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Habe ich vielleicht Depressionen

Calarax_91 hat die Diskussion gestartet


Hallo wie geht's euch, bin neu hier und schreibe jetzt zum ersten mal was hier in diesem Forum :-)

So jetzt mal kurz was zu mir: Ich bin 22 Jahre und mache eine Ausbildung, bin fast fertig damit.

Seit einiger Zeit ( ungefähr seit einem halben Jahr) merke ich dass ich nicht mehr wirklich glücklich bin, ich mache jeden Tag dasselbe und kriege mich für anderes nicht mehr aufgerafft, habe einfach keinen Antrieb mehr. Sachen, die ich früher wirklich gerne gemacht habe, darauf habe ich jetzt einfach überhaupt keine Lust mehr (zB in die Stadt fahren zum shoppen, mit Freunden einfach Eis essen/spazieren gehen, draußen laufen gehen,...).

Wenn ich von der Arbeit komme lege ich mich für eine Stunde ins Bett und grüble nach und döse oder schlafe etwas, irgendwann gehe ich dann einkaufen, danach koche ich oder auch nicht und dann gehe ich wieder ins Bett oder an den PC. So sieht mein Tag jeden Tag aus.

Ich isoliere mich selber, ich weiß nur nicht warum ??? , ich antworte Freunden nicht, war sogar im letzte halben Jahr meine Familie nur zweimal besuchen!!(die wohnen bisschen weiter weg), ich habe eigentlich ein gutes Verhältnis zu ihnen. ABER ich habe einfach keine Lust, wenn ich nur an die Fahrt denke wird mir das irgendwie zuviel (sind eigentlich nur 40min). Meine Eltern und Schwester machen sich schon seit einiger Zeit deswegen Sorgen um mich.

Meine Stimmung ist fast jeden Tag getrübt . Seit zwei Wochen ist es wirklich schlimm für mich, ich bin irgendwie richtig traurig und habe den ganzen Tag so einen Kloß im Hals, so ein Gefühl dass ich jeden Moment anfangen könnte zu heulen, ich sitze hier nur auf meinem Bett rum, starre vor mich hin und grüble über alles mögliche nach.

Außerdem räume ich meine Wohnung kaum mehr auf, ich finde das auch eklig aber ich kann mich einfach nicht aufraffen irgendwie. Ich will hier momentan auch echt keinen reinlassen.

(ich hoffe das reicht als kleine Einblick in meine Situation,kann jetzt grade irgendwie keine Konzentration finden)

Ich habe Angst dass ich vielleicht Depressionen bekomme oder so etwas ähnliches...ich kann mir nur nicht erklären warum denn ich denke immer dass es mir eigentlich gut geht (habe Ausbildung, zwar wenige aber dafür denke ich gute Freunde, guten Kontakt zu Familie, keine Geldprobleme oder so) oder denkt ihr vielleicht dass ich einfach nur faul bin? Manchmal denke ich ich bin einfach nur faul weil ich zu gar nichts mehr Lust habe, aber früher war das ja auch nicht so? erst seit +- einem halben Jahr.. Soll ich mal zu meinem Hausarzt gehen oder wäre das übertrieben?

Vielleicht kann mir jemand sagen was ich machen kann oder mir einen Tipp geben, wäre sehr nett :-)

Clara

Antworten
nOeveKrthenless


Hallo Clara,

unabhängig davon, ob du nun eine Depression hast oder nicht (das kann nur ein Psychologe/Psychiater diagnostizieren) musst du wieder üben, die schönen Dinge an deinem Leben zu erkennen. Manchmal geht das nicht so einfach, weil man, wie du schon so schön beschrieben hast, einfach keine Lust auf irgendetwas verspürt. Dann muss man sich wortwörtlich in den Arsch treten und die Dinge anpacken. :)z

Schreib dir eine Liste mit Dingen, die dir sonst immer sehr viel Spaß gemacht haben oder die du gerne mal erleben möchtest. Der zweite Schritt ist dann, nach und nach diese Sachen wieder in den Alltag zu implementieren. Das kannst du am besten, wenn du dir Tages- oder Wochenpläne zurechtmachst. Fange am besten erst einmal mit kleinen Schritten an. Samstag ein Eis essen gehen mit einer guten Freundin. Sonntag die Wohnung putzen und dir danach irgendetwas gutes gönnen. Mittwoch ist verboten, den Tag im Bett zu verbringen, etc. ;-)

Natürlich sollst du dir trotzdem genug Ruhezeiten und auch mal Ruhetage gönnen.

Wenn du das allerdings nicht schaffst umzusetzen und/oder dir dein Leben weiterhin keinen Spaß bereitet, dann trau dich ruhig zum Hausarzt zu gehen und ihm deine Situation zu schildern.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen!

LG

LRa6d3yZ


Hallo Clara,

die Antriebslosigkeit, der soziale Rückzug und die Vernachlässigung der Wohnung, die Grübelneigung ect. das alles sind Anzeichen einer Depression oder einer depressiven Episode!

Das kann man aber nicht mit positiv denken bzw. mit dem Vorsatz "erst die Arbeit, dann das Vergnügen" bei Seite schieben und sich wegphantasieren.

Du solltest einen Psychiater aufsuchen. Dieser wird dir eine Diagnose stellen, dir evtl. medikamentös aus dem ersten Loch helfen und Selbstmanagementstrategien mit Dir erstellen.

ich kann mir nur nicht erklären warum denn ich denke immer dass es mir eigentlich gut geht (habe Ausbildung, zwar wenige aber dafür denke ich gute Freunde, guten Kontakt zu Familie, keine Geldprobleme oder so) oder denkt ihr vielleicht dass ich einfach nur faul bin? Manchmal denke ich ich bin einfach nur faul weil ich zu gar nichts mehr Lust habe, aber früher war das ja auch nicht so? erst seit +- einem halben Jahr.. Soll ich mal zu meinem Hausarzt gehen oder wäre das übertrieben?

Du bist sicher nicht faul. Früher hast Du Deine Wohnung ja auch in Ordnung gehalten. Und Du gehst ja Deiner Arbeit nach. Also bist Du nicht einfach nur faul. Faule Menschen sind in ihrer Umgebung glücklich.

Oft gibt es auch keinen erkennbaren Grund bzw. Auslöser für eine Depression. Reaktive Depression nennt man das dann. Es gibt auch eine, ich sag mal "organische Depression". Da stimmt das Verhältnis von dem Angebot an Glücksbotenstoffen und der Nachfrage nicht, bzw. können die Areale im Hirn die Glücksboten nicht aufnehmen oder verarbeiten.

Bitte keine falsche Scham! Geh zu Deinem Hausarzt oder zu einem Psychiater und schildere denen das.

Allein ist es schwer, da raus zu kommen. Es wird nour schlimmer. Irgendwann kommt Schlaflosigkeit dazu, dann die Vernachlässigung der eigenen Körperhygiene oder du gehst Deinem Job nicht mehr nach.

Man braucht sich da auch nicht schämen. Ich arbeite in einer psychiatrisch/psychotherapeutischen Praxis und ich weiß, dass es JEDEN zu JEDER Zeit treffen kann und dass es wahnsinnig viele Leute trifft und dass man gut helfen kann.

R!ifcha,rdx61


@ Clara91,

ich erkenne mich in vielem wieder. Der Abbruch sozialer Kontakte die Antriebslosigkeit, die Vernachlässigung seines Aussehens , viele ja fast alle diese Anzeichen hatte ich auch, ich habe sie aber nicht ernst genommen, oder wollte mir nicht eingestehen, daß ich ein Problem habe.

Auf diese ganzen Anzeichen einer mittleren Depression kommen dann Dinge wie Appetitlosigkeit, ständiges Grübeln ohne Ergebnis, Schlaflosigkeit, Verlust jeglicher Sinnesfreuden, dann bist du in einer schweren Depression angekommen. Man ist dann in einer tiefen dunklen eisigen Höhle seines Geistes angekommen aus der es keinen Ausweg gibt, bis dir als letzter Schritt der Tod als einziger Freund verspricht dich da herauszuholen. Dann bist du in einer schweren suizidalen Depression.

So weit war ich unten und ich bereue es nicht früher zum Psychiater gegangen zu sein.

Je früher du etwas dagegen unternimmst desto rascher und unkomplizierter ist eine Ausheilung. Wobei es gar keine Depression sein muss, besonders bei Frauen ist oft die Schilddrüse an ähnlichen Symptomen schuld.

C?laTra_D91


@ nevertheless

Vielen dank für deine Antwort!

Das mit der Liste ist eigentlich eine gute Idee, ich habe das auch schon versucht. Ich habe es nur nicht aufgeschrieben,sondern nehme es mir immer im Kopf vor, zB nehme ich mir vor: jetzt am Wocheende habe ich frei, da spüle ich und räume die Küche auf(wenn ich mir die ganze Wohnung vornehme klappt das eh nie :-( ), aber wenn es dann so weit ist dann kann ich mich einfach nicht aufraffen. Manchmal esse ich dann lieber gar nichts als zu spülen.

Oder ich schreibe meiner Schwester : komm am Samstag gehen wir ins Kino (ich habe wegen ihr so ein schlechtes Gewissen ,ich verspreche alles und mache es dann nie :-( ), und kurz vorher sage ich dann alles ab weil ich wie schon gesagt mich irgendwie nicht aufraffen kann, es mir irgendwie zu viel ist mich etwas hübsch zu machen.

Ich versuche aber mal mir das alles aufzuschreiben und einen Plan zu machen, vielleicht klappt das ja besser :)z

LG Clara

CUlarha_x91


@LadyZ

Vielen Dank für deine Antwort!

Du hast recht ich schäme mich dafür, weil ich mir einfach so faul und dreckig (wegen dem nicht-aufräumen) vorkomme. Auch weil ich in einem Beruf arbeite, wo Hygiene sehr wichtig ist und wo man evtl auch mit Menschen mit Depressionen oder ähnlichem arbeitet (mache eine Ausbildung zur Krankenpflegerin).

Du sagst, du arbeitest in einer psychiatrischen Praxis. Ich habe irgendwie Angst, dass man mich nicht ernst nimmt oder so oder das es mir ja eigentlich nicht soo schlecht geht, ich kenne das vom Krankenhaus, das Patienten mit psychischen Problemen oft als Simulanten dargestellt werden oder von wegen "der stellt sich nur an, nimm den bloß nicht ernst" abgetan und nicht ernst genommen werden. Auch Ärzte sagen solche Sachen (habe schon einige Aussagen gehört wo ich nur denke Junge such dir einen anderen Job und lass die Patienten in Ruhe :(v ). Deswegen weiß ich nicht was ich machen soll :-(

Richard61

Vielen Dank für deine Antwort!

Ja du hast recht, bevor alles so schlimm wird muss ich etwas unternehmen...aber weil ich keine körperlichen Symptome (außer Müdigkeit) habe, denke ich immer, kann ja nichts schlimmes sein stell dich nicht so an..Mit der Schilddrüse das habe ich auch schon gelesen, vor einem Jahr bei der Blutabnahme war mit der Schilddrüse noch alles im normalen Bereich.

LG Clara

R*icahar%d61


@ Clara,

körperliche Symptome hat man bei der Depression nicht unbedingt.

Evtl. Magenprobleme oder Rückenschmerzen z.B. bei mir, ansonsten ist das alles in der psychischen Ebene selbst die vermeintlich Physischen.

Nachdem z.B. mein AD voll angeschlagen hat waren die Rückenschmerzen weg.

LladyxZ


Liebe Clara

man wird Dich in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis ernst nehmen! Da bin ich mir zu 100 % sicher. "Wir" sind dafür da und wir nehmen JEDEN Patienten ernst!

Dass die Kollegen, die so reagieren, wie Du es erfahren hast, so reagieren, will ich ihnen gar nicht übel nehmen. Diese Kollegen behandeln für gewöhnlich eine Symptomatik, einen Teil des Körpers. Wir in der Psychiatrie behandeln das Seelenheil, den ganzen Menschen und seine Geschichte. Somit wird man Dich und das, was Dich umher treibt ernst nehmen! Meine Berufsgenossen und ich nehmen Dinge ernst, die ein anderer mit einem müden Lächeln, einem Abwinken oder einem Augen verdrehen in Unwissenhit abtuen!

Und schämen brauchst Du Dich gleich gar nicht!!! WIrklich nicht! Bitte nimm Hilfe in Anspruch!

n\everYthelxess


Ich bin damals mit meinem Leiden auch zuerst zu meinem Hausarzt gegangen. Im Gespräch bin ich in Tränen ausgebrochen und habe ihm geschildert, dass ich nicht wusste, an wen ich mich sonst wenden soll und dass ich eigentlich gar kein körperliches Leiden habe, er aber sicherlich seine Ärztekollegen kennt und weiß, an wen ich mich am besten wenden kann.

Er hat mich toternst genommen und sogar die Terminvereinbarung direkt in dem Gespräch für mich übernommen und rumtelefoniert. Er hat sogar nochmal betont, dass er es gut fand, dass ich so viel Vertrauen in ihm habe und mich an ihn gewendet habe.

Also nur Mut, dich an einen Arzt anzuvertrauen. Du wirst auf jeden Fall ernst genommen.

Bei meinem Psychiater/Psychologen werde ich auch immer ernst genommen, auch wenn ich manchmal denke, vermeintlich "kindliche" Probleme zu haben – denn jeder normale Mensch könnte vermutlich mit diesen Situationen besser umgehen, als ich oder ein anderer psychisch angeschlagener Mensch. ;-) Aber die Personen kennen das und wissen, dass es uns natürlich schwer fällt. Dafür sind sie ja auch da und damit geschult.

Bevor ich mich meinem Hausarzt letztendlich anvertraut habe, war ich bei der psychosozialen Beratungsstelle der Universität. Auch da wurde ich ernst genommen.

LG

L#adyxZ


Er hat mich toternst genommen und sogar die Terminvereinbarung direkt in dem Gespräch für mich übernommen und rumtelefoniert. Er hat sogar nochmal betont, dass er es gut fand, dass ich so viel Vertrauen in ihm habe und mich an ihn gewendet habe.

:)z

Ja, ich erlebe es oft, dass Hausärzte in der Sprechstunde anrufen und sagen, dass sie einen Patient/eine Patientin gerade da haben, die sich in einer akuten depressiven Symptomatik befinden.

C>lara_x91


Als ich hier das Thema eröffnet habe war ich irgendwie motiviert etwas zu ändern aber jetzt ist mir wieder alles egal und ich könnte den ganzen Tag weinen und weiß einfach nicht warum ???

RGifc8harxd61


@ Clara,

wenn du in einer Depression steckst musst du verstehen, daß du dein Hirn nicht mehr steuern kannst. Es funktioniert nicht mehr logisch. Es verselbstständigt sich und du verlierst irgendwann die komplette Kontrolle darüber. Den letzten Rest der Kontrolle musst du benutzen dich in ärztliche Behandlung zu begeben. Es ist wirklich toll wie heutige ADs helfen können. Depression ist eine psychische Erkrankung die durch organische Fehlfunktionen ausgelöst wird , diese organischen Funktionen können ins Lot gebracht werden. Glaube mir , wenn man gleich das richtige Mittel findet bist du in 4-6 Wochen wieder auf dem Damm.

zdipfxel


Absolut. Die modernen Antidepressiva sind echt Klasse! Habe von körperlich unerträglichen Zuständen, angst, panik, Herzrasen, Zwänge, depression etc. schon alles gehabt. Mit einem modernen Antidepressivum ist das alles (fast) weg.

Nebenwirkungen keine. Eventuell etwas Müdigkeit und möglicherweise mehr Hunger , falls es uberhaupt am AD liegt.

Cilarax_91


Meine Mutter hat mich gestern besucht...unangekündigt. Und meine Küche sieht echt nicht gerade aufgeräumt aus, den Rest von der Wohnung ist auch eher unordentlich. Na ja jedenfalls hat meine Mutter einen leichten Schreck bekommen und gefragt was los ist, weil ich früher immer sehr ordentlich war.

Ich habe ihr dann erzählt dass es mir seit einiger Zeit nicht mehr so gut geht und ich mich einfach zu nichts mehr aufraffen kann, weder mal ordentlich sauber zu machen oder meine Familie zu besuchen.

Sie hat mir zugehört und war total verständnisvoll und hat gesagt dass sie mir helfen wird und wieso ich nichts früher gesagt habe...ich hatte mich einfach nicht getraut :-(

Ich werde jetzt erst mal für die nächste Zeit wieder zu Hause bei meiner Familie wohnen, ist zwar weiter weg von meiner Arbeit aber ich denke so habe ich erstmal wieder einen aktiveren Tagesablauf und mehr Gesellschaft :-)

Danke für eure Hilfe

LG Clara

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