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Auf der Brücke stehen

R:icha*rd6x1


Eure Beiträge lassen mich gerade an einschlägige Filme/Serien (SF oder Horror) denken

Mein Beitrag war eben so gemeint, daß dies einem Lebewesen insbesondere einem menschlichen nicht möglich ist, Gefühle so zu steuern, daß ich sie empfinde oder eben nicht empfinden möchte.

@ Kleio,

alle Gefühle sind Reflektionen und somit Wertungen die im Hirn entstehen.

Wir reden hier aber über Depression und da bin ich leider Spezialist.

Ein Depressiver kann nicht mehr reflektieren und Wertungen vornehmen, wenn er das könnte würde er nicht in dieser traurigen eisigen Welt feststecken. Er schaut sich den schönsten Sonnentag an und er reflektiert nicht wie schön der Tag ist wie die Sonnenstrahlen ihn wärmen. Es findet gar nicht statt, weil die Informationen nicht in den Hirnregionen ankommen, die ihm dann vermitteln Sonne toll warm. Es findet keine Wertung im Hirn mehr statt. Die Gedanken interagieren nicht mehr, im Prinzip ist man in einer tiefen Depression mit dem Hirn gegen einen Baum gefahren und es ist out of Order.

Lhian-xJill


Isabell

Eure Beiträge lassen mich gerade an einschlägige Filme/Serien (SF oder Horror) denken, in denen Menschen die Emotionalität genommen wird oder sie gar keine haben. Nehmen wir nur mal "Mr. Spock" von Raumschiff Enterprise als Vulkanier oder "Delta" als Android vom Nachfolger dieser Serie. Oder auch der Film "Die Körperfresser kommen", als Aliens die Erde übernehmen und jeder Mensch stirbt und emotionslos in einem Kokon wiedergeboren wird.....oder Vampire, denen ja die Seele genommen wurde damit sie nicht mehr fühlen – dennoch fühlen sie, wenn auch moralisch einfach nur böse. Aber selbst das böse-Sein (wollen) ist doch ein Gefühl.

Das ist jetzt nicht dein Ernst, schauspielerische Darstellungen aus Filmchen als Argumentationshilfen in Zusammenhang mit Grottigs Gefühlszustand zu nehmen?

sfensXibe}lmxan


daß dies einem Lebewesen insbesondere einem menschlichen nicht möglich ist, Gefühle so zu steuern, daß ich sie empfinde oder eben nicht empfinden möchte.

Klar ist dies möglich- nur nicht unmittelbar- und nicht mit voller Amplitude- die Verändrung unserer Gefühlswelt ist möglich und passiert bei vielen Menschen (in Abhängigkeit der Motivation zur Änderung). Dies geschieht in aller Regel auch unter Zuhilfenahme der bewussten Wahrnehmung. Es ist ein Prozess der mit Lernen verbunden ist- viele unserer Gefühle sind stark sozial beeinflusst und keineswegs starr genetisch festgelegt.

Ein Depressiver kann nicht mehr reflektieren und Wertungen vornehmen

Mit äußerer Hilfe oder durch äußere Einflussnahme schon. Deine Aussage wäre gleichbedeutend mit: Therapie ist überflüssig. Der Irrglauben liegt darin, anzunehmen, man könnte das Gehirn einfach umschalten. Unser Gehirn arbeitet nicht binär wie der Computer- Änderungen im Gehirn benötigen Zeit und Geduld.

sien3siLbelmaSn


Wir brauchen Ekel damit wir nichts verdorbenes Essen, wir brauchen Angst um rechtzeitig sich in Sicherheit zu bringen

Solange man das zulässt, ändert es sich nicht.

jedes Hilfsangebot kommt mir wie eine Farce vor.

Warum?

R(ich~ard6x1


"Mit äußerer Hilfe oder durch äußere Einflussnahme schon."

Jetzt sind wir ja genau da, wo du eigentlich sagtest: Ein Depressiver muss sich einfach selbst motivieren.

Ein Depressiver(schwer Depressiver) kann sich eben nicht selbst motivieren oder seine Situation eigenständig ändern.

Es bedarf einer Hilfe von Aussen! Du hattest seither das Gegenteil behauptet!

Für mich als Betroffener ist mehr als sonnenklar, dass es ein Problem des Hirnstoffwechsels ist. Genauso wenig wie ich der Bauchspeicheldrüse befehlen kann Insulin zu produzieren, genauso wenig kann ich meinen Hirnsynapsen befehlen mehr Serotonin , Noradrenalin oder Dopamin zu produzieren.

Ohne Insulin stirbt man - ohne Serotonin oder Noradrenalin etc. sterbe ich genauso, der einzige Unterschied beim zweiteren ist, daß es durch Suizid passiert.

svensibe$lmxan


Jetzt sind wir ja genau da, wo du eigentlich sagtest: Ein Depressiver muss sich einfach selbst motivieren.

Das hatte ich an keiner Stelle so geschrieben.

Aber mitmachen oder sich beeinflussen lassen.

ür mich als Betroffener ist mehr als sonnenklar, dass es ein Problem des Hirnstoffwechsels ist.

Das bedeutet aber nicht, dass das Gehirn dieses Problem nicht "umgehen" kann- das ist ein entscheidender Unterschied zur Funktion der Bauchspeicheldrüse. Ich kann nur nochmal wiederholen: Unser Gehirn ist unwahrscheinlich flexibel und nicht mit der Funktion einer Bauchspeicheldrüse vergleichbar- überhaupt nicht.

s*ens5ibeClmaxn


genauso wenig kann ich meinen Hirnsynapsen befehlen mehr Serotonin , Noradrenalin oder Dopamin zu produzieren

Wie oft hat man bei dir im Gehirn Messungen zu Serotonin, Noredranlin oder Dopamin vorgenommen und was hat man dabei festgestellt? (ich vermute, dass das nie richtig gemessen wurde, sondern auf Mutmaßungen beruht. Genau deswegen ist der Medikamenteneinsatz ein einziges Ausprobieren.

REicha9rdx61


@ Sensibelmann,

man kann den Botenstoffspiegel bei Lebenden nicht messen. Durch die vielen Suizide hat man aber in Sektionen festgestellt das diese Botenstoffe fast nicht vorhanden waren. Über die "Opferbereitschaft" dieser Menschen hat man diese Medikamente entwickelt. Bei Insulin war es weitaus einfacher, da man diesen Spiegel im Blut messen und kontrollieren kann.

Ich sehe keinerlei Ansatz bei dir wie du denkst, daß man durch Gedanken seinen Botenstoffspiegel verändern kann. Dazu bedürfte es dem Wissen des jeweiligen Kranken, daß dieser nicht in Ordnung ist ??? Wenn man diesen aber nicht mal mit modernster Medizintechnik ermitteln kann, wie soll dies das Gehirn erkennen. Das Hirn erkennt doch auch einen fehlenden Insulinspiegel nicht. Oder gibt es den Fall, daß ein Patient zum Arzt geht und sagt mir fehlt Insulin ???

s*ens-ibelxman


Traurigkeit, Liebe, Enthusiasmus alle Arten von Gefühlsregungen kann kein Lebewesen auf Knopfdruck an oder ausschalten sonst wäre er kein Lebewesen.

Wenn morgen dein Kind stirbt, dann bist nicht traurig ? Du schaltest das Traurigsein aus , weil es dein Kind ja nicht zurückbringt

Ja, elende Gefühle versuche ich schnell loszuwerden- ja genau über die Ratio: Was bringt meine Traurigkeit dem Kind? Was bringt sie mir? Hilft das irgendjemandem? Gefühe kann ich dennoch sehr intensiv erleben- wenn ich das zulasse. Es gibt sogar Menschen, die können selbst ihr Schmerzempfinden abschalten ... Traurig bin ich nicht lange, weil ich das nicht will.

Es geht doch überhaupt nicht um das Schalten auf Knopfdruck- warum sollte ich das so erwarten? Nochmal: Unser Gehirn funktioniert doch nicht wie ein Prozessor eines Computers mit elektronischen Ein- und Ausschaltern- sondern mit Neuronen über Schwellwerte- das ist ein deutlich anderes Funktionsprinzip. Die Stabilität unserer Gehirntätigkeit ist nur relativ- nur häufige Anregungen führen allmählich zu Veränderungen- zum Umbau des Gehirns (darin besteht nicht nur eine Chance, sondern auch eine Gefahr: wirkt man auf sein Gehirn nicht ein, verkümmert es- man verblödet).

Wer eine Änderung seiner Gehirntätigkeit von Heute auf Morgen erwartet, wird enttäuscht werden. Vielmehr bedeutet es ein zähes Ringen.

s{ensCibe]lmxan


durch Gedanken seinen Botenstoffspiegel verändern kann

Das hatte ich so nicht geschrieben: Ich schrieb:

Das bedeutet aber nicht, dass das Gehirn dieses Problem nicht "umgehen" kann

man kann den Botenstoffspiegel bei Lebenden nicht messen.

Ich hoffe du merkst etwas ...

Durch die vielen Suizide hat man aber in Sektionen festgestellt das diese Botenstoffe fast nicht vorhanden waren

Daraus lassen sich zahlreiche Thesen ableiten, aber keine wissenschaftlich fundierten Antworten. Und genau so ist auch der Medikamenteneinsatz (ich will das nicht kritisieren- es resultiert aus Mangel an Wissen- solange es hilft, ist es in Ordnung).

gLp5x6


Ach sensibelmann, wenn nur alle so perfekt wie du wären. Das wär toll.

Kleio

Aber Grottiks Lyrik ist grandios.

Ich finde sie auch schön, nur ist sie nicht geeignet zu kommunizieren, vor allem, weil sie sie nicht als schön empfinden, sondern sie die Bilder ihrer Qualen und ihres inneren Kampfes sind. Dafür ist eine viel zu große Interpretationsfreiheit vorhanden, die dazu beiträgt, dass niemand feststellen kann, ob die Lyrik nun so ankommt, wie sie gemeint ist.

ist es nicht immer so, dass man nie weiß ob ein geschriebenes oder gesprochenes Wort so ankommt wie es gemeint ist? Klar sind die Worte Bilder ihrer Qualen. Das ist ja das Traurige daran, daß sie ihre Qual so ausdrückt dass man es als schön empfinden kann.

nur ist sie nicht geeignet zu kommunizieren

das finde ich nicht. Sie drückt sehr deutlich ihren Zustand aus. Damit zeigt sie dass sie sehr wohl erkennt wie es um sie steht. Darin sehe ich eine Chance für Grottig da raus zu kommen. Ich wünsche Ihr es von ganzem Herzen.

Gqrotstixg


Hitzige Diskussion, muss man ja am Ball bleiben um mit zu kommen. Ich denke ich habe sensibelman schon richtig verstanden, so ganz Unrecht hat er nicht. Wenn ich einem Gedanken einen gewissen Fokus verleihe, stellt sich irgendwann auch das Gefühl dazu ein. Aber das funktioniert trotzdem nicht mit netten Blümchen oder dergleichen.

Letztlich geht es darum, eine Entscheidung zu treffen, etwas was einem schwer depressivem einfach nicht möglich scheint, zumindest erging es mir so. Ich habe mich gestern Abend entschieden. Damit ist der Drop gelutscht. Juchhu juchhe ich bin geheilt. Nein Quatsch. Es braucht nur eine Entscheidung, dann geht es einem um einiges besser. Man darf sie nicht in Zweifel stellen, dann geht es einem wieder elende, merke ich gerade. Deswegen, liebe Grottig bleib bei deiner Entscheidung, ich ermahne mich selbst.

I4sabelxl


Lian-Jill

Das ist jetzt nicht dein Ernst, schauspielerische Darstellungen aus Filmchen als Argumentationshilfen in Zusammenhang mit Grottigs Gefühlszustand zu nehmen?

Bitte?? :-o

Wo stellst Du denn da jetzt einen Zusammenhang her?

Das Gedankenspiel war, dass es überhaupt nicht möglich ist, Gefühle abzustellen, auszublenden in dem Verhalten eines Menschen. Das hat mit Grottig und ihrer Situation doch überhaupt nichts zu tun!

Ich bitte Dich.

s/ensib!elNmaxn


Das Gedankenspiel war, dass es überhaupt nicht möglich ist, Gefühle abzustellen, auszublenden in dem Verhalten eines Menschen.

Es geht nie um solche Absolutbezüge- es geht um mehr oder weniger und nicht um "Ganz" oder "GarNicht". Es reicht schon, die Gefühle zu verringern und den Verstand zu verstärken. Die ganze Gefühlsduselei kippt, wenn der Verstand überhand nimmt- damit verschwinden die Gefühle noch lange nicht- sie haben haber nicht mehr diese Bedeutung und Mensch wird von ihnen nicht diktiert.

Cxhe


Deswegen, liebe Grottig bleib bei deiner Entscheidung

:)z

:)* :)* :)* :)* :)* :)* :)*

:°_

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