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Migräne, Depressionen, Familie, Studium: Überforderung

Myi>ssImporssible hat die Diskussion gestartet


Ich bin 27 Jahre alt und von Kindheitstagen an depressiv. Meine Eltern haben mich psychisch misshandelt, anders kann man es nicht nennen. Mein Bruder befindet sich aktuell in der psychiatrischen Forensik, nur mal so am Rande.

Ich befinde mich auch seit vielen Jahren in psychotherapeutischer Behandlung, aber die Depressionen kehren einfach immer wieder zurück. Es stand auch die Diagnose Borderline im Raum, so richtig geschnitten habe ich mich vor etwa 2 Jahren das letzte Mal und ansonsten wende ich Skills an, um durch den Alltag zu kommen, um nicht aufzufallen.

Letzte Woche war ich bei einem Internisten, der mir empfohlen wurde, weil er "anders” arbeiten würde. Hauptsächlich wollte ich was gegen meine Migräne machen, die ich in letzter Zeit mit höchstens 2-3 Tagen Unterbrechung hatte und jedes Mal mit Sumatriptan behandelte.

Ich erzählte ihm von mir und er sagte gleich: Wenn ich Sie wäre, hätte ich auch Kopfschmerzen!

Ich war baff. Das hatte mir noch nie jemand so gesagt. Irgendwie erwarten alle, dass ich das alles leisten kann.

Und seitdem denke ich wieder intensiver darüber nach. Wieder einmal eine Ausbildung bzw. ein Studium wegen Überforderung zu schmeißen.

Es sind nicht nur meine Depressionen, meine schlechte psychische Konstitution, meine instabile Persönlichkeit – ich bin zudem auch verheiratet, habe zwei Kinder von 6 und 10 Jahren, 2 Hunde und 2 Katzen und wir renovieren unser Haus. Dafür allein bräuchte ich schon all meine Energie, aber ich studiere auch noch. Ich habe gerade angefangen, ich will Lehrerin werden. Es wäre mein Traumjob, aber ich pack das Studium nicht. Ich habe eine Panikstörungen entwickelt, ich hab mich einige Wochen morgens mit Alkohol "betäuben” müssen, um die Anspannung aushalten zu können. Ich hasse Gruppenarbeiten, ich hasse Referate.

Mit Kindern zu arbeiten, vor Kindern zu sprechen, habe ich kein Problem mit, ein dreiwöchiges Praktikum hat mir auch Spaß gemacht, aber ich hasse es an der Uni, ich kann nicht mit Erwachsenen. Ich kann das nicht.

Außerdem wurde mir nie beigebracht, mal etwas durchzustehen, was unangenehm ist, was Angst macht. Meine Mama sagte immer nur, ich solle mich nicht so anstellen, ich sei faul und verzogen.

Ich weiß nicht, was ich will, was ich schaffen kann, was richtig ist. Ob ich mich tatsächlich einfach nur reinsteigere, ob ich es bewältigen kann oder ob ich mich überfordere.

Ich will finanziell unabhängiger von meinem Mann werden und gleichzeitig eine gute Mutter sein, nur halbtags arbeiten und in der freien Marktwirtschaft finde ich sowieso nichts.

Meine Therapeutin, die blöde Kuh, meldet sich nicht mehr. Ich habe Angst vor dem Telefonieren, deswegen schaffe ich es auch nicht, bei ihr anzurufen, aber wir stehen in E-Mail-Kontakt. Seit fast 3 Wochen meldet sie sich nicht mehr, obwohl ich nach einem Termin gebeten habe.

Bei dem Internisten habe ich morgen wieder einen Termin. Er hatte mir quasi als "Rezept” aufgegeben, ich solle mir folgende Fragen beantworten:

Woher komme ich?

Wer bin ich?

Wohin gehe ich?

Wozu bin ich da?

Die ersten beiden waren nicht so schwer, aber die letzten zwei...

Das Erstaunliche allerdings: Ich hatte seit dem 1. Termin bei ihm vor einer Woche keine so starken Kopfschmerzen mehr, dass ich Triptane gebracht hätte, Ibuprofen hat es auch getan.

In mir toben zwei Seelen, eigentlich sogar noch mehr. Aber die eine will auf gar keinen Fall das Studium fortführen, sie will abbrechen und braucht ihre Ruhe. Die Andere hat das Ziel vor Augen und will durchhalten, weiß aber nicht wie. Ich weiß nicht, was ich wirklich will und wie ich das alles in Einklang bringen soll.

Was denkt ihr?

Antworten
Q-uoxxos


Puh, ich finde eine Wohnung und 1 Kind schon extrem anstrengend. Du hast noch Renovierung, Tiere, 2 Kinder und uni dazu. Da würde ich durchdrehen.

MeissIm(posseiblxe


Danke :)* Allein das zu hören, tut schon gut!

Achja und noch eine Anmerkung: Antidepressiva bewirken bei mir entweder guten Schlaf oder gegenteilig Albträume. Ansonsten merk ich keine Veränderung, leider. Drei Verschiedene hab ich schon ausprobiert in den letzten 3 Jahren.

Qiu&o3xos


Darf ich fragen, welche Antidepressiva?

T@alixja


Woher komme ich?

Wer bin ich?

Wohin gehe ich?

Wozu bin ich da?

Wer du bist, hast du also erfolgreich beantworten können?

Ich bin 25 Jahre, verheiratet, arbeite in einem normalen Beruf. Wir haben noch keine Kinder. Eine 3 Zimmer Wohnung und eine Katze. Und ich sag dir ganz ehrlich: Manchmal kotzt mich einfach alles an und ich will alles hinschmeissen. Warum? Weil es zermürbend ist, jeden Tag den gleichen Trott zu leben. Wir verdienen beide nicht viel und müssen daher immer sparen. Das nervt mich tierisch! Depressionen hatte ich auch schon... nur mal so am Rande.

Jedenfalls: Ich kann jetzt auf Anhieb kaum eine der oberen Fragen beantworten. Ich weiß, was ich will, ja, durchaus. Aber manchmal fehlt mir auch die Kraft, das durchzusetzen.

Aber ist ja schon mal gut, wenn die Besuche beim Internisten bereits Besserung zeigen! :)*

MKi7ssImp+oss<ible


Das Erste war glaube ich Fluoxetin... Das musste ich außerdem absetzen, weil sich mein Restless-Legs-Syndrom abartig verschlimmerte.

Dann Amitriptylin und schließlich Imipramin.

H|annauhWe


MissImposible, ich finde, dass dein Programm (Studium, Hausrenovierung, 2 kleine Kinder,..) selbst für jemanden, der psychisch sehr belastbar ist, sehr sehr anstrengend wenn nicht unschaffbar ist.

Du hast eine super Selbstreflektion, weißt um deine Krankheit(en) und deine psychischen Schwierigkeiten, und holst dir Hilfe, das heißt, du machst alles richtig!

Die Panikstörung ist sicherlich eine Folge der Überforderung.

Kannst du die einzelnen Dinge deines täglichen "Programms" (die Zeit mit den Kindern, das Studieren...) überhaupt mal genießen zwischendurch oder ist es nurnoch eine Qual?

Gäbe es die Möglichkeit, das Lehramtsstudium einfach in deinem eigenen Tempo zu machen, oder musst du teure Studiengebühren zahlen? Wenn nicht, was spricht dagegen, das Studium gaaaaanz langsam zu machen, ohne Druck? Wenn die Kinder größer sind und dich nichtmehr so viel brauchen, wirst du mehr Zeit und auch Energie haben fürs studieren.

Das schlimmste ist nicht das studieren und die Hausrenovierung, das schlimmste ist der Druck den du dir machst und durch den die psychischen Erkrankungen wahrscheinlich immer schlimmer werden. Ich wünsche dir das du, vielleicht auch mit einer neuen Therapeutin, einen Weg für dich findest, aus der Überforderung zu kommen.

Ich bin übrigens genauso alt wie du, habe keine Kinder und kein Haus, aber habe gerade nach einem Burnout (hauptsächlich Panikstörung) meine Arbeitsstunden auf 25 Stunden pro Woche reduziert (von Vollzeit), weil ich es sonst im Moment nicht schaffe. Und ich hatte vorher noch keine psychische Erkrankung, kam alles von der Überforderung am Arbeitsplatz.

Qcuoxxos


Mm, ich fühl mich auch super schnell über fordert. Sind wir einfach eine schwache, nicht belastbare Generation oder wie haben unsere Eltern das alles geschafft? Ist unser Arbeitsleben so krank und ungesund geworden, dass man nach wenigen Jahren nicht mehr kann und alle psychisch krank werden. Wie kommt es, dass die Leute kaum noch von ihrem geld leben können oder auf kinder verzichten aus Kostengründen oder wegen dem Beruf. Was stimmt in Deutschland nicht?

MfissI-mpossiYblWe


Danke für eure Antworten, Leute! @:)

Quoxos, ich sehe das eigentlich genauso wie du! Ich kenne niemanden, der wirklich gern zur Arbeit geht, ausnahmslos alle quälen sich da durch. Die einen eben erfolgreicher, weil sie belastbarer sind und andere, so wie ich halt weniger erfolgreich. Woran das liegt...? Das auszuführen würde den Rahmen sprengen, aber es ist nicht zu leugnen, dass die psychischen Erkrankungen, Burn Out und Co. zunehmen und das nicht nur, weil mehr darüber gesprochen wird.

Ich will auch auf keinen Fall jemals noch ein Kind, ich würde es nervlich nicht mehr schaffen, selbst wenn ich nicht arbeiten, studieren würde. Ich möchte generell des Kindes wegen kein Kind mehr in diese Welt setzen, weil ich einfach nur Angst um meine Kinder habe, dass sie ebenso unglücklich und überfordert sein werden und das Leben genauso wenig genießen können wie ich.

Ich kann beantworten wer ich bin, weil ich in der Therapie tatsächlich ganz gut gelernt habe, mich zu reflektieren. Ich bin ein Häufchen Elend ;-) Ich sehe, dass es mir nicht gut geht, dass ich die übelsten körperlichen Symptome zeige aufgrund der Überforderung, aber ich weiß keinen Weg raus. Ich habe Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Ich hätte einen einigermaßen gutbezahlten und ziemlich sicheren, mehr oder weniger Halbtagsjob, wenn ich das hier durchhalte. Ich möchte einfach mal etwas durchhalten, durchziehen, etwas abschließen, etwas vorzuweisen haben.

Dabei spielt auch ganz groß die Meinungen andrer mit, definitiv. Ich wills meinen Eltern beweisen, ich will meine Schwiegereltern nicht enttäuschen, die mich so sehr unterstützen (Kinderbetreuung) und ich will nicht als faule, ungebildete, vom Mann abhängige junge Mutter dastehen.

Von Medikamenten will ich eigentlich auch nicht abhängig sein. Ich will mich nicht nur normal fühlen können, weil ich etwas einnehme. Lieber noch würde ich gerne ab und an was nehmen, was mich RICHTIG glücklich macht ;-) Wenn ihr versteht... Ich bin mir dessen bewusst, dass man sowas so einsetzen muss, dass man es nicht zu häufig nimmt, dass man nicht die Dosis erhöhen muss, weil der Schuss sonst nach hinten losgeht... aber naja. Das mir der Internist sowas verschreibt, ist jetzt erstmal nicht geplant, also egal.

Studium langsamer machen geht nicht, wen es interessiert kann sich ja mal schlau machen über Förderlehrer (die gibts nur in Bayern glaube ich).

Es gibt auch eigentlich keine wirkliche Alternative. Ganz zu Hause bleiben kann ich ebenso wenig, weil Unterforderung mich genauso krank macht (Putz-, Ordnungs-, Aufräum-, Aussortierzwang). Jede andere Ausbildung schaff ich ebenso wenig (hab schon 3 angefangen und wegen verschiedenster innerer Konflikte/psychischer Probleme wieder geschmissen). Und unqualifiziert krieg ich gar keine Arbeit oder aber so eine, wo man erst recht keine Rücksicht nimmt, wo das Arbeitsklima und der Umgangston erst recht scheiße ist (ich war auch mal bei McDonalds zum Beispiel).

Hab seit heute Nachmittag wieder übelst Migräne =( Hab jetz wieder Sumatriptan genommen, zum Glück hilft das immer schnell.

wcho _ma}de_wxho


Also, ich würde Dein Pensum niemals schaffen.

Ich glaube fast, dass das die Leistungsfähigkeit von fast jedem übersteigt.

Hast Du denn auch mal Freizeit? Das kann ich mir bei Deinem Programm fast nicht vorstellen.

Ich selber "arbeite" nur, habe keine Kinder und mein Studium vorm Arbeiten abgeschlossen. Aber ich muss sagen, mir reicht es schon nach 8 Stunden. Da würde ich keine großen Kräfte mehr entwickeln können. Ja, gut, für Bewegung bzw. Gymnastik, aber nicht für das Aufnehmen großer Stoffmengen.

EOhoemalieger@ Nutz(er (#458x871)


Dabei spielt auch ganz groß die Meinungen andrer mit, definitiv.

Kenn' ich ;-) Ist aber nicht gesund.

Ich wills meinen Eltern beweisen, ich will meine Schwiegereltern nicht enttäuschen, die mich so sehr unterstützen (Kinderbetreuung) und ich will nicht als faule, ungebildete, vom Mann abhängige junge Mutter dastehen.

Den Wunsch nach Unabhängigkeit verstehe ich. Aber faul? Lies nochmal, was Du alles stemmst.

Und wenn Menschen von Dir enttäuscht sind (Partner ausgenommen): Deren Problem!!

w^intersonnne x01


Ich glaube auch, dass du momentan zu viel stemmen möchtest. Wenn dir das Studium solche Probleme macht (Gruppenarbeit, Referate etc.) glaube ich auch nicht, dass es machbar für dich ist.

Es ist ein sehr langer Weg so ein Studium und in der Regel wird es ja nicht einfacher ":/

Du machst dich fertig und zum Schluss vielleicht nichts richtig. Wenn du dann zusammenbrichst ist keinem geholfen.. auch ist es ja notw. für die Kinder fitter zu sein, als du es momentan mit der häufigen Mikräne und den anderen Problemen bist.

Wie wäre es denn, wenn du dir beruflich ein leichter zu erreichendes Ziel setzt? Ev. Erzieher oder Kindergärtnerin.... da kann man später auch Weiterbildungen machen und Verantwortung übernehmen.

M#i`ssImpo,ssiblxe


Freizeit? Was ist das? Ich komm nicht mal mehr dazu, ein Buch zu lesen, was ich vor dem Studium gerne gemacht habe. Ich hab jetzt schlicht keine Energie mehr dazu, ich könnte mich auch gar nicht darauf konzentrieren. Ich bin generell nicht anwesend irgendwie, mit dem Kopf, mein Mann spricht mich oft darauf an, ob ich ihm überhaupt zuhören würde. Wir haben auch keinen Sex mehr, ich hab keinen Nerv dafür. Freundschaften schaffe ich auch nicht zu pflegen. Ich hab keinen Nerv, keine Energie. Wenn ich mich nicht gerade um meine Kinder kümmere, will ich einfach nur schlafen.

Mein Mann leidet still und macht mir zum Glück keinen Druck, weder beim Sex, noch dass ich das Studium durchziehen soll. Sicher, er fände es auch toll, wenn wir noch zusätzliches Einkommen hätten und es würde ihn entlasten, aber er stellt es mir frei und sagt, lieber höre ich auf, wenn es mir dann besser geht.

Es tut soooo gut zu hören, dass ich etwas leiste – ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie sehr! Meine Mama hat die Meinung, dass ich in meinem Leben noch gar nichts geleistet habe und das sitzt schon noch tief, auch wenn ich für mich selbst beschlossen habe, dass das nicht wahr ist. Wir haben deshalb auch nur ganz selten Kontakt, auch wenn wir nur 5km ausseinander wohnen. Ja ich hab finanziell noch nichts allein auf die Beine gestellt und verdanke meinen Status anderen, aber auf meine Kinder, den Haushalt usw. kann ich stolz sein. Auch dass ich mich trotz Depressionen immer wieder aufraffe und nicht aufgebe, dass ich nicht drogenabhängig und kriminell bin wie mein Bruder, ist eine Leistung, auch wenns für Aussenstehende komisch klingen mag. Auch wie ich diverse Krisen mit meinem Mann überstanden habe, überhaupt dass ich als einzigster in meiner Familie eine Beziehung/Ehe führe und diese mit allen Schwierigkeiten meistere, ist eine Leistung.

Ich merke schon, einiges ist Einstellungssache ;-)

Wnatherlxi2


Also ich muss sagen, dein Arzt hat Recht.

Ich werde auch Lehrerin und bin grade in der Abschlussphase und habe echt NICHTS, außer einem Job mit 20 Stunden die Woche und Uni und ich drehe schon am Rad, obwohl ich zum lernen "noch" Zeit hab. Eigentlich ja nicht. WAHH! :-o

Ich habe auch manchmal Migräne und besonders in solchen stressigen Phasen. Das ist echt kein Wunder, wenn man den ganzen Tag in Bücher oder auf den Bildschirm starrt (oder nur sitzt > Rücken oder Kinder umherschleppt etc.)

Ich finde auch, dass du eine ganze Menge leistest. Ich bin nicht der Mensch, der "Kinder kriegen" an sich für eine Super-Leistung hält, aber täglich die kleinen Blagen zu versorgen (anscheinend wohnen die ja bei dir und unterstehen nicht dem Jugendamt, und das obwohl du sehr krank bist :)^ ) und auch erstmal eine Beziehung so stabil zu führen mit allen Höhen und Tiefen, das ist schon echt was, was auch nicht jeder schafft. Ich habe zumindest den Eindruck, dass ich nie im Leben Zeit für Kinder oder eigentlich auch nicht für einen Partner hätte. Ich finde es daher vollkommen logisch, wenn jemand, der 2 Kinder + Partner hat, sagt, dass er irgendwie sein Studium, seine Arbeit etc. nicht mehr wirklich gebacken kriegt. ;-) Menschen stellen an einen ja genau solche Forderungen, wie die Arbeit oder das Studium.

Warst du schonmal bei einer Studienberatung? Vielleicht (sicherlich...) gibt es für Mütter irgendwelche Sonderregelungen, was die Studiendauer angeht oder auch welche Veranstaltungen man besuchen muss bzw. wie man die geregelt kriegt. Zum Beispiel könntest du mit einem Prof. reden wegen der Gruppenarbeit, indem du sagst, du schaffst die Organisation mit anderen zusammen nicht, weil du zuhause 2 Kinder hast und bittest eben darum, das alleine machen zu können. Und dann gibt es sicherlich auch eine Stelle, die notfalls zwischen dir und Prof vermitteln kann (obwohl viele Profs wirklich Verständnis haben sollten, grade wenn sie selber Kinder haben, die haben nämlich auch einen harten Job und wenn sie Kinder haben, waren oder sind sie definitiv auf derartige Hilfen auch mal angewiesen ;-)).

Und wenn dich das Hingehen zur Sprechstunde nervt oder so: einfach mal ne Mail schreiben. Geht auch.

tZhe-cxaver


Ehrlich gesagt wundert es mich etwas, dass es so lange gedauert hat, bis Dir das mal ein Arzt gesagt hat - die Zusammenhänge sind ja mehr als überdeutlich...

Im Prinzip wird Dir das jeder bestätigen können, der Erfahrung mit chronischen Kopfschmerzpatienten hat: Natürlich ist Migräne erst mal eine körperliche Erkrankung (u.a. mit einer erblichen komponente). Bei den Patientinnen (sind ja meistens Frauen), die 1 oder 2 Anfälle im Monat haben, steht das auch im Vordergrund (Zyklus, Wetterwechsel, was auch immer...). Aber je größer das Migräneproblem ist, desto größer ist meistens auch die Rolle der seelischen und sozialen Faktoren.

Es gibt da eine recht typische Konstellation: Sehr oft handelt es sich um Menschen mit hoher Leistungsbereitschaft, hohen Ansprüchen an sich selber (und oft auch an andere, das macht's nicht einfacher...), mit Hang zum perfektionismus. Das ist dann oft noch gekoppelt mit dem, was Psychologen als "geringe Abgrenzungsfähigkeit" bezeichnen - anders ausgedrückt: Nicht-nein-sagen-können.

Das führt dann dazu, dass man sich viel vornimmt, von anderen viel auf's Auge drücken lässt - und das alles auch noch besonders gut machen will! Dadurch entsteht natürlich ein Riesenstress, der für die Migräne sehr ungünstig ist.

Menschen, die sich selbst so über Leistung definieren, sind übrigens oft Menschen, die eine eher schwierige Kindheit hatten: Bei zuwenig Zuwendung kommt man irgendwann auf die Schiene, dass man nicht selber etwas wert ist, sondern nur das was man leistet.

Ich glaube, über Ähnlichkeiten zwischen diesen Erfahrungswerten und Deiner Situation müssen wir nicht mehr viel reden, oder? Mit anderen Worten: Du bist nicht alleine mit dieser Situation, das gibt es oft. Und es gibt auch Therapieprogramme und kliniken für solche Situationen (ambulant, tagesklinisch, stationär - die Versorgung ist ledier regional sehr unterschiedlich).

Bei deinem jetzigen rzt bist Du ja anscheinend schn mal ganz gut aufgehoben. Er wird sicher auch noch versuchen, mit medikamenten zur Migräne-Vorbeugen etwas zu verbessern. mach Dir aber klar, dass Medikamente immer nur eine Unterstützung sein können - um eine Veränderung im Lebensstil wirst Du nicht herumkommen. "Wasch' mir den Pelz, aber mach' mich nicht nass" funktioniert in der Kopfschmerztherapie selten.

Dein großer Vorteil: Du bist Dir darüber im Klaren, dass es da Zusammenhänge gibt - im gegensatz zu vielen perfektionistischen patienten: Die können den gedanken, dass die Kopfschmerzen was mit ihrer Psyche und ihrem lebensstil zu tun hat, manchmal gar nicht zulassen - denn dann wären sie ja nicht perfekt...

Du hast also gute Chancen, was zu erreichen! Pass aber bitte auf Deinen Triptan-Konsum auf: Es ist verführerisch einfach, das zeug einzuschmeißen und weiterzumachen wie bisher - aber dann ist der Weg in den medikamentenkopfschmerz vorprogrammiert. Triptane an maximal 10 Tagen monatlich!

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