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Migräne, Depressionen, Familie, Studium: Überforderung

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Ich wollte das Studium einfach noch nicht aufgeben, also hab ich mich wieder bei meiner Therapeutin gemeldet. Sie hat mich gleich direkt weiter zum Neurologen geschickt und gemeint, Verhaltenstherapie wäre auch passender, sie würde mir einen Termin bei jemandem besorgen.

Der Neurologe verschrieb mir Aurorix, die Nebenwirkungen sind heftig, ich hatte schlimmere Angstzustände als je zuvor und konnte die Dosis noch nicht höher als 150mg steigern.

Nun hatte ich heute wieder Migräne und hab 50mg Sumatriptan dagegen genommen. 3 Stunden später lief meine Zunge grau an und wurde taub. Mir ist schwindlig und ich fühl mich verwirrt. Wahrscheinlich Wechselwirkung? Der Neurologe wusste bescheid, er hat mich noch extra gefragt, wie oft ich Triptane nehme!

Ist das gefährlich?

Und nun stehe ich wieder vor der schwierigen Frage: Ist es DAS wirklich wert? Ich war nun 2 Wochen nicht mehr in der Uni, ich wurde nach einem Gespräch sogar noch eine Woche zusätzlich beurlaubt, dass ich mich erholen kann, aber mir gehts nur noch schlechter. Ich will den Beruf ergreifen! Aber ich pack das grad nicht? Kann ich aufgeben?

Z wacxk44


DU KANNST, MissImpossible, um nicht zu sagen: Du mußt, um wieder auf den Teppich zu kommen. Du hörst anscheinend die leisen Töne nicht: Schon der Arzt, der sagte, an Deiner Stelle hätte er auch Kopfschmerzen, wollte damit sagen, dass er Dich für überfordert hält. Das ist keine Schande, denn jeder Mensch hat seine individuell persönliche Belastungsgrenze. Wird sie überschritten, sucht sich der Körper ein Notventil und es geht gar nichts mehr. So sehen es fast alle user, die Dir in diesem Faden geschrieben haben.

Ich habe selbst viele Jahre unter starken Depressionen gelitten und hatte deshalb Anlaß, darüber nachzudenken. Der Stress ist sehr oft selbst erzeugt, d.h. aber auch: Man kann Einfluß darauf nehmen. In Deinem Fall sehe ich eine starke Tendenz, Dir Sackgassen zu bauen, aus denen Du dann nicht mehr herauskommst: Man darf nicht alle Auswege als nicht gangbar betrachten, sonst ist die Depression vorprogrammiert.

Du hast anscheinend einen sehr verständnisvollen und geduldigen Mann und eine Schwiegermutter, die Dir bei der Kinderbetreuung hilft, obwohl sie mit eigener Depression zu kämpfen hat. Ich möchte einfach mal ein Szenario skizzieren, das aus meiner Sicht funktionieren könnte. Du gibst Dein Studium auf. Die Sorge der Unterforderung kannst Du getrost zur Seite schieben, denn wenn Ihr gerade Euer Haus renoviert, dürfte das bei Euerer finanziellen Situation fast ausschließlich auf den Schultern Deines Mannes ruhen. Du kannst mit ihm planen. Du könntest ihm auch praktisch helfen. Dazu mußt Du weder Mauerer noch Dachdecker sein; es reicht, wenn Du ihm zuarbeitest (Werkzeug reichst, damit er nicht ständig von der Leiter steigen muß; Schutteimer wegträgst; im Baumarkt besorgst, was gerade fehlt; und da, wo Du Dir das zutraust, vielleicht auch einmal einen Pinsel in die Hand nimmst). Du wirst sehen: Nicht nur wird die Furcht vor Unterforderung sofort weggeblasen sein, sondern Dein Mann wird Dich in völlig neuem Licht sehen. Auch wenn Du nur zeitweise hilfst, kann die Renovierung nämlich Euer gemeinsames Werk werden, und so etwas macht glücklich und verbindet (selbst ausprobiert!).

Dann wäre es gut, wenn Du Deine Antipathie gegenüber Psychopharmaka abstellen würdest. Du siehst schließlich an Deiner Schwiegermutter, dass sie ihr helfen, mit ihrem Trauma zu leben. Du kannst auch in diesem Unterforum viele Berichte finden, die eindrucksvoll beschreiben, wie hilfreich sie sein können. (Ohne Antidepressiva und die wunderbarste Frau der Welt würde es mich schon lange nicht mehr geben). Du siehst aber auch an Dir selbst, dass Psychotherapie selbst nach Jahren noch keine volle Wirkung zeigt. Psychopharmaka könnten Dich da sehr unterstützen. Allerdings müßtest Du dazu Deinen Neurologen wechseln. Was er Dir in der Vergangenheit verschrieben hat, entspricht nicht heutigem Standard, und mit dem Moclobemid trotz Deines Triptan-Konsums hat er sich für mich selbst disqualifiziert. Vielleicht findest Du in der Liste [[www.top.docs.de]] einen besseren in Deiner Nähe.

Und dann noch ein wichtiger Punkt, den Du nur am Rande erwähnt hast: Wenn sich bei Deinen 27 Jahren im Bett nichts mehr abspielt, ist das Deiner derzeitigen gesundheitlichen Situation geschuldet, aber kann auf die Dauer nicht so bleiben, wenn Du den Bestand Euerer Ehe nicht gefährden willst. Mit anderen Worten: Du hast zum Teil falsche Schwerpunkte gesetzt und solltest es angehen, das zu korrigieren. Dazu gehört, dass Du aus Deinem Tagesplan soviel streichst, dass Dein Mann, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, von einer Frau empfangen wird, die sich auf ihn freut. Wenn es Dir alleine schwer fällt, Spreu und Weizen voneinander zu trennen, besprich die Neuordnung Deines Tages mit Deinem Mann. Er wird nicht unglücklich sein zu hören, dass Du ihm mehr Zeit widmen möchtest.

Und gewöhne Dich an die alte Weisheit, dass man es nicht gleichzeitig allen Menschen recht machen kann. Pfeife auf das Urteil von Leuten (wie Deiner Mutter), die Dich nur niedermachen. Verbünde Dich mit Leuten, die Dich unterstützen. Glaube mir: Deine Schwiegermutter will nichts anderes als das Glück für ihren Sohn und die Kinder. Wenn Du Dich ihr gegenüber öffnest, baut sich Vertrauen auf, und zusammen mit Deinem Mann könnt Ihr einen harten Kern der Familie bilden, den nichts umwerfen kann. Letzten Endes werden, wie schon meine Vorschreiber erwähnt haben, Deine Kinder sehr viel davon haben, wenn sie nicht ständig von einer entnervten Mutter konfrontiert werden. Somit könnte das Familienglück nahezu vollkommen sein.

Dir und Deiner Familie wünsche ich alles Gute! @:) :)*

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