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Promiskuität immer pathologisch?

Alias 671341 hat die Diskussion gestartet


Ich schreibe unter einem Alias-Namen, weil ich bewusst unerkannt bleiben möchte. Nicht aus Scham, sondern weil ich denke, dass eure Meinungen sonst von meinen anderen Fäden unnötig beeinflusst werden.

Meine Frage ist folgende: Ich lebe promiskuitiv. Gerne wechsel ich rasch meine Sexualpartner, habe teils längere Affären, mitunter auch Beziehungen, aber auch eine hohe Anzahl an ONS. Mittlerweile habe ich -zumindest gefühlt- das Spektrum der gängigsten Praktiken durch. Männer, Frauen, BDSM....

Zum Teil liebe ich diesen wahllosen Sex, weil ich einfach eine sehr ausgeprägte körperliche Lust habe (wobei ich nie einen Orgasmus habe). Ich liebe ihn aber auch, weil ich hemmungslos bei wahllosem Sex bin. Ich mag das Spiel mit Macht und Kontrolle, diese habe ich in diesen Begegnungen.

Neulich kam es erstmals dazu, dass ein Mann mich dafür bezahlte. Ich traf mich nicht, um Geld zu verdienen, das war so nie besprochen, aber es wurde dann Teil des Spieles. Erstaunlicherweise fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt irgendwie entwürdigt, da ich ja Spaß am Sex, ihn mir ja selbst ausgesucht und es definitiv nicht wegen des Geldes gemacht hatte (ich bin vollzeitbeschäftigte Akademikerin und keinesfalls angewiesen auf finanzielle Unterstützung).

Bei aller Lust und Freude frage ich mich mittlerweile aber doch, ob das, was ich da mache "normal" ist. Klar, "normal" ist ein dehnbarer Begriff. Was ist schon normal? Ich verhüte mit Kondomen, zerstöre keine Ehe, bin ungebunden – also eigentlich nichts Verwerfliches. Und dennoch: Es weicht ab "von der Norm". Und das gibt mir zu denken, obwohl ich mich eigentlich wohl mit meinem Lebensstil fühle.

Warum diese Bedenken? Weil ich nicht mehr weiß, ob ich jemals damit aufhören kann. So langsam kriegen die Frauen um mich herum Babies, heiraten, binden sich. Ich möchte das eigentlich auch – glaube aber langsam, dass ich das nicht mehr kann. Zu frei war ich die letzten Jahre. Das eigentlich als "Austoben" geplante Zeitfenster hat so langsam aber sicher einen zu großen Raum in meinem Leben.

Und: Ich habe Treue verlernt. Den meisten Männern war ich nicht treu (sagte es ihnen aber auch), einigen war ich mit Mühe treu (obwohl ich sie liebte). Diese zwei wenigen, denen ich bereit war treu zu sein, verließen mich. Das hat mich natürlich auch wieder um einiges abgehärtet.

Tja, und nun? Weiter so leben?

Ich frage mich was die Nachteile von Promiskuität sind. Einsamkeit, ja. Diesen Preis bin ich derzeit absolut bereit zu zahlen, ja, ich zahle ihn bereits. Abhärtung., ja. An Geborgenheit glaube ich nicht mehr. Und, ja...das beschäftigt mich auch,....ich habe das Küssen verlernt. Ich küsse nicht mehr gerne.

Was sind die Vorteile? Ich habe Spaß und Abenteuer. Bin unabhängig von Ängsten. Werde nicht mehr verrückt vor Geilheit (manchmal drehe ich nahezu durch vor sexueller Lust). Ich habe ein "Parallelleben", das mir Schutz gibt vor den Bedrohungen des Alltags.

"Halbe halbe" ist also das Fazit. Tja, und jetzt?

Antworten
SXorgeNnkind27


Also zunächst mal: normal – pff...wer weiß das denn schon. Ist doch völlig wurscht..

Die Frage ist ob du dich wohl fühlst, das tust du ja offenbar, nur wird aus dem was du schreibst deutlich, dass du anscheined eben doch einen Bindungswunsch entwickelst.

Zunächst frage ich mich was dagegen spricht sich zu binden (auch mit Kindern und so) ohne im klassischen Sinne "treu" zu sein. Gibt doch haufenweise Männer die auch so denken und zig Beziehung die so geführt werden.

Darüber hinaus glaub ich, dass sich viele der Angesprochenen Dinge von selbst lösen werden, wenn du mal jemanden triffst, der bei dir wirkliche Gefühle auslöst – wie das mit dem Küssen und der Geborgenheit, wer weiß, vielleicht sogar das mit dem Orgasmus.

Und falls sich das nicht ergeben sollte- naja, vielleicht war die Bindung mit Kind, Hund und Haus einfach wirklich nicht das richtige für dich?

Du sagt du fühlst dich wohl beim Sex und mit deinem Lebensstil, also seh ich da keinen wahnsinnig großen Leidensdruck. Dann würd ich mich erst mal nicht verrückt machen.

Vielleicht sind ja deine jetzigen Gedanken auch einfach ein Anzeichen, dass du eben insgeheim beginnst dich für eine Bindung zu öffnen?

STunflIowerx_73


Schwierig. Als pathologisch würde ich es nicht direkt bezeichnen. Es hat ja – zumindest so wie Du es formulierst – nicht diesen selbstschädigenden Charakter, den Promiskuität (bspw. bei anderen psychischen Problemen) haben kann.

Und ja, es gibt halt Leute, die nicht für die ewige monogame Bezeihung mit Mann, Haus und Kind geschaffen sind. Ohne jegliche Pathologie. Der eine braucht halt mehr Kicks als der andere. Das ist doch irgendwo auch ein Kontinuum (eine Freundin von mir, 32, hat nach 12 Jahren Bezhiehung ihren ersten Freund geheiratet, Kind gekriegt. Für mich mit meinen an einer Hand abzählbaren Beziehungen ebenso unvorstellbar wie das, was Du machst).

Aber:

Es gibt auch Punkte in Deinem Text, die mich hellhörig werden lassen. Weniger im Sinner von "Promikuität ist pathologisch" als vielmehr, was FOLGEN der Promiskuität angeht. Ich kopiere nachfolgend einfach mal die Sätze raus, die mich stutzen lassen (und das ist nicht mal der fehlende Orgasmus, wobei DAS durchaus ein nicht unwichtiger Punkt ist!):

Neulich kam es erstmals dazu, dass ein Mann mich dafür bezahlte.

Du schreibst, Du fühltest Dich nicht entwürdigt. Aber diese Handlung seitens des Mannes sagt ja dennoch etwas aus. Allgemeingesellschaftlich betrachtet. Auch wenn DU Spaß hattest, Du wirst hier doch irgendwie zu einem Objekt!

Bei aller Lust und Freude frage ich mich mittlerweile aber doch, ob das, was ich da mache "normal" ist.

Normal ist dehnbar, keine Frage. Abe die Punkte, die Du nachfolgend auflistest (Kondomverwendung, keine Ehe wird zerstört), ist ja nur eine Seite der Medaille. Irgendwas IN DIR macht Dich ja stutzig. Wenn es alles so eindeutig wäre: Warum dann er Faden? Und das ist der Punkt, auf den ich hinauswill.

Es ist ja – siehe oben – okay, nicht die nächsten 40 Jahre monogm mit demselben Partner verbringen zu wollen. Aber:

Ich habe Treue verlernt.

Diese zwei wenigen, denen ich bereit war treu zu sein, verließen mich. Das hat mich natürlich auch wieder um einiges abgehärtet.

So etwas zu verarbeiten gehört nun mal zu einem erwachsenen Beziehungsleben dazu. Es tut weh, man leidet – aber man kommt da auch wieder raus. Bei Dir klingt es fast so, als ob Du Du eine Art Schutzwall hochziehst. "Ich wurde verletzt, also pfeife ich umso mehr auf Beziehungen".

Einsamkeit, ja. Diesen Preis bin ich derzeit absolut bereit zu zahlen, ja, ich zahle ihn bereits.

Wie sieht das in 10 oder 20 Jahren aus? Wenn ggf. mit dem Alter auch die Möglichkeiten nachlassen?

An Geborgenheit glaube ich nicht mehr.

Traurig. Klingt verbittert und auch hier habe ich wieder dieses Bild von Schutzwall. "Ich glaube nicht dran, also kann ich nicht enttäuscht werden"?!

ich habe das Küssen verlernt. Ich küsse nicht mehr gerne

Noch trauriger. Ich meine, Küssen und ein Orgasmus sind doch ein essentieller Bestandteil von befriedigendem Sex. Mehr oder weniger, mit Variationen, klar.

Aber was bringt DIR der promiskuitive Sex dann eigentlich noch?

Ich finde es schwer in Worte zu fassen, was für Gedanken(gänge) Dein Verhalten bei mir auslöst. Experimentieren, sich ausleben: Alles okay. Aber WANN ist es aus dem Ruder gelaufen? WARUM?

Man kann ja auch eher promiskuitiv sein, aber ohne so viele Dinge zu "verlieren" (Glauben an Geborgenheit, Fähigkeit zur Treue, Küssen,...).

Ich frage mich letztlich wirklich, was FÜR DICH bei rauskommt. Machtspielchen? Warum brauchst Du DAS? Kannst Du Dich noch fallenlassen?

Ich habe ein "Parallelleben", das mir Schutz gibt vor den Bedrohungen des Alltags.

DAS finde ich sehr bedenklich. Warum brauchst Du Schutz vor "Bedrohungen des Alltags"? Inwiefern soll prmoiksuitiver Sex das denn überhaupt bewirken?

Und hier komme ich an den Punkt, wo ich doch anfange, es pathologisch zu finden: Sex als Schutz vor vermeintlichen Bedrohungen. Sex ohne Orgasmus, Verlust von Freude an best. Dingen bzw. Verlust best. Fähigkeiten: Das klingt nicht nach befriedigender Dauerlösung. Das klingt, als ob Du Dich hinter dem Sex "versteckst", um andere dinge nicht fühlen zu müssen, um nicht verletzt zu werden. Es klingt manipulativ und weniger nach Genuß & Spa & Abenteuer, sondern nach einer unguten Funktionalität.

Protokolliere doch mal, in welchen Situationen Du bspw. auch dieses "Durchdrehen vor sexueller Lust" erlebst: Bei Stress, Unsicherheit, Angst,...? Denn dann wird es kritisch. Denn dann zweckentfremdest Du Sex, um vor Deinen eigenen Emotionen zu flüchten. Und das müssen nicht mal Emotionen an sich sein, es kann auch sein, dass Du nur vor best. Dingen quasi flüchtest (denn die Einsamkeit erwähnst Du ja als Folge der Promiskuität).

Irgendwie läuft es auf die Kernfrage hinaus: WARUM brauchst Du das so? Denn bei der Gesamtentwicklung bekomme ich das Gefühl, dass es nicht aus reiner sexueller Lust ist. Da würden m.M.n. dann auch mehr Orgasmen zugehören. Es klingt so ein wenig nach "Ich mache mich weg". Eine Formulierung, die Menschen verwenden, die Sex halt "zweckentfremden", um andere Dinge nicht fühlen zu müssen. Wo es nicht um sexuelles Erleben geht, sondern Sex als Werkzeug um andere Emotionen zu "deckeln". Und dann wird es pathologisch.

Und ohne es böse zu meinen (ich hoffe, das Nachfolgende kommt jetzt so rüber, wie ich es meine): Das klingt alles nicht mehr nach Abenteuer und Spaß. Es wirkt auf mich traurig und erbärmlich. Kein Küssen. Einsamkeit. Verlust des Glaubens an Geborgenheit.

Wo bleibt bei all dem der NUTZEN für Dich? Ich lese nur Verlust und negative Dinge raus. Mit Ausnahme der Schutzfunktion vor Alltagsbedrohungen. Und DAS kann Sex nie und nimmer darstellen. Das SOLLTE er nie darstellen.

ja, Du schreibst, Du hast Spaß und fühltest Dich bei der Bezahlung auch nicht entwürdigt. Aber ist es wirklich reiner Spaß, reines sexuell befriedigendes Erleben? Oder einfach nur Wegmachen negativer Emotionen/Empfindungen, wodurch man sich gut fühlt? Machtspielchen, die verhindern, dass man auch emotional als Mensch wahrgenommen wird, was eine Schutzfunktion hat? Es klingt so, als ob Du Dich auf ein sexuelles Objekt reduzierst. Was ist mit darüber hinausgehenden Emotionen und Bedürfnissen? Wo bleiben die in Deinem Leben? Da ist bei mir wieder der Verdacht da, dass Du viele andere Bereiche gar nicht wahrnimmst/zulässt, sondern sie ausblendest bzw. durch Sex ersetzt.

Wie gesagt: Ich will Dir keine 40jährige Ehe und Kinder aufschwatzen. Aber Deinen Beitrag kritisch und mehrfach zu lesen, hat in mir das Gefühl ausgelöst, dass Du einem leidtun kannst. So viele "normale" Dinge mit 35 schon komplett abzuschreiben? Irgendwie klingt es... erbärmlich. Und nicht nach total zweifelsfreiem Ausleben sexueller Bedürfnisse. Je öfter ich Deinen Beitrag gelesen habe, desto mehr bekam ich ein beklemmendes Gefühl und fast schon Mitleid mit Dir. So blöd es klingt. Aber es klingt nicht nach spaßigem Sex. Es klingt deutlich durch, dass Du einen hohen Preis dafür zahlst. Dass das lustige Experimentieren aus dem Ruder läuft oder gelaufen ist. Und Sex eine völlig andere Funktion bekommen hat als nur sexuelle Befriedigung.

Beantworte dir daher mal ehrlich die aufgeworfenen Fragen. Was deckelst Du ggf. damit? Was ist mit anderen Bedürfnissen? Warum machst Du so weiter mit etwas, was Dich offensichtlich teilweise doch kaputt macht? Vor was brauchst Du Schutz? Warum musst Du quasi mit Menschen spielen, um Dich (wie eigentlich?) zu fühlen? Warum kannst Du niemanden an Dich als MENSCH heranlassen? Warum lässt Du Dich lieber zum Objekt machen und siehst nicht mal eine Bezahlung für Sex kritisch? Und ist es noch echte Freude oder eher Zwang, was den Sex angeht? Ist es noch echte Freude angesichts der Dinge, die Du verlernst bzw. verlernt hast?

dOanaex87


Und hier komme ich an den Punkt, wo ich doch anfange, es pathologisch zu finden: Sex als Schutz vor vermeintlichen Bedrohungen. Sex ohne Orgasmus, Verlust von Freude an best. Dingen bzw. Verlust best. Fähigkeiten: Das klingt nicht nach befriedigender Dauerlösung. Das klingt, als ob Du Dich hinter dem Sex "versteckst", um andere dinge nicht fühlen zu müssen, um nicht verletzt zu werden. Es klingt manipulativ und weniger nach Genuß & Spa & Abenteuer, sondern nach einer unguten Funktionalität.

Möchte mich Sunflower komplett anschließen, ganz besonders der Teil mit Macht und Kontorlle löste in mir ein Echo aus. Das ist etwas das ich auch lange damit verbunden habe und so hatte ich Sex aus den falschen Gründen und Motiven. Nicht Freude und Spaß waren der Antrieb sondern der Drang mir meine Unabhängigkeit zu beweisen, mir zu zeigen das ich alles im Griff hatte, mir die Sicherheit zu geben das ich nicht mehr verletzt werden konnte.

Alias 671341


Ich muss mir Gedanken machen über das was ihr schreibt. Und ich danke euch schon jetzt für eure Worte.

Alias 671341


Teil eins:

Ich bin ein wenig überfordert mit der Fülle an Fragen. Aber sie sind alle berechtigt und deswegen will ich eigentlich keine vernachlässigen.

Sunflower, ich kenne deine Beiträge hier im Forum und habe sie stets geschätzt, so auch diesen.

Am einfachsten ist es wohl, wenn ich mich von Frage zu Frage hangele, auch wenn es dann ein etwas zersplitterter Text wird, ich bitte dies zu entschuldigen.

Schwierig. Als pathologisch würde ich es nicht direkt bezeichnen. Es hat ja – zumindest so wie Du es formulierst – nicht diesen selbstschädigenden Charakter, den Promiskuität (bspw. bei anderen psychischen Problemen) haben kann.

Ich erinnere mich daran, es früher als selbstschädigend wahrgenommen zu haben. Es ging mir nicht gut danach, denn es fühlte sich so "getrieben" an, wie eine Sucht in mir, der ich nicht widerstehen konnte. Aber dieses Gefühl ist nicht mehr da, jetzt habe ich viel eher Freude daran. Ich bin selbstbewusster geworden, stelle gewisse Ansprüche an die Männer, die ich früher nicht stellte. Es ist in etwa so, als hätte ich schon immer gerne Sahnetorte gegessen aber früher hatte ich Angst, dick zu werden. Jetzt habe ich diese Angst nicht mehr und fresse mich fröhlich durchs Sortiment. Klingt blöd, aber der Vergleich beschreibt es am ehesten.

Neulich kam es erstmals dazu, dass ein Mann mich dafür bezahlte.

Du schreibst, Du fühltest Dich nicht entwürdigt. Aber diese Handlung seitens des Mannes sagt ja dennoch etwas aus. Allgemeingesellschaftlich betrachtet. Auch wenn DU Spaß hattest, Du wirst hier doch irgendwie zu einem Objekt!

Ich möchte an dieser Stelle die Situation deutlicher erklären, nicht um mich zu rechtfertigen, sondern weil ich finde, dass es sonst nicht deutlich wird. Vorab: Ich finde nicht, dass sich eine Prostituierte zwangsläufig entwürdigt, meine Ansicht ist eine andere: Prostituierte haben eine gewisse Würde und viel eher die Freier empfinde ich als gedemütigt, weil sie für Sex bezahlen müssen. Alleine schon mit dieser Ansicht stoße ich oft auf Unverständnis. Aber jetzt zu meiner Situation zurück: Ich traf ihn, wie jeden anderen Mann: Man verabredet sich (er suchte etwas Lockeres mit Aussicht auf Beziehung, also nicht zwangsläufig nur Sex) und trifft sich dann. Wir gingen Essen, haten also ein klassisches Date, unsere Gespräche waren gut und differenziert, unsere Bildung vergleichbar. Es war "ein Date auf hohem Niveau". Dennoch war er nicht mein Typ: Zu überzeugt von sich, zu wenig Demut vor dem Leben. Das sei ihm zugestanden – aber ist für mich eben ein Ausschluss Kriterium für einen potentiellen Partner. Das Leben ist hart – und das weiß ich. Ich mag schwermütige Männer, und er war es nicht. Wie auch immer, ich wusste sofort, dass das von meiner Seite aus nichts werden würde.

Trotzdem ging ich mit zu ihm, weil ich Lust auf Sex hatte. Männer sind manchmal Sklaven ihres Schwanzes, und Frauen sind manchmal Sklaven ihrer Anerkennungssucht.

Er war devot und ich dominant, so wie es immer ist. Ich bin immer dominant. Zu keinem Zeitpunkt sprachen wir über Geld und es war definitiv nicht meine Intention. Als ich ihm jedoch seinen Orgasmus verwehrte, wurde er schwach. Er bat mich – etwas, was ich mag. Ja, das kann man pathologisch finden, aber die ganzen BDSM-Leute da draußen mögen es doch genauso. Betteln ist geil. Punkt. Ich mag es.

Irgendwann bot er mir Geld, wenn ich ihn dafür kommen ließe. In diesem Moment habe ich eingewilligt, hatte aber im Hinterkopf, dass ich das Geld nicht nehmen würde, weil ich schließlich Spaß an dieser Sache hatte.

Nach dieser Nacht wollte er mit mir den Tag verbringen, ich wollte es nicht. Ich wollte Sex, das wars. Den hatte ich bekommen. Als ich also ging, zückte er seine Geldbörse und sagte, er sei mir noch was schuldig. Ich selbst hätte ihn nie darauf aufmerksam gemacht, nein, ganz ehrlich, ich hatte dies sogar vergessen (das ist die Wahrheit). Er bestand aber darauf, er bettelte fast darum. Ich glaube, dass er sich seine Würde zurückkaufen wollte. Er wollte der Gönner sein – obwohl er wusste, dass er der Schwache gewesen war ( bzw. genau deshalb). Also nahm ich das Geld. Und ich habe es an eine Tierschutzorganisation gespendet.

Ich fühlte mich nicht entwürdigt, weil (zumindest ist das meine subjektive Meinung) er bezahlen wollte. Er musste seine Schwäche so kompensieren. Er hatte das nötig.

Irgendwas IN DIR macht Dich ja stutzig. Wenn es alles so eindeutig wäre: Warum dann er Faden? Und das ist der Punkt, auf den ich hinauswill.

Ich ja auch.

Ich habe Treue verlernt.

Diese zwei wenigen, denen ich bereit war treu zu sein, verließen mich. Das hat mich natürlich auch wieder um einiges abgehärtet.

So etwas zu verarbeiten gehört nun mal zu einem erwachsenen Beziehungsleben dazu. Es tut weh, man leidet – aber man kommt da auch wieder raus. Bei Dir klingt es fast so, als ob Du Du eine Art Schutzwall hochziehst. "Ich wurde verletzt, also pfeife ich umso mehr auf Beziehungen".

Ich habe das verarbeitet. Es waren trotz der Trennung schöne Beziehungen, die ich wieder so führen würde, wenn ich könnte. Die Trennungen waren traurig, aber sie haben die Bilanz der Beziehung nicht gänzlich ins Minus gezogen – es bleibt ein Plus.

Alias 671341


Traurig. Klingt verbittert und auch hier habe ich wieder dieses Bild von Schutzwall. "Ich glaube nicht dran, also kann ich nicht enttäuscht werden"?!

Ja, schon irgendwie.

ich habe das Küssen verlernt. Ich küsse nicht mehr gerne

Noch trauriger. Ich meine, Küssen und ein Orgasmus sind doch ein essentieller Bestandteil von befriedigendem Sex. Mehr oder weniger, mit Variationen, klar.

Küssen ist nah.

Aber was bringt DIR der promiskuitive Sex dann eigentlich noch?

Es powert mich aus, ich fühle mich dann, ich erlebe etwas. Es ist schlicht und einfach aufregend. Es gibt mir die Gewissheit, dass ich noch da bin. Und es gibt mir ein Leben, das ich sonst nicht hätte. Im Job gebe ich alles, bin trotz meines jungen Alters relativ weit gekommen, aber ich habe nichts sonst außer einer besten Freundin und ... irgendwo einer Familie. Aber nichts sonst. Ich will nur ficken, das ist mein Hobby. Es gibt mir mehr, als mit Freunden Essen zu gehen oder zur Kosmetikerin.

Ich finde es schwer in Worte zu fassen, was für Gedanken(gänge) Dein Verhalten bei mir auslöst. Experimentieren, sich ausleben: Alles okay. Aber WANN ist es aus dem Ruder gelaufen? WARUM?

Ich hatte eher das Gefühl, dass es mir früher schadete, als ich noch Liebe wollte. Als ich mich noch in das Einfamilien-Kombi-Mann-Leben einfügen wollte. Jetzt verspreche ich niemandem mehr was und zwinge mich auch nicht mehr.

Ich frage mich letztlich wirklich, was FÜR DICH bei rauskommt. Machtspielchen?

Ja.

Warum brauchst Du DAS? Kannst Du Dich noch fallenlassen?

Nein. Wobei doch: Wenn ich im sexuellen Rausch bin, bin ich schon sehr gnaden- und hemmungslos.

DAS finde ich sehr bedenklich. Warum brauchst Du Schutz vor "Bedrohungen des Alltags"? Inwiefern soll prmoiksuitiver Sex das denn überhaupt bewirken?

Wenn man ein Doppelleben führt, hat man immer noch etwas Unantastbares, das einem keiner nehmen kann. Unabhängigkeit. Wenn es im Job nicht läuft, vögel ich.

Das klingt, als ob Du Dich hinter dem Sex "versteckst", um andere dinge nicht fühlen zu müssen, um nicht verletzt zu werden.

Ja, aber:

Es klingt manipulativ und weniger nach Genuß & Spa & Abenteuer, sondern nach einer unguten Funktionalität.

Das ist der springende Punkt: Kann nicht genau diese Manipulation und Funktionalität Genuss und Spa und Abenteuer sein?

Protokolliere doch mal, in welchen Situationen Du bspw. auch dieses "Durchdrehen vor sexueller Lust" erlebst: Bei Stress, Unsicherheit, Angst,...? Denn dann wird es kritisch. Denn dann zweckentfremdest Du Sex, um vor Deinen eigenen Emotionen zu flüchten. Und das müssen nicht mal Emotionen an sich sein, es kann auch sein, dass Du nur vor best. Dingen quasi flüchtest (denn die Einsamkeit erwähnst Du ja als Folge der Promiskuität).

Es ist teilweise besonders stark nach der Periode (also körperlicher Natur) und teilweise auch dann, wenn ich mich beruflich verunsichert fühle.

Irgendwie läuft es auf die Kernfrage hinaus: WARUM brauchst Du das so? Denn bei der Gesamtentwicklung bekomme ich das Gefühl, dass es nicht aus reiner sexueller Lust ist.

Ja, aber die Frage ist doch: Kann sexuelle Lust nicht aus all diesen Vernachlässigungen entstehen? Heißt es nicht "Was heilt, hat Recht"? Warum darf ich meine Probleme nicht damit bekämpfen? Andere nehmen Tabletten, betrügen ihre Partner, gehen in die Psychiatrie. Aber was, wenn mein Weg doch lustvoller ist?

Da würden m.M.n. dann auch mehr Orgasmen zugehören. Es klingt so ein wenig nach "Ich mache mich weg". Eine Formulierung, die Menschen verwenden, die Sex halt "zweckentfremden", um andere Dinge nicht fühlen zu müssen. Wo es nicht um sexuelles Erleben geht, sondern Sex als Werkzeug um andere Emotionen zu "deckeln". Und dann wird es pathologisch.

Orgasmen sind Schwäche.

Und ohne es böse zu meinen (ich hoffe, das Nachfolgende kommt jetzt so rüber, wie ich es meine): Das klingt alles nicht mehr nach Abenteuer und Spaß. Es wirkt auf mich traurig und erbärmlich. Kein Küssen. Einsamkeit. Verlust des Glaubens an Geborgenheit.

Ja, definitiv. Aber solange es mich kickt und berauscht, kann und will ich nicht damit aufhören.

Wie gesagt: Ich will Dir keine 40jährige Ehe und Kinder aufschwatzen. Aber Deinen Beitrag kritisch und mehrfach zu lesen, hat in mir das Gefühl ausgelöst, dass Du einem leidtun kannst. So viele "normale" Dinge mit 35 schon komplett abzuschreiben?

Ich bin "weit" unter 35.

Warum machst Du so weiter mit etwas, was Dich offensichtlich teilweise doch kaputt macht?

Die Empfindsamkeiten sind schon zu weit weg. Sensibel war gestern.

Warum kannst Du niemanden an Dich als MENSCH heranlassen? Warum lässt Du Dich lieber zum Objekt machen und siehst nicht mal eine Bezahlung für Sex kritisch?

Sie alle gehen irgendwann. Irgendwann gehen sie alle. Weil ich schwermütig bin. Und still.

Und ist es noch echte Freude oder eher Zwang, was den Sex angeht? Ist es noch echte Freude angesichts der Dinge, die Du verlernst bzw. verlernt hast?

Es ist wenigstens noch irgendwas.

Alias 671341


Ich möchte auch den anderen beiden Schreibern danken.

SCunfl(ower_x73


Okay, das mit dem Bezahlen wird mir jetzt klarer. Da lag ich falsch.

Aber jetzt muss ich erstmal nachdenken, was ich Dir noch an Input geben kann.

Was mir so ganz auf die Schnelle einfällt: Da ist viel Härte... Machtbedarf... Nähe ist bedrohlich... Sexbedürfnis kommt bpsw. verstärkt nach beruflicher Verunsicherung.

Gibt es überhaupt noch Lebens-/Alltags-/Emotionsbereiche, die NICHT von Dir irgendwie in Zshg. gebracht werden mit Sex? Direkt oder indirekt?

Weil Du sprichst durchaus wichtige Aspekte an (berufliche Verunsicherung), aber lebst das irgendwie sehr/nur auf sexueller Ebene aus. Wie sieht Deine Auseinandersetzung mit Ängsten etc. sonst aus?

Und warum versagst Du Dir so viele Bedürfnisse, die einen "weicher" erscheinen lassen?

Du kommst sehr hart und fast schon kalt rüber. Wovor schützt Dich das?

Ja, aber die Frage ist doch: Kann sexuelle Lust nicht aus all diesen Vernachlässigungen entstehen? Heißt es nicht "Was heilt, hat Recht"? Warum darf ich meine Probleme nicht damit bekämpfen? Andere nehmen Tabletten, betrügen ihre Partner, gehen in die Psychiatrie. Aber was, wenn mein Weg doch lustvoller ist?

DÜRFEN tust Du alles. Aber ist es eine Lösung? Geht es Dir damit wirklich so gut? Küssen ist nicht mehr. Schwäche zeigen ist nicht. Menschen gehen eh alle. Sensibilität war gestern. Orgasmus ist Schwäche. Ich kann mich da des Eindrucks nicht erwehren, dass es nach wie vor eine selbstschädigende Komponente hat.

Ich mag Dich hier nicht überfordern mit meinen Fragen, das geht alles shcon sehr weit und auch sehr tief, das merkt man Deiner Antwort an. Aber: Gerade das, was Du gegen Ende Deiner Antwort geschrieben hast, klingt sehr traurig. Lässt bei mir ein wenig die Alarmglocken läuten. Es klingt... nicht gut. Bitte pass' auf Dich auf. Ernsthaft.

Und bzgl. der Ausgangsfrage von Dir tendiere ich nach Deiner Antwort zu einem deutlicheren JA. Denn da ist nicht einfach die Spaßkomponente. Das geht deutlich tiefer.

Wie gesagt: Bitte pass' auf Dich auf. Nicht nur allgemein, sondern was DICH und Deine "Seele" angeht. :)* @:) :)_

Alias 671341


Was droht mir, wenn ich so weiter mache?

m=neMf


Warum kein Partner, der auch nebenher mit anderen ein Sexleben pflegen will?

Warum darf ich meine Probleme nicht damit bekämpfen?

Darfst du doch. Aber du bist es, die die Schattenseiten, die du selbst daran siehst, hervorhebst. Nicht die anderen.

Alias 671341


Ja, du hast absolut Recht.

l0eo7x0


Hey Alias,

interessanter Beitrag! In manchem kann ich mich wieder erkennen. Und ich verurteile das auch nicht, was du da machst. Aber ich hab drei Anmerkungen:

1. Du schadest niemand anderem und – so wie du es beschreibst – auch nicht dir selbst. Also ist es nicht pathologisch.

2. Sex wird von dir (und von mir auch) in einer Weise funktionalisiert, die man kritisch sehen kann. Als Mittel gegen Stress, Frust, Verletzungen, Misserfolge, Selbstzweifel usw. Du könntest überlegen, ob du daran arbeiten möchtest. Aber wie du schon sagtest: Andere nehmen Tabletten, trinken zu viel usw. Das ist sicher nicht besser.

3. Was mich stutzig macht: "Küssen ist nah." und "Orgasmen sind Schwäche." Warum willst du nicht schwach sein? Warum willst du keine Nähe? Warum nimmst du Einsamkeit in Kauf und verzichtest auf Geborgenheit?

Liebe Grüße,

Leo

F|iall e


Werde nicht mehr verrückt vor Geilheit (manchmal drehe ich nahezu durch vor sexueller Lust).

Wie kann man bitte seine Lust befriedigen, ohne einen Orgasmus zu haben? Das führt doch auf die Dauer nur zu immer größer werdenden Frustration. DAS ist für mich das Pathologische: Offensichtlich ist Dir nicht der Sex an sich wichtig, sondern irgendetwas, was Du durch wahllosen Sex zu kompensieren glaubst. Sunflower hat es sehr treffend beschrieben.

DXer kl8eine Prxinz


Hallo Alias, hallo Sunflower,

ein tolles Zwiegespräch, das Ihr hier habt :)^.

Ich möchte was zu Aliasens Antwort auf Sunflowers Antwort sagen.

Im Eröffnungsbeitrag war für mich diese tiefe Traurigkeit, Resignation und zum Teil auch Kälte, die in der Replik auf Sunflowers Antwort kam, noch nicht in dem Ausmaß zu spüren. Ein bisschen schon, aber so richtig kam diese Traurigkeit erst in der Antwort auf die Antwort heraus.

Ich kann eine Menge nachvollziehen, auch dass Dir Küssen nicht mehr angenehm ist, weil es zu viel Nähe wäre, auch dass Ficken für Dich das bzw. mehr ist, was für andere Shoppen ist oder zusammen Essen gehen.

Schwierig wirds für mich hier:

Orgasmen sind Schwäche.

Ja, kann ich auch noch sehen. Aber die unausgesprochene Implikation "Schwäche darf nicht sein", ist die, auf lange Sicht gesehen, nicht zerstörerisch?

Die Empfindsamkeiten sind schon zu weit weg. Sensibel war gestern.

Das empfinde ich noch eine Stufe "stärker". Schwingt da nicht eine destruktive Abgeklärtheit mit, die in Richtung Selbstzerstörung weist?

Sie alle gehen irgendwann. Irgendwann gehen sie alle. Weil ich schwermütig bin. Und still.

Das ist für mich nun Stufe drei. Winken hier nicht Resignation, Verbitterung, eine melancholische Traurigkeit in Verbindung mit einer tiefen Sehnsucht nach ... mit mehr Händen, als Du zum Winken hast?

Und genau hier bin ich deshalb geneigt zu sagen, dass hier ein Maß an "unguter Kränklichkeit" vorliegen könnte, welches über Spaß am rein ficktechnischen Konsumieren doch locker hinauszugehen scheint.

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