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Mein Sohn ist psychisch krank

MUirsainmir hat die Diskussion gestartet


Dieser Faden richtet sich v.a. an die Eltern, nicht an die Kranken selbst.

Ich habe gesucht hier, aber keinen Faden gefunden, der sich mit den Problemen der Eltern psychisch kranker Kinder befasst.

Wobei Kind, mein Sohn ist 19, also fast erwachsen, aber noch an der Schule, er soll auch zunächst nicht im Mittelpunkt stehen, er ist noch ganz am Anfang der Behandlung, noch stehen Diagnosen aus, er nimmt nun seine Tablette täglich und wir hoffen, dass er sich zumindest ein wenig stabilisiert.

Wie geht ihr als Eltern damit um?

Wie geht ihr mit der Angst um eure Kinder um, also der Angst, dass euer Kind sich etwas antun könnte?

Erzählt ihr Freunden, Bekannten, auf der Arbeit davon, schweigt ihr das tot?

Wie laufen eure Ehen?

Wie sieht es in euch selber aus?

Macht ihr euch Vorwürfe, sucht ihr nach Gründen, nach Schuld?

Ich kann nur sagen, dass ich im Moment noch wie erschlagen bin, die Situation, die sich zwar lange abzeichnete, ist zu neu, zu unbegreiflich, man hat zu lange die Augen zugemacht, nicht sehen wollen und nun stehen wir quasi vor den Scherben.

Vielleicht können wir uns ein wenig austauschen? Erfahrungen aufschreiben, uns Kummer von der Seele schreiben?

Für euch: @:) @:) @:)

Antworten
a\ug.233


Du stehst nicht allein! Und auch nicht vor Scherben – selbst wenn es aktuell so aussieht!

Es gibt hier genügend Eltern mit ähnlichen Erfahrungen. Ich denke, die werden sich melden. Ich habe Abgrenzung gelernt und darf deswegen nicht mitreden.

M1irs{anmxir


Momentan fühlt es sich an wie Scherben, eine scheinbar heile Welt ist zerbrochen, plötzlich ist die Zukunft in Frage gestellt...

Es ist nicht so leicht, damit umzugehen, gerade jetzt, wo man erst einmal lernen muss, zu akzeptieren und keine Ahnung hat, ob man das jemals kann :-(

A=mbiRvale"nmt70


Hallo, auch ich habe eine psychisch kranke Tochter (22) – sie ist vermutlich bipolar (früher: manisch-depressiv) mit starken Tendenzen in die Depression. Ihre Erkrankung ist im frühen Teenie-Alter ausgebrochen aber jetzt erst hat sie sich zu einer Therapie durchgerungen. Mit der richtigen Medikation und Therapie geht es ihr jetzt viel besser. Wir als Eltern haben dadurch allerdings sehr früh gelernt, sie loszulassen und ihr "nur" Stütze zu sein, wenn sie es will. Das fiel mir anfangs sehr sehr schwer – aber irgendwann wächst man in jede Situation rein. Momentan ist das Verhältnis zu meiner Tochter entspannt – was lange Jahre leider nicht so war.

MpirsasnmiIr


Wir haben unseren Sohn nie wirklich verstanden.

Bei ihm passt das, was er nach außen gibt, nicht zu dem, wie es innen aussieht, er war immer unzuverlässig, faul und log uns an, wo er nur konnte.

Es gab Spannungen, Streit, das Übliche,

Wir hatten das Glück, dass wir bemerkten, dass er sich übel ritzt und als ich ihn dann darauf ansprach, öffnete er sich mir und ich erkannte, dass er wirklich Hilfe braucht. Als ich mit ihm sprach, wechselte er ständig die Stimmung von Lachen zu Weinen, aber nichts davon schien echt, ich wusste auch nicht so genau, wer da gerade zu mir sprach. Es schien, als sei er von verschiedenen Personen bewohnt.

Seitdem stelle ich mir die Fragen, was habe ich falsch gemacht, was hätte ich ändern müssen, wann hätte ich zuhören müssen, hinschauen, wieso habe ich immer die Augen zugemacht, obwohl ich es hätte sehen müssen?

Das kam ja nicht von heute auf morgen... Die Geschichte ist lange, sehr lange, wir sind leider Meister im Verdrängen, wird schon werden, wird schon nicht so schlimm sein, blablabla :-X

Und jetzt?

Ich versuche ihm Stütze zu sein, versuche ihm zu zeigen, dass nichts meine Liebe zu ihm ändern wird, aber es ist schwer.

Und ich habe das Gefühl, dass unsere Ehe fürchterlich leidet nun. Mein Mann vergräbt sich noch mehr in Arbeit, mit seinem Sohn redet er ja schon seit Jahren nicht mehr, die beiden meiden sich wie der Teufel das Weihwasser. Ich stehe dazwischen, ich habe manchmal das Gefühl, ich werde zerrissen von dem Ganzen. :-(

MqirsaKntmir


@ ambivalent

Wie war das in eurer Ehe? Hattet ihr auch diese Krisen? Wie geht ihr mit Schuldgefühlen, Schuldzuweisungen um?

Avm4bivSalenPt70


ja ich kann dich da gut verstehen – auch meine Partnerschaft/Ehe hat das Ganze unheimlich belastet zu der Zeit, als sie noch bei uns lebte. Inzwischen lebt sie seit 3 Jahren nicht mehr bei uns und der Abstand hat uns allen gut getan. Und mir auch geholfen, mich wieder um mich selber zu kümmern und nicht immer gedanklich bei meiner Tochter und ihren Problemen zu sein.

M5irsa'nmxir


Kann sie denn einer Arbeit nachgehen? Kann sie alleine wohnen?

Ich fürchte, unser Sohn schmeißt die Schule dieses Jahr endgültig und dann? Was er machen will, weiß er nicht, ob er überhaupt etwas machen kann, weiß kein Mensch, was soll nur aus ihm werden?

Gut, jetzt soll er erst einmal gesund werden, falls das möglich ist...

Almbiv0alentx70


Sie ist einfach mit 19 ausgezogen – erst in eine WG mit Freunden und irgendwann in ihre eigene Wohnung. Da sie volljährig war, haben wir sie gehen lassen ... sie hat zu der Zeit auch ihre Ausbildung geschmissen und hat sich dann mit jobben über Wasser gehalten (soweit ich weiß). Bisher hat sie keine Ausbildung mehr gemacht, aber sie hat momentan einen guten Teilzeitjob und einen netten Freund, der ihr gut tut.

Ich habe wirklich gelernt, loszulassen ... aber da zu sein, falls sie Unterstützung braucht. Unterstützung in Form von mitgehen zu Behörden bsp ... ich versuche, mich ansonsten möglichst aus ihrem Leben herauszuhalten – auch wenns oft schwer fällt. Sie reagiert auch sehr empfindlich darauf, wenn ich mich für ihren Geschmack zuviel einmische – es hat eine Weile gedauert, bis wir den Abstand gefunden haben, der uns beiden gut tut.

Dwer kle1ine Pxrinz


Mein Mann vergräbt sich noch mehr in Arbeit, mit seinem Sohn redet er ja schon seit Jahren nicht mehr, ...

Ich glaube, dass es für ein krankes Kind, ja Kind, wichtig ist, dass es das Gefühl und die Gewissheit hat, dass beide Eltern zusammen halten und hinter ihm stehen und es stützen. Hängt bestimmt auch von der Krankheit selbst ab, ist bei der einen Ausprägung sicherlich wichtiger und bei der anderen nicht ganz so von Bedeutung.

MlirsaHnmAir


Mein Sohn verlässt sich voll auf mich, ohne mich ist er kaum zu etwas fähig, ich habe mir immer gedacht, ich tue zu viel, ich sollte ihn selbstständiger werden lassen, aber dann ging nichts, aber auch gar nichts vorwärts.

Darum geht das auch mit der Schule jetzt den Bach hinunter. Er lernt nicht, er wiederholt die Klasse, aber es sieht schlecht aus mit der Versetzung.

Ich sage, bewirb dich irgendwo, er tut es nicht, er tut es nur, wenn ich ihm den Brief schreibe und seine Unterlagen zusammenkrame.

Ich möchte das nicht mehr tun, aber wenn ich es nicht tue, sitzt er nur zuhause herum und macht gar nichts. Das wäre ihm auch vollkommen recht.

Er ist schon so oft auf die Schnauze gefallen, immer wieder musste ich ihm aus der Patsche helfen. Ich wollte doch immer nur, dass er einen Abschluss kriegt (einen hat er zumindest) und dann endlich etwas aus seinem Leben macht.

Nun stellt sich heraus, dass er gar nicht dazu fähig ist, dass alles, was ich als Faulheit und Bequemlichkeit ansah, dass all die Lügen und Ausflüchte Ausprägungen seiner Krankheit waren. Dass er ein riesiges Problem mit sich selbst hat, mit Gedächtnislücken, mit Panikanfällen, mit Aussetzern, mit einem Selbsthass, der bis zur Selbstzerstörung geht. Am Montag war alles voller Blut, weil er sich so ritzte,...

Ich habe schimpfen wollen, weil er nicht zur Schule gegangen war, weil er mit dem Auto noch losfuhr, aber dann heimlich zurück ins Haus schlich, dann habe ich das Massaker gesehen und ihn nur noch umarmt, er tat mir so Leid.

Ich habe ihn umgehend zu seinem Arzt geschickt, der ihm eine Spritze gab und eben die Tabletten verschrieb.

Und immer noch ist dieses Teufelchen in mir, das sagt, er muss sich doch bloß zusammenreißen {:(

Ich akzeptiere es wohl immer noch nicht so richtig.

Mein Mann ist eine andere Baustelle. Aber immerhin, er bleibt jetzt ruhig und findet das mit den Tabletten richtig. Vielleicht können wir irgendwann mal wieder miteinander wirklich reden...

MMirsaFnmxir


Ich weiß nicht, ob ich so loslassen könnte, wenn er nun gehen würde, ich weiß nicht, Ambivalent, deine Tochter hat zum Glück jemanden, das stabilisiert sie doch auch ein wenig, nicht?i

Aber man kann doch nicht zusehen, wenn das eigene Kind in ein Unglück rennt,... ja, das werde ich wohl auch lernen müssen.

GOrannySBquarxe


Darf ich bitte ein paar grundlegende Fragen stellen?

Wenn sie unangemessen sind, ignoriere sie einfach:

Spiel(t)en Drogen eine Rolle?

Welche Spritze und welche Tabletten hat Dein Sohn erhalten und was für ein Facharzt hat sie verordnet, verabreicht? Nimmt er sie jetzt regelmäßig? Hast Du Dich über diese Medikamtente schlau gemacht?

LG + ich weiß genau, wie Du Dich fühlst!

C7ou3gar7x1


Hallo Mirsanmir

Und immer noch ist dieses Teufelchen in mir, das sagt, er muss sich doch bloß zusammenreißen {:(

Nein ,liebe Mirsanmir, da liegst Du leider völlig falsch! Es gibt nichts schlimmeres, als genau solch einen Satz, von wem auch immer zu hören. Damit zeigst Du ihm nur, dass Du Ihn ja sowieso nicht verstehst/ verstehen kannst.

Er braucht offensichtlich Hilfe, also ärztlich/ therapeutisch, als auch die Unterstützung von Euch , den Eltern.

Der kleine Prinz schrieb hierzu schon das richtige, m.M.n.

Ich glaube, dass es für ein krankes Kind, ja Kind, wichtig ist, dass es das Gefühl und die Gewissheit hat, dass beide Eltern zusammen halten und hinter ihm stehen und es stützen.

Ohne jetzt die genauen Probleme zu kennen, ist mir aufgefallen, dass Du erwähnt hast, dass Dein Mann, sich mit seinem Sohn schon sehr lange nichts mehr zu sagen haben. Das finde ich sehr traurig. Man sollte vielleicht auch mal das Vergangene, vergangen sein lassen und Dein Mann versuchen, wieder etwas Nähe zu zu lassen. Nicht selten schüren solche Konflikte in der Familie , auch Probleme, die sich dann auch mal mit Verhaltensauffälligkeiten vereinen. Die Bezugsperson, Mutter wie auch Vater sind gerade dann besonders wichtig, auch wenns sicher nicht unbedingt leicht und einfach ist.

Sprich doch mal mit Deinem Mann darüber und überzeuge ihn doch mal davon, dass er versuchen soll, gemeinsam mit Dir, sich wieder langsam und Stückchenweise an Euern Sohn anzunähern, mit Ihm sprechen, was unternehmen und ihm auch trotz aller Vorkommnisse und Widrigkeiten zeigen, wie lieb Ihr ihn trotzdem habt.

Das halte ich persönlich für sehr wichtig. Also neues Vertrauen aufbauen, so dass Dein Sohn auch wirklich daran glaubt und auch spürt, dass beide Elternteile für Ihn da sind, egal, was nun war, egal, wie er momentan ist und auch erst mal völlig egal, was mal aus Ihm werden soll. Das ist erst einmal zweitrangig, m.M.n.!

Ich glaube, dass man damit schon viel erreichen kann, auch wenn das sicher nicht sofort und gleich geht. Es braucht halt seine Zeit, in dieser ,aber auch Dein Mann, die Geduld dafür haben und auch aufbringen muss, sodass genau das Euer Sohn spürt und auch für wahre Münze nimmt.

MQir)s$anmixr


@ GrannySquare

Deine Fragen sind absolut angebracht.

Nein, Drogen spielten keine Rolle. Vielleicht ein wenig der Alkohol, aber das hat er von selbst eingeschränkt, er hat bemerkt, dass er wenn er betrunken ist, seine Masken fallen lässt und eine andere Person wird, die seine Freunde erschreckt. Das will er nicht.

Was das für eine Spritze war, weiß ich nicht, ich denke irgendetwas Beruhigendes, er war ziemlich durcheinander an dem Tag und aufgewühlt.

Er nimmt seit Montag Ciprophram, 20 g, eine halbe Tablette. Wir passen alle gut auf ihn auf, weil wir wissen, dass gerade junge Erwachsene gefährdet sind.

Der Arzt ist ein Psychiater, der mich allein schon dadurch beeindruckte, dass er am Montag zu meinem Sohn am Telefon sagte, er solle sofort kommen, ohne Aufenthalt. Er hat sich sehr viel Zeit für ihn genommen und mein Sohn sagte, er habe zugehört und die richtigen Fragen gestellt.

@ Cougar

Ich sage das nicht zu ihm, ich denke das nur. Ich weiß, dass "du musst dich zusammenreißen" der schlimmste Satz aller Sätze ist. Niemals wird er den von mir hören. Höchstens ein "es ist so schwer, ich weiß, du musst da irgendwie durch, schau, dass du es irgendwie schaffst!"

Ohne jetzt die genauen Probleme zu kennen, ist mir aufgefallen, dass Du erwähnt hast, dass Dein Mann, sich mit seinem Sohn schon sehr lange nichts mehr zu sagen haben. Das finde ich sehr traurig. Man sollte vielleicht auch mal das Vergangene, vergangen sein lassen und Dein Mann versuchen, wieder etwas Nähe zu zu lassen. Nicht selten schüren solche Konflikte in der Familie , auch Probleme, die sich dann auch mal mit Verhaltensauffälligkeiten vereinen. Die Bezugsperson, Mutter wie auch Vater sind gerade dann besonders wichtig, auch wenns sicher nicht unbedingt leicht und einfach ist.

Du hast sooo Recht, aber es ist schwer, mein Sohn hat so viel Angst vor meinem Mann, seinem Vater, eine irrationale Angst, die mir für vieles die Ursache zu sein scheint.

Es wäre die Aufgabe meines Mannes, die Hand einmal auszustrecken, aber das muss er selbst erst einmal einsehen.

Mein Mann versteht die Ängste nicht, er sagt, das sei Unsinn, vor ihm müsse niemand Angst haben. Da sind noch viele Gespräche nötig.

Ich habe nur das Gefühl, dass ich da überfordert bin. Ich stehe zwischen allen Stühlen.

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