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Mein Sohn ist psychisch krank

M&ae82


Sicher wird es auch wieder Tiefpunkte geben. Es ist nicht so, dass ihr es jetzt "geschafft" habt.

Aber über diesen Erfolg dürft ihr euch ruhig freuen. :)*

Jetzt bin ich gespannt, ob er es wagt, zu unterschreiben. Und dann natürlich, wie es ihm mit der Ausbildung geht. Hoffentlich gerät er da an die richtigen Leute...

L!o_vHxus


Ich glaube, dass das Medikament ein Segen ist. Ist schon toll, was die Medizin heute alles vermag. Nicht, dass damit alles gelöst ist, natürlich muss er sich immer noch selber sein Leben und seinen Beruf aufbauen. Aber die Möglichkeit, dies zu tun, eine wichtige Voraussetzung scheint jetzt doch gegeben zu sein :)^ .

SmüntjYe


ich kann mir das gar nicht vorstellen, Altenpflege wenn man selbst nicht gesund ist?

Du sagst der Arzt befürwortet das Arbeiten für deinen Sohn, auch diese Art der Arbeit bzw der Ausbildung?

Du sagst:

Dass er ein riesiges Problem mit sich selbst hat, mit Gedächtnislücken, mit Panikanfällen, mit Aussetzern, mit einem Selbsthass, der bis zur Selbstzerstörung geht

wie soll er dann all das zusätzliche, was die alten Menschen und deren Angehörige mit sich bringen und bei ihm abladen werden noch tragen und aushalten können?

Dann schreibst du:

Meiner Meinung nach fühlt sich unser Sohn als Versager und hat Angst vor der Kritik und den nicht erfüllten Erwartungen.

Kinder, deren Eltern so tüchtig sind, haben es einfach immer auf gewisse Weise schwer, sie müssen es den Eltern ja irgendwie gleichtun, haben immer das Bild der erfolgreichen Eltern vor sich, dem sie eigentlich nacheifern sollten.

und er fühlt sich wohl im Umgang mit alten Menschen, die auf seine Hilfe angewiesen sind. Die ihn brauchen und nicht kritisch sehen. Da ist der Schritt, gerade wenn man psychisch eben nicht gesund ist, ein Helfersyndrom zu entwickeln sehr groß.

Ich sehe diese Berufswahl im Moment ganz kritisch und hoffe für deinen Sohn, dass es zum Thema in seiner Therapie wird und er da entsprechend begleitet wird.

M>irsaanmxir


Süntje, ich weiß schon, was du meinst,...

Aber schau nur einmal ein paar Seiten zurück, da wurde mir eindringlich klargemacht, dass ein Mensch nicht nur aus "Erfolg" besteht, sondern dass diese soziale Seite genauso viel, wenn nicht mehr wert ist.

Und das ist eindeutig seine Stärke, er ist einfühlsam und kann etwas, das andere nicht können. Darauf kann er auch stolz sein und er macht diese Stärke nun zu seinem Beruf (falls er im Herbst antreten kann). Warum soll man ihn nun in eine andere Ausbildung drängen, die ihm nicht entspricht und in der er seine Fähigkeiten nicht anwenden kann, bzw. in der er sich höchstwahrscheinlich nicht wohlfühlen wird? Ich kann mir für ihn einfach keinen Bürojob vorstellen, am ehesten noch etwas wie Mauerer, wo er mit den Händen werken kann, oder Gärtner, aber das will er keinesfalls.

Ich will ja auch, dass er auf sich stolz ist und auf seine Leistungen, das ist ja gerade eines seiner Probleme, dass er sich so minderwertig fühlt. Daher ist diese Ausbildung in meinen Augen richtig, nicht ideal, aber richtig, weil sie ihm entspricht und er sich beweisen kann.

Siüntxje


oh, ich sehe durchaus, dass die soziale Seite ebenso viel wert ist.

Und ich habe deinen Faden aufmerksam gelesen, genau deshalb und weil ich aus dem näheren beruflichen Bereich komme bin ich ja so skeptisch.

Was ich mich frage ist, ob er überhaupt schon ausbildungsfähig ist oder im Herbst sein wird?

Du sagst im Nachhinein erklären sich viele seiner Verhaltensweisen mit seiner Krankheit und gibst dir Schuld, weil ihr nicht früher genauer hingesehen habt.

Aber kann er denn krank die enorme Verantwortung, die dieser Beruf mit sich bringt, tragen?

Oder sollte er erstmal gesund werden?

Kann er gesund werden? Oder muss er lernen, damit zu leben?

Meine Tochter ist Autistin und gleichzeitig lernbehindert, also keine psychische Erkrankung, die irgendwie heilbar ist, auch nicht einfach anders wie Mae und LovHus Sohn, sondern behindert.

Ich kann deine Fragen nach Schuld, deine Sorgen um seine Zukunft, deine Zweifel an deinen Gefühlen so gut nachvollziehen und das obwohl ich von Anfang an wusste, dass mein Kind ein Handicap hat und ich Jahre Zeit hatte/habe mich damit auseinanderzusetzen.

Und deshalb verstehe ich jetzt nicht so ganz, wieso die Ausbildung plötzlich so wichtig ist? Werden seine Probleme, seine Krankheit damit nicht wieder zweitrangig?

L&o~vNHxus


Werden seine Probleme, seine Krankheit damit nicht wieder zweitrangig?

Ich habe das ganz anders verstanden: Er hat ein Stoffwechselproblem im Gehirn, das jetzt (endlich) durch ein geeignetes Medikament fürs erste gelöst ist. Nun gilt es, dass er in dieser Welt, in diesem Leben ankommt. Dazu braucht es therapeutische Begleitung, aber auch Bestätigung und Bewährung unter Menschen.

Deshalb hat der Arzt empfohlen, mit einer Ausbildung nicht zu lange zu warten. So wie Mirsanmirs Sohn auf das Bewerbungsgespräch und die Zusage reagiert hat, scheint das auch aufzugehen.

SQün5tjxe


Er hat ein Stoffwechselproblem im Gehirn, das jetzt (endlich) durch ein geeignetes Medikament fürs erste gelöst ist.

und ich war der Meinung, ich hätte Mirsamirs Beiträge so gründlich gelesen |-o

Wo schreibt sie von einem Stoffwechselproblem? Das habe ich überlesen.

LkovTHus


Wo schreibt sie von einem Stoffwechselproblem? Das habe ich überlesen.

Das ist das, was ich verstanden habe. Die Wirkung des Medikaments auf den Jungen war ja verblüffend; wie er die Kontrolle über sich gewonnen hat. Also gehe ich davon aus, dass es irgendwo in einen Stoffwechsel eingegriffen hat. Für Genaueres müsste ich nochmal nach dem gegebenen Medikament suchen und seine Wirkung googeln. Das habe ich nicht getan.

S~ünt%je


vermutlich greifen die meisten (oder alle?) Psychopharmaka in den Stoffwechsel ein, aber damit ist das Problem ja meist nicht gelöst.

Aber das ist ja auch nur meine Sicht der Dinge.

LKovgHus


damit ist das Problem ja meist nicht gelöst.

Möglicherweise aber doch der Teil des Problems, der vor kurzem noch einen Schulabschluss oder eine Ausbildung unmöglich gemacht hat. Ich meine mich zu erinnern, dass der Arzt empfohlen hat, sich der Herausforderung einer Ausbildung zu stellen. Es war dann Mirsanmirs Initiative, tatsächlich Bewerbungen raus zu schicken, aber doch wieder der Junge, der "das Tor geschossen hat" und darüber offenbar nicht unglücklich ist.

M6aex82


Ich kann Süntjes Bedenken schon verstehen.

Der Job in der Altenpflege erfordert ja nicht nur soziales Engagement und Einfühlungsvermögen. Da ist effizientes Arbeiten gefordert. Und da kann es schon sein, dass man gerne mehr Zeit für einen Patienten hätte, aber nicht hat, nicht haben darf. Das kann einen dann schon sehr mitnehmen. Schafft er es, die professionelle Distanz zu wahren?

M`irnsanmxir


Es steht noch nicht fest, ob er die Ausbildung machen kann.

Der Psychiater meinte, ja, aber man müsse sehen, wir sollten einmal schauen, ob wir überhaupt etwas finden.

Es ist einfach so, dass er nun nach dem Austritt aus der Schule in der Luft hängt und erst einmal gar nichts hat und macht, was für den Augenblick in Ordnung ist, er soll sich einmal ein wenig fangen, zu sich finden, nicht gefordert werden und dann demnächst eine kleine Arbeit annehmen, damit er Struktur bekommt. Also so habe ich das verstanden.

Die Ausbildung beginnt erst im September, bis dahin hoffen wir, dass die Therapie in vollem Gange ist, dass sich vielleicht herausstellt, dass er ein einigermaßen geregeltes Leben führen kann, auch unter der Voraussetzung, dass er die Tabletten weiterhin nimmt.

Er kommt damit wirklich gut zurecht und scheint weit weniger wirr und weltfremd zu sein, was ich so faszinierend finde, er hält sich an Abmachungen und denkt an aufgetragene Dinge oder Bitten.

Seine Panikanfälle sind aber nach wie vor da, nur nicht mehr so häufig und gerade am Wochenende hatte er eine schlimme Phase, aber er ist zu mir gekommen und hat sich bei mir ausgeweint, das war auch zum ersten Mal, dass ich das so erlebte.

Sollte es ihm im September zu schlecht gehen, ist es leichter eine Ausbildungsstelle abzusagen, als auf Biegen und Brechen eine passende zu finden, weil man sich vorher nicht darum gekümmert hat.

Das ist der einzige Grund, warum ich jetzt darauf bestanden habe und es war ein Glück, dass er sofort eine Zusage bekommen hat, nein, er ist absolut nicht unglücklich darüber und die Atmosphäre in dem Haus hat ihm gut gefallen, die haben dort zwei Ziegen, die hatte er schon im internet gesehen, die wurden ihm gleich vorgestellt.

Dass der Beruf schwierig ist, weiß er, er hat ja einige Praktika gemacht, also jeweils über ein halbes Jahr, und er musste von Anfang an alte Leute waschen und füttern, schon im Krankenhaus und er hat mehrmals in dieser Zeit den Tod erlebt. Er geht ganz sicher nicht blauäugig hin, Altenpflege hatte er für sich zuerst eigentlich immer ausgeschlossen, erst mit dem letzten Praktikum hat er seine Meinung geändert.

M4irs|anmixr


Hallo, ich wollte mich mal wieder melden.

Diagnosemäßig gibt es nichts Neues bei unserem Sohn, er hat nun eine lange Pause gemacht, es war wieder so typisch.

Erst wusste er den nächsten Termin nicht mehr, ich sagte, ruf an und frag nach, dann behauptete er, der Termin sei da und da und als er anrief, hatte die Praxis wegen Ostern geschlossen.

Das ging zwei Wochen lang, dass er ständig vergaß, rechtzeitig anzurufen. Die Praxis hatte angeblich immer zu. :-X Tja, ich habe das nicht nachgeprüft, habe aber darauf bestanden, dass er anruft, jeden Tag habe ich ihn damit genervt, bis er es endlich auf die Reihe brachte. Nun ist morgen der nächste Termin, bin ich froh.

Die Tabletten verträgt er nach wie vor gut, er nimmt zwei Stück täglich, nur durch die Fressattacken, die auch als Nebenwirkung auftreten können und seine allgemeine Lethargie gegenüber Sport und Bewegung ist er recht dick geworden. Nun gut, das sind Dinge, die sind eben so, ich schaue, dass viel Obst und Gemüse im Haus ist, da kann er dann essen. Und ansonsten, das Übergewicht kriegt er auch irgendwann wieder runter, wenn es ihn stört.

Seit letzter Woche arbeitet er jetzt als Altenpflegehelfer und beginnt im September die Ausbildung. Er hat tatsächlich zwischen ein paar Stellen wählen können und hat die für ihn günstigste ausgesucht, ohne dass wir da viel geredet haben, das entschied er alleine. :)^

Die Umstellung von Nichtstun zur Arbeit war letzte Woche ein wenig schwierig, er hatte Panikattacken, weil auch Papiere fehlten, die wir aber noch rechtzeitig beschaffen konnten und als alles beisammen war, wurde er ruhiger. Ich war für ihn da die letzten Tage vor der Arbeit, wir haben das gemeinsam durchgestanden und weil er es ja wollte, also Geld verdienen, selbstständig und erwachsen werden und nicht länger zuhause sitzen, ist er am Freitag pünktlich um halb 6 aufgestanden und hat seine Arbeit aufgenommen.

Bis jetzt passt es anscheinend, das Haus ist recht klein und familiär, kaum Leute mit Pflegestufe 3.

Morgen hat er frei, kann seinen Termin beim Psychiater wahrnehmen und dann sehen wir weiter.

Ich hoffe, die Therapie beginnt bald, ich glaube, der Therapiebeginn war der Termin, den er verschusselt hat, so ganz habe ich da nicht durchgeblickt, was da los war.

Ja, das ist ein kleines update. Ich habe meiner Freundin hier nun gesagt, was los ist, aber was soll ich sagen. Ihre Reaktion war: "Warum habt ihr das denn nicht früher gemerkt? Er war doch schon immer irgendwie seltsam?"

Tja, gell, diese Frage trifft ins Mark. Generell habe ich aber das Gefühl, dass kaum einer hier diesen Zustand wirklich versteht und es eher auf "der muss sich eben mal zusammenreißen und braucht einen Tritt in den A." hinausläuft. %-|

Ich habe meinem Sohn schon gesagt, er muss viel Geduld aufbringen mit den Leuten und es ist meist besser, wenn es keiner weiß.

Also habe ich jede Menge langärmlige leichte Shirts besorgt, so dass man die Arme nicht sieht. Neue Ritzereien kamen nicht dazu, aber die alten sieht man leider noch deutlich genug.

Auf der Arbeit hat er auch nichts gesagt, solange er keine Diagnose hat und die Hoffnung besteht, dass er das mit Therapie überwinden kann und seine Arbeit machen kann, ...

M^irxsanmxir


Achja, er hat jetzt nur eine 2/3 Stelle, keine Vollzeit, aber wohl Schichtarbeit. Den Plan kriegt er erst.

Und was wir natürlich gemacht haben: Wir haben seinen Arbeitsbeginn ein wenig gefeiert und ihm gezeigt, wie stolz wir auf ihn sind. Wir erzählen das auch überall stolz, unser Sohn wird Altenpfleger, er soll das schon mitkriegen, dass er kein Abitur braucht um etwas wert zu sein. Davon ging er anscheinend immer aus, wir haben ja alle Abitur, aber ich finde es einfach nur großartig, was er jetzt schafft. Die Anerkennung vom Papa kriegt er auch, vielleicht hilft ihm das. :-)

LrovH:us


Danke, Mirsanmir, für das Update, ich denke ja schon ab und an in deine Richtung, nachdem die "Story" einen ja nicht kalt lässt.

... Tja, ich habe das nicht nachgeprüft ...

ich glaube, der Therapiebeginn war der Termin, den er verschusselt hat, so ganz habe ich da nicht durchgeblickt, was da los war.

Ich glaube hier hätte mir als Vater das reine Anschieben nicht gereicht, da hätte ich selber mal angerufen und versucht, mir den Durchblick zu verschaffen.

Wenn die Therapie beginnt, wäre es vielleicht gut, wenn du auch einen Termin mit dem Therapeuten, oder ihr zu dritt, hättest, um Absprachen darüber zu treffen, wann und wie du eingreifst und wann du dich raus hälst. Es könnte ja sein, dass dein Sohn mit der Therapiesituation zeitweise überfordert ist und dann wäre es gut, wenn du nicht raten müsstest, was jetzt dein Part sein sollte.

:)* :)* :)*

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