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Statt therapeutischer Erstdiagnose Antidepressiva verschrieben

c,ontoQrtionxist hat die Diskussion gestartet


Hallo,

Ich dachte ich spreche das mal in so einem Forum an, werde mir dazu auch noch gründlich Gedanken machen müssen oder noch eine andere fachliche Meinung einholen, aber vielleicht hat der ein oder andere einen guten Ratschlag oder Informationen dazu.

Im Moment versuche ich, in eine ambulante Therapie zu kommen. Es gibt hier eine Vermittlungsstelle, die freie Plätze vermittelt. Um an dem Verfahren teilzunehmen soll man ein diagnostisches Erstgespräch machen in irgendeiner Praxis, dafür wurden mir Adressen gegeben.

Nun hab ich bei diesem Gespräch gestern keine Diagnose bekommen, sondern ein Rezept. Mein Freund war da auch sehr skeptisch, dass es nach einer Sitzung einem wildfremden Menschen ausgestellt wurde.

Habe selbst die Sache mit der Diagnose vergessen, da ich durch die in der Sitzung angesprochenen Themen sehr aufgewühlt war und der Therapeut hatte einen anderen Patienten und kam etwas in Zeitnot und hat es deswegen wahrscheinlich auch vergessen. Das ist vielleicht auch untergegangen im Gespräch.

Ein gewisser "Bedarf" an Medikamenten ist wahrscheinlich bei mir gegeben, aber meine Symptomatik zu erklären ist recht kompliziert und ich bin eben auch kein Fachmann. Allgemein wäre ich sehr, sehr vorsichtig und zögerlich mit Medikamenten und würde sie lieber erst im Rahmen einer festen, langfristigen Therapie in Betracht ziehen.

Da ich mich jedoch bald oder jetzt in einer Prüfungsphase befinde (was der Therapeut sicher auch bei seiner Entscheidung, mir das Rezept so früh zu geben, im Kopf hatte), bin ich schon versucht, die Medikamente zu nehmen, weil ich sehr unter Druck stehe, und mir davon etwas "Luft unter den Flügeln" erhoffe. Die Dosierung soll sehr gering sein und wahrscheinlich merke ich nicht mal etwas davon.

Ein Termin für nächsten Monat hat der Therapeut mit mir gemacht, um zu prüfen, wie die Medikamente, soweit sie es dann tun, wirken. Ich habe, auch wenn ich mich noch nicht entschieden habe, das Rezept eingelöst und die Medikamente hier.

Natürlich bräuchte man wahrscheinlich unheimlich viele Infos, um sich da differenziert und sicher äußern zu können, aber wie kann ich jetzt vorgehen, um mir in dieser Situation ein bißchen Klarheit zu verschaffen? Bei dem gleichen Therapeuten nochmal anrufen oder einen anderen konsultieren?

Citalopram dura (Citalopram) 10mg

Zalasta (Olanzapin) 2,5mg

Liebe Grüße

Antworten
sMchneeckwe19x85


So wie ich das verstehe warst du bei einem Psychiater/Neurologen, denn Psychotherapeuten dürfen keine Medikamente verschreiben. Wenn du eine therapeutische Behandlung möchtest, dann musst du dich an einen Psychotherapeuten wenden, denn Psychiater machen in der Regel genau das, was bei dir passiert ist: Die Schwere der Symptome ungefähr abschätzen und Medikamente verschreiben.

Eine wirkliche Diagnostik kann in einer Stunde auch nicht gefahren werden. Manchmal ist es aber sehr schnell klar, in welche Richtung eine Diagnose geht - bei manchen psychischen Erkrankungen geht das schneller, bei anderen sind umfassende Tests nötig.

Medikamente behandeln in der Regel die Symptome - die Ursachen müssen in einer Gesprächstherapie aufgearbeitet werden.


Noch kurz zum Citalopram: Die Dosis ist sehr, sehr gering. Du solltest dir bewusst sein, dass solche Tabletten bis zu sechs Wochen brauchen, bis sich die antidepressive Wirkung einstellt. Kurzfristig wird dir das Citalopram also nicht helfen - du wirst wahrscheinlich in der ersten Zeit nur Nebenwirkungen verspüren.

SEunmflowKer_x73


Eine psychiatrische Diagnose stellt man halt nicht nach EINEM kurzen Termin. Gerade wenn das Gesamtbild komplex ist, muss man div. Dinge abwägen. Was nicht in einer Sitzung geht.

Allerdings kann ein erfahrener Arzt durchaus anhand aktueller Symptome auf geeignete Medikamente zurückgreifen. Der Arzt wird sich zudem einen ersten Einblick verschafft haben.

Wie soll denn der Gesamtprozess jetzt weiter ablaufen? Das Verfahren verstehe ich nicht so recht.

Ein nicht zu vergessender Aspekt: Oft sind Psychologen als Therapeut die, die die umfassende und sorgfältig abgewogene Diagnose stellen (zumal sie keine Medikamente verordnen dürfen). Während Ärzte recht schnell zu Medikamenten greifen und die Termine i.d.R. auch kürzer sind.

chontobrtionxist


Ja, die Unterscheidung Therapeut / Psychiater habe ich zu der Stunde leider vergessen, sry. Ja, wahrscheinlich weiß er, was er tut, es kam mir nur seltsam vor.

Es soll denke ich gar keine vollständige Diagnose für dieses Verfahren sein, da habe ich mich falsch ausgedrückt. Es ist eben so ein "diagnostisches Erstgespräch", das in erster Linie dazu dient, einzugrenzen, welche Therapieform erforderlich ist, damit über die Zentrale schneller ein Platz gefunden wird.

"Üblicherweise wissen die Patienten, die mit der ZIP in Kontakt treten, bereits durch ein diagnostisches Erstgespräch beim Facharzt oder Psychotherapeuten, welche Therapieform für sie in Frage kommt. Falls dies nicht der Fall sein sollte, nennt die ZIP auf Wunsch ärztliche oder psychologische Psychotherapiepraxen, die ein diagnostisches Erstgespräch durchführen können" ([[http://www.kvno.de/20patienten/40zip/index.html]])

Vielen Dank für die Antworten!

S^edven.ofZ.Ninxe


Nun hab ich bei diesem Gespräch gestern keine Diagnose bekommen, sondern ein Rezept.

:-o

Mag ja sein, daß Deine Symptomatik nicht so einfach zu beschreiben ist und auch die Tatsache, daß Du aufgrund Deiner Prüfungsphase einfach nur 'funktionieren' willst bzw. musst ist nicht zu unterschätzten...... aber als Arzt einfach so ohne Diagnose ein Medikament zu verschreiben?

Wie wäre es, wenn Du Dich zumindest hier mal näher darüber äußern würdest? Vielleicht hat jemand eine Idee. Und vor allem – sind körperliche Ursachen definitiv ausgeschlossen?

Gruß

Seven

AUndrSoi9dleQr


Da du deine Symptome und Beschwerden nicht beschreibst, kann man nicht viel sagen.

Zu den Medikamenten:

Citalopram ist ein Antidepressivum, hilft gegen Depressionen, Angst, Panik, Zwänge, wird sehr oft verschrieben, sehr gut verträglich i.d.R.

Das 2. Medikament ist ein Neuroleptikum, wirkt gegen Psychosen, Wahn etc., generell sind Antipsychotika starke und nicht gerade gesunde Medikamente. Ich würde sowas persönlich nur bei extrem unertraglicgem Wahn, Halluzinationen etc. nehmen, wenn andere beruhigende Medikamente nicht ausreichen. Es gibt viele Warnungen und Negative Patienten Berichte. Deine Dosis ist allerdings sehr niedrig.

Aqndroidxler


Eine gute dezente beruhigende Wirkung hat z.b. opipramol. Wirkt leicht, bei 150 - 300 mg täglich auch stärker beruhigend. Gut verträglich.

Im Akutfall helfen auch Benzodiazepine sofort und sehr gut beruhigend und Angst lösend. Aber nicht als Dauermedikation geeignet.

cJontRoJrtio9nis;t


Danke für die differenzierten Antworten. Soetwas wie mit dem 2. Medikament habe ich befürchtet :/

Abgesehen von meinem Hormonhaushalt, der mir Serotonin-, Dopaminmäßig auf Sparflamme zu laufen scheint, nichts "köperliches" wobei du das nicht mit körperlich meinst oder?

Obwohl ..Bei mir wurde vor ein paar Jahren mal ein Verdacht auf Schilddrüsenfehlfunktion festgestellt, ich war aber immer viel zu sehr mit anderen Problemen beschäftigt, das sollte ich definitiv mal in Angriff nehmen, das ist eine sehr guter Einwand!

Ansonsten Symptome... Besonders prämenstruell habe ich Probleme, bin da vor einigen Jahren mal umgekippt, das hielt meine Frauenärztin damals soweit für unbedenklich, mittlerweile bin ich aber allgemein sehr, sehr depressiv, antriebslos, sehr ängstlich und habe während dieser Zeit immer sehr starke emotionale "Schübe", die das ein oder mal sehr an Panikattacken grenzen, Hoffnungslosigkeit/Angst, und falle einfach immer in so ein richtiges "Loch". Ich kann das leider nicht einschätzen, was alles zu der Symptomatik gehört oder mir selbst gar nicht auffällt.

Danke für die Antworten, ich gehe jetzt erstmal ins Bett und wünsche gute Nacht! *:)

A/ndro?id le{r


Da dürfte Citalopram ganz gut wirken. Vermutlich eher 20 mg. Die Wirkung kann aber 6 Wochen bis mehrere Monate bis zur vollen Entfaltung dauern. Wenn der Antrieb dann immer noch nicht reicht, muss man eventuell das Medikament wechseln. Von der Verträglichkeit und dem Nutzen werden Citalopram/cipralex und sertralin aber in der Fachliteratur am meisten empfohlen. Einnahmedauer sollte durchaus ein oder mehrere Jahre betragen, teilweise auch deutlich länger. Langzeitfolgen wurden bisher nicht festgestellt.

Meiner Meinung nach hat ein Neuroleptikum da aber rein gar nix verloren, wenn du nicht Schizophrenie hast oder stark psychotisch bist. Viele beklagen unter der Einnahme totale Leere und kaum noch Kreativität und Gefühlsleben. Des weiteren sind sehr schwere Nebenwirkungen möglich und nicht selten.

a:ugE233


Die von Dir genannte Internetseite soll Suchende und Therapeuten zusammen führen. Guter Gedanke, aber scheinbar wissen nicht alle Ärzte in NRW davon oder begreifen es nicht. Es wäre einfach für den Arzt gewesen eine Überweisung an Psychotherapie auszuschreiben mit dem Inhalt der Diagnose: Verdacht auf .... nach Deinen Schilderungen Depression, Angstzustände ... und was er eben für wichtig hält. Mit den Stichworten kann man dann diese Vermittlungsstelle beauftragen. Ob es funktioniert würde mich interessieren; bei der KV Koblenz lief es entschieden anders. Bei der derzeitigen Überlastung der Therapeuten ist es weniger die Frage den richtigen zu finden, als überhaupt einen mit möglichst baldigem Termin zu finden.

Wenn Du den Großraum deines Wohnortes nennen willst, dann findet sich hier vielleicht sehr schnell Hilfe.

ZZwacxk44


Also, wenn man nicht weiß, worunter die TE leidet und was sie darüber dem Arzt erzählt hat, und dementsprechend nicht einmal raten kann, was sich der Arzt bei seiner Verordnung gedacht hat, wird es natürlich schwierig. Was schon Androidler gesagt hat: Die jeweils verordnete Dosis ist sehr gering. Bei Citalopram liegt die empfohlene geringstwirkende Dosis bei 20 mg/Tag; daher der Zweifel, ob sich die 10 mg überhaupt positiv bemerkbar machen können.

Die Indikation für das Antipsychotikum Olanzapin beschränkt sich allerdings nicht auf Schizophrenie und Psychosen. Es ist anscheinend auch wirksam zur Behandlung von manischen Episoden, zur Phasenprophylaxe von bipolaren Störungen, und es gibt (laut Benkert/Hippius) Hinweise auf Wirksamkeit bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen, bei wahnhafter Depression, bei therapierefraktären Zwangsstörungen und erste Hinweise auf Wirksamkeit bei PTBS und GAS. Contortionist, findest Du Dich da irgendwo wieder? Dazu kommt, dass auch die Olanzapin-Dosis mit 2.5 mg sehr gering ist: Anfangsdosis 10 mg/Tag, Dosisbereich 5-20 mg Tag. Ich finde also schon, dass der behandelnde Arzt vorsichtig vorgegangen ist. Für mich stellt sich eher die Frage, ob überhaupt ein Effekt eintreten kann.

cUhadot


Mit der niedrigen Dosierung wird nur vorbereitet. Kann doch später bei richtiger Diagnosestellung und Verlauf der Erkrankung erhöt werden. So sind die Nebenwirkungen auch geringer.

Sbunjflgowe9r_73


@ zwack:

Danke für die Aufklärung bzgl. Olanzapin. Kann ich mir somit sparen, da Du alles gesagt hast.

Neuroleptikum bedeutet bei weitem nicht Schizophrenie/Psychose. Sie werden in sehr niedriger Dosiserung gerne abends zur Beruhigunge gegeben und gelten dort als risikoärmer als klassische Schlafmittel oder gar Benzodiazepine.

Bzgl. des Angebots der KVNO: Kümmer' Dich lieber selber. Die Vermittlungsstelle ist eine nette Idee, aber da knirscht es noch ziemlich. Und trotz der rechnerischen Überversorgung herrscht effektiv Therapieplatzmangel. Wenn Du genauer angeben magst, wo Du wohnst (ggf. PN), könnte man konkreter helfen.

Und ein weiterer Tipp: Ggf. Therapeut ohne Kassenzulassung suchen und ein sog. Kostenerstattungsverfahren einleiten. Hinweise hierzu: [[http://www.bptk.de/uploads/media/BPtK_Ratgeber_Kostenerstattung.pdf]]

S7ev-en.oqf.Nixne


Abgesehen von meinem Hormonhaushalt, der mir Serotonin-, Dopaminmäßig auf Sparflamme zu laufen scheint, nichts "köperliches" wobei du das nicht mit körperlich meinst oder?

Obwohl ..Bei mir wurde vor ein paar Jahren mal ein Verdacht auf Schilddrüsenfehlfunktion festgestellt

das sollte ich definitiv mal in Angriff nehmen

:)^

Laß' mich raten – Du hast eine Unterfunktion?

Oder dies hier:

Besonders prämenstruell habe ich Probleme

Darüber klagen viele Frauen, manche haben sogar nur wenige Tage im Monat, wo sie sich richtig gut fühlen. Hast Du das mal bei Dir beobachtet, wann genau treten diese 'depressiven Schübe' besonders stark auf? Falls Du die Pille nicht nimmst, wirst Du höchstwahrscheinlich sogar einen Zusammenhang mit Deinem Eisprung feststellen.

Da dürfte Citalopram ganz gut wirken.

Natürlich tut es das. Aber damit bleiben eventuelle hormonelle Probleme nach wie vor bestehen.

Gruß

Seven

R~ic/hardx61


Ich verstehe den Satz therapeutische Erstdiagnose überhaupt nicht. Das kann es von der Logik her nicht geben ich bekomme eine Diagnose und dann die Behandlungsempfehlung entweder ADs oder Therapie oder beides. Eine Diagnose ist die Einordnung des Leidens weswegen ich beim Arzt bin, eine Diagnose wird nicht therapeutisch erstellt??

Wenn ich an schweren Depressionen leide ist Citalopram sicher ein guter Ansatz und 10 mg sind da nur eine Einschleichdosis, die dann auf ca. 30 mg gesteigert werden muss.

Das Olanzapin erschliesst sich mir nicht, vielleicht soll es sedierend auf den Antrieb wirken der mit Citalopram beim Einschleichen an Fahrt gewinnt und damit das Suizidrisiko erhöht.

Der TE verschweigt hier offensichtlich viele Dinge, die hilfreich für eine Beantwortung von Fragen hier sein könnten.

Was die Diagnose betrifft, die ich vielleicht beim Arzt nicht verstanden habe, diese Frage löst sich mit Lesen des Beipackzettels oder Recherchen im Internet über das Medikament das mir verschrieben wurde. Seit ich erwachsen bin habe ich nie ein Medikament geschluckt, von dem ich nicht weiß wofür und welche Nebenwirkungen es hat. Nur so kann ich für mich autark entscheiden ob mir mein Leidensdruck es Wert ist dieses Medikament zu schlucken.

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