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Lebensfehlentscheidung

s?ensiSbelxman


Praktiker krempeln die Ärmel hoch, greifen ins Chaos und machen erst mal hübsche grobsortierte Häufchen, die sie dann später sortieren.

Naja, Wissenschaftler sind mitunter auch solche "Praktiker". ;-)

Deshalb muss ich doch nicht blind sein für alles, was mir deshalb durch die Lappen geht. Deshalb darf ich mir doch der Tatsache bewusst sein, dass seine Existenz mich bezüglich Beziehungsentscheidungen deutlich unfreier macht. Und das muss ich nicht automatisch gut finden. Und ich darf mich fragen – wie wäre es denn, wenn es ihn nicht gäbe? Wenn es ihn nie gegeben hätte?

Diese Frage ist nämlich der erste Schritt zu einem Arbeiten an meinem jetzigen, bekindeten Leben – die Initialzündung zu einer vertieften Theaterprogrammrecherche, zum Beispiel, um dieses Universum dem kindlosen Paralleluniversum wieder anzunähern.

Abwarten und Teetrinken. Dein Kind wird älter und von dir unabhängiger- dann kannst du vieles wieder aus dem Paralleluniversum machen. Ich kann auch verstehen, dass es für einen Denkmenschen manchmal schwer ist, mit dem Baby, dass nicht richtig sprechen kann, dass einen oft nicht versteht, umzugehen- aller Knuddeligkeit zum Trotz. Das kann man als besonders ärgerlich oder auch als besonders anspruchsvolle Aufgabe sehen. Heute stärker das Baby und irgendwann wieder stärker dein Beruf ...

SLhojxo


meine Mutter hat mir auch erzählt, dass sie die ersten Monate keine Muttergefühle in dem Sinn für mich hatte. Sie hat mich umsorgt, mir gegeben, was ich brauchte, aber diese typische Mutterliebe, von der hier manche schwärmen, kam erst durch ein Schlüsselerlebnis. (Kleio)

Meine Hebamme hat mir erzählt, dass bei an die 30% der Frauen die Liebe zum eigenen Kind sich erst entwickelt. In dem Sinne ist das sogar ziemlich normal, denn dann betrifft es fast jede dritte Mutter. Die meisten verschweigen es jedoch, kümmern sich und sind dann ganz still für sich unendlich erleichtert, wenn es sich endlich "normalisiert". Die Reaktionen darauf, wenn eine Frau offen damit umgeht, sind sehr unterschiedlich, wie ich anhand eigener Feldforschung erfahren habe – sie reichen von Anstarren und offen bekundeter Verachtung und Bemerkungen wie "dann hättest du wohl kein Kind bekommen sollen, sei doch mal dankbar, wie kannst du nur" über gelassenes "Ach, das kommt schon noch, das gibts manchmal, mach dir keinen Kopf" bis hin zu – erstaunlich häufigen – Fastzusammenbrüchen des Gegenübers vor lauter Erleichterung, damit nicht allein zu sein.

Der starke Impuls, sich um das Kind zu kümmern, der ist meistens da, aus instinktiven, aber auch gesellschaftlich-sozialen Gründen (es wird eben erwartet). Aber die Liebe? Die kann man nicht herbeihexen, wenn sie nun mal eine Weile braucht, um zu erwachen und zu wachsen. Bei mir ist sie ganz mörderisch erwacht und gewachsen – sie hat dafür fast ein Jahr gebraucht und wächst seitdem noch immer. Mein Baby war mir sehr fremd. Unser Kind ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Dieses Kind, genau das. Wenn ich Fotos aus der allerersten Zeit anschaue, überflutet mich Zärtlichkeit, die ich damals noch nicht empfinden konnte. Ich finde das nicht schlimm im Rückblick – damals hat es mir große Angst gemacht. Und dafür, für die große Angst und Verunsicherung, die viele Frauen in dieser Lage empfinden, mache ich zu einem nicht kleinen Teil die grausamen (tja) Klotzköpfe verantwortlich, die ständig säuseln, dass man sein Kind von der ersten Sekunde an soooo liiiieben würde, ganz von allein, alles andere sei doch total unnormal. Dieser Unfug und diese Fehlannahme führen für viele Familien zu einer großen und schrecklichen Belastung in den ersten Wochen und Monaten.

uVpMexla


Das erinnert mich ein wenig an dieses "gebären tut zwar so weh, die schlimmsten Schmerzen meines Lebens, aber kaum war es da war alles vergessen". Blödsinn, ich hab gar nix vergessen.

IBsabexll


upela

Du wirst es auch nicht vergessen – aber es wird übertrumpft durch die Jahre die vergehen.

Lies' nochmal shojos Beitrag (ich mußte bei diesem Faden auch stark an den ihren denken den sie damals schrieb *:) @:) ).

Ich selbst kann mich mit Deiner jetzigen Situation nicht identifizieren, denn wahrscheinlich bin ich einfach in dieser Hinsicht zu pragmatisch – ich habe meine Mädels von Anfang an geliebt. Ich hatte mich für sie entschieden, also klappte es auch emotional. Es klappte auch ansonsten, obwohl ich im Nachhinein gleich zwei solcher Kindsväter hatte/habe wie Du es beschreibst. Über deren Handeln habe ich mich ebenso geärgert wie Du – aber ich habe auch recht schnell dann gesagt: "So nicht – dann eben ohne" – da war ich recht knallhart wenn ich das heute mal so resumiere. Es gab zwei-drei Chancen, das war's. Eben Pragmatismus pur, da wurden irgendwann die Emotionen gekillt. So nach dem Motto "wer nicht will hat schon gehabt....".....Es gibt nun mal Entscheidungen die bestimmte Konsequenzen nach sich ziehen, wer da nicht mitzieht hat Pech gehabt.....

Mir wurde durch solches Handeln schon öfter mal fehlende Empathie nachgesagt, bishin dazu, dass ich mir sogar "Isabell ist einfach ein Arschloch" nachsagen lassen mußte. Auch hier im Forum gab es das letztes Jahr als es um eine recht wichtige Entscheidung ging.

Doch das hat damit nichts zu tun: Ich verstehe durchaus was in Dir vorgeht, ich habe auch damals immer verstanden was in den Kindsvätern vorging. Nur war das einfach nicht zu vereinbaren mit meinem Lebenskonzept. Entscheide ich mich, dann stehe ich dazu und muß die Konsequenzen tragen. Und auch wenn Du jetzt vielleicht denkst "Was labert die da dauert über sich selbst" ;-) – ich will Dir damit sagen: Wenn Du Dich dazu bekennst, dass es DEINE Entscheidung war und ist, zu dieser Entscheidung stehst – dann fällt Dir das Ganze wesentlich leichter.

Ich hatte auch so meine Träume und Wünsche...weißt Du wie ich es nannte wenn sie nicht erfüllbar waren? Flexiblilität. Einen Plan wegen des Kindes umzuschmeißen, Dinge auf die man sich gefreut hat verzichten zu müssen – da wurde öfter mal feste geschluckt, aber da war dann der Gedanke sofort da "Es war Deine Entscheidung, also handle auch danach...".

Und gehe nicht hin und sage "Eigentlich wollte ER das ja und ER hat mich dazu überredet" – nein, er hat Dich zu nichts gezwungen – es war letztendlich DEINE Entscheidung. Mache Dich nicht zum Opfer irgendeiner Willkür von Außen. Damit tust Du Dir keinen Gefallen. Stehe zu DEINEN Entscheidungen.

Hört sich gerade in Deiner momentanen Gefühlswelt Scheiße für Dich an? Verstehe ich. Es aber zu akzeptieren wie es momentan ist, ist viel, viel leichter als dagegen anzukämpfen.

Genauso wie Du jetzt meinst, dass Du das Geburtserlebnis, die Schmerzen, nie vergessen wirst – tausche das lieber durch den Gedanken aus, dass Dein Baby mal ein Kind wird (siehe Shojo), es immer größer wird -schneller als Du denkst ;-)- und Du wieder freier atmen können wirst – mit jedem Jahr mehr.

:)_

W"inter`fexst


Aber Isabell...ganz am Anfang waren wir ja an einem Punkt, an dem upela sagte, dass es mit Baby einfacher war als mit Kleinkind. Das Er-ist-kein-Baby-mehr hat ihr Gefühl ja (wenn ich es richtig verstehe) gerade noch verstärkt.

Und wenn der Mangel an Selbstbestimmtheit das ist, was ihr das Leben schwer macht, dann wird es noch lange lange so gehen. So geht es mir: Was mich nun fertig macht, dass wird gerade erst richtig bemerkbar. Und wird erstmal noch "schlimmer" werden. Denn bis meine Tochter wirklich anfangen kann, sich von mir als Mutter zu lösen und ich mich mal wirklich auch wieder innerlich frei machen kann (denn ein "ich habe mal schnell 5 Minuten zum alleine-aufs-Klo gehen, weil das Kind gerade ne Banane isst" ist nun auch nicht wirklich die Grundlage für innerliche Freiheit) wird es noch ne ganze Weile dauern.

Vertrösten hilft mir da wenig. Auch wenn es wahrscheinlich der Wahrheit entspricht – es macht es nur noch schlimmer, warten zu müssen. Wichtig erscheint mir, das hier und heute leben zu können, ohne es für Jahre nur als überleben zu empfinden. Und vielleicht geht es ganz schnell, sich anders zu fühlen. Aber die Panik vor dem, was vielleicht kommt, muss auch erstmal überstanden sein...

Sorry upela, deine Gefühle sind vielleicht ganz andere. Ich finde es nur einfacher, von mir selbst auszugehen :)

waintersAonn e 0x1


Vielleicht hilft es dir ja, dir vorzustellen, was würde im aller schlimmsten Fall passieren?

Zum Bps. beruflich: du wirst nicht Professor...o.k. Enttäuschungen tut weh, man stirbt aber nicht daran... und dann ":/ ? Du hast einen Abschluss, du kannst woanders arbeiten, eine Stelle wirst du bestimmt finden.... nachdem du die Enttäuschung verarbeitest hat, wirst du merken man kann damit leben und dann verliert die Vorstellung an Schrecken.

Zum Bsp. Partnerschaft..im schlimmsten Fall geht man auseinander, das wäre schlimm... aber weiter geht das Leben dann auch

zum Bsp. Kind... du "erfüllst" jetzt schon deine Mutterpflichten, du magst ihn... also kann es da doch nur positiv vorangehen, wenn du dir immer klar machst, dass der Kleine nichts für deine Unzufriedenheit etwas kann, also sei fair zu ihm und wie die anderen schon schrieben: die emotionale Seite kann man auch entwickeln und daran arbeiten...viel gemeinsame Zeit verbringen, versuchen zu genießen und manches kommt auch mit der Zeit

und vielleicht sagst du in ein paar Jahren: ach es war gut, dass es anders gekommen ist, als ich gewollt/geplant habe.

Das hilft dir zwar momentan nicht, aber das Plan B machen hilft.... mir zu mindestens oft :)z

B+arcrelonqetxa


Man mag mich kleinkariert nennen, aber dass so häufig mantraartig wiederholte "mit Kind musst du eben zurückstecken" und ähnliches macht mich oft ganz fuchsteufelwild, auch wenn ich selbst gar keine Kinder möchte. Einfach, weil es impliziert, dass am Ende immer nur die Mutter durch ein heroisches Opfer die Familie retten kann, weil das eben immer die Mutter macht, weil das eben die Aufgabe einer guten Mutter ist. Da gewöhnt man sich schon dran, ist halt so. Du bist halt die Mutter, hättste Mal vorher nachgedacht.Warum nie der Vater? Warum kann nicht auch ein Mann stoisch ertragen, dass sein eigenes persönliches Vorankommen für die Kinder erstmal auf Eis gelegt wird. Upelas Kerl hat ja schon leicht reduziert und offensichtlich diesbezüglich kaum Leidensdruck verspürt, aber so viel ist das halt auch nicht. Ich habe da immer den Eindruck, dass man dann denkt, mönsch, der Kerl macht ja schon sooo viel, viel mehr als so viele andere, das muss man ihm jetzt einfach mal anerkennen, der tut genug. Ich finde es einfach so himmelschreiend unfair, dass am Ende immer nur die Frau mit durch persönliche Hingabe die Familie retten können soll, weil das der Weg des geringsten Widerstands ist. Weil man das schon immer so gemacht hat. Warum nicht mal die Männer?

Bnarce9lonetxa


Du hast einen Abschluss, du kannst woanders arbeiten, eine Stelle wirst du bestimmt finden.... nachdem du die Enttäuschung verarbeitest hat, wirst du merken man kann damit leben und dann verliert die Vorstellung an Schrecken.

Ich will ein Umdenken des Lebensweges jetzt nicht schlecht- oder gar unmöglich reden, aber upela ist offensichtlich eine leidenschaftliche Wissenschaftlerin. Da werden sie die normalen Jobs in der Industrie vermutlich so gar nicht vom Hocker reißen.

IQsabexll


Barceloneta

Man mag mich kleinkariert nennen, aber dass so häufig mantraartig wiederholte "mit Kind musst du eben zurückstecken" und ähnliches macht mich oft ganz fuchsteufelwild, auch wenn ich selbst gar keine Kinder möchte. Einfach, weil es impliziert, dass am Ende immer nur die Mutter durch ein heroisches Opfer die Familie retten kann, weil das eben immer die Mutter macht, weil das eben die Aufgabe einer guten Mutter ist.

Stop, Stop..... ;-)

Also komme mir nicht mit "heroischem Opfer" – denn genauso pragmatisch wie ich meine Aufgabe als Mutter schon immer gesehen habe, sehe ich auch die "Aufgabe" des Kindes: Nämlich nach und nach zeitgleich mit der Entwicklung des Selbständig- und immer unahängiger Werdens, akzeptieren und respektieren zu müssen, dass eben "die Mutter" auch ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen ist.

Nur habe ich mittlerweile den Eindruck, dass es heutzutage immer schlimmer wird in diesem Bereich: Mütter haben gefälligst "heroisch" und "selbstaufgebend" zu sein. Der Ausgleich mit der Entwicklung des Kindes lässt mehr und mehr nach. "Hotel Mama" ist nicht mehr verpönt, sondern hat in gewissem Maße einfach "gegeben zu sein".

Egal, ich will nicht abschweifen.

Du wolltest ja auch mehr darauf hinaus mit der Aussage:

Warum nie der Vater? Warum kann nicht auch ein Mann stoisch ertragen,....(...)...

Leider gehen die Männer, bzw. Väter, unter, die das durchaus tun.

Und die andere Seite, also die der Mütter die merken, dass der Vater sich nicht so kümmert wie sie es will oder sich überhaupt nicht kümmert – was soll diese Mutter tun? Sich, bzw. ihre Kraft also darauf verschwenden ihn dazu zu zwingen?

Winterfest

Und wenn der Mangel an Selbstbestimmtheit das ist, was ihr das Leben schwer macht, dann wird es noch lange lange so gehen. So geht es mir: Was mich nun fertig macht, dass wird gerade erst richtig bemerkbar. Und wird erstmal noch "schlimmer" werden. Denn bis meine Tochter wirklich anfangen kann, sich von mir als Mutter zu lösen und ich mich mal wirklich auch wieder innerlich frei machen kann (denn ein "ich habe mal schnell 5 Minuten zum alleine-aufs-Klo gehen, weil das Kind gerade ne Banane isst" ist nun auch nicht wirklich die Grundlage für innerliche Freiheit) wird es noch ne ganze Weile dauern.

Es wird aber anders werden. Mit jedem Jahr oder meinetwegen auch alle 3 Jahre. Vom reinen Wickeln und füttern kommt es zum eigenständigen auf's Klo gehen, eigenständig die Mahlzeiten mitessen die man kocht, die Nächte werden durchgeschlafen, der Kindergarten kommt, die Schule kommt...es werden Freunde besucht, man kann gemeinsam Spiele spielen, es wird draußen mit anderen Kindern rumgetobt....irgendwann steht jeden Tag was Anderes an....man selbst als Mutter hat immer mehr Zeit für sich selbst.

Es sei denn, man macht sich selbst zur Geißel des Kindes und erhebt den Anspruch 24/7 für es da sein zu müssen.

Und das meine ich oben damit was ich an Barceloneta geschrieben habe: Die "heroische" Mutter, die 24/7 ihrem Kind solange es zu Hause lebt (oder darüber hinaus) den "Hintern pudert oder hinterherträgt" – die wird heute oft verlangt, aber ist sie den wirklich nötig?

sPensVib0elmaxn


Die "heroische" Mutter, die 24/7 ihrem Kind solange es zu Hause lebt (oder darüber hinaus) den "Hintern pudert oder hinterherträgt" – die wird heute oft verlangt, aber ist sie den wirklich nötig?

... der beste Weg zu zu verwöhnten "Paschas" und "Prinzessinnen", die kaum gelernt haben, Probleme selbst zu lösen und anzugehen und selbst Verantwortung für das eigene Leben und für Mitmenschen zu tragen, Rücksicht zu nehmen und Hilfe zu geben, wenn sie gebraucht wird.

wjiEntersFonn;e 0x1


@ flämchen

dein Beitrag von 12:36 Uhr drückt viel von dem aus, was ich auch denke. :)= :)^

Ich kann es echt nicht verstehen, wie man so harte Dinge denken kann. Ich hatte 2 Baby's...fast im gleichen Alter (1 Jahr Abstand), also anstrengend war es genug aber gedacht habe ich so nie. :|N

Aber gut, dass ich das mal lese hier...insofern Danke für eure Offenheit. Bisher wusste ich, dass es Depressionen während oder nach der Schwangerschaft geben kann ... aber nicht, dass Überforderung solche Gedanken auslösen kann. :-o (sich kurzeitig sogar den Tod des Kindes wünschen zu können ???

Sollte meine Tochter mal ein Baby haben, werde ich um so offener sein, genau hinsehen, wann konkrete Hilfe notwendig ist.

Ansonsten sage ich noch mal ganz pragmatisch: man kann nicht alles haben im Leben und wenn man dann langsam die Augen öffnet und schaut, was realistisch möglich ist, tut das sicher dem seelischen Gleichgewicht gut.

Aber so etwas ist ein Prozess. Manche machen den eher durch, wenn sie zum Bsp. merken, dass sie nicht superklug sind, kein Abi schaffen oder anderweitig Begrenzung erfahren.

Vielleicht fällt es einem schwerer, wenn man immer alles "machen" konnte, wenn man nur selbst wollte. Ein bisschen Demut tut da gut. Denn, dass man klug ist, ist ja ein Geschenk , wofür man dankbar sein sollte und eben nicht denken: es steht mir zu alles zu erreichen.

Und da finde ich es gut, dass man dann ein Kind bekommt und damit eigentlich der Prozess sich selbst und seine Ziele/Wünsche nicht zu wichtig zu nehmen in Gang kommt.

Denn spätestens jetzt hat da ein anderes das Recht drauf.. nämlich das Kind! Das ist klein und erst mal hilflos und hat alle Liebe und Unterstützung verdient...ja und auch glücklich und zufriedene Eltern (jedenfalls überwiegend :=o )

w7inters]onne 01


Sollte meine Tochter mal ein Baby haben, werde ich um so offener sein, genau hinsehen, wann konkrete Hilfe notwendig ist

beim ev. Kind vom Sohn und dessen Frau natürlich genauso ;-)

Snhojxo


Aber gut, dass ich das mal lese hier...insofern Danke für eure Offenheit. Bisher wusste ich, dass es Depressionen während oder nach der Schwangerschaft geben kann ... aber nicht, dass Überforderung solche Gedanken auslösen kann. :-o (sich kurzeitig sogar den Tod des Kindes wünschen zu können ???

Bei mir war es tatsächlich eine später auch diagnostizierte postpartale Depression. Wobei ich denke, das ist halt nicht immer so trennscharf auseinanderzufriemeln in Häuflein mit 100% von einer postpartalen Depression Betroffenen und zu 100% nicht davon Betroffenen, das sind ja komplexe Prozesse und fließende Übergänge.
Ich stand damals wirklich manchmal nah an den Gleisen, während eine U-Bahn reinrauschte, und hab gedacht, lustig, ich kann nachvollziehen, wie es ist, wenn man einfach diesen Schritt macht und eben nicht daran denkt, wie es dem U-Bahnfahrer damit geht, den anderen Leuten auf dem Bahnsteig, denen, die einen wegkratzen müssen, den eigenen Angehörigen, irgendwem. Ich war sonst immer wütend auf "diese Leute", die ihr eigenes Elend irgendwem so vor die Füße knallen, dass es dem auch dreckig geht – mit welchem Recht machen die das, habe ich mich immer gefragt. Und da stand ich dann und wusste, dass es darum nicht geht. Dass die Welt und alle früheren Definitionen und Gedanken so weit fort sein können, dass sie schlicht kein Maßstab mehr sind, dass einem alles so gleichgültig sein kann, dass man einfach keine Reserven mehr für Überlegungen zum Wohlergehen eines Fremden übrig hat. Das war, so im Nachhinein, eine ungeheuer faszinierende Erfahrung, die mich in ein komplett anderes Universum geschleudert hat, das ich mir vorher nicht habe vorstellen können.
Du darfst aber impulshafte Gedanken nicht damit verwechseln, sich zu wünschen, das Kind sei tot. Es geht dabei nicht um den Tod des Kindes, sondern um die Wiederherstellung des Ichs, mit welcher das Hirn fast zwanghaft beschäftigt ist. Es rollt dabei alle nur irgend denkbaren Optionen auf, und je nach Verzweiflungsgrad und auch je nach Bereitschaft, sich so etwas einzugestehen, liegt es nahezu auf der Hand, dass auch die Frage dabei mit in diese wilde Rotation gerät: Und was, wenn einfach das Kind weg wäre? Das ist aber vom tatsächlichen Wunsch nach dem Kindstod um viele, viele Meilen entfernt. Es ist womöglich noch weiter voneinander entfernt als Vergewaltigungsphantasien von dem Wunsch, wirklich vergewaltigt zu werden. In beiden Fällen haben Impulsgedanke und Realität sehr wenig Deckungsgleichheit, im Grunde unterscheiden sie sich sogar ganz grundlegend im gesamten Inhalt, in der gesamten Ausrichtung. Wobei ich gerade denke, vielleicht ist das ein schlechtes Beispiel, denn das verstehen ja zu meiner großen Irritation auch sehr viele Menschen nicht. Mir fällt aber gerade kein besseres ein.

S\unflo~wer_X73


@ Shojo:

:)z :)^ :)=

Habe bzgl. eines Beispiels weiterüberlegt... aber mir fällt so spontan auch nichts sein. Bzw. die hinken alle irgendwo. %-|

K=lexio


Barcelonata

Einfach, weil es impliziert, dass am Ende immer nur die Mutter durch ein heroisches Opfer die Familie retten kann, weil das eben immer die Mutter macht, weil das eben die Aufgabe einer guten Mutter ist. Da gewöhnt man sich schon dran, ist halt so. Du bist halt die Mutter, hättste Mal vorher nachgedacht.Warum nie der Vater? Warum kann nicht auch ein Mann stoisch ertragen, dass sein eigenes persönliches Vorankommen für die Kinder erstmal auf Eis gelegt wird.

Sehe ich auch so. :)z

Würde ich das als Kind wirklich wollen, dass Eltern nicht einmal probieren ihre berufliche Erfüllung zu finden, eine private, inklusive Kind. Ich würde solche Eltern nicht wollen, die Zack mit meiner Geburt plötzlich alles nur auf mich konzentrieren. Das fände ich echt schlimm – mal abgesehen davon, dass so ein elterliches Verhalten ein Kind oft gleich erdrückt, automatisch ein schlechtes Gewissen konditioniert, etc. etc. Das ist es, was schon erwähnt wurde, nicht offen kommuniziert und damit nicht nur das Leben der Eltern, sondern auch des Kindes in Schieflage lenkt. Also – nein, danke. :|N Verzicht – klar, aber doch keine "Aufopferung". Weder würde ich eine unterdrückte noch offene Aufopferung wollen, denn gerade jene Mütter, kommen sich oft als das Opferlamm vor, sind dann auch so beweihräuchernd, reden so leidend, mit diesem erhobenen Zeigefinger anderen Müttern gegenüber, weil die das doch auch sollen (es nicht nicht ums nicht-können, sondern eben nicht-wollen) und es nicht tun – eben jene, die es ja sooo gut meinen und vergessen, was gut gemeint bedeutet.

Wenn die Mutter (oder der Vater) ihre Bedürfnisse ein paar Jahre auf Eis legen und sich dann wieder auf den Beruf konzentrieren, dann gibt es oft erst recht Schwierigkeiten mit den Kids, weil sie es ja gewohnt sind alles in den Hinter geschoben zu bekommen – Selbständigkeit – Selbstverantwortlichkeit – weit und breit nicht zu sehen.

Ich finde es einfach so himmelschreiend unfair, dass am Ende immer nur die Frau mit durch persönliche Hingabe die Familie retten können soll, weil das der Weg des geringsten Widerstands ist. Weil man das schon immer so gemacht hat. Warum nicht mal die Männer?

Sehe ich auch so. Viele Frauen fangen z. B. im künstlerischen Bereich oft erst an, wenn die Kinder ausgezogen sind oder wenn sie in die Pension kommen. Klar können talentierte dann immer noch etwas schaffen, aber dann gibt es noch jene Mütter, die organisieren, satraffen, in die Nacht hinein z. B. schreiben und sich zwar verlangsamt entwickeln, aber geistig nicht stagnieren. Das kann es nicht sein. Klar, ein Baby kann nichts dafür, dass es in eine Familie geboren wurde, aber ich würde keine Eltern wollen, die sich als Opfer sehen. Wie schon erwähnt, klar, Verzicht hier und da, und das kann aus meiner Sicht aufgeteilt werden, auch auf das Kind und es wird es auch tragen können, wenn diese Rollenverteilung dazu beiträgt, dass Mutter und Vater glücklich sind und nicht nur existieren, weil plötzlich ein Kind da ist.

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