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Lebensfehlentscheidung

DZer k2leine* Prinz


Was meinst du damit? Es gibt natürlich gute und schlechte Pflegedienste. Ein Vorteil, wenn man Kinder hat ist, dass die ein Auge drauf haben können. Mein Großvater wurde in seinen letzten Wochen daheim vom Pflegedienst mehrmals am Tag versorgt zuletzt kam er dann ins Hospiz und das funktionierte sehr gut und war eine Erleichterung für alle Beteiligten. Dass die Pflege durch Angehörige immer besser ist glaube ich nicht.

Davon abgesehen, dass es gute und schlechte Pflegedienste gibt, haben sie vor allem Zeitvorgaben. Die Mutter einer Bekannten von mir, ca. 90 Jahre alt, hat vor langem einem Schlaganfall bekommen, seither ist sie halbseitig gelähmt. Bestimmte Dinge kann sie deswegen nicht, wie z. B. BH an- oder ausziehen usw. Der PD kommt morgens und abends ca. 15 Minuten, in dieser Zeit wird die Frau gewaschen und an- bzw. ausgezogen. Das ist alles. Das ist der sogenannte "professionelle PD". Wennn es dann keine Kinder gibt, die von den restlichen 23,5 Stunden wenigstens zwei, drei Stunden da sind und bestimmte Dinge machen, und wenn es nur Anwesenheit, Reden, halt etwas Geselligkeit ist, dann hat man schlicht verloren. Der nächste Schritt ist raus aus der Wohnung und die Umwandlung in eine Folge beliebiger Ziffern.

SDhxojo


Ich glaube, so krass war das nicht gemeint. Und klar weiß man nie, wie es sich entwickelt. Aber das Gefühl, dass jemand DA ist, das ist nicht unwichtig.

Ich glaube, es geht noch darüber hinaus. Es geht auch darum, dass jemand da ist, der einen etwas angeht und den man etwas angeht, dass da eine Verbindung ist, an der nichts Beliebiges ist. Selbst wenn das Verhältnis schlecht ist, ist da ja diese Verbindung – man ist mit einem anderen lebendigen Wesen verbunden, das Gegenwart und Zukunft verkörpert. Mit dem Tod wird nicht die Verbindung zur Welt gekappt, und man schaut im Alter nicht nur zu, wie alle Freunde älter werden und sterben, sondern nimmt Teil am Weiterbestehen des Lebens oder hat davon zumindest Kenntnis. Für mich hat das bisher in umgekehrter Richtung funktioniert – mein Vater ist recht früh gestorben, und ich habe ihn immer noch an meiner Seite, ich denke an ihn, ich liebe ihn, von ihm bleibt ein Echo in der Welt, das über das hinausgeht, was er selbst direkt produziert hat. Selbst wenn ich auch irgendwann verstumme – wenn, nicht falls, denn das tu ich ja irgendwann – es ist mehr dagewesen als nur das Echo seiner eigenen Stimme. So empfinde ich es. Und irgendwie ist es ein schönes Gefühl, dass auch mein Echo weitergetragen wird. Dass ich teilhabe daran, dass Leben weiterbesteht ... nun gibt es an Menschen ja keinen Mangel, deshalb ist daran nichts Rationales, aber trotzdem empfinde ich es so.
Natürlich können Kinder einen "verlassen", aber sie sind dann noch da, irgendwo. Sie können sterben – das ist das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Sicherheiten gibt es nicht. Aber ich stelle es mir auch schmerzlich vor, wenn man etwas so Grundlegendes, etwas so zutiefst im Menschsein beziehungsweise im Lebendigsein Angelegtes gern möchte und es aus unterschiedlichen Gründen einfach nicht geht oder man es nicht tut.

Andererseits kenne ich Menschen, die keine Kinder möchten, von denen ich glaube, dass sie es nicht bereuen werden. Ich bin sogar fest davon überzeugt. Leises Bedauern, ja, bereuen: nein. Das gibt es durchaus auch. Vermutlich vor allem dann, wenn sich jemand aus "inneren" Gründen gegen Kinder entscheidet, nicht aus "äußeren", also aus Umstandsgründen.

DYumaxl


Der kleine Prinz

Wennn es dann keine Kinder gibt, die von den restlichen 23,5 Stunden wenigstens zwei, drei Stunden da sind und bestimmte Dinge machen, und wenn es nur Anwesenheit, Reden, halt etwas Geselligkeit ist, dann hat man schlicht verloren.

Das setzt aber räumliche Nähe, Zeit und dann noch Interesse voraus. Nach den Beobachtungen bei meinem Opa und seiner Frau: Gute Nachbarschaft ist diesbezüglich viel mehr Wert, als eine (große!!!) Familie.

D8er kleOine *Prinz


Ja, tut es.

Aber ich bin sicher, Du kennst das geflügelte Wort: "wer will sucht Wege, wer nicht will sucht Gründe".

Nachbarschaft ist u.U. was Gutes, aber auch was sehr Unverbindliches.

Es muss eh jeder selbst wissen, was er wie löst, da gibts keine allgemeingültigen Rezepte.

dCanae{8x7


Sunflower

Wenn ich mein Leben anschaue: Es war NIE der Moment da, wo EIN Aspekt stimmte. Kredit um Lebensunterhalt zu finanzieren, Partner der kein Kind will (und noch so einige andere Dinge), 25qm-Wohnung. Es passte nie irgendwas.

Wie gut ich dich verstehe. Ich saß auf nem Festival mit nem positiven Test in der Hand. Kein Partner sondern eine Somemraffaire, mitten im Studium einzig meine Wohnung war mit drei Zimmern groß genug. Sie hatte ihre Macken, aber sie war bezahlbar und groß genug. ;-D ;-D Habe mich trotzdem für das Kind entschieden, versucht aus der Affaire eine Beziehung zu machen (welch Wunder das es nicht klappte ;-)) und am Ende denke ich: wird schon werden. Vielleicht studiere ich gerade total umsonst zuende weil mein Job nicht wirklich Kinder-kompatibel ist, aber immerhin hab ich dann meinen Abschluß und irgendwas werde ich finden, man lernt ja auch abseits des fachlichen einiges im Studium. Vielleicht werde ich am Ende in dem anderen Job sogar glücklicher als ich das in dem ursprünglich geplanten je geworden werde, wer weiß.

Andererseits kenne ich Menschen, die keine Kinder möchten, von denen ich glaube, dass sie es nicht bereuen werden. Ich bin sogar fest davon überzeugt. Leises Bedauern, ja, bereuen: nein. Das gibt es durchaus auch. Vermutlich vor allem dann, wenn sich jemand aus "inneren" Gründen gegen Kinder entscheidet, nicht aus "äußeren", also aus Umstandsgründen.

Eindeutig, ja!

Ansosnten hab ich bei meinem Kind gar keine so großen Zukunftsgedanken. Also im Sinne von, wenn ich mal alt bin sondern finde das sie mein hier und jetzt ungemein spannend gestaltet.

SMunfl~owxer_73


Ich glaube, es geht noch darüber hinaus. Es geht auch darum, dass jemand da ist, der einen etwas angeht und den man etwas angeht, dass da eine Verbindung ist, an der nichts Beliebiges ist.

Ja. Genau. Wenn meine Eltern sterben (und mit dem Thema musste ich mich in den letzten Jahren auseinandersetzen, ua. aufgr. Krebsdiagnose bei meiner Ma) bleibt bei mir quasi niemand mehr. Ja, mein Vater war das jüngste von 9 Kindern und blabla, aber die Familie ist dann zu groß, um da Kontakte zu pflegen. Und und und.

Ich werde gefühlt allein übrigbleiben. Und das ist kein schöner Gedanke. Auch wenn man von Kindern nichts erwartet usw. Tja...

Andererseits kenne ich Menschen, die keine Kinder möchten, von denen ich glaube, dass sie es nicht bereuen werden. Ich bin sogar fest davon überzeugt. Leises Bedauern, ja, bereuen: nein. Das gibt es durchaus auch. Vermutlich vor allem dann, wenn sich jemand aus "inneren" Gründen gegen Kinder entscheidet, nicht aus "äußeren", also aus Umstandsgründen.

Auf jeden Fall gibt es die! Ich habe zwei solche Freundinnen. Die eine hat sogar "nur" Hauptschule und Ausbildung im Supermarkt. Seit 20 Jahren mit demselben Partner, der auf dem Bau gut verdient. Also eigentlich die typische Kinderkriegerin. Aber da ist nur ein klares NEIN. Völlig zufrieden. Obwohl ihr Leben (aus meiner sicherlich "versnobten" Sicht) ziemlich simpel ist und kindertauglich: Platz, Geld, fester Partner, keine exotischen Urlaubspläne,... Dinge, von denen ich träume, liegen nicht mal in ihrem Horizont. Aber dennoch: Klares zufriedenes Nein zum Kind.

Da denke ich dann manchmal: Schön, wenn ICH es mir so einfach machen könnte mit dem, was nun mal ist.

@ danae:

Respekt. Ernsthaft. Das ist die Phase, wo ich fast schon panisch bemüht war, in einer eher lockeren Beziehung (= keine dauerhafte Perspektive) panisch bemüht war, bloß nicht schwanger zu werden. Worüber man dann hinterher anders denkt... ]:D

Verdammt blöd, dieses "hätte ich es mal anders gemacht". ]:D

dYaGnafe8x7


Sunflower

Meinem Frauenarzt sind fast die AUgen rausgefallen und er meinte er hätte seinen Doktortitel verwettet das ich nicht schwanger sein könnte.. Hätte er man mit mir gewettet, ich hätte nun nen Dr. in Humangenetik. ]:D ]:D

Hat schon etwas gedauert bis ich zu einer gewissen Gelassenheit gefunden habe und das hadern sein lassen konnte. Nun seh ich mir die familen an in denen eigentlich alles passte, Geld, jahrelange Partnerschaft und so weiter und irgendwie scheint es für sie gefühlt nicht leichter zu sein als für mich. ":/ ":/ Ich glaube die Grundhaltung ist am Ende entscheidend. Hast du den Hundertjährigen gelesen? Seine Mutter sagte doch immer: "Was ist das ist und was kommt das kommt." Clevere Frau, mit der Einstellung gehts mir wirklich entschieden besser. ;-D ;-D

Und ich denke nicht das Kinderlosigkeit, auch ungewollte, unbedingt zum unglücklich sein verdammt. habe da eine ältere Dame vor Augen deren Mann jung verunglückte. Dann hatte sie viel Pech mit Männern und so wurde es nie etwas mit den Kindern die sie so gerne gehabt hätte. Die wirkt nicht unglücklich oder verbittert sondern hat einen ganzen Satz Patenkinder von Freunden und erfreut sich daran diese aufwachsen zu sehen und genießt ansonsten ihr Leben so wie es ist.

Am Ende muss man sich auf das konzentrieren was ist ohne immer über den Tellerrand zu starren, glaube ich.

SNunftlowexr_73


danae,

der Hundertjährige steht noch auf meiner Leseliste. Sollte ich wohl mal hochstufen.

Am Ende muss man sich auf das konzentrieren was ist ohne immer über den Tellerrand zu starren, glaube ich.

Auf jeden Fall! Ganz persönlich liegt das Problem wohl darin, dass es zu viele Verluste in zu vielen Lebensbereichen sind und dann manchmal eine Grenze erreicht ist. Und diese extreme Schwangerschafts-Häufung im Umfeld.

cwlair"et


Es geht auch darum, dass jemand da ist, der einen etwas angeht und den man etwas angeht, dass da eine Verbindung ist, an der nichts Beliebiges ist. Selbst wenn das Verhältnis schlecht ist, ist da ja diese Verbindung – man ist mit einem anderen lebendigen Wesen verbunden, das Gegenwart und Zukunft verkörpert. Mit dem Tod wird nicht die Verbindung zur Welt gekappt, und man schaut im Alter nicht nur zu, wie alle Freunde älter werden und sterben, sondern nimmt Teil am Weiterbestehen des Lebens oder hat davon zumindest Kenntnis.

Wenn meine Eltern sterben (und mit dem Thema musste ich mich in den letzten Jahren auseinandersetzen, ua. aufgr. Krebsdiagnose bei meiner Ma) bleibt bei mir quasi niemand mehr. Ja, mein Vater war das jüngste von 9 Kindern und blabla, aber die Familie ist dann zu groß, um da Kontakte zu pflegen. Und und und.

Ich werde gefühlt allein übrigbleiben. Und das ist kein schöner Gedanke. Auch wenn man von Kindern nichts erwartet usw. Tja...

Nachdem meine Mutter starb auch Krebs, verdammter hatte ich sofort den Impuls ein Kind zu bekommen. Damit das Leben weitergeführt wird, um es dem Tod zu zeigen, um eine Verbindung zu schaffen. Aber leise im Hinterkopf auch den gegenläufigen Impuls erst recht kein Kind zu bekommen, um diesen unvermeidlichen Kreislauf von Trauer und Verlust nicht fortzuführen. ...

D,e%r kle-inBe Prxinz


Mal nur so als Anstoß: ich bin ja selbst einer aus der Generation, die es nicht mehr für opportun hielt, Kinder haben zu wollen. Weil das so ist, kenne/kannte ich natürlich sehr sehr viele Leute, die damals jederzeit und aus dem Eff Eff eine Menge Gründe anführen konnten, warum sie keine Kinder wollten. War bei mir ja nicht anders. Von der SS 20 über die Luftverschmutzung bis hin zur weltweiten Überbevölkerung hatte ich auch die ganze Palette drauf.

Aber ich kenne heute keine einzige Person, die sagt, "bin ich froh, dass ich damals keine Kinder bekommen habe". Günstigstenfalls wird nicht darüber geredet. Schlimmstenfalls sind Menschen darüber besorgt.

Das ist schon ziemlich eindeutig, finde ich jedenfalls.

S3unf.lowBerx_73


@ Prinz:

Allerdings.

Wobei ich das Thema (d.h. die Reue) v.a. von Frauen kenne, wo ja irgendwann rein biologisch Schluss ist. Bei Männern erlebe ich das weniger extrem. Dafür andere Extremfälle (die Schwester einer Freundin hat einen 23 Jahre älteren Mann geheiratet, der dann mit 63 halt nochmal Papa wurde. Hatte schon eine erwachsene Tochter aus erster Ehe)... Davon kann man halten was man will, ich erlebe aber vor genau DEM Hintergrund kinderlose Männer da oft entspannter, weil zumindest eine theoretische Option bleibt.

Lbianp-J;ilxl


Mal nur so als Anstoß: ich bin ja selbst einer aus der Generation, die es nicht mehr für opportun hielt, Kinder haben zu wollen. Weil das so ist, kenne/kannte ich natürlich sehr sehr viele Leute, die damals jederzeit und aus dem Eff Eff eine Menge Gründe anführen konnten, warum sie keine Kinder wollten. War bei mir ja nicht anders. Von der SS 20 über die Luftverschmutzung bis hin zur weltweiten Überbevölkerung hatte ich auch die ganze Palette drauf.

Damals durfte man noch nicht so offen zugeben, dass man einfach keine Lust auf Kinder hatte ;-D (Scherz).

D^er k`leine }Priznz


Ja, für mich machte es sich doof, zu sagen, dass ich lieber mit dem Motorrad um die Welt fahre und unabhängig bin, als mich um Kind(er) zu kümmern ;-D (Ernst).

LiiaZn-aJill


Zwei meiner Brüder und meine beiden Schwager waren jeweils Mitte 40 beim ersten Kind.

Mein Großvater mütterlicherseits hat im Alter zwichen 41 und 62 noch neun Kinder gezeugt.

Duer? keleiIne Pxrinz


Ok. Aber ich kann doch jetzt nicht mehr ...

... und mit wem? ;-)

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