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Vergewaltigt - Trauma überwunden? Nach welcher Zeit?

leady-xlou hat die Diskussion gestartet


Ich bin das erste Mal bereit, über die schlimmste Nacht meines Lebens zu sprechen (natürlich hier nur zu schreiben).

In jungen Jahren hatte ich -blondes längeres Haar, akzeptable Figur, nicht unhübsch - noch keinen festen Freund und war wie man so schön altmodisch sagt "noch unberührt". Ich war aber mit meiner Clique immer auf einer Party oder in Lokalen unterwegs und habe fast immer jemanden, vorerst durchaus sehr sympathisch, kennen gelernt. Nach einigen Gläschen Cola-Rum, wurden diese Herren immer sehr "zutraulich" und erzählten mir das Blaue vom Himmel. Letztendlich waren aber wirklich alle nur an einem One Night Stand aus und schauten wie ein Autobus, wenn ich nein sagte. Mit der Zeit hat es mich sogar belustigt, dass immer der selbe Film ablief.

Einmal hatte so eine neue Eroberung angeboten, mich nach Hause zu fahren. Bei dem war es irgendwie anders. Es hatte, da er mir bereits seinen Namen und Adresse auf einen Zettel schrieb, mit der Absicht mich wieder zu sehen, den Anschein, dass es diesmal anders laufen wird. Und es lief anders :(v , aber nicht so wie ich geglaubt habe.

Am Weg zu seinem Auto (er hatte wahrscheinlich gar keines) drängte er mich auf einmal zu einem Busch und ließ keinen Zweifel daran, dass meine Gegenwehr und mein Nein völlig sinnlos war. Ich war darüber so entsetzt und geschockt, dass ich es einfach geschehen ließ. Zwar dachte ich daran zu schreien, obwohl er mich davor warnte es zu tun, aber mir war klar, dass es an diesem, einsamen Ort höchst unwahrscheinlich wäre, dass mich jemand hören könnte.

Ich wollte mich nicht als Opfer fühlen, deswegen hatte ich erstaunlicherweise den Nerv, lapidar zu fragen, wann er denn endlich fertig sei. Nachdem alles vorbei war, verlangte er von mir seinen Zettel mit seiner Adresse zurück. Dann zeigte er mir den Weg, wie ich zu Fuß nach Hause komme und ließ mich um 3Uhr Nachts/Früh, einfach am Straßenrand stehen und weg war er. Am Heimweg fuhr mir dann auch noch ein Auto nach. Gottseidank hat mir der Autofahrer nichts angetan. Ich habe ihm erzählt, was mir passiert ist und er bot mir sogar an, mich zur Polizei zu fahren, aber ich wäre nie im Leben bei ihm eingestiegen.

Ich habe mit mir gerungen, was für mich persönlich schlimmer wäre -das Ganze zu verschweigen, oder dieses Schwein bei der Polizei anzuzeigen und habe mich dazu entschieden, es auf sich beruhen zu lassen.

Das war sicher falsch, aber für mein Seelenheil schien es mir die richtige Entscheidung zu sein.

Eigenartigerweise habe ich gar nicht solange gebraucht, um das Ganze zu verarbeiten. Wahrscheinlich, weil es Gottseidank keine Gewalt gegeben hat?! Aber ich habe den Verdacht, dass gewisse Ängste und Phobien, die ich auch heute noch habe, von damals stammen könnten. Es ist auch erstaunlich, dass ich mich daran noch so genau erinnern kann, als wen es gestern gewesen wäre.

@ Alle Userinnen/Leidensgenossinnen,

denen das Gleiche passiert ist und die bereit sind darüber zu schreiben :

Ich würde gerne wissen, wie es euch ergangen ist, wie ihr damit umgegangen seid, wie es euch heute geht etc..

Antworten
Szie~gerixn


Es tut mir für dich sehr leid was dir passiert ist.

Ich habe mit mir gerungen, was für mich persönlich schlimmer wäre -das Ganze zu verschweigen, oder dieses Schwein bei der Polizei anzuzeigen und habe mich dazu entschieden, es auf sich beruhen zu lassen.

Das war sicher falsch, aber für mein Seelenheil schien es mir die richtige Entscheidung zu sein.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Ich würde gerne wissen, wie es euch ergangen ist, wie ihr damit umgegangen seid, wie es euch heute geht etc..

Als ganz junge Frau hat mich der Schwager meines damaligen Freundes vergewaltigt. Wiederholt, einen halben Tag und eine Nacht lang. Ich könnte nicht sagen ob es dreimal, viermal fünfmal oder öfter war. Denn im Gegensatz zu dir, kann ich mich nur an wenige Einzelheiten erinnern.

Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt von Vergewaltigung gar nicht gehört. Bin in einem gläubigen Elternhaus aufgewachsen. Mit meinem damaligen Freund (wir waren beide noch keine 20) hatte ich nur wenig sexuelle Erfahrung und ein schlechtes Gewissen, wegen dem vorehelichen Sex.

Ich erinner mich aber an meine Fassungslosigkeit als ich begriffen hab, was dieser Mensch mit mir vorhat. An eine mentale und körperliche Lähmung. An Zittern vor Angst weil er drohte mich aus dem Fester zu werfen wenn ich nicht Mitmache und auch vor Kälte, weil er mir die Kleidung weggenommen hatte. KOmischerweise könnte ich nicht sagen, wie ich mich ausgezogen hab, oder ob er mich ausgezogen hat.

Auch weiß ich genau, dass ich mich vor ihm ekelte weil er nach Rauch roch, aber die Vergewaltigungen an sich fehlen mir komplett.

Amnächsten Morgen ließ er mich gehen und lobte meine Reinlichkeit, weil ich mich dauernd gewaschen hatte. Im Nachhinein weiß ich, dass das eine Art Zwangshandlung vieler oder aller Vergewaltigter ist.

Ich hab keinem was davon erzählt und hab mit aller Kraft versucht im Alltag haltung zu wahren. Meine Noten stürzten ab, weil ich über Wochen (oder Monate) im Kopf nur noch Rachegedanken laufen hatte. Die beziehung zu meinem Freund hab ich abgebrochen und es hat einige Jahre gedauert (so 5 oder 6) bis ich wieder intim mit einem Mann geworden bin. Nichtmal an SB hatte ich Interesse.

Ich habe meinen Eltern davon erzählt, weil mein Vater darauf bestanden hat, dass ich meinen Freund heiraten soll. Ich hab meinen Vater nie davor und nie danach so wütend und hilflos zugleich erlebt.

Es gibt noch viel mehr in meinem Leben was von diesem Erlebnis beeinflußt worden ist. Aber das ist nunmal so.

Ich hab über das Thema gelesen. Eine wichtige Entscheidungshilfe war ein Artikel, im Readers Digest glaub ich. Da stand unter anderem sinngemäß dass Vergewaltigung nichts mit Sex sondern mit Gewalt und Machtmißbrauch zu tun hat.

Irgendwann hab ich einen Mann kennengelernt, der mir viel bedeutet hat, den ich auch körperlich richtig begehren konnte. Ich habe ihm nichts erzählt, aber ich wollte ganz bewußt mit ihm Sex haben. In einer innerlichen Art "Trotzreaktion" hab ich "beschlossen" mich nicht mehr als Opfer zu fühlen. Ich wollte meinem Vergewaltiger keine Macht mehr über meine sexuelle Zukunft geben.

Das ganze ist schon viele jahre her und ich denke sehr selten daran. Ich hab bis auf einmal, keinem Mann davon erzählt. Ich wollte und will nicht, dass dieser Blödmann aus meiner Vergangenheit in irgendeiner Weise wieder in "meinem Bett" landet. Ich will unbeschwert mit meinem Liebsten eine lustvolle Sexualität genießen.

Deshalb fühle ich mich letztendlich nicht als Opfer, sondern als Siegerin :)z

Übrigens hab ich mich genau aus diesen Gründen unter neuem Nick hier registrieren lassen. Ich will kein Mitleid oder irgendwas Ähnliches.

ltady-lxou


Liebe Siegerin (- super Nickname!)

Verdammt, dir ist Schreckliches angetan worden! Eine Frau mit nicht so einer inneren mentalen Stärke, hätte durch solch ein Erlebnis sicher einen Knacks für das restliche Leben abbekommen.

Und ich freue mich für dich, dass du damit fertig geworden bist, es gut verarbeitet hast und dich dieses Erlebnis nicht mehr belastet (obwohl ich ein bissi daran zweifle - vielleicht ist es dir gar nicht bewusst, denn nach einem Trauma bleibt irgendetwas immer hängen).

Was ist das aber nur für eine kranke Welt, dass sich V-Opfer besser?? fühlen, diese Tat lieber hinzunehmen u. zu verschweigen, anstatt den Mistkerl anzuzeigen und dadurch den Täter ungestraft davon kommen lassen?

Dass mein Täter bei massivere Gegenwehr sehr wohl gewaltbereit gewesen wäre, habe ich nach 2 Jahren zufällig erfahren. Instinktiv hat mich meine Aufgabe der Gegenwehr, wohl vor zusätzlicher physischer Gewalt bewahrt.

Ich habe mir damals natürlich seinen Namen gemerkt und die Adresse raus zu bekommen (das Ganze geschah in einem Dorf am Land), war damit auch keine Schwierigkeit. Aufgrund dessen u. Ähnlicheiten im Gehabe, habe ich nach einer Schlagzeile über ein Gewaltverbrechen 2 Jahre später erkannt, dass es sich dabei um "ihn" handelte.

In der Zeitung war sein Vorname und der Anfangsbuchstabe seines Familiennamens angeführt. Er hatte Autostopp gemacht und als ein Pärchen angehalten hatte, machte er sofort kurzen Prozess, schlug den Mann mit einer Eisenstange nieder und vergewaltigte die Frau. Diesmal wurde er aber ausgeforscht und musste sich für sein Verbrechen verantworten.

Ich fühlte mich an diesem Vorfall ziemlich schuldig, weil ich ihn nicht angezeigt habe und er dadurch noch nicht aus "dem Verkehr gezogen wurde.

Da aber nach dieser Tat bei dem Pärchen zu vermuten war, dass ich sicher nicht sein erstes Opfer war, hatten es die anderen Opfer wohl auch liebet totgeschwiegen. Ich kann nur wiederholen- Was für eine kranke Welt.....

zLuc<kerhferixng


So war auch mein erstes Mal. Es war dazu noch im Ausland. %:|

Man gewöhnt sich mit der Zeit daran, dass es passiert ist, aber aufarbeiten...sowas habe ich noch nie verstanden, das würde ja heißen, dass es einem irgendwann nicht mehr ausmacht, daran zu denken. Aber das ist nicht so. Es bleibt für immer besch*.

Oder ich habe den Bogen nicht rausbekommen, wie man aufarbeitet. ":/

lvady-Xlxou


@ zuckerhering

Also, vielleicht habe ich mich von diesen Gefühlen nicht lange einnehmen lassen, weil ich auch mir die Schuld dafür gab :°_ ?

Ich war der Überzeugung, dass meine Leichtfertigkeit schuld daran war und meine Naivität diesmal leider "bestraft" wurde.

Schade, dass sich scheinbar nicht viele Userinnen überwinden können, über ihren Missbrauch zu erzählen :-( .

D9er0 kl}einNe Prinxz


Ich war der Überzeugung, dass meine Leichtfertigkeit schuld daran war und meine Naivität diesmal leider "bestraft" wurde.

DAS kenne ich.

Ich war einige Jahre lang der Überzeugung, dass mein Ungehorsam meinen Eltern gegenüber schuld daran war, dass ich von 9 bis 13 von einem damals 16 Jahre älteren Mann laufend missbraucht worden bin. Deshalb habe ich mich meinen Eltern nicht anvertraut. Ich bin ein alter Sack, mein Vater ist schon lange gestorben, und meine Mutter, die noch lebt, weiß bis heute nix von der Geschichte.

Genau diese Überzeugungen, meine wie Deine, sind es, die den Tätern eine wahnsinns Macht einräumen.

DMer klheisne PrinOz


Ach so, die Antwort auf die Ausgangsfrage hab ich ja noch nicht geliefert.

Also der Missbrauch war von 9 bis 13.

Bemerkt, dass mit mir was nicht stimmt, habe ich mit ca. 20. Sicherheit darüber hatte ich mit 25. Dann folgten 10 Jahre, die ich brauchte, um mich selbst zu therapieren. Mit ca. 35 war ich so weit ok, dass ich funktionierte.

Wirklich weg, so als wäre nie was geschehen, bekommt man solche Erlebnisse nicht. Man kann ihnen nur ihre Macht nehmen, indem man sie annimmt, drüber redet, sich arrangiert im positiven Sinne.

Als der Mann vor vier, fünf Jahren mit Blut im Alkohol ;-) von einer Leiter fiel und sich das Genick brach, habe ich innerlich geklatscht.

PMe=bblexs2016


Hallo,

ich bin auch betroffen. Von meinem Cousin und einem Bekannten. Der Cousin wohnt nur eine Straße weiter. Es ist über 20 Jahre her und mir macht es immer noch zu schaffen und habe Angst, ihm zu begegnen. Beim Bekannten geht es besser, er wohnt zig km von mir weg und ich habe nichts zu befürchten.

Wünsche dir alles Gute

Fqenc_helsupxpe


Ich bin auch betroffen. Bei mir ist das Ganze noch keine 2 Jahre her. Bei mir ist der Täter ein "Fremder", der mich auf einem Sommerfest angesprochen hat und erst mal nett schien. Manche haben wirklich eine "Masche" drauf, wo man echt an nichts Böses denkt.

dfasges_undepSlus2x0


Darf ich mal fragen, warum ihr die Täter nicht angezeigt habt?

d8ana,e8x7


Was das Anzeigen angeht:

Selbst die Mitarbeiter in den entsprechenden Hilfsstellen raten einem dazu sich das genau zu überlegen. Sie weisen auf die Tortur hin die eine Aussage und anschließende Untersuchung und ganz besonders die Verhandlung für das Opfer bedeuten können. Oftmal leiden die Opfer hinterher mehr an der Erfahrung dieser Verhandlung und ihrer Machtlosigkeit da und den Verdächtigungen denen sie in diesem Zuge selbst ausgesetzt sind als an der eigentlichen Vergewaltgung, so jedenfalls wurde es mir gesagt als ich da saß.

Icn-~Kog FNito


...dann würde ich es demjenigen stecken, über den ich den kennengelernt habe.....sind ja oft bekannte oder gar Familie. :(v

Ich meine...... Vom Cousin? :-o

d-anae78|7


Es sind doch meistens Familienangehörige oder andere nahe Bezugspersonen.

d-asges>unZdepl?usx20


Aber verspürt man da nicht extremen Hass gegenüber der Person, die einem das angetan hat, und möchte eine gerechte Strafe für diese?

FWenchnelksuuppe


Ich sehe das mit der Anzeige genauso. So ein Prozess ist nicht immer erfolgversprechend und man kann wirklich noch mehr unter der Situation leiden, also sowieso schon.

Sicher wäre eine Anzeige sinnvoll, aber versuch das mal einem Opfer klar zu machen... Wir handeln ja eigentlich nur zum Selbstschutz, darum verdrängen auch so viele.

Bei mir kam es bis zum mediz. Gutachten, danach hab ich einen Cut gemacht.

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