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Mein Sohn ist psychisch krank

M}iTrs"anmixr


So, ich habe alles gelesen und möchte das erst einmal sacken lassen.

Nur ein paar Punkte, Shojo, den Rosengarten kenne ich in und auswendig. Bezogen auf meine eigene Geschichte und auf die meines Sohnes habe ich sehr viel für mich herausgenommen aus diesem Buch.

Die Vorwürfe, die dein Bekannter mir unbekannterweise macht, treffen mich nicht, weil es so nicht war, richte ihm bitte aus, es ist nett, dass er sich Gedanken macht und auch die Wut, die er empfindet, kann ich nachvollziehen, wenn es so wäre, wie er schreibt, aber es ist so nicht.

Würde ich die ganze Geschichte hier aufschreiben, säße ich in einem Jahr noch da.

Ich kann nur kurz sagen, es waren viele Versuche meinerseits, meinen Sohn auch schon früher zu helfen, leider waren sie halbherzig und wurden von ihm auch nicht angenommen, insgesamt kann ich sagen, es ist immer schwer zu sehen, ob jemand wirklich Hilfe braucht, wenn er die ganze Zeit nicht er selbst ist, sondern eine Rolle gut spielt und in der Welt einigermaßen funktioniert. Das Lügen ist eine Sache, die wir seit Jahren wissen und von mir kommt da wenig Vorwurf an meinen Sohn, weil ich zum Teil immer verstand, warum er lügt, dennoch ist es schwer, dass man sich auf einen Menschen und sein Wort nicht verlassen kann. Ich habe mit sehr viel Geduld versucht, das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen, jetzt weiß ich, dass ich keine Chance hatte.

Mein Sohn ist krank, er reagiert nicht wie ein geistig gesunder Mensch, aber das muss man erst sehen. Was wir sahen war ein tollpatschiger, vergesslicher Wirrkopf, der faul war, nicht lernen wollte und sich mit Lügen aus der Affäre zog. Das sind alles keine wirklichen Zeichen für eine Geisteskrankheit, das sind in den Augen vieler vor allem Zeichen für eine schlechte Erziehung.

Und wenn dir dein Sohn aus dem Weg geht, seine eigenen Wege geht mit 17, dann siehst du das auch nicht als krankhaft, sondern als erwachsen werden.

Man kann sich lange alles schön reden, weil er so normal war und normal "funktionierte", niemand, der ihn kennt, würde etwas vermuten.

Als ich merkte, dass die Maske der Normalität fiel, habe ich eingegriffen und zwar sofort.

Dass unsere Familie nicht so ist, wie sie sein sollte, weiß ich, auch diesen Vorwurf brauche ich kein zweites Mal, außer du willst in eine Wunde noch mehr bohren, die eh schon so schmerzt, wie ich es keinem sagen kann.

Ich wollte auch die Geschichte meines Sohnes nicht ausbreiten, eigentlich wollte ich sie nicht zum Thema machen, mir geht es viel mehr um das Hier und Jetzt, ich brauche wirklich keinen, der mir sagt, was ich für ein Monster bin, ich weiß, dass ich vieles falsch machte und ich zerfresse mich ja schon vor Schuldgefühlen.

Nur möchte ich einfach wissen, wie ich damit umgehen kann. Was nützt mir das Bohren in der Vergangenheit?

Hier mit meinen Bruchstücken an Informationen kann niemand tatsächlich ein wirkliches Bild haben.

LyovxHus


wenn es wehtut, nicht schimpfen, sondern sacken lassen, dann ist da oft viel dran

empfinde ich als Zumutung. Weil es ein Satz ist, der sich nicht zurückweisen lässt, ohne den Anschein zu erwecken, ihn "eigentlich" oder schlimmer "unbewusst" genau durch die Zurückweisung zu bestätigen. Nichts desto trotz könnte tatsächlich etwas dran sein, was dann kommt. Es könnte aber auch eine bodenlose Ungerechtigkeit sein. Diese Option sei noch ergänzt.

Ganz dick unterstreichen möchte ich:

Und ich hoffe, dass bei euch diese verdammte, widerwärtige Schuldfrage krepiert und verrottet.

Diese Frage ist bei uns nie aufgetaucht. Auch nicht bei Diebstahl. Vielleicht, weil bei uns die Abwertung eines Menschen über Schuld und Verurteilung schlicht nicht in Frage kommt. Das könnte ein Unterschied zur Situation bei Mirsanmir sein, denn ich weiß, dass das sehr ungewöhnlich ist. Wenn ich ärgerlich oder wütend wurde, dann vor allem, weil er sich selber durch sein Verhalten so viele Steine in den Weg gelegt hat, so unnötig viel Aufwand darein gesteckt hat, es sich schwer zu machen. Schuld will Strafe sehen und empfindet dabei auch noch Genugtuung. Schrecklich sowas. Mir taten die Suppen am eigenen Leib weh, die er sich einbrockte. Väterlicher Ärger und Wut sind natürlich auch kein Weg da raus, und so haben wir uns aneinander festgehakt.

M:irsFanmxir


Ich wollte jetzt eigentlich Positiveres berichten.

Mein Sohn ist durch das Citalophram sehr gut durch die Woche gekommen, es gab richtige Lichtblicke und er hat für sich Dinge organisiert und geregelt, ohne dass ich etwas tun musste.

Ich gehe auch davon aus, dass er mich diese Woche nicht angelogen hat, sondern mir immer die Wahrheit sagte, das mit dem Lügen ist sowieso weniger geworden, seit ich Bescheid weiß.

Und das Allerpositivste ist, dass ich mich meinem Mann wieder genähert habe. Er hat mir zum ersten Mal seit ich ihn kenne ein Valentinstagsgeschenk gebracht und ich habe es als das genommen, wie es gemeint war, ein Zeichen, ein "ich liebe dich noch, es ist nur so schwer, ich leide auch unter dem Ganzen..."

Und seitdem reden wir wieder miteinander und ich versuche, meinem Mann alles nahe zu bringen, was ich weiß, am Samstag sind die beiden sogar zusammen weggefahren um etwas zu erledigen.

Aber kein Wort ist gefallen, unser Sohn saß stumm neben meinem Mann.

Dennoch, es ist ein Anfang und vielleicht hat Söhnchen erkannt, dass seine Angst tatsächlich irrational ist. Mein Mann hat ihn doch nie geschlagen oder so etwas.

Meiner Meinung nach fühlt sich unser Sohn als Versager und hat Angst vor der Kritik und den nicht erfüllten Erwartungen.

Kinder, deren Eltern so tüchtig sind, haben es einfach immer auf gewisse Weise schwer, sie müssen es den Eltern ja irgendwie gleichtun, haben immer das Bild der erfolgreichen Eltern vor sich, dem sie eigentlich nacheifern sollten.

@ LovHus,

danke für deine Ehrlichkeit und Offenheit. Es hilft mir insofern, dass es mir nun aufgeht, dass ich klarer formulieren muss. Mach das, mach dieses, versuche das. Mein Mann hat wenig Fantasie, ich umso mehr, ich muss ihm einfach helfen in der Beziehung, ich denke, er ist momentan ein wenig hilflos mit der Situation.

Ja und dann begann gestern die Therapie und mein Sohn sagte, das Gespräch sei sehr aufschlussreich gewesen. Nun würden Tests folgen, Citalophram wurde auf 20g täglich erhöht.

Das ist der Stand jetzt.

Ich habe meinen Bekannten und Freunden bisher nichts erzählt von den Problemen hier, ich denke nur, dass es nicht lange geheim bleiben kann. Dann kann man immer noch offen damit umgehen, denke ich, aber ich gehe jetzt nicht hausieren damit. Das schließe ich auch als Fazit von euren Beiträgen, danke dafür @:)

LvoLvHxus


Cougar

Manchmal muss man auch, oder besonders da intensiv nachdenken, wo es eben gerade weh tut!

Ja, natürlich. Wenn das Bedürfnis und die Einsicht von innen kommt. Oder wenn das Nachdenken therapeutisch begleitet wird. Wenn das Nachdenken wie ein Kratzen an einer offenen Wunde oder das Strampeln im Treibsand ist, also von planlos bis voller Panik stattfindet, dann bringt das nicht weiter. Und diesen Eindruck hätte ich, wenn Mirsanmir ihren Mann auffordern würde, nun aber mal in die Pötte zu kommen und über sich, seinen Sohn und ihre Beziehung intensiv nachzudenken. Scheint ja ein Punkt zu sein, an den der Mann nicht recht ran will.

MWi*rsUan*mixr


@ Shojo

Es geht nicht um Schuld. Es geht darum, einander so zu sehen, wie man ist, und nicht zu verlangen, dass sich das Empfinden von jemandem an das Wunschbild anpasst, weil man ihn sich ansonsten einfach anders denkt, als er ist, und ständig an ihm vorbeischaut.

Wer ist Dein Sohn? Was liebt Dein Sohn? Was macht ihm Angst? Siehst Du Deinen Sohn, oder machst Du die Augen zu, weil Du Angst hast, dass er nicht in Dein Leben passt?

Die Schuld, die ich empfinde ist übrigens meine, nicht die meines Sohnes, wieso sollte er an irgendetwas Schuld haben?

Deine Fragen die du stellst, machen mich ein wenig lächeln, wie kann man sie beantworten, wenn man auf all die Fragen, die man ihm stellt, nur Lügen zur Antwort bekommt und nie eigentlich mit der Person spricht, die mein Sohn irgendwo ganz innen vergraben ist?

Da du den Rosengarten ja kennst, dann stell dir die Deborah am Anfang des Buches vor und frage sie, ob sie Eis liebt. Frage sie, ob sie Angst vor Schlangen hat.

Was würdest du zur Antwort bekommen? Mein Sohn würde dir alles erzählen, was du hören willst, alles. Nur nicht das, was er empfindet. Oder vielleicht doch, aber nur dann, weil er meint, dass du es hören willst.

Ich kann nur sagen, ich habe meinen Sohn in den letzten Wochen ein paar Mal gesehen, "ungeschminkt" und ich habe ein paar "echte" Antworten bekommen.

Achja, was er erzählte fand ich sehr interessant, er sagte, er mag diese Tablette nicht, weil er redet etwas ganz anderes, als er denkt.

Daraufhin meinte ich, aber das tust du doch die ganze Zeit über, das ist doch eines deiner Probleme?

Er sagte: Ja, klar, aber nun merke ich es und es nervt mich.

Ich dachte bei mir, wenn es ihn nervt, vielleicht ist es ein kleiner Schritt dazu, dass er es ändern will und kann? :-)

L\ov#Huxs


Mirsanmir

Und das Allerpositivste ist, dass ich mich meinem Mann wieder genähert habe. Er hat mir zum ersten Mal seit ich ihn kenne ein Valentinstagsgeschenk gebracht und ich habe es als das genommen, wie es gemeint war, ein Zeichen, ein "ich liebe dich noch, es ist nur so schwer, ich leide auch unter dem Ganzen..."

So schön :-D :)^ @:) !

Dennoch, es ist ein Anfang und vielleicht hat Söhnchen erkannt, dass seine Angst tatsächlich irrational ist. Mein Mann hat ihn doch nie geschlagen oder so etwas.

Meiner Meinung nach fühlt sich unser Sohn als Versager und hat Angst vor der Kritik und den nicht erfüllten Erwartungen.

Kinder, deren Eltern so tüchtig sind, haben es einfach immer auf gewisse Weise schwer, sie müssen es den Eltern ja irgendwie gleichtun, haben immer das Bild der erfolgreichen Eltern vor sich, dem sie eigentlich nacheifern sollten.

Das passt auf unseren Sohn :)z . Vielleicht findet dein Mann ja noch ein Valentinsgeschenk für seinen Sohn, also einen Weg, ihm den Unterschied zwischen der Sorge um ein gutes Leben vs. Kritik wegen unerfüllter Erwartungen begreiflich zu machen. "Ich liebe dich, mein Sohn, und ich will, dass du auf einen guten Weg kommst." Statt: "Du bist ein Versager, wart's nur ab."

CtougZar7x1


@ LovHus

Jetzt versteh ich , wie Du das meinst und ja, da gebe ich Dir Recht und sehe, dass wir eigentlich das gleiche meinen, uns aber nur etwas verschieden ausdrücken!

Danke!

@ Mirsanmir

Danke für Deine Offenheit uns gegenüber und auch ,dass Du versuchst, etwas mehr Licht ins Dunkel für uns zu bringen. Das wird sicher ein langer und steiniger Weg werden, der sicher auch mal unüberwindbar erscheinende Berge beinhaltet, die jedoch, mit Willen, Ausdauer, Vernunft, Verständniss und vor allem, wenn ihr alle an einem Strang zieht, Euch nicht entmutigen lasst, dann sicher auch die Früchte, diese langen Weges, ernten könnt!

Das wünsche ich Dir, Deinem Sohn und auch Deinem Mann!

Kopf hoch Mirsanmir, haltet zusammen, arbeitet alle daran mit Geduld und Zuversicht und Du wirst sehen, dass es besser wird.

Viel Glück und Erfolg dabei!

Mnirs{an~mixr


Wenn ich ärgerlich oder wütend wurde, dann vor allem, weil er sich selber durch sein Verhalten so viele Steine in den Weg gelegt hat, so unnötig viel Aufwand darein gesteckt hat, es sich schwer zu machen. Schuld will Strafe sehen und empfindet dabei auch noch Genugtuung. Schrecklich sowas. Mir taten die Suppen am eigenen Leib weh, die er sich einbrockte. Väterlicher Ärger und Wut sind natürlich auch kein Weg da raus, und so haben wir uns aneinander festgehakt.

Diese Situation kenne ich, wenn ich nur daran denke, was alles schief lief bei unserem Sohn, was er selber verbockt hatte und wie oft wir ratlos dastanden und nicht wussten, was er sich dabei gedacht hatte...

Und dann schimpft man auch, was soll man sonst tun, wenn der Sohn den teuren Fernseher hinunterwirft, natürlich ganz aus Versehen?

Was soll man sagen, wenn der Sohn mal wieder vergessen hat, dass er eine Arbeit schreibt und natürlich hat er null dafür gelernt und bekommt die verdiente 6?

Was soll man sagen, wenn er hoch und heilig verspricht, etwas Wichtiges für einen zu erledigen, völlig empört reagiert, weil man ihn noch einmal daran erinnert und dann steht man da und hat sämtliche Fristen versäumt, weil der wichtige Brief nach einer Woche gefunden wird?

Seine Aktionen haben teilweise wirklich Geld gekostet, Unfälle (jeweils Totalschaden) mit Motorrad, mit dem Auto, der Fernseher, nicht abgegebene Anträge, vergessene Fahrscheine und daher hohe Strafen der deutschen Bahn... Weil dass er seinen Fahrschein am nächsten Tag am Schalter zeigt und nur eine geringe Strafe kassiert, das hat er dann auch vergessen, wir wurden immer erst informiert, wenn die Zahlungsbescheide per Post eintrudelten. Und das passierte nicht nur einmal.

Inzwischen wiederholt er zum dritten Mal eine Klasse und wird wohl wieder die Versetzung nicht schaffen. Es war sein eigener Wunsch, aber er kriegt das Lernen nicht auf die Reihe. Am Ende des Jahres wird er ohne Schule und ohne Ausbildung dastehen.

Aber gut, das ist nun unwichtig, es war unglaublich wichtig, so lange wir nicht wussten, dass er krank ist. Nun haben wir andere Sorgen...

CRo]uKgar7x1


Am Ende des Jahres wird er ohne Schule und ohne Ausbildung dastehen.

Aber gut, das ist nun unwichtig, es war unglaublich wichtig, so lange wir nicht wussten, dass er krank ist. Nun haben wir andere Sorgen...

Unwichtig ist das natürlich nicht, aber die Prioritäten haben sich verändert, was erst einmal auch viel wichtiger ist. :)^

Und das heisst ja noch nicht, dass er sein Leben nicht doch noch irgendwie meistert, mit Eurer Hilfe!

Muirsaxnmir


Unwichtig ist das natürlich nicht, aber die Prioritäten haben sich verändert, was erst einmal auch viel wichtiger ist. :)^

Und das heisst ja noch nicht, dass er sein Leben nicht doch noch irgendwie meistert, mit Eurer Hilfe!

Stimmt, es ist eine Sache der Prioritäten.

Danke für euren Zuspruch, das tut wirklich gut! @:) @:) @:)

LiovH}us


In-Kog Nito

mir tut seine frau leid, dass es soweit hat kommen müssen. als hätte sie ewig zwei kidner gehabt.

Wir haben drei Kinder ;-D . Ohne mich ;-D ;-D .

Ansonsten stimmt für uns, was Mirsanmir eben schrieb:

Hier mit meinen Bruchstücken an Informationen kann niemand tatsächlich ein wirkliches Bild haben.

Das mit dem "moralisch ausruhen" habe ich gar nicht verstanden. Ich bin nur heilfroh, nach einigen echt schwierigen Jahren durch die Pubertät nun seit ein paar Jahren wieder einen zunehmend guten Draht zu meinem Sohn zu haben.

Wir hatten aber einen unschätzbaren Vorteil vor Mirsanmir: Wir wussten seit Geburt, dass etwas nicht in Ordnung ist und mussten mit dem Schlimmsten rechnen. Und dann ging doch immer mehr, als wir befürchten mussten. Schon damals ist mir schnell aufgegangen (vielleicht auch nur, um mir den Schrecken schön zu reden), dass es umgekehrt schwieriger sein könnte: Man denkt anfangs, alles sei in Ordnung, und über die Zeit merkt man, dass etwas nicht stimmt.

C%ouga"r71


Wäre echt schön, wenn Du Dich mal wieder meldest! Soweit Du das möchtest und kannst.

Bis dahin erst mal alles liebe und gute! :)_ :)_ @:)

L5ovHuxs


Mirsanmir

dass er krank ist.

Wir haben immer gesagt, unser Sohn ist anders. Nicht krank, nicht behindert. Wir wissen nicht warum, nur dass es so ist. Er ist, wie er ist. Und auf der Basis kann man schauen, welche Hilfen es gibt. Ich finde das akzeptierender und auch wertschätzender als "krank", jedenfalls, wenn ein "gesund" als geheilte Krankheit keine Option ist.

Jetzt laufen erst mal die Diagnosen, dazu gibt es dann Ergebnisse und dann seht ihr weiter. Es wird auf jeden Fall eine große Erleichterung für euch alle sein :)* .

Srh ojo


Mirsanmir, danke für deinen Beitrag um 16:28. ich habe jetzt, glaube ich, ein etwas besseres Bild. Es tut mir leid, wenn ich Dich verletzt habe, und ich hoffe sehr, dass ihr alles so gut wie möglich sortiert bekommt und euch als Familie wieder nahekommt, nicht "nur" momentweise, sondern stabil.

S)hoGjqo


Ich möchte aber noch hinzufügen: Psychische Krankheit ist das eine, ihre Entstehungsgeschichte und das, was sie ausbrechen lässt und verstärkt, das andere. Wenn Du Dich vor lauter Schuldgefühlen zerfrisst, dann hilft das euch allen gar nichts, es macht nur zum einen Dich kaputt und ist auch eine seltsam verlockende Sache – auf Schuldgefühlen, so schrecklich sie sind, kann man sich ausruhen, sie geben einem das Gefühl, man täte ja was, obwohl sie einen eigentlich lähmen. Ebenso das Bewusstsein einer psychischen Krankheit – eine Diagnose ist ein Anhaltspunkt, aber nicht die Lösung, es entbindet einen nicht von der Notwendigkeit, genau hinzuschauen, sie erklärt nicht alles, sondern kann nur beim Verstehen helfen oder es erst möglich machen – das ist schon sehr viel, aber eben nicht alles. Ich hoffe, Du rutscht da jetzt nicht in die Falle, zu denken: "Ach, er ist psychisch krank, DESHALB also", ergehst Dich in organisatorischen Dingen und überlässt das genaue Hinschauen den Fachleuten. Du weißt, dass man sich auf das, was er sagt, nicht verlassen kann. Also musst Du hinschauen lernen, wenn Du verstehen willst, was bei ihm los ist. Und weil in einer Familie alle Leben so eng miteinander verbunden sind, wird dieser Blick manchmal spannend, manchmal erhellend, manchmal auch sehr schmerzhaft sein. Und da ist dann der Punkt, an dem es wichtig ist, sich nicht den Heiligenschein der Schuldgeplagten aufzusetzen, sondern im Hier und Jetzt zu bleiben, stur auszuhalten, dass einiges scheiße gelaufen ist, und sich auf die Wahrheit des anderen einzulassen.

Und ja, das ist kotzschwer. Die Versuchung wegzuschauen ist natürlich groß, wenn es unangenehm wird. Ich hoffe sehr, Du bleibst dran und packst das.

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