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Unzulänglichkeit – mit dem Leben überfordert

v.oyfage hat die Diskussion gestartet


Hallo Leute!

vorerst etwas zu meiner Person: ich bin 24 Jahre alt, männlich und studiere zurzeit. Vom Charakter her bin ich immer schon eher introvertiert, vertäumt, idealistisch, zurückgezogen, unsicher und sehr harmoniebedürftig.

Kindheit: sehr behütet, begann spät zu sprechen, enge Beziehung zur Mutter, wurde im Volksschulalter und Unterstufe sehr gefördert; Flöten- und Gitarrenunterricht; Ministrant- "überdurchschnittlich" religiöse Erziehung;

Jugend/Pubertät: würde ich als schwierig bezeichnen; war nie richtig beliebt aber auch kein aussenseiter. rückblickend hat sich in dieser zeit eine meiner Meinung nach sehr unvorteilhafte Persönlichkeit aus mir entwickelt: hatte in dieser Zeit viele negative soziale Erfahrungen gemacht...dadurch heftige Minderwertigkeitsgefühle. Seit jeher Unbehagen und Angespanntheit in sozialen Situationen- selbst bei Verwandten (teilweise v.a. bei Verwandte).

daraus entwickelte sich eine (mir lange Zeit unbewusste) Sozialphobie und Anzeichen einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung.

Als ich mein Studium begann, war ich in einer tiefen Depression gefangen und habe dennoch irgendwie die ersten 2 semester geschafft. letztes jahr bin ich dann aufgeblüht, viel Sport gemacht, neue Leute kennengelernt, nebenbei als Kellner! gearbeitet und gelebt.

Ich habe neuen Mut gefasst und bin mit folgenden Vorsatz ins neue Semester gestartet: mein Studium ernst nehmen, alten/ versäumten Stoff nachholen und ein verantwortungsbewusstes Leben führen! Am Anfang hat das auch noch gut funktioniert, bin aber wieder in meine alten Verhaltens- und Denkweisen zurückgefallen und es hat sich bei mir ein Gefühl der UNZULÄNGLICHKEIT und UNFÄHIGKEIT eingestellt.

Seit etwa 5 Monaten befinde ich mich in einem Zustand des Stillstandes, verstecke mich zu Hause, schiebe anstehende Dinge vor mich her und versuche zu lernen, um wenigstens das Studium nicht zu verlieren. Mittlerweile habe ich meine aufgebauten sozialen Kontakte mehr als vernachlässigt, Schuldgefühle und Selbstzweifel bestimmen mein Leben.

Als Konsequenz habe ich nun eine Psychotherapie angefangen, nehme Antidepressiva und nutze eine psychologische Beratung für Studierende.

Momentan weiß ich also echt nicht mehr weiter, weil ich das Gefühl habe dass ich einfach nicht weiterkomme. Auch bin ich zunehmend verwirrter (Ich denke man merkt das an meinem Text). Das Aufrechterhalten meiner Maske (wenn ich in der Öffentlichkeit unterwegs bin: Studium- Verwandte- Freunde- Familie)und die Arbeit an meiner Persönlichkeit laugen mich aus.

Ich wende mich an das Forum um eventuell neue Denkanstöße oder objektive Meinungen zu meiner Situation zu erhalten. (-bin für alle Meinungen dankbar und ich entschuldige mich schon im Voraus für die meiner Meinung nach etwas zusammenhanglosen Formulierungen..??) %-|

Antworten
Sokeyqla


… mit folgendem Vorsatz … ein verantwortungsbewusstes Leben führen!

Das schreibst du sogar mit Ausrufezeichen. Was verstehst du darunter?

Du bist jung, du darfst auch einfach Spaß haben. Vielleicht spukt immer noch deine überzogen religiöse Erziehung in deinem Unbewussten herum, als eine Art oberster Richter, der dir innerlich zuflüstert, ein Leben ist nur "verantwortungsbewusst" richtig. Dass du von Schuldgefühlen schreibst, deutet in diese Richtung.

Ich finde gut, dass du eine Therapie machst, die Auswirkung dauert ja ein bisschen; gibt dir also Zeit.

v\oyaxge


unter verantwortungsbewusstes Leben verstehe ich folgendes:

für meine Entscheidungen, Handlungen die Verantwortung zu übernehmen. Nicht die Schuld meiner Probleme bei anderen suchen...das beste aus mir zu machen.

"Du bist jung, du darfst auch einfach Spaß haben."

ist mir schon öfter gesagt geworden. das Problem ist, dass ich keinen spaß haben kann. gut..wenn ich alleine bin und mir einen guten film anschaue kann ich mich entspannen..aber sobald ich unter leuten bin, setze ich meine maske auf und mein Verhalten zielt nur darauf ab, nicht aufzufallen, gemocht zu werden und in gedanken bin ich schon wieder zu hause in sicherheit, wo mich die welt nicht berührt..

das mit dem inneren richter ist gut möglich...aber wie löse ich diesen auf?? sollte ich vl mal in der therapie in angriff nehmen..

ich möchte gern ein integrativer Bestandteil der Gesellschaft sein..nur komm ich mir ständig nur dumm und unterlegen vor..

A4valzexna


Dein Beitrag liest sich so, als habe schon während deiner Kindheit ein hohes Niveau an Anforderungen und Zielen an dich bestanden.

Was damals deine Eltern von dir erwarteten, erwartest du heutzutage auch von dir selber, wenn ich das richtig deute.

Ich denke du stellst da zu hohe Anforderungen und deine Ziele sind vielleicht so hoch gesteckt, daß du dir so gut wie sicher bist sie nur ganz schwer, bzw. gar nicht erreichen zu können.

Außerdem bist du vielleicht ein Mensch, dem eine zu religiöse Lebensweise nicht liegt. Denn auch Religion, wenn sie mit aller Konsequenz gelebt werden muß – wenn sie sozusagen als "Zwang" von außen empfunden wird – verlangt streng gläubigen Menschen sehr viel ab.

Also wenn einem Menschen nun der "Zwang zur Religion" auferlegt wird, er aber in seinem Innersten Letzterer eher ablehnend gegenübersteht, entsteht ein innerer Konflikt und du siehst dies als "Scheitern" an.

Vielleicht kannst du aus diesem Grunde dein dir als Erwachsener nun selbst auferlegtes Ziel, religiös zu leben niemals erreichen.

Und infolge deines Kampfes für unerreichbare Ziele fühlst du dich womöglich heute als "Versager".

Es muß ja nun nicht die Religion sein, die du als unerreichbar empfindest; ich habe das jetzt nur als Beispiel von wahrscheinlich vielen Zielen, die du dir gesteckt hast, genannt.

Erscheint dir der Weg zu einem oder mehreren Ziel(en) wie ein unüberwindbarer Berg?

Wenn dem so ist, wirst du deine bisherigen Ziele über Bord werfen und dir neue Ziele stecken müssen, von welchen du dir sicher bist, daß du sie ohne große Probleme erreichen kannst.

Momentan steckst du offensichtlich in einer Depression – da mußt du dir erst einmal Stück für Stück ganz kleine Ziele setzen. Das Erreichen eines jeden dieser "Kleinziele" wird dir dann bestätigen, daß du DOCH erreichen kannst was du willst – und jeder Erfolg wird dir Schub für einen weiteren Erfolg geben, bis du einen regelrechten Aufwind spüren wirst, der dir wiederum den Erfolg deines Handelns bestätigt.

Das heißt für dich: Orientiere dich neu! Stecke dir jetzt erst einmal Tagesziele, die du ohne große Anstrengungen schaffen kannst und baue immer weiter auf diese "kleinen" Erfolge auf, denn diese "kleinen Erfolge" sind für deine momentane seelische Verfassung schon Riesenerfolge!

Ich wünsche dir viel Glück – du schaffst das schon @:)

LG,

kguYpfe=rrin[g


Du betonst Deine überdurchschnittlich religiöse Erziehung .

Sicherlich kann man alles vergeben aber sollte man es auch ? Der wichtigste Mensch in Deinem Leben bist Du selbst also achte auf Dich ! Sorge dafür das es Dir gut geht . Sei egoistisch !! Du kennst diese Depressionen schon an Dir ?

Was hat Dir bisher geholfen ? Wenn es mir schlecht geht und ich Entspannung suche gehe ich Schwimmen dabei kann ich meine Gedanken kreisen lassen und alles fällt von mir ab . In den Prüfungszeiten habe ich am Tag bestimmt zwanzig mal unter der Dusche gestanden .Versuch es auch mal mit kalt und warm im Wechsel . Wichtig ist das Du nicht ständig schläfst Du wirst davon immer müder werden . Ich hatte auch Depressionen .

kSupf{errZixng


Was studierst Du ? Fühlst Du Dich überfordert ? Es gibt sehr unterschiedliche Lehrer . Manch Einer mag super in seinem Fach sein . Hat aber keine Begabung diese Wissen auch an seine Schüler zuvermitteln . Dann gibt es noch die Schlaftabletten und andere wiederum die selbst so begeistert sind das Sie jeden mitreißen . Findest Du Dein Studium interessant ?

S!k'eylxa


ich möchte gern ein integrativer Bestandteil der Gesellschaft sein..nur komm ich mir ständig nur dumm und unterlegen vor..

voyage

Voyage, das klingt nun wiederum, als seien es deine eigenen Ansprüche an dich, die dir das Gefühl des Scheiterns vermitteln. Du bist, wie aufgrund deines Schreibstils leicht zu erkennen ist, ganz sicher kein dummer Mensch und ob du dich unterlegen fühlst, bestimmst du ganz allein selbst.

Was dir zu fehlen scheinst, ist ein Stück Selbstliebe. Damit meine ich, dass du dich zunächst selbst mögen – d. h. gut finden – musst, um dich in der Gesellschaft anderer wohl zu fühlen. Du scheinst aber sehr auf dich fixiert zu sein und dich stark zu beobachten, wenn du mit anderen zusammen bist, stimmt das?

Falls ja, das hatte ich früher auch, und solange war ich schüchtern und fühlte mich deshalb unterlegen. In deiner Therapie sollte das Thema Selbstbewusstsein bzw. Selbstwertgefühl auf den Tisch kommen.

vdoy%age


@ Avalena

das mit der Religion/ dem Glauben ist tatsächlich ein ungelöster Konflikt. Jeder Mensch braucht doch etwas an das er/sie glauben kann, oder? Auch die Sinnfrage beschäftigt mich sehr...

kleine Ziele zusetzen und zu erreichen- setze ich mit to do listen um. dennoch bleiben am ende des tages die selben fragen und vorwürfe (v.a. dass ich schon wieder 5 monate meines lebens nicht genutzt/genossen habe.."habe.."für was das alles")")

@ kupferring

ja 2012 hatte ich meine erste richtige Depression..auch damals waren diese "ich kann nichts" und unzulänglichkeitsgefühle extrem stark..

studium: "biomedizinische analytik" (Fachhochschulstudium)

interessiert mich schon...das problem sind meine lernschwierigkeiten und das wesentliche vom unwichtigen zu trennen. ich mache auch fast jede prüfung 2 mal, hatte schon 2 kommissionelle und eine dritte steht mir noch bevor!!

habe eben das gefühl, dass ich in den 1,5 jahren mir nichts oder wenig von dem lernstoff behalten habe.. mir ist klar dass ich zu dieser situation zum großen teil selbst schuld bin, da ich auch oft unvorbereitet zu prüfungen komme und darauf spekuliere dass mich die prüfer durchlassen, was schon mehrmals der fall war. dieser umstand trägt dazu bei, dass ich das gefühl habe es gar nicht zu verdienen noch immer dabei zu sein..

@ skeyla

ja damit hast du recht..selbstliebe ist enorm wichtig. ich habe mich mittlerweile durch etliche ratgeber, biografien und selbsthilfe bücher gelesen. über zeit-und selbstmanagement, philosophien, etc... theoretisch weiß ich alles was für ein erfolgreiches/ glückliches leben notwendig/wichtig ist...nur an der umsetzung haperts^^

auch habe ich das gefühl "wichtige dinge" in meinem leben nicht zu sehen bzw. die falsche perspektive auf mein/das leben habe.

kEupfeRrri.ng


Molekularbiologie und Genetik sind sehr anspruchsvolle Themen . Mir hat damals geholfen mit anderen über die Themen nach dem Unterricht zu sprechen und gemeinsam zu lernen mal hat der eine was verstanden mal der andere und es hat noch super Spaß gemacht .

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