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Darf man Kinder anschreien?

BUambixene


Wir sind mit einem cholerischen Vater aufgewachsen. Lautes Schreien und mal ne kräftige Ohrfeige gehörten zu seinen "liebevolle Erziehungsmaßnahmen".

Meinem Kind hab ich schon in meinem Bauch versprochen, dass ich ihn nie schlagen werde. Den Ton hab ich dann doch manchmal gehoben.

"SO NICHT FREUNDCHEN!" oder "LEG DICH NICHT MIT MIR AN! DU ZIEHST DEN KÜRZEREN!" "Finger weg!" so was kam von mir nicht immer laut, aber scharf! Er wusste, ich meine es dann ernst.

Ich hab wenig verboten, hab viel mit ihm geredet, war aber bei den Konsequenzen oft hart und manchmal sogar grausam. Ich bereue manches bis heute noch!

Meine absolut "dunkelste" Erinnerung:

Eines Winterabends war er (ca. 10 Jahre damals) wegen eines Verbotes, dass ich vergessen hab, so sauer, dass er im Affekt nur in Schlafanzug und mit nackten Füßen in den Vorgarten gerannt ist. Die Tür schlug hinter ihm zu und ich hab drinnen gewartet bis er geklingelt hat und um Einlass bat. Eine gefühlte Ewigkeit lang.

Mir liefen die Tränen, weil ich starkes Mitgefühl für mein Kind hatte, trotzdem hab ich gewartet, bis er sich überwunden hat. Als er reinkam heulten wir beide, haben uns umarmt, ich hab ihn in die Wanne gesteckt und wir haben uns vertragen und lange geredet.

Aber so was würde ich heute nienienie wieder tun.

Anbrüllen, ein Kind beschimpfen und Schläge bei der Kindererziehung :(v bringt nur ein renitentes verhaltensgestörtes Kind, das die anerzogenen Verhaltensmuster weitergibt.

dqev\iFlin1disgjuise


Jetzt sind wir aber doch eher beim Inhalt als bei der Lautstärke.

Wobei mir auch nicht ganz klar ist, welches von beiden der TE meint.

Wie gesagt, Dinge wie "zieh endlich die Schuhe an" oder "du kommst hier her!!! Jetzt!!!" brülle ich gelegentlich in Höchstlautstärke und wutschnaubend. Dinge wie "du dummes Balg", "ich wünschte, ich hätte dich nie geboren" etc. würde ich niemals von mir geben, weder laut noch leise. Ich sehe da einen sehr großen Unterschied – liege ich falsch?

Ich weiß das nicht genau, weil ich mich nicht erinnern kann, angebrüllt worden zu sein. Meine Mutter hat mir in solchen Situationen den Hintern verhauen (nicht körperlich schmerzhaft, sondern im damals als normal geltenden Rahmen, war aber trotzdem scheiße) und ich brülle, um genau das NICHT zu tun. Irgendwo will die Wut hin und zum Irgendwasandiewandwerfen oder zum Meditieren habe ich in solchen Situationen keine Zeit, weil es eben typischerweise Zeitnot-Situationen sind.

Es ist also eine echte Frage an die, die das Angebrülltwerden kennen: Ist es wichtig, WAS man brüllt? Oder verängstigt einen als Kind schon einfach der Ton? (Daß es keine Superlösung ist, ist mir klar – aber ist es hochproblematisch?) :-/

B}amb@ixene


Dinge wie "du dummes Balg", "ich wünschte, ich hätte dich nie geboren" etc. würde ich niemals von mir geben, weder laut noch leise. Ich sehe da einen sehr großen Unterschied – liege ich falsch?

Klar macht es einen Riesenunterschied! "Du hast eine Dummheit gemacht" ist klar was anderes als "du dummes Balg!"

"Du hast Mist gebaut und ich bin sauer", ist auch was ganz anderes als wenn du dein Kind "blödes Mistviech" nennst. (omG ich hab manchmal kleiner Mistkäfer als Kosename gebraucht, wenn er eingesaut vom Spielen kam).

Ich denke alle Eltern kommen mal an Grenzen!

Es ist also eine echte Frage an die, die das Angebrüllt werden kennen: Ist es wichtig, WAS man brüllt? Oder verängstigt einen als Kind schon einfach der Ton?

ich fand als Kind beides schlimm. ich mag lebhafte, laute Diskussionen, aber sobald es "aggressiv oder bestimmend" laut wird, bin ich raus! Ich kann und will mir solche Zeitgenossen nicht mehr antun!

RXalph=_HH


Ein Kind findet es mit Sicherheit unangenehm angebrüllt zu werden.

Auf der anderen Seite muß man mal sagen, so zum Thema Eskalation z.B. beim anziehen morgens.... Bitten, drängeln, laut werden, nix passiert. Irgendwann, die Zeit wird langsam doch eng, ist der Punkt gekommen. Man brüllt rum. Kind sitzt da und ignoriert einen weiter.

Erkenntnis: - Brüllen bringt nix und: dem einen Kind ist offenbar auch das Brüllen relativ egal. Dem anderen Kind aber beileibe nicht!!

Hyappy? Banxana


Durch brüllen erhalten Eltern keinen Respekt vom Kind. Im Gegenteil, viele Kinder machen das nach und brüllen auch wenn sie irgendwas wollen. Oder wenn sie genervt sind, viele brechen so wie ich aber auch irgendwann zusammen. Das ist schlicht kein Respektvoller Umgang. Und wie sollen Kinder respektvollen Umgang lernen, wenn nicht mal Eltern das Wort Respekt kennen?

Sind so kleine Hände

winz'ge Finger dran.

Darf man nie drauf schlagen

die zerbrechen dann.

Sind so kleine Füße

mit so kleinen Zehn.

Darf man nie drauf treten

könn' sie sonst nicht gehn.

Sind so kleine Ohren

scharf, und ihr erlaubt.

Darf man nie zerbrüllen

werden davon taub.

Sind so kleine Münder

sprechen alles aus.

Darf man nie verbieten

kommt sonst nichts mehr raus.

Sind so klare Augen

die noch alles sehn.

Darf man nie verbinden

könn' sie nichts mehr sehn.

Sind so kleine Seelen

offen ganz und frei.

Darf man niemals quälen

gehn kaputt dabei.

Ist so'n kleines Rückgrat

sieht man fast noch nicht.

Darf man niemals beugen

weil es sonst zerbricht.

Grade, klare Menschen

wär'n ein schönes Ziel.

Leute ohne Rückgrat

hab'n wir schon zuviel.

Kinder erleben nichts so scharf und bitter wie Ungerechtigkeit

Charles Dickens

Kinder rechnen nicht mit der Zeit. Daher ihre langen und gründlichen Beobachtungen.

Jacob Boßhart

K+leixo


Kaar

Natürlich kommt es in der Kindheit vor, dass das Kind Fehler macht und zurechtgewiesen wird. Dazu gehört es auch, dass das Kind klare Regeln erhält und die Eltern als Autorität und Erzieher in der Pflicht sind. Aber darf man das Kind aschreien, also richtig cholerisch wie bei einem Wutanfall?

Wenn die Eltern richtig erziehen, dann ist es gar nicht "notwendig" zu schreien, wobei es aus meiner Sicht niemals "notwendig" ist zu schreien. Kinder sind keine Idioten. Was ich allerdings aus solchen Diskussionen gelernt habe, ist dass der Tenor sagen wir großzügig gegenüber solchen Verhaltensweisen ist. Ach, es kann ja passieren, wer schreit denn nicht mal herum (übrigens auch aus Ohrfeigen/Klapps -Diskussionen auch), wenn viele sich dessen einfach bewusst sind, dass sie nicht in der Lage sind, sich immer zu kontrollieren. Das ist zwar schön gedacht (für den eigenen Vorteil), dass sie sich schützen wollen, es ändert jedoch nichts daran, dass sie dann ihre Kinder anschreien. Es klingt auch oft nett, wenn die einen oder anderen sich beim Kind dann entschuldigen, aber wie ernst wird das Kind sie nehmen, bzw. warum soll ein Kind keine Angst mehr vor den Eltern haben, wenn sie nichts an ihrem Verhalten ändern und brav weiterschreien. Mir geht es auch nicht darum, dass das mal nicht tatsächlich vorkommen kann, sondern um die generelle Einstellung, es nicht dazu kommen lassen zu wollen, trotz Mehrfachbelastung, vollem Terminkalender, etc. etc. Denn dann wird jemand auch tatsächlich an sich arbeiten, falls es tatsächlich einmal vorkommen sollte, dies nicht mehr wiederholen zu wollen. Kindern vorzuwerfen, dass es doch ihr Verhalten ist, dass Eltern dazu bringt zu schreien, nehme ich genauso, wie schlagende Partner ihren Frauen immer sagen, dass sie es ja provozieren, dass sie zuschlagen - solche Argumente sind meines Erachtens nach nonsens. Witziger Weise gibt es da noch am meisten Aufschrei, wenn es ums Schlagen geht. Ich könnte das ganze noch einmal toppen mit dem Argument eines Vergewaltigers, dass es doch das Opfer ist, dass sie zu ihrer Tat provoziert. Da werden natürlich wieder alle aufschreien, dass doch das eine nicht mit dem anderen zu vergleichen ist. Doch, ich vergleich die Argumentationsbasis und hier ist sie aus meiner Sicht gleich - die Eigenverantwortung wird versucht abgeschoben zu werden. Das Opfer ist es, das den Täter provoziert und ihn "dazu bringt" zu schreien. Nur, weil es allen Eltern passieren kann, passiert, regelmäßig passiert, ständig passiert, dass sie ihre Kinder anschreien, ist es immer noch nicht richtig und als Kavaliersdelikt sehe ich es auch nicht an. Klar, bei den einen hat es kaum oder gar keine psychische Folgen, bei anderen wiederum sehr große. Trotzdem würde ich das richtige Verhalten nicht von den Konsequenzen abhängig machen. Nur, weil ein Kind die Veranlagung hat, ein brüllendes Elternteil auszublenden, heißt es ja nicht, dass es eine Einladung ist, es weiterhin anzuschreien. Somit aus meiner Sicht – nein, ich finde nicht, dass Kinder angeschrien werden dürfen.

E_hemaNliger NFutzer (#u530_218^)


Ich halte nichts davon sein Kind anzuschreien. Andererseits gibt es Kinder, die derart nervtötend sein können, dass ich es verständlich finde wenn auch Eltern nicht immer perfekt kontrolliert und ruhig reagieren ab einem gewissen Punkt. Mein Bruder ist so jemand, der unsere Eltern (& mich) zum Teil massiv terrorisiert hat als Kind und erst aufgehört hat, wenn das Gegenüber stark gestresst und verärgert gewesen ist. So gesehen wäre es bei ihm nervenschonender gewesen gar nicht so lange zu warten, sondern ihn direkt anzuschreien bzw. Zurückzuschreien und zu schlagen (was er gerne gemacht hat wenn etwas nicht so lief wie er wollte). Schlagen meine ich dabei im Sinne von körperlichem Raufen u.a. mit einzelnen Schlägen). Bei mir dagegen war Anschreien immer kontraproduktiv; entweder hat mich das schon aufgrund der Lautstärke verstört(auch wenn ich das nur als Dritter mitbekomme) oder ich fand es von der Art und Weise her unangebracht; mich erreicht man durch sachliches Erklären, aber nicht durch Anschreien. Allgemein sehe ich Schreien als Schwäche des anderen. Es kann eine Einschüchterungstaktik sein (war es bei meinem Bruder, wenn der andere angeschrien hat) oder Überforderung oder eben Wut. Trotzdem bleibt enormes eine sehr unelegante Art sich durchzusetzen. Das hat keinem Stil. Wenn es geht sollte man seine Kinder nicht anschreien.

E!hemalMigxer N3utzer R(#5u30218)


*enormes= es

Ryicharfd61


Aber darf man das Kind aschreien, also richtig cholerisch wie bei einem Wutanfall?

Ja, wenn es begründet ist und man dem Kind nachher erklärt weshalb man so reagiert hat. Jede Strafe für ein Kind ist immer dann schlimm, wenn es nicht versteht weshalb.

m.aumxa


Mein sohn war ein sehr sehr anstrengendes Kind, welches sehr laut war, zu wutausbrüchen neigte, endlose Litanein bzw Diskussionen anfangen konnte, einfach keine ruhe gab, immer wieder von vorne anfing, mit einem unheimlich starken Willen.

Es hätte null komma nix gebracht ihn anzubrüllen, wenn er in einem wutanfall drin steckte im Gegenteil.

Auch wenn ich manchmal dachte jetzt brüll ich zurück, was hätte es gebracht ??? Gut vileicht hätte es in dem Moment ganz ganz kurz meinen Stress abgebaut, denn manchmal dachte ich ich platze.

Aber mein Sohn währe trotzdem nicht aus dem gefühlschaos raugekommen in dem er steckte wenn er diese Wutausbrüche hatte, fühlte er sich doch selbst völlig seiner Wut ausgeliefert.

Er war in diesen Momenten auch nicht wirklich aufnahmefähig, brauchte Hilfe um wieder runterzukommen.

Einmal habe ich ihn angebrüllt, aus einer Situation herraus in der ich mir keine andere Hilfe mehr wusste, weil ich nicht mehr denken konnte , in dem Moment völlig überfordert war.

da war er 11 Jahre alt, und drohte aus dem Fenster zu springen, nachdem er beim Hausaufgaben machen völlig ausgetickt ist.

ja, in dem Moment bin ich an meine Grenzen gestossen.Ich hatte einfach nur Angst um ihn

Mein sohn hat übrigens ADHS und wir haben Jahrelang versucht ohne Medis auszukommen.

Nach diesem Zwischenfall habe ich mich doch dafür entschieden es mit Ritalin zu versuchen.

m6ond+sItexrne


@ Happy Banana

Hier noch der Ton zum Text.

[[http://www.youtube.com/watch?v=fcdkwdfz0GA Bettina Wegner – Kinder (Sind so kleine Hände)]]

:°(

I=n-Ko!g Nito


ja,

ich brülle bzw. habe meine kids auch angebrüllt.

wenn sich die kinder in situationen bringen, die echt gefährlich sind oder die uns als familie den letzten nerv rauben und an die existenz gehen...

wenn man sie unter großem persönlichen einsatz irgendwo raus haut, was gerade biegt oder sich bei anderen für sie zum affen macht...

ja, dann nehme ich mir für ein paar minuten das recht, super-sauer zu sein und rumzubrüllen.

und danach wird dann gesehen, wie man das betreffende problem lösen kann.

man steht ihn ja bei, aber auch ein erwachsener ist ein mensch mit recht auf gefühle, wenigstens für ein paar minuten.

I6n-Ko!g Nixto


Und man sollte in einer ruhigen Minute mal reflektieren und sich dann auch mal bei dem Kind entschuldigen für das ausflippen.

nur, wenn es grenzüberschreitend ist.

nicht immer.

I5n-K og Nixto


@ mauma

vielleicht verwechsel ich dich nun auch,

aber wie ist es nun ausgegangen?

wieviele wochen nimmt er es nun?

MDess?aggixo


Sein Kind anzubrüllen ist ein Zeichen der Hilflosigkeit.

Auch wenn ich das Bedürfnis hatte meine Kinder an die Wand zu klatschen, habe ich es immer mit Reden und Überzeugungsarbeit geschafft ihr sogenanntes Fehlverhalten wieder auf den geraden Weg zu bringen.

Denn vom Brüllen zum Schlagen ist nur ein sehr kurzer Weg.

Meine 3 Söhne wurden nie geschlagen und angebrüllt habe ich sie auch nie.

Sie danken es mir bis heute mit einer besonders liebevollen Zuneigung, sie sind 52,50 und 30!

Auch Kindern gegenüber behaupte ich, dass gegenseitiger Respekt das Rüstzeug für eine gute Erziehung und glückliche Kindheit ist.

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