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Vergewaltigt - Trauma überwunden? Nach welcher Zeit?

EqhemaZliZger N~utzer6 (#N14B9187x)


Solange es Menschen gibt, die sich (mit)-schuldig fühlen, solange haben Täter leichtes Spiel.

SQhojxo


Vor allem: Solange es Menschen gibt, die gern (Mit-)Schuld unterstellen. Ich sehe das weniger beim konkret Betroffenen kritisch als beim Umfeld.

E3hemaliger~ Nutzer #(#14r9187)


Genau!

"Was, so einen kurzen Rock ziehst du an, da musst du dich ja nicht wundern ..."

Mit solchen Leuten muss man öfter mal "Knüppel aus dem Sack" spielen.

dwanaex87


Auch schwierig finde ich die Erwartungen der Gesellschaft an die Vergewaltigten. Irgendwie wird da so implizit erwartet das man ein Leben lang unter Albträumen leidet oder so und tut man das nicht war es wohl doch nicht so schlimm, keine richtige Vergewaltigung oder so ähnlich. Das macht es auch nicht leichter etwas zu sagen, läft man doch Gefahr aus der Opferecke nie wieder rausgelassen zu werden.

S/hojo


Ja, und dann, wenn sie sich das Blut vom Näschen wischen, tadelnd sagen: "Was, so eine große Fresse riskierst du? Da musst du dich ja nicht wundern." Ich muss gestehen, dass es mich manchmal schon ordentlich gejuckt hat.

dZanaxe87


Mich auch, oh ja mich auch.

Syh0ojo


Auch schwierig finde ich die Erwartungen der Gesellschaft an die Vergewaltigten. Irgendwie wird da so implizit erwartet das man ein Leben lang unter Albträumen leidet oder so und tut man das nicht war es wohl doch nicht so schlimm, keine richtige Vergewaltigung oder so ähnlich.

O ja, das stimmt. Unter zehn, fünfzehn Jahren schwerst aus den Fugen geratenem Leben war es dann wohl doch gar nicht so schlimm. Ätzend. Und immer muss das Sexleben schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein, das ist ja wohl das Mindeste.

Die Freundin, von der ich im zweiten Beitrag hier erzählt habe, hat das auch durch. Sie sagte mal, das ist ein bisschen, als wenn jemand einen vergiftet hätte, man war aber unerwartet resistent gegen das Gift und ist eben nicht dran gestorben. Da würde auch kaum jemand sagen, dass der Mordversuch doch eigentlich gar nicht so schlimm gewesen sei, weil man da die Schwere der Tat sehr viel weniger am Ergebnis bemisst als an der Absicht und Vorgehensweise. Nun weiß ich nicht, ob das stimmt und versuchter Mord massiv weniger hart geahndet wird als "geglückter", aber ich fand den Vergleich ganz einleuchtend.

z4uckeErherrixng


Hass ja! Und wie! Wenn ich für jede meiner Rachegedanken, Mordpläne, Verfluchungen, je hundert Euro bekommen würde, könnten wir alle zusammen eine 6 monatige Weltreise machen!

Ha, und wenn ich für jeden meiner Rachegedanken 100 Euro bekäme, könnte ich jedem User von med1 ein eigenes Einfamilienhaus kaufen. :)z

l_ady-lxou


@"Was, so einen kurzen Rock ziehst du an, da musst du dich ja nicht wundern ..."

Ich muss gestehen, dass ich immer die Meinung hatte: Na, wenn die sich so offenherzig kleidet und sich wie eine Schl...e aufführt, braucht sie sich nicht zu wundern.

E7hemali~gerL Nutze5r (#53S8908)


Hallo ...

Ich bin auch Betroffene. Als Kind wurde ich jahrelang sexuell missbraucht. Das alles kam erst viel später noch mal hoch und dann musste ich mich damit auseinandersetzen, meine Therapeutin hat mir dabei aber sehr geholfen. Ob ich das Erlebte ganz überwunden habe, weiß ich aber nicht. Also ich komme mit den Erinnerungen zurecht, die Albträume haben auch irgendwann aufgehört, aber ob ich eine Beziehung haben kann, weiß ich eben nicht. Ich hatte noch nie einen Partner, konnte mir diese Nähe nie vorstellen. Mittlerweile würde ich mir ein Leben zusammen mit einem anderen Menschen aber schon wünschen, doch ob das je klappen wird, steht in den Sternen und hängt von vielen Faktoren ab. Ich bin leider auch körperlich krank und muss erst mal gesund werden, dann müsste der "Richtige" auftauchen und auch ein wenig Verständnis für mich mitbringen ... Also fraglich, ob das was wird, setze mich dabei aber auch nicht unter Druck.

Hinzu kommt, dass ich als Erwachsene leider noch mal vergewaltigt wurde (dadurch kam der Missbrauch aus der Kindheit wieder hoch). Leider geschah diese Vergewaltigung auch im Rahmen einer Vertrauensbasis und hat mich deshalb nachhaltig erschüttert. Mir fällt's insgesamt schwer, Menschen zu vertrauen (besonders Männern), dafür brauche ich sehr lange. Insofern hab ich diese Taten also noch nicht überwunden. Aber im alltäglichen Leben schränkt es mich nicht ein, also mit Menschen/Männern, die mir nicht zu nahe kommen, keine Grenzen überschreiten, hab ich kein Problem. Nur suche ich mir gerne weibliche Ärzte, aber auch das schränkt mich nicht wirklich ein. Ich denke, es gibt genügend Frauen, die auch ohne solche schlimmen Erlebnisse lieber zu Ärztinnen gehen.

Inzwischen komme ich mit meiner Vergangenheit also ganz gut zurecht, ich hab sie angenommen, akzeptiert und möchte mir durch diese Menschen, die mir das angetan haben, auch nicht mein gesamtes restliches Leben kaputt machen lassen. Zweifel bleiben nur in Hinblick auf eine Partnerschaft ... Also ob ich immer alleine bleiben werde (bleiben muss) oder ob ich irgendwann eine Beziehung haben kann. Ist halt schade, dass es für mich nicht so "einfach" möglich ist, wie für die meisten, das macht mich schon traurig, aber ich warte in Ruhe ab und hoffe einfach auf die Zeit und auf diese eine Begegnung, die vielleicht alles (positiv) verändern wird.

Falls mir jemand schreibt, ich melde mich wieder, aber das kann etwas dauern, bitte nicht wundern. Ich hab daheim nämlich kein Internet und daher kann ich nur hin und wieder hier reinschauen *:)

SFh`o\jo


Ich muss gestehen, dass ich immer die Meinung hatte: Na, wenn die sich so offenherzig kleidet und sich wie eine Schl...e aufführt, braucht sie sich nicht zu wundern.

Und hat sich diese höchst rückständige Meinung inzwischen geändert? ;-)

Sbhojxo


lady-lou, sorry – ich finde es wirklich mutig von Dir, dass Du das schreibst. Bei mir ist das so ein Punkt, bei dem bei mir ungefähr hundert aufs Schärfste geschliffene Messer in der Tasche aufgehen, ich muss mich sehr zusammennehmen, um sie nicht zu zücken und sofort auf Dich loszugehen; das ist ein ungeheuer starker Impuls, und ich atme jetzt einfach erst mal eine Runde tief durch. So eine Meinung ist ja auch oft eine übernommene – man hört es im Umfeld so, wächst damit auf, vielleicht wird es auch von den Eltern benutzt, um das Kind kleidungsmäßig einzunorden ("So gehst du nicht aus dem Haus – verdammt, Kind hört nicht – du siehst aus wie eine Schlampe! – verdammt, Kind hört noch immer nicht – dann bist du selbst schuld, wenn einer das falsch versteht!") Unreflektiert, beknackt, unfair, aber wenn man es als Kind so erlebt, muss man ja erst einmal darauf kommen, den Quatsch zu hinterfragen. Jedenfalls wundere ich mich nur noch bedingt über Deine Freundin, die ist vermutlich vom selben ... hm. Vom selben Klima geprägt. Ich denke halt, wenn man es dann im eigenen Umfeld erlebt, sollte man aufwachen und raffen, dass das eine nicht haltbare und sehr widerliche Denkweise ist, die Opfer stigmatisiert und Täter schützt. Ich habe aber eine solche Meinung nicht eindoktriniert bekommen und kann nicht nachvollziehen, wie tief die womöglich sitzen kann.

dZanaex87


O ja, das stimmt. Unter zehn, fünfzehn Jahren schwerst aus den Fugen geratenem Leben war es dann wohl doch gar nicht so schlimm. Ätzend. Und immer muss das Sexleben schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein, das ist ja wohl das Mindeste.

Ich find das auch total ätzend. Nur weil man dem Täter kein Recht einräumt das ganze oder zumidnest große Teile des zukünftigen Lebens zu beeinflußen, weil man sich weigert einem Klischee zu entsprechen ist man dann eben nicht wirklich vergewaltigt worden.

Inselwölfin

Das wird bestimmt. Es gibt ja auch sehr nette, einfühlsame und geduldige Männer. Einer davon ist bestimmt für dich reserviert. ;-)

Was ich mich immer wieder frage ist: Wie erklären sich die Verfechter der mit Mini-bist-du-selber-Schuld-Theorie eigentlich das es auch in Ländern in denen Frauen voll verschleiert gehen immer wieder zu Vergewaltigungen kommt? Und wieso wehren sich Männer nicht verbissen, laut und entschieden dagegen? Immerhin werden sie in dieser Denkweise als triebgesteuerte Tiere ohne jede Selbstkontrolle dargestellt. Mir würde das ziemlich gegen den Strich gehen wenn ich ein Mann wäre.

SBho=jo


Und wieso wehren sich Männer nicht verbissen, laut und entschieden dagegen?

Ich kenne viele, die das tun. Eigentlich besteht mein Bekanntenkreis ausnahmslos aus welchen, die das tun, fällt mir gerade auf. Die anderen liegen jetzt ganz still und friedlich unter der Tanne im Garten und äußern sich nicht mehr zu dem Thema. o:) Nee, im Ernst, ich kenne dieses "Selber-schuld"-Argument eigentlich nur von sehr jungen Leuten beiderlei Geschlechts oder von Leuten, die auch ansonsten sehr pompöse Behauptungen aufstellen, an was Leute so selbst schuld sind ... immer Dinge, die sie selbst nicht täten und auch nicht tun wollten oder von denen sie ums Verrecken nicht zugäben, dass sie es doch gern mal machen würden. Von Menschen, die ich als reflektiert und klug empfinde, wurde ich noch nie von derlei Sprüchen überrascht.

p{uep\pyho1bbixt


Mir ist vor ca. 4 Jahren ähnliches passiert nur war es bei mir mein damaliger fester Freund.

Ich war noch nicht bereit mit ihm zu schlafen und das wusste er auch nach einem Jahr Beziehung wollte er aber endlich und hat sich genommen was er wollte und das jede Nacht.

Als ob ihm das nicht genug Befriedigung gegeben hätte hat er angefangen mich zu schlagen und irgendwo einzusperren. Ich habe im Winter soe inige Nächte im Auto in der Garage verbracht. Bis heute habe ich das alles nicht verarbeitet. Ich war schon in einer Reha und hatte schon 3 stationäre Aufenthalte in der psychatrie u.a. weil ich versucht habe mich umzubringen. Ich habe nie jemandem erzählt weil es mir so unangenehm war. Ich habe mich geschämt. Und als ich dann bei der Polizei war und ihn angezeigt habe kam nix dabei rum. Mangel an Beweisen. Als ob mein komplett entstellter Körper nicht reichen würde. :-(

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