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Lebensfehlentscheidung

PLi=efxfke


Liebe upela!

Ich kann Deine Situation sehr gut nachvollziehen, mir geht es sehr sehr ähnlich. Auch ich liebe meinen kleinen Sohn sehr. Aber ich wünsche mir auch regelmässig, dass es einfach -plopp- macht und ich mit meinem alten Leben in meiner netten Singlewohnung aufwache....

B~arceGlo-nexta


Keine Erfahrungswerte, keine Vorbilder, keine Familien mit ählichem Modell rundum. Nein, ich hatte keine Vorstellung.

Ich lese in Fäden rund um das Thema Kind ja recht gerne, weil ich versuche, die Emotionen in einem Teilbereich des Lebens nachzuvollziehen, in dem sie mir völlig fremd sind. Da, wie völlig zu erwarten war, ja darauf hingewiesen wurde, dass man das ja alles hätte wissen müssen und in Foren nachlesen usw., möchte ich gerne mal meine Wahrnehmung als stiller Zuschauer einbringen: Du hättest das so echt nicht wissen können. Das Verhalten der jeweiligen Gesprächspartner ist, je nach Situation, absolut paradox. Wenn es um die Angst vor der Veränderung geht oder eine Frau ungewollt schwanger ist, werden sich primär Leute ins Feld werfen, die auch mit Säugling den Nanga Prabat bestiegen haben und die einen darin bestärken, dass sich bei guter Organisation alles gut wegstecken lässt. Alles halb so wild! Wenn jetzt aber jemand kommt, der die Unanehmlichkeiten mit voller Breitseite abkriegt, dann hat man natürlich alles vorher gewusst (das gleiche passiert auch, wenn sich jemand in einer unvernünftigen Situation ein Kind wünscht). Das kann man also getrost in die Tonne treten. Für den Umgang mit der Fremdbestimmtheit und mit zwiespältigen Gefühlen empfehle ich dir Shojos Faden, wenn du ihn nicht ohnehin schon kennst. Da ist die Situation zwar auch nochmal anders, aber er trifft sicher einiges davon im Kern.

uJpelxa


Shojo les ich gern, sie steht so auf einer Metaebene über den Dingen, mir fehlt manchmal wie jetzt die Leichtigkeit der Ironie... Pieffke, ganz ganz genau. Ich stell mir dann das Paralleluniversum vor, in dem ich anders entschieden habe. Wie gehst du damit um?

d;anaBex87


upela

Ich hab eine bescheide Nacht hinter mir, aber imemrhin hatte ich Zeit über deine Situation nachzudenken. Nochmal: auch wenn es vorher nicht so rausgekommen ist: Ich verstehe dich voll und ganz. "Das hättest du wissen können" ist blabla. Niemand weiß was für ein Kind er bekommt und niemand weiß was für eine Mutter/Vater er oder sie sein wird wenn es dann soweit ist. Man kann eben immer erst wissen wie man eine bestimmte Situation empfinden wird wenn man drinne steckt, vorher ist das alles Spekulation. Ich stand heulend am Wickeltisch und wollte mich erhängen oder gleich mit meinem Schreikind zusammen aus dem Fenster springen. Die Momente in denen ich meine Seele ohne zu zögern an Satan verschachert hätte um in dem Moment auf dem Forschungsprojekt zu sein das ich wegen Baby absagen musste kann ich nicht mehr zählen.

Kletterpflanze hat es ja bei mir schon rausgelesen: ich hab das selbe Problem mit meinem Partner. Es ist mir scheiß egal das er sich nicht vorstellen kann wie es ist schwanger zu sein. Wenn ich ihm sage das es mir schlecht geht und das ich das nicht mehr heben kann dann sollte ein intelligenter Mensch fähig sein sich zu bewegen. Ganz besonders wenn seine Partnerin eigentlich nie jammert sondern sich erst meldet wenn es kurz vor 12 ist. Klappt aber nicht. Er guckt mich an wie kaputtes Auto mit Standlicht und meint staunend das es ja bisher auch ganz gut lief. Was ich dafür getan habe das es läuft sieht er nicht oder eben auch nicht was es mich kostet.

Fakt ist aber das man ein Kind hat oder hier eben auch bald zwei. Die Tür zu deinem alten Leben ist zu. Da ist einfach Ende Gelände. Man kann sich nun davor stellen und all die Bilder von vorher beschwören oder man seufzt beherzt, dreht sich um und schaut sich in dem neuen Raum um in dem man steht und welche Türen und Möglichkeiten es hier gibt es sich so schön als möglich zu machen. Das ist ein unglaublich schmerzhafter Prozess und hat mich wirklich Tränen gekostet, aber am Ende war es erleichternd die alten Bilder von der Tür zu nehmen und ins Album zu pinnen (im übertragenden Sinne) und den neuen Raum zu gestalten.

Das heißt für mich ganz persönlich:

- Uni hinten anstellen -> frustriert mich nur wenn ich das nicht anständig machen kann

- Kind nach vorn stellen -> ist einfach zuviel Arbeit um es nebenbei zu machen und ich hab ja auch hier den Anspruch es richtig zu machen

- Mann und ich brauchen Hilfe. So wie es jetzt läuft ist er ein zusätzlicher Belastungsfaktor (auch wenn er als Papa toll tobt etc.) der mich nur Kraft kostet die ich anderswo besser brauche

- feste Zeiten für Hobbys: Sonntagabend gehört zum Beispiel MIR. Keine Verhandlungen außer natürlich in Kind-krank Notfällen. Je größer die Kinder werden desto leichter wird das zu vermitteln.

Winterkind

Stimmt es fordert mehr von einem als Betreuungsperson wenn sie größer werden, aber es gibt einem auch mehr wenn man sich darauf einlässt. Da kommt einfach mehr zurück als bei so einem Baby das man einfach als Transportgut mitgeschleift hat. Und GANZ WICHTIG: sie zetern zwar weil sie es nicht gewohnt sind, aber sie können verstehen das man jetzt gerade eine Auszeit oder Pause hat und das man diese drei Seiten JETZT noch liest. Notfälle mal ausgenommen können Kinder warten lernen. Man braucht alelrdings Nerven dazu, denn am Anfang gibt das natürlich ein Mordsgequengel und Gebrüll. Immer dran denken: Das ist gut für Kind und Mutter wenn man das durchzieht.

Gedankenfluege

Ich sag dir mal was: Eigentlich kenn ich keine Mutter die ihren Nachwuchs nicht hin und wieder auf den Mond schießen wollte und das ganz unspaßig voller Wut. Ich bin inzwischen gerne Mutter, sonst bekäme ich nicht noch eins, aber niemals hätte ich ahnen können was mir das abverlangen würde. Und den Blödsinn ala "Für die Kleinen macht man es doch gerne" kann man sich sonst wohin schmieren wenn man sich selbst als Person auflöst! Man macht es weil es gemacht werden muss, man findet sein Kind auch meist ganz reizend und lieb, aber Spaß macht es bei weitem nicht immer. Das erwartet aber bei einem anderen Job auch kein Schwein von einem, also das man jede Aufgabe die anfällt gerne und mit vollem Herzen macht. Das ist ein Anspruch vor dem nur Eltern stehen und da zumindest in meiner Wahrnehmung besonders Mütter. Genau dieser Druck macht es einem dann nur noch schwerer alles zu akzeptieren, da hat man dann ständig das tolle Gefühl nicht zu reichen weil man beim 30 Body nicht merh in Verzükungsschreie ausbricht weil der ja hach so niedlich ist sondern sich ärgert das man für diesen Kleinkram nochmal losmusste under ganze Nachmittag hinüber ist.

S%hcojo


Dein Fuck! am Anfang kam sehr unsympathisch rüber.. als wenn du sagst: blödes Kind.. ich weiß, das hast du nicht gemeint.. aber daher kommen ev. so deutlich negative Kommentare.

Ach, Quatsch. Ich beispielsweise fand das FUCK höchst sympathisch. Und diese Sorte negativer Kommentare kommt immer und auch gern von immer denselben Verdächtigen, sobald jemand nicht angesichts des heiligen Kälbchens vor Glück, Aufopferungsbereitschaft und Sichlächendabfinden fast explodiert.

Der "schmusige Scheiß" ist für die Entwicklung eines Kindes essentiell. Und wenn sich eine Mutter so über ihr Kind äußert, habe ich genau in diesem Bereich Bauchweh und nicht im Bereich "Infrastruktur" (wie das genannt wurde).

Für ein Kind ist es essenziell ja, seit der Reform bedauerlicherweise mit z, was MIR immer noch Bauchweh macht, aber nun mal so ist,, dass die Mutter statt fuck ojemine sagt und Dinge, die sie ärgern, runterschluckt, statt sie auszuspucken? Sachmal. Nein, für ein Kind ist es erstens wichtig, dass es geliebt wird – und das wird es ja, auch wenn die Mutter in diesem Fall mit vielem Drumrum hadert. Zweitens ist es wichtig, dass es den Eltern gut geht. Daran arbeitet upela gerade, und wenn sie sich da mit einem FUCK Luft machen muss, weil sie so funktioniert, dann ist das richtig und gut so.
Nahezu alle Eltern haben mal ganz gepflegt die Schnauze voll von all dem Windelsabberspuckheulnervscheißdreck. Manche sagen dann "Ojemine, aber es gibt mir ja auch soooo viel zurück!" Andere sagen dann: "FUCK!" Leute von der ersten Sorte sind schockiert von Leuten der zweiten, und Leute der zweiten denken auch meist eher despektierlich über Leute der ersteren Sorte, aber die Liebe – die kann bei beiden Arten, mit Widrigkeiten umzugehen, vorhanden und wunderbar sein oder aber eher destruktiv. Ich mag FUCK-Eltern viel lieber, da weiß man schneller und gründlicher, woran man ist, und muss sich nicht durch all das Gesäusele zum Kern vorarbeiten, dafür hab ich keine Geduld – auch als Kind nicht, nie gehabt, meine zuckersüße Säuseltante hatte an mir keine Freude.

Dann kostet die nächste Austattung halt 300 statt 50 Franken. Die, weil wir Kindskosten gehaltsprozentual teilen, vorwiegend an mir hängen bleiben. Sooo einfach ist "nicht tun" nicht. Dann würde der Kleine null gefördert und bekäme Schrott zu essen.

Wir haben das mal so aufgeteilt: Einer bemerkt, der andere bezahlt. Ein bisschen wie mit dem Tortenteilprinzip – einer schneidet die Torte in zwei Hälften, der andere sucht sein Stück zuerst aus. Na gut, nicht ganz deckungsgleich, aber beides an Fairness orientiert. ;-D Es war also so: Wenn einer bemerkte, dass Klamotten fehlen, dann hat er es dem anderen mitgeteilt, und der hat sich dann am kommenden Wochenende mit dem Kind zum Einkaufen aufgemacht oder eben im Internet bestellt. Das war ungeheuer heilsam. o:)

Wenn ihr gehaltsprozentual aufteilt, wird es für Dich insgesamt ja aber weder teurer noch billiger, ganz gleich, ob ihr einmal 300 oder sechsmal 50 ausgebt, oder? Und Klamotten kann man, wenn es ums Geld geht, auch ganz wunderbar gebraucht kaufen (machen wir zu 80% oder so, passt ja eh nicht lange, ist mir zu blöd), aber ich vermute, es geht Dir nicht ums Geld, sondern um den Ärger, dass alles an Dir hängenbleibt – Du bezahlst mehr, UND Du musst dran denken, weil er es nicht tut.

Mein ganzes Mitgefühl investiere ich in das Kind, weil es das schwächste Glied in der Kette ist und so überhaupt kein Option hat, "irgendwas zu ändern". Und weil selbst kleinste Kinder sowas "fühlen", auch wenn sie es noch nicht verstehen können. :-(

Blablabla. Von Deinem Mitgefühl kann sich hier keiner was kaufen. Und wenn hier schon von Weitsicht gefaselt wird: Wenn Dein elementares menschliches Interesse diesem armen kleinen Erdenwurm gilt und nicht Deiner Selbstdarstellung als mitfühlende Seele, dann tu das Einzige, was Du für es tun kannst: Setz alles dran, dass es der Mutter besser geht. Ansonsten ist das alles nur selbstreferenzielles Getröte und legt nicht gerade den Gedanken nah, dass Du von echter Empathie auch nur den Hauch einer Ahnung hast. Da geht es gerade einer ganzen kleinen Familie nicht so gut, und das Kind isoliert zu betrachten ist Unfug.

Ich kann nicht: fremdbestimmt sein.

Ich auch nicht. Es nervt auch oft immer noch. Unser Kleiner ist ja jetzt drei, das ist ein komplett anderer Abwasch, und man kann ihm gut sagen: "Ich lese das hier noch zuende, dann spielen wir." In 90% der Fälle trabt er dann von dannen, ich lese fertig und halte dann tunlichst mein Versprechen, denn Vertrauenswürdigkeit ist unverzichtbar für solche Deals. Trotzdem nervt es mich gelegentlich immer noch. Wie es mich auch nervt, wenn mein Kerl abends sagt, los, Bett, weil ich sonst bis Mitternacht rumrödeln würde. Oder wie es mich nervt, dass ich gleich ein bisschen behördenzeug zu erledigen habe, bevor ich mich auf die Arbeit stürze. Aber es ist wirklich anders geworden. Früher hatte ich regelrecht Angst vor den Bedürfnissen des Kleinen – sie waren so unmittelbar, so wenig verhandelbar, oft so undurchschaubar für mich. Das ändert sich. Mit dem ersten Jahr hast Du schon ganz wahnsinnig viel geschafft. Ich fand es ab da an deutlich besser, und so ein richtiger Sprung war noch mal mit zwei Jahren und ein paar Monaten, so einer, nach dem ich oft gedacht habe: "Huch, ich habs gar nicht mehr so eilig, ich denke gar nicht mehr so oft, wachs doch schneller und zieh endlich aus ... ich gehe abends in sein Zimmer und schau ihm beim Schlafen zu, und alles summt und brummt in mir vor Glück, und ich fühle mich ganz zu Hause in diesem Augenblick. Was ist passiert? ich habe gern ein Kind und genau dieses und genau jetzt. Ich! Gern!" Ich hätte das niemals zu hoffen gewagt.
Diese Tage, an denen ich es scheiße finde – inzwischen weiß ich, dass sie vorbeigehen, und halte sie aus. Manchmal steuere ich bewusst gegen, schmeiße alle anderen Belange über Bord, bei denen es eben geht, und schau nur drauf, was wir Schönes unternehmen können. Hilft fast immer. Ansonsten bin ich halt mal ein, zwei Tage knurrig, er kann das inzwischen einsortieren und sagt dann: "Mama, du bist heute doof, geh in mein Zimmer und bock dich aus." Dann nehme ich mir ein Buch mit in sein Zimmer, bocke mich aus, und irgendwann lässt er mich wieder raus. ;-D

Du hättest das so echt nicht wissen können.

Nee. Ahnen, unken, klar. Aber soll man denn immer unken und griesgrämig sein und sich nichts trauen, weil es eventuell anders und vielleicht sogar doof werden könnte? Und ... wissen, wie man sich in einer vollkommen neuen Situation fühlen wird und wie man selbst und der Partner damit umgehen? Wie denn das, um Himmels willen? Ist ja auch überall alles voll von Schilderungen (und auch dem Frauenbild), wie alles top und erstklassig unter einen Hut gebracht wird von den neuen Superwomen.

Shojo les ich gern

Na, dann ist das ja gut, dass ich so viel geschrieben habe. ;-D Ich arbeite mich immer lesend vor in langen Fäden und fang schon an zu schreiben, lange ehe ich auf der letzten Seite angekommen bin.

Und den Blödsinn ala "Für die Kleinen macht man es doch gerne" kann man sich sonst wohin schmieren wenn man sich selbst als Person auflöst! Man macht es weil es gemacht werden muss, man findet sein Kind auch meist ganz reizend und lieb, aber Spaß macht es bei weitem nicht immer. Das erwartet aber bei einem anderen Job auch kein Schwein von einem, also das man jede Aufgabe die anfällt gerne und mit vollem Herzen macht.

Das mit der Auflösung wird wirklich, wirklich besser. Tausendfach besser. Und mir fiel es auch ab dem Zeitpunkt alles viel leichter, als ich dachte: "Warum zum Teufel soll das eigentlich immerzu Spaß machen, bis sich mir vor Seligkeit die Ohren kräuseln? Kann ichs nicht einfach auch mal alles völlig scheiße finden, solange ichs nur eben erledige, wenn es sein muss? Ich juble doch auch nicht, wenn ich bei Hagel mit dem Hund raus muss, damit er kackt, und ich liebe meine Arbeit, aber eben nicht, wenn ich mal wieder an Heiligabend bis zwei Stunden vor der Bescherung mit meinem Zettelchaos dasitze und am ersten Weihnachtstag gleich damit weitermachen muss, dann kotzt mich diese so geliebte Arbeit an, und ich schreie FUCK und träume von Paralleluniversen.

Darf man auch, wenns ums Kind geht. Ehrlich. Umso schöner die Momente, in denen man ans Paralleluniversum denkt und begreift: Da will ich nicht sein, in keinem davon, nur hier.

deana=e8x7


Das mit der Auflösung wird wirklich, wirklich besser. Tausendfach besser. Und mir fiel es auch ab dem Zeitpunkt alles viel leichter, als ich dachte: "Warum zum Teufel soll das eigentlich immerzu Spaß machen, bis sich mir vor Seligkeit die Ohren kräuseln? Kann ichs nicht einfach auch mal alles völlig scheiße finden, solange ichs nur eben erledige, wenn es sein muss?

Eindeutig auch einer meiner AHA Momente. ;-D ;-D Hat ganz viel Druck rausgenommen und damit mir auch Luft gegeben die tollen Momente wieder viel bewusster zu genießen, sogar sosehr das ich noch eines wollte und will.

SNhxojo


Übrigens glaube ich, dass die Entscheidung gegen das Kinderhaben für viele Leute die angenehmere ist, die entspanntere, die, die besser zu ihnen passt. Ich glaube aber auch, dass man das beste aus einer Entscheidung machen kann, die sich als nicht optimal erwiesen hat, und ganz und gar wieder Fuß fassen kann, bis zu dem Punkt, an dem man gar nicht mehr mit der Person im Paralleluniversum würde tauschen wollen. Man weiß ja auch gar nicht, was diese andere Person jetzt vielleicht für Probleme hat, man entwickelt sich ja doch sehr auseinander. ;-D Du hast jetzt ein Kind, Dein Leben ist im Moment anstrengend, und eigentlich möchtest Du 80% von Dir in die Arbeit investieren, 80% ins Kind und die Partnerschaft, und für Dich selbst sollen auch noch bescheidene 10 übrig bleiben. Das geht rechnerisch nicht auf, wie immer Du es drehst, Du musst Abstriche machen, am leichtesten macht man in der Situation Abstriche bei sich selbst, weil dann keiner weint (man selbst ist ja tapfer, und außerdem wird schon genug geheult auf der Welt), der Boden dreht sich unter den Füßen, und es ist einfach nicht zu schaffen. Alles nur halb, nichts richtig, das ganze Gleichgewicht völlig aus den Fugen.

Ich glaube, das ist ganz normal. Dass Du Dich neu sortieren musst. Auch: dass es mehr ist, als man schaffen kann. Dass Du Abstriche machen musst.

Wenn Dein Mann ein guter Vater ist, wenn er liebevoll ist und sich auch grundlegend kümmert, dann überleg mal, was passiert, wenn Du ein bisschen mehr loslässt. Vielleicht liege ich ganz falsch, aber es klingt so, als würde er schon durchaus machen – aber eben so, wie er es für richtig und notwendig hält, und da das unter deinem Standard liegt, sitzt Du ihm ständig im Nacken. Was gibt er dem Kind zu essen – ist es wirklich so scheußlich, wirklich nur Mist? Wenn ich nicht koche, gibt es bei uns am Wochenende oft Gemüsepfanne und Reis ... oder aber Nudeln. Oder Pfannkuchen. Oder Nudeln. Oder Spätzle. Oder Nudeln. Oder Spagetti. Ich finde das haarsträubend. Aber fünfmal die Woche isst der Kleine im Kindergarten biologisch korrektes Grünzeug oder glückliche Kühe (vorher fachgerecht hingerichtet, versteht sich). Ist es dann wirklich dramatisch, wenn er am Wochenende Nudeln isst? Zumal der Kerl gelegentlich unglaubliche Großtaten vollbringt und auf einmal Rotkohl bei uns hoch im Kurs steht, ist halt selten, es kommt aber vor. Seit ich mich entschieden habe, nämlich, nicht mehr so reinzuquaken. Klamotten – passen die dann wirklich gar nicht mehr, oder passen die nur in absehbarer Zeit nicht mehr ganz so gut?

Schaut mal, was euch wichtig ist, was euch nervt, worum sich jeder kümmern mag, was euch jeweils schwerfällt. Sortiert ein bisschen um und neu. Und die Bereiche, die in seine Zuständigkeit fallen, die gehen Dich dann nur noch bei wirklich akuter Kindswohlgefährdung was an. Et vice versa.

Sbhojxo


sogar sosehr das ich noch eines wollte und will.

Eher. Friert. Die. Hölle. Zu.

Nee. Ich nicht. Noch mal schwanger, noch mal stillen, noch mal Baby, noch mal zurück ... nein. Nicht ohne Bedauern, aber zu 100%: nein. Ich finde es großartig, dass das bei Dir anders ist, aber bei mir wirklich ums Verrecken nicht. Nicht mal, wenn ich damit tausend armen Waisenkindern das Leben retten und die weltweiten Emissionswerte um 50% senken könnte. %:| Ich bin da ganz bei Scarlett O'Hara in der Szene, wo sie ruft: "Ich werde nie wieder gebären. NIE WIEDER!" :-D

Txhis Twiwlighgt GDardexn


[[http://www.med1.de/Forum/Saeuglinge/656568/19954024/]] euer kleiner ist seit seinem 6. monat in der krippe...

AUlouesttxe


Hallo upela,

ich kann Dich auch gut verstehen, mir geht es ebenfalls oft ähnlich. Natürlich hört sich "Lebensfehlentscheidung" erstmal krass und herzlos an, aber es gibt nunmal Menschen (und nein, nicht nur Frauen), die wahrscheinlich glücklicher geworden/geblieben wären, hätten sie kein(e) Kind(er) bekommen.

Vielleicht können einige Menschen genau vorhersehen, wie sehr und in welcher Form ein Baby das Leben verändern wird (oder genauer das Erleben und Fühlen – dass eins der Elternteile erstmal weniger arbeiten können wird z. B. ist wohl allen klar, aber wie genau sich das auf die eigene Psyche auswirkt, vielleicht nicht. Gleiches gilt für Fremdbestimmtheit, Schlafmangel, den Druck durch die anderen scheinbar perfekten, immer geduldigen Eltern/Mütter, die veränderten Rollen innerhalb der Partnerschaft etc.), ich konnte es jedenfalls nicht. Ja, diese fehlende Weitsicht ist blöd, in manchen Fällen sogar dramatisch (vor allem fürs Kind, das ja tatsächlich um nichts gebeten hat), aber bestimmt nicht bösartig, leichtfertig oder in irgendeiner Weise absichtlich, deshalb finde ich es wirklich unangebracht, hier so darauf rumzuhacken. Vorwürfe machen sich die Mütter (Väter), die hinterher feststellen müssen, dass sie nicht zu den glücklichen Eltern gehören, meist eh schon genug und von ganz alleine.

Wichtig finde ich zu verstehen, dass man trotz dieses (phasenweisen) Gefühls, eine "Lebensfehlentscheidung" getroffen zu haben, sein Kind voll und ganz lieben kann. Für mich sind das zwei voneinander getrennte Gefühle; ich liebe meinen Dreijährigen über alles, und dennoch denke ich oft, dass es "besser" (für ihn, für mich, für seinen Vater) gewesen wäre, hätte ich kein Kind mit diesem bestimmten Mann bekommen. Ich denke nie, niemals: "Hätte ich doch meinen Sohn nie bekommen". Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass er nichts dergleichen zu spüren bekommt, denn er ist nicht unerwünscht. Er kriegt sicherlich Frustration und Streß mit, aber dabei geht es eher um die Gesamtsituation (Probleme mit dem Vater, Frust über das Zuhausesein etc.), und das kriegen viele Kinder mit. Ist nicht optimal, aber auch kein Megadrama.

Ich denke wie viele der anderen Mitschreiber, dass der Knackpunkt Deine Beziehung zu Deinem Freund ist. Aus Deinen Zeilen klingt viel Groll und Frust über sein Verhalten, seine mangelnde Mithilfe und Anerkennung, sein fehlendes Verständnis. Du scheinst sehr enttäuscht von ihm zu sein. Deshalb finde auch ich die Frage "Wie hast Du Dir das Leben mit Kind denn vorgestellt?" sehr wichtig – nicht im Sinne eines Vorwurfs, sondern um herauszufinden, wodurch genau sich eine veränderte, aber nun auch nicht völlig katastrophale Situation (= wir haben jetzt ein Kind) in etwas momentan ziemlich Unerträgliches für Dich verwandelt hat.

Für mich kann ich sagen, dass die Beziehung zu meinem Mann vor unserem gemeinsamen Kind zwar nicht perfekt, aber doch harmonisch und liebevoll genug war, um zu glauben/davon zu träumen, dass wir gemeinsam als liebevolle Eltern mit den gleichen Grundwerten ein Kind geduldig aufziehen können. Dass wir zwar durchaus über Erziehungsfragen diskutieren würden, uns grundsätzlich aber einig sind. Dass wir uns die Erziehungsarbeit teilen. Dass wir beide gerne Zeit mit unserem Kind verbringen, dafür ein paar andere Dinge hintenan stellen würden, und uns über das Eltern-sein freuen. Dass wir ein Team bleiben, so wie wir vorher eins waren.

Aus verschiedenen Gründen ist es nicht so gekommen wie in meinen (naiven) Träumen. Die wenigen auch schon vorher "unperfekten" Punkte in der Beziehung stellen sich nun in der Elternschaft als elementar wichtig und schwerwiegend heraus. Hätte ich das vorher wissen müssen? Weiß man sowas vorher? Gab es solche Schwachstellen auch bei Euch?

Was ich jedenfalls weiß, ist, dass viele der Dinge, die mich nun stören an meinem Leben, einfacher zu ertragen und zu akzeptiere wären, wenn die Beziehung noch funktionieren würde. Wenn wir noch ein Team wären. Dann könnte ich mit weniger Frust zuhause sein. Dann wären die Wochenenden schöner und ein echter Ausgleich. Dann wäre ich bestimmt auch geduldiger und weniger gestreßt mit meinem Mutterdasein, hätte mehr Energie und Kraft. Und dann würde ich weniger in meinem kleinen schwarzen Loch versinken und besser erkennen, dass es sich gerade um eine mehr oder weniger schwere Lebensphase handelt, aber nicht mein gesamtes Leben vergeigt ist.

Ich denke, das eigentliche Problem ist die Partnerschaft. Der Rest regelt sich, denn auch hier lautet und gilt das Elternmantra "ES IST NUR EINE PHASE". Nicht die Elternschaft an sich, natürlich nicht, man ist von nun an immer Mutter oder Vater, aber diese extreme Abhängigkeit des Kindes. Das Gefühl der Fremdbestimmtheit. Das geht vorbei! Dein Kind wird größer, unabhängiger. Es wird in den Kindergarten gehen, in die Schule, sich nachmittags mit Freunden verabreden usw. Du wirst wieder mehr Freiräume haben und Zeit für eine Erwerbstätigkeit, vielleicht eine Fortsetzung Deiner Karriere. Und auch jetzt schon kannst Du andere Frauen/Mütter finden, die mehr als drei Seiten lesen. Ins Theater gehen. Dinge aus Deinem "alten Leben" in Dein "neues Leben" hinübertragen. Nicht alle Mütter sind Muttertiere (meiner Erfahrung nach sogar die wenigsten).

Und Dein Mann und Du könnt eine Paartherapie versuchen (und Du evtl. Einzelstunden?), um diesen Groll, den Frust und die Enttäuschung in den Griff zu kriegen, die im Moment alles zu vergiften und verdunkeln scheinen. Und damit Du auch gefühlsmäßig verstehst, dass es kein Drama ist, dass Dein "altes Leben" vorbei ist (bzw. dass es gar nicht sowas wie "altes" und "neues" Leben geben muß). Damit Du nicht nur das schwarze Loch siehst, sondern auch Lichtblicke und gute Seiten, die es durchaus auch mit Kind gibt und aktuell nur vernebelt sind. Ich wünsche Dir und Euch alles Gute!!

TThisS Twi,light nGardexn


ich glaube, du scheiterst gerade an dir selber.

an deinem anspruch.

und deinen frust bekommt dein mann und euer kind ab.

du fährst gerade voll die ego-schiene. willst alles, geht nicht. bist sauer.

du hast noch nicht die neuen umstände akzepziert, deswegen fühlst du dich so fremdgesteuert. das bist du alles selbst, nicht die umstände. deine bewertung, dein kopf. wenn du SO weitermachst, entgeht dir einiges...

bei mir hat es auch laange gedauert, deswegen verstehe ich dich gut!

die realität sieht doch teilweise besser aus, als bei so manch anderen: du hast einen mann, der unterstützt dich in der kinderbetreuung, euer kind ist zusätzlich fremdbetreut...

Awlo%uextte


Hm, inzwischen wurde das, was ich umständlich zu sagen versuche, schon verständlicher und schneller geschrieben...

J6ueli20x06


Liebe upela,

Kompliment für deine schonungslose Offenheit :)_

Ich bewundere das, denn ich weiß genau: ICH hätte mich NIE getraut, die Situation so zu beschreiben wie du. Und ich freue mich auch total, dass du dafür von einigen vehement in Schutz genommen wirst! Ich erkenne mich in vielen deiner Worte wieder und stelle mir vor, dass ich jetzt in einer ziemlich ähnlichen Lage "gefangen" wäre wie du, hätte ich je Kinder bekommen oder würde es je tun.

Shojo

(deren Beiträge ich übrigens auch immer gern lese :)^ ) hat das super zusammengefasst:

Übrigens glaube ich, dass die Entscheidung gegen das Kinderhaben für viele Leute die angenehmere ist, die entspanntere, die, die besser zu ihnen passt. Ich glaube aber auch, dass man das beste aus einer Entscheidung machen kann, die sich als nicht optimal erwiesen hat, und ganz und gar wieder Fuß fassen kann, bis zu dem Punkt, an dem man gar nicht mehr mit der Person im Paralleluniversum würde tauschen wollen. Man weiß ja auch gar nicht, was diese andere Person jetzt vielleicht für Probleme hat

:)= :)=

S unf]lowebr_7x3


Ich halte Deine Reaktion im Grundsatz schon für normal. Bei mir im Umfeld (alles Akademiker, 90% promoviert) herrscht der Babyboom, aber das totale naive Glück herrscht nirgendwo.

Was mir bei DIR aber auffällt: Was tust DU dafür, aus der Situation das Beste zu machen? Ja, Du bist unzufrieden und fühlst Dich in der Falle. Es wird aber niemand kommen und Dich da rauszaubern. Das ist DEINE Aufgabe und mit der entsprechenden Bereitschaft ist das auch möglich (Bsp.: Eine Freundin kam mit 3 Monate altem Baby zum Stammtisch in die Kneipe. Mann ist beruflich viel im Ausland, ihr fiel die Decke auf den Kopf. Also wurde Kind kurzerhand mitgeschleppt. Von 19-23h Cocktailkneipe im zarten Alter von 3 Monaten. Gespräche wie immer, Babythemen wurden nur kurz angerissen. So, wie einzelne Alltagsaspekte aus dem Leben der restllichen Truppe halt auch thematisiert werden. Nur weil besagte Freundin gerade zu Hause sitzt mit Kind, hat sie weder ihre Neugierde an wissenschaftlichen Themen verloren noch ihren scharfen Verstand. Sie SELBER reduziert sich nicht aufs Muttersein und im Gespräch ist es egal, ob sie aktuell arbeitet/forscht oder eben nicht.)

Und noch ein Hinweis, dass Du nicht allein bist:

[[http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/beruf-und-familie-man-muss-wahnsinnig-sein-heute-ein-kind-zu-kriegen-12737513.html]]

Lesenwert sind auch dir dort verlinkten Artikel zum Thema.

uKpexla


Oh, oh, so viele Meldungen und sogar von der grossen Shojo höchstpersönlich. For the record: mein Kind wurde mit einem *FUUUUUUUUUUCK* geboren. ;-)

Ja, ich scheitere an meinen Ansprüchen, an mich, an das Leben, ab mein Umfeld. Runterschrauben ist nicht immer gut, finde ich. Man muss hohe Latten stecken, sonst wächst man nicht.

Ja, der eben mittagsschlafende Wurm ist Teilzeit in der Krippe. Und...? Deshalb kann ich trotzdem nicht spätabends und wochenends im Labor stehen. Ich hab nicht mehr ewig für die Habilitation Zeit.

Was ich momentan tu, ist: auslagern, wo geht (Lieferservice, Putzfrau). Bald Familienberatung. Und, aber das ist schwer, den Fokus behalten üben. Nicht beim Spielen an das zu bearbeitende Manuskript denken, beim Sport über die fehlenden Experimente und beim korrigieren an ein kindstaugliches Mittagessen. Aber ich finds schwer. Und hab ich doch mal Sonntags Zeit, weiterzuschreiben, flirrt mein Kopf und nichts geht weiter. Ich stell mir den Wecker auf 5:30, weil ich morgens am produktivsten bin, in 50% der Fälle raffe ich mich dann wirklich an den Computer... Wenn ichs nicht schaff, hab ich mir gegenüber ein elend schlechtes Gewissen. Ich hab eigentlich immer ein schlechtes Gewissen, bzw kann nicht mehr abschalten.

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