Depression erwischt, und erfahrungsgemäß kommt man da aus eigener Kraft so gut wie nie heraus. Deshalb war es richtig, Dich in professionelle Hände zu begeben (Aber die Antwort auf Silbermondauges Frage, ob der behandelnde Arzt Psychiater ist, steht noch aus). Dass die Dosis von Antidepressiva erhöht wird, liegt in der Natur der Sache: Zunächst beginnt man mit einer niedrigen Dosis, um unerwünschte Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden. Danach muß man in einer zweiten Stufe mindestens die niedrigste wirksame Dosis erreichen, weil der erwünschte Effekt sonst nicht eintritt. Da der Grad der Depression und die Reaktion des Patienten von Mensch zu Mensch verschieden sind, brauchen unterschiedliche Patienten auch unterschiedliche AD-Mengen. Es gibt also für jedes AD ein empfohlenes Dosis-Fenster, innerhalb dessen sich der behandelnde Arzt bei seiner Beschreibung bewegt (Die empfohlene Dosisobergrenze ist bei keinem Deiner beiden ADs überschritten). Dabei ist er allerdings immer abhängig von der Rückmeldung des Patienten, weil diese Einfluß auf die weitere Medikation hat. Deshalb ist es ratsam, besonders in der Anfangszeit einen kurzen Draht zum behandelnden Arzt zu halten, denn nur wenn er weiß, was Dir zu Deinem Wohlbefinden fehlt, kann er Dir helfen.

Wie Du am Echo Deiner Freunde merkst, erkennen sie Dich, seitdem Du in Behandlung bist, wieder eher als den Menschen, der Du vor Deiner Behandlung gewesen bist. Dein offensichtlicher Unmut in Bezug auf die ADs ist deshalb nicht ganz verständlich: Nicht die ADs machen aus Dir einen Menschen, den Du nicht kennst, sondern umgekehrt - würdest Du die ADs jetzt absetzen, würdest Du ziemlich unsanft in Deine Depression zurückfallen und heraus käme ein Mensch, der Du früher nicht warst und heute sicher auch nicht sein möchtest. Und wappne Dich bitte mit etwas Geduld: Nach einer Daumenregel soll man ADs nach dem Wegfall der letzten Krankheitssymptome noch 6-12 Monate weiternehmen, bevor man einen Auslaßversuch macht (um Rückschläge möglichst zu vermeiden).

Die Kombination verschiedener ADs ist heute nicht unüblich. Man kann auf diese Weise positive Wirkungen kumulieren und unerwünschte NW minimieren. Praktisch kann man so Medikationen fast maßschneidern. Allerdings gehört dazu ein goldenes Händchen, und einem HA fehlt dazu die nötige Erfahrung. Ich nehme derzeit eine 3er-Kombination, fühle mich gut eingestellt und führe ein nahezu normales Leben.

Die pessimistische Haltung von Androidler, er müsse vielleicht lebenslang ADs nehmen, brauchst Du nicht unbedingt übernehmen. Die meisten Patienten können irgendwann auf ihre ADs verzichten. So war es auch bei mir nach meiner ersten schweren Depression mit stationärer und dann ambulanter Behandlung. Allerdings hat mich 17 Jahre später eine zweite schwere Depression erwischt, ich habe mich ambulant behandeln lassen, aber da jeder Auslaßversuch fehlschlug, bin ich weiterhin auf ADs angewiesen - gegenüber einem gnadenlosen Depressivzustand für mich auf jeden Fall die vernünftigere Option.

Am geplanten Methylphenidat stoße ich mich auch etwas: Es hat nämlich nicht die passende Zulassung. Für die Behandlung von ADHS ist es das Mittel der 1. Wahl, dann wirkt es noch gegen Narkolepsie und dann wird es oft noch als "Neuroenhancement Drug" (also zur Verbesserung kognitiver Eigenschaften) verwendet. Und es können nicht zu verachtende NW (Schlafstörungen, Angst, Agitation, Tachykardie, Blutdruckerhöhung, selten Depressionen, psychomotorische Hyperaktivität, Psychosen mit Halluzinationen usw.) auftreten.

Und Silbermondauge: nicht so wichtig, aber die niedrigste Venlafaxin-Dosis ist 37.5 mg.

Z{wacxk44


Die Frage ist nur, wenn ich mich richtig mit Venla zuballere, schwitze ich dann nicht wie ein Schwein?

Wenn ich aufgrund von ADs Schweißausbrüche hatte, half mir mein Psycho-Doc (off label) mit Sormodren.

Yuazuu


Danke für deine sehr ausführliche Antwort.

Das Methylphenidat soll eine davon unabhängige ADHS behandeln, die ich schon als Kind hatte, aber mich lange geweigert habe es zu nehmen, weil ich die Wirkung absolut nicht mag. Aber inzwischen führt da kein Weg dran vorbei.

Ich denke mir nur, dass, wenn das auch noch dazu kommt, es wirklich knallen wird...

Wie ich vorhin bereits schrieb, handelt es sich um einen Psychiater :)

Die Depression an sich habe ich eigentlich schon sehr lange, auch mit SMGs, aber lange wollte ich es nicht behandeln lassen, es ist allerdings unerträglich geworden

BDrdummb)aer+chi


Zunächst einmal: ich möchte Antidepressiva (das sind keine Psychopharmaka) durchaus nicht verteufeln sondern finde sie in vielen Fällen durchaus sinnvoll

Dem stimme ich zu – mit einer Ausnahme: Antidepressiva sind natürlich Psychopharmaka.

Soll ich ewig ein Leben führen, was von irgendwelchen Pharmaka bestimmt wird

Darüber würde ich jetzt noch nicht nachdenken. Du nimmst die Tabletten ja erst seit kurzer Zeit. Wie Zwack schon schrieb: 6-12 Monate musst du sie auf jeden Fall erstmal weiternehmen. Danach kannst du – natürlich in Rücksprache mit dem Arzt – die Tabletten ausschleichen und einen Versuch starten, ob es ohne geht. Es gibt durchaus auch Menschen, die nur eine depressive Episode haben.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit einem Übermaß an Tabletten?

Bis jetzt finde ich deine Menge an Tabletten für eine schwere Depression noch "überschaubar". Kombinationen sind durchaus üblich. Auch ich finde die Idee ganz gut, evtl. ganz auf das Venlafaxin (ohne Fluoxetin) zu setzen, wenn nichts dagegen spricht.

Das mit dem Methylphenidat würde mich allerdings auch interessieren. Wofür sollst du es bekommen?

B<rgummSbaxerchi


Ich sollte weniger denken und schneller tippen. ;-D Ignorier meine letzte Frage einfach :-)

RQicIharxd61


@ Yazu

mit dem was du nimmst, bist du bei weitem noch nicht zugeballert. In einer akuten schweren Depression, hat man nach dem Pilleneinnehmen meist keinen Hunger mehr weils so viele sind ; )

Die Tabletten die du nimmst verstehe ich nicht so ganz.

Fluoxetin ist ein SSRI ein selektiver Serotoninwiederaufnahmehemmer

Venlafaxin ist ein SNRI ein selektiver Serotonin und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer

Venlafaxin deckt daher beide Botenstoffe ab, sodaß ein SSRI eigentlich nicht zusätzlich genommen werden muss.

Evtl. hats dein Psychiater ,wie bei mir, zuerst mit SSRI probiert und steigt jetzt auf SNRI um, was bei mir auch zum Erfolg geführt hat. Ich bin damals direkt von SSRI auf SNRI umgestiegen.

Venlafaxin entfaltet seine Wirkung auf Noradrenalin erst ab 150 mg. Man geht in drei Schritten vor 75 mg , dann 150 mg , dann 225 mg , wenn dann eine anhaltende Besserung da ist reduziert man wieder auf 150 mg.

Wenn die Besserung da ist brauchst du in aller Regel nur 150 mg morgens, nach 1,5 Jahren versucht man dann ganz sachte Auszuschleichen, was nur bei rund der Hälfte klappt.

Medikinet (Methylphenidat) habe ich auch schon genommen, es verbessert die kognitiven Fähigkeiten bei ADS Patienten. Bei einem Gesunden ist keinerlei Wirkung nachzuweisen, außer er überdosiert dies, deshalb steht es auch unter dem Betäubungsmittelgesetz. Medikinet erhöht den Dopaminspiegel hat aber eine sehr geringe Halbwertszeit und nur ca. 5-6 Stunden Wirkungsdauer, dann ist es komplett weg.

Medikinet darf ich nicht mehr nehmen , da ich Bipolar I bin und Medikinet bei mir evtl. Manien auslösen könnte. Es ist aber in der Dosierung die du wahrscheinlich bekommst 2 x 30 mg relativ harmlos. Kinder bekommen da oft mehr.

Raichawrd61


Dem stimme ich zu – mit einer Ausnahme: Antidepressiva sind natürlich Psychopharmaka.

SSRI SNRI und NDRI sind sogenannte selektive Botenstoffwiederaufnahmehemmer. Sie wirken organisch nicht psychisch deshalb sind dies keine Psychopharmaka.

Das ist der alte Streit wie mit dem Ei und dem Huhn.

Ist Depression eine psychische Krankheit ?? Oder hat eine organische Krankheit die psychische Folgeerkrankung ausgelöst ??

Vielleicht stimmt die Bezeichnung Psychische Erkrankung ausgelöst durch eine organische Krankheit am Besten.

Für mich ist das durch eigene Erfahrung klar, wenn mir ein Botenstoffwiederaufnahmehemmer hilft , dann haben Botenstoffe gefehlt.

Das Organ Hirn war nicht mehr in der Lage selbst genügend Botenstoffe zu produzieren.

Soilnbermond\auge


SSRI SNRI und NDRI sind sogenannte selektive Botenstoffwiederaufnahmehemmer. Sie wirken organisch nicht psychisch deshalb sind dies keine Psychopharmaka.

Danke Richard61 – ich kann so Sachen immer nie genau erklären

BJrummbXaerxchi


Dann hab ich das in meiner Weiterbildung falsch gelernt, sorry :-).

Dann sind Neuroleptika auch keine Psychopharmaka, weil sie auf Dopamin wirken? (sorry wg. Off-Topic, interessiert mich aber grad *gg*)

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