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Mein Sohn ist psychisch krank

Miirsa6nmixr


Und nun?

Es ist lange her, dass ich schrieb, es gab nichts wesentlich Neues. Unser Sohn hat sich durch die Ausbildung gekämpft, obwohl er wegen seiner Unzuverlässigkeit eine Abmahnung kassierte, obwohl er eine Woche die Schule schwänzte, waren alle eigentlich recht zuversichtlich.

Die Arbeit gefiel ihm, die Ausbildungsstelle war des Lobes voll, nur die Schule. Die Schule...

Mit Hilfe des Psychiaters, der mehrmals Bescheinigungen ausstellte, ging es irgendwie immer weiter bis gestern. Die Ausbildung wird wegen schlechter Schulnoten nicht fortgesetzt. Im Altenheim sind sie fassungslos, sie wollen, dass wir mit der Schule reden, dass wir irgendetwas deichseln, aber wir sind müde geworden und gestern, als ich mit meinem Sohn redete, stellte sich heraus, er will arbeiten, er will das machen, aber er will keine Ausbildung.

Ich schlug ihm vor, auszuziehen, wir machen uns hier gegenseitig kaputt.

Er wollte mir gerade das gleiche vorschlagen und nach langem Gespräch waren wir uns einig. Er sucht sich eine Altenpflegehelferstelle in einer Stadt und mietet sich ein Appartement.

Nach all den Jahren kam endlich etwas Eindeutiges von ihm. Er will hier raus, er will nie wieder nach Hause, auf meine Frage, ob wir ihn so ankotzen, sagte er ja :°(

Ich konnte ihm nicht mehr helfen, keiner kann das. Er will auf eigenen Füßen stehen, sein Leben in die Hand nehmen. Noch am gleichen Tag rief er sämtliche Altenheime an und hat schon eine Beinahe Zusage für eine Vollzeitstelle. Er bat mich, ihm ein Zimmer zu suchen, ihm dabei zu helfen, natürlich habe ich das getan. Wir warten gerade auf Antworten auf unzählige Anschreiben.

Was ich jetzt fühle? Gestern, der Schock, die Ausbildung wird nicht fortgesetzt, erneut ein Trümmerfeld, dennoch, es hatte sich abgezeichnet, dann die Entscheidung, die mein Mann und ich fällten, er muss aus dem Haus, dann seine eigene Aussage, er will weg, am liebsten gestern, er hält es in diesem Kaff, in diesem Haus nicht mehr aus, die Vorfreude in seinen Augen auf ein neues Leben und dann völlig unerwartet, meine Erleichterung.

Ich schäme mich deswegen, aber ich bin erleichtert, wenn er geht, ich liege nicht mehr nachts wach, grüble, stelle mir den Wecker frühmorgens um zu überprüfen, ob er aufsteht, ich habe keine Angst mehr, wenn er nachts unterwegs ist, lausche auf das Geräusch seines Autos, er wird kein Auto mehr haben.

Das ist Teil der Absprache, er kann sich kein Auto leisten momentan, er zieht in eine Stadt, da kann er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Und er sagte gestern, vielleicht kommt er zu Weihnachten mal heim, aber er glaubt nicht. Mein Geburtstag? ich werde fünfzig Nein, wohl eher nicht, er schaut mal.

Er will einen klaren Schnitt und für mich sind das zwei Aussagen, einmal sein Wunsch, selbstständig zu sein, nicht mehr überwacht und umsorgt zu werden und dann die unbewusste Schuldzuweisung, bei uns kann man es nicht aushalten, wir machen ihn kaputt.

Es tut weh, aber was soll ich sagen, es ist mir lieber als sein ewiges Heiapopeia, endlich sagt er, was Sache ist, endlich wissen wir, was er im Inneren in Wahrheit von uns hält.

Entschuldigt, wenn mein Text nun durcheinander ging. Ich schreibe mir das von der Seele. Ich erwarte nicht, dass mich jemand versteht, wir haben sicherlich versagt in vielerlei Hinsicht.

Ich wünsche meinem Sohn von ganzem Herzen, dass er nun glücklicher wird, dass er seinen Weg findet und dass es endlich, endlich, sein eigener sein wird.

Ich werde in seinem Leben in nächster Zeit keine Rolle mehr spielen und ich trenne nun wohl endgültig die Nabelschnur durch.

Es tut weh, aber es ist das beste, davon bin ich überzeugt.

Die Türen hier werden ihm immer offen stehen, das haben wir ihm gesagt, sollte er Geld für eine Ausbildung oder was auch immer brauchen, er wird es bekommen, aber erst einmal soll er herausfinden, was er will.

Ich hoffe, er setzt seine Therapie fort, er wird die Ärzte wechseln müssen, wenn er wegzieht, ich hoffe, er kümmert sich um sich selbst.

Vielleicht fängt jetzt für uns auch ein anderes Leben an, momentan ist in mir eine große Leere.

Ich habe meinen Sohn verloren, ich kann nur hoffen, dass wir uns eines Tages wieder annähern können. :°( :°( :°(

Danke fürs Zuhören.

L+ianN-Jixll


Es tut mir wirklich leid.

Mehr fällt mir dazu im Moment nicht ein :°_ .

Myirs_an<mixr


Danke!

Es tut gut, das aufschreiben zu können, es tut gut zu wissen, da ist jemand, den es interessiert, ich fühle mich so allein im Moment.

Könnte ich nur die Zeit zurückdrehen...

Mir bleibt die Hoffnung, dass er es jetzt doch auf die Reihe kriegt, ich dachte wirklich nicht, dass das Loslassen so schwer ist. Es wäre leichter, wenn er gehen würde, weil er eine Freundin hat, einen Job und wenn er uns gerne von Zeit zu Zeit besuchen würde, einfach, weil er uns sehen und sprechen will.

Aber gerade das will er nicht. Und so wie ich ihn momentan einschätze, meint er das ernst. Meine Einmischungen in sein Leben (musst du morgen arbeiten? Kann ich dir beim Lernen helfen?) haben ihm wahrscheinlich den Rest gegeben. Er will jetzt seine Ruhe haben, ich kann es verstehen.

Mmaex82


Hallo du. Lass dich mal drücken! :°_

Ich finde es gut, was jetzt passiert. Schau mal, ihr seid alle drei zu dem selben Ergebnis gekommen: Es ist besser, wenn er auszieht. Ich verstehe deine Erleichterung. Und ich finde auch, dass du dich ihrer nicht zu schämen brauchst. Und natürlich tut es weh, sich einzugestehen, Fehler gemacht zu haben. Aber es ist auch so wichtig, sie einzugestehen. Du hast in jedem Moment das getan, was du für das beste gehalten hast. Mehr war nicht drin, auch, wenn du heute anders handeln würdest. Und das wird euer Sohn irgendwann auch verstehen.

Jetzt zu sehen, dass da eine zerstörerische Dynamik abläuft zwischen euch und diese zu beenden, ist doch gut.

Ich habe meinen Sohn verloren

Das glaube ich nicht. Ihr könnt noch immer (oder wieder) miteinander reden. Er ist offen und ehrlich zu euch. Er weiß, dass er bei euch immer willkommen sein wird. Das ist doch eine ganze Menge.

Nun wirst du dich in Geduld üben müssen. Ich denke, es ist wichtig, ihm immer wieder zu signalisieren, dass du an ihn denkst. Ab und zu eine Postkarte, die dir ins Auge gesprungen ist, mal eine kurze Mail, was ihr so gerade macht, keine wöchentlichen (Kontroll-)Anrufe, aber gelegentliches Nachfragen, wie es ihm geht, damit er auch spürt, dass es dir ernst ist.

Eure Beziehung muss sich wandeln von der Mutter-Kind-Beziehung zu einer auf Augenhöhe. Vertrau deinem Sohn. Trau ihm zu, dass er das schon schaffen wird. :)*

L8uc1k12x8


Es ist für die psychische Gesundheit des Sohnes jetzt sehr wichtig, gehen zu können, sich abzugrenzen.

Aber natürlich, er wird eines Tages wieder vor der Tür stehen. Zwar nicht, um einzuziehen, aber um wieder Kontakt zu haben. Das normalisiert sich wieder. Aber jetzt will er erstmal weg. @:)

MsirsaRnmir


Vielen Dank für deine Worte, für den Trost.

Was mich wirklich beruhigt, ist meinen Sohn so fröhlich zu sehen, er freut sich auf seine Zukunft, ich weiß gar nicht mehr, wann er das das letzte Mal getan hat, vielleicht als er die Ausbildung bekommen hat ein wenig, aber das war einfach nicht sein eigener Weg und ob er wirklich davon überzeugt war, ich weiß es nicht.

Wir haben Angst, dass er zum Messie wird, dass er Schulden macht, dass er Wohnung und Arbeit bald verlieren wird, aber vielleicht muss er diese Erfahrungen nun machen, vielleicht muss er wirklich mal hart landen.

Oder es läuft alles gut, er bringt alles auf die Reihe, ach, wer kann das sagen.

Ja, ich werde ab und zu nachfragen, wahrscheinlich bekomme ich keine Antworten, aber das ist in Ordnung. Ich verstehe ihn. Vielleicht habe ich ihn auch mit meiner Fürsorge und meinen Erwartungen erdrückt.

An seiner Stelle wäre ich vielleicht schon längst ausgezogen.

Ich kann eben auch nicht aus meiner Haut, ich konnte auch nicht zulassen, dass er unser Haus vermüllt. Wir mussten Regeln aufstellen und immer wieder sagen, räum deinen Müll weg...

Dabei handelte es sich nicht um ein paar herumliegende Teller oder Gläser, wenn mein Sohn vermüllt, dann liegt alles, aber auch alles herum, Kleidung, Sextoys, Papier, schmutziges Geschirr, Essensreste, benützte Taschentücher, halbvolle Chipstüten, Flaschen, teils mit verschimmelten Inhalt, Unterrichtsmaterialien, und das hat er in drei Zimmern gemacht, wenn eines unbewohnbar wurde, räumte er es halbherzig auf und belegte ein anderes...

Es stinkt teilweise gesundheitsgefährdend. Das wird in Zukunft nicht mehr mein Problem sein!!!

Er hat versprochen, die nächste Woche noch alles sauber zu machen, naja, was wir von seinen Versprechen halten können, wissen wir, das wird noch Streit geben, aber da werden wir nicht nachgeben. Einmal muss er seine Aufgaben erfüllen.

Er wird morgen alles regeln in der Schule und der Ausbildungsstellen und dann hoffen wir, dass er eine Zusage bekommt und er möglichst bald hier weg kann.

Ich werde ihn mehr als vermissen :°( :°( :°(

M>irsan1mixr


Dir auch danke, Luck128

Ja, vielleicht normalisiert sich alles. Es ist das Normalste der Welt, wenn die erwachsenen Kinder aus dem Haus gehen.

Nur das Warum macht mir eben zu schaffen, aber gut, besser so, als diese ewige Angst und der Schwebezustand, wann kommt der nächste Anruf der Schule, was läuft jetzt wieder schief?

Wie können wir die nächste Krise wieder deichseln?

Ja, es ist besser so! :-(

J.ulesy


Vielleicht kann er Hilfe bekommen in der neuen Wohnung? Ich denke da an ambulant betreutes Wohnen oder so... ":/ @:) :)*

M2irs&anTmxir


Momentan will er sicher keine Hilfe, egal von wem. Er will sich wahrscheinlich auch selbst beweisen, dass er es alleine schafft.

J/ule.y


Aber nen Arzt sucht er sich hoffentlich?!? Hab hier nur ab und zu mitgelesen |-o aber das kann ganz ganz schnell nach hinten losgehen so ganz ohne Hilfe... ":/

LWian-6J/ixll


Juley, es hilft jetzt aber nichts, bei diesem Thema an Mirsanmir zu appellieren.

JHulexy


Ok sorry |-o

Dann drück ich mal die Daumen, dass alles so klappt, wie ihr es euch wünscht! @:) :)*

m6onid+sxtexrne


Es tut weh, aber was soll ich sagen, es ist mir lieber als sein ewiges Heiapopeia, endlich sagt er, was Sache ist, endlich wissen wir, was er im Inneren in Wahrheit von uns hält.

Möchtest Du das wirklich glauben?

M]irtsa5nmixr


Ich werde ihn darauf hinweisen, dass er seinen jetzigen Psychiater und seine Therapeutin anrufen muss, vielleicht können die ihm jemanden empfehlen.

Die Strecke ist zu weit in Zukunft, ohne Auto muss er wechseln. Er braucht seine Tabletten.

Ob er es macht, ob er sich jemanden sucht, es liegt nicht mehr in meiner Hand.

@ mond+sterne

ich verstehe deine Frage ehrlich gesagt nicht. Die Aussage meines Sohnes war eindeutig.

Ich frage ihn, kotzen wir dich so an, er sagt "ja". :°(

Eindeutigeres habe ich die letzten 15 Jahre nicht von ihm vernommen. Endlich klare Aussagen, "ich will hier weg aus diesem Scheiß Kaff und ich will nie wieder zurück!"

Warum soll ich hier etwas "glauben wollen" oder "nicht wollen"?

Auf meine Aussage, "wir haben dich doch lieb" kam ein hämisches Gelächter, er fühlt sich ungeliebt, ich kann es nicht ändern. Wir konnten ihm nicht das geben, was er brauchte.

Eines Tages wird er es vielleicht anders sehen, darauf hoffe ich.

Momentan reden wir ganz normal miteinander, machen Pläne für die verbleibenden Tage, ich gebe ihm Hinweise für die künftige Haushaltsführung, zeige ihm noch dies und das, helfe ihm noch, seine Papiere zu ordnen, mehr kann ich nicht mehr tun und will es auch nicht.

Seine Ablehnung verstehe ich, ich verstehe ihn besser, als er glaubt, auch besser als all die Jahre vorher.

Es wurde irgendwie Zeit, dass er sich gegen seine Eltern zur Wehr setzt, das hat er nie getan.

miond+stOernxe


Du brauchtest eine klare Ansage. Dein Sohn hat Dir gegeben, was Du brauchst. Auch wenn es inhaltlich Käse ist, Deine klare Ansage hast Du bekommen....

ich verstehe deine Frage ehrlich gesagt nicht. Die Aussage meines Sohnes war eindeutig.

Ich frage ihn, kotzen wir dich so an, er sagt "ja". :°(

Ich verstehe Dich ehrlich gesagt nicht. Du stellst ihm eine Suggestivfrage. Du bekommst die erwartete Antwort. Dir scheint diese Antwort wichtig zu sein. Warum?

Deinen Sohn meine ich, ganz gut zu verstehen. Ich habe jedoch den Eindruck, Du verstehst die Lebenssituation Deines Sohnes nicht besonders gut. (Da Du geschrieben hattest, Du verstehst Deinen Sohn besser als er glaubt, würde mich das mal genauer interessieren.)

Deinen Mann verstehe ich gar nicht. Er glänzt hauptsächlich durch (gefühlte) Abwesenheit. Das einzige Mal, wo er in Erscheinung tritt, ist, um mit Dir gemeinsam die Entscheidung zu treffen, Deinen Sohn zu Hause rauszuwerfen.

Was für eine Beziehung hat Dein Mann zu Deinem Sohn?

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