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Süchtiges/ unvernünftiges Verhalten und Zwänge

S\unnxiva


Doch, sorry, aber wie Du etwas wertest, obliegt Dir selbst.

J:an7x4


Hmm.. wenn ich Schnupfen hab, hab ich Schnupfen. Wo ist da der Ermessensspielraum?

Und wenn ich ne Zwangsstörung hab genauso.

Oder was meinst Du?

SeunnNiva


Schnupfen ist eindeutig, Sucht oder Zwang eben nicht; genau deshalb stelltest Du ja hier die Eingangsfrage, um das zu klären.

Man kann auch als Abhängiger zu dem Schluss kommen, dass man eine üble Gewohnheit ablegen will – das steht einem doch frei. Mir wäre es extrem schwergefallen, von meinem Suchtverhalten Abstand zu nehmen, hätte ich mich selbst damit unter "Zwänge" eingeordnet, ich hätte mich psychisch geknebelt gefühlt! Das versuche ich ja seit etlichen Beiträgen zu sagen.

Anderen mags damit anders gehen, sie bekommen vielleicht Angst vor dem Wort Sucht oder Zwang und können gerade deshalb aufhören …

Cdinde~rellax68


@ Jan 74

Wenn ich weiss, dass der Drang/Impuls etwas zu tun, aus der Zwangs-Ecke kommt, kann ich dem entsprechend begegnen und es fällt mir viel einfacher, als wenn ich das nicht weiss, und nur "diffus Widerstand, 'es ist schwierig'" empfinde.

ja, das empfinde ich auch so. Aber dabei bleibt's dann irgendwie auch ... weil ich bislang nicht weiß, wie ich mich da "therapieren" soll. Bislang ist ja alles fehlgeschlagen. Es ist ja so, als würde der Versuch, den Zwang (wenn wir das jetzt mal so bezeichnen wollen) abzuschütteln, zu noch stärkerem Zwang führen. Verbote schlagen sofort ins Gegenteil um usw.

Dennoch hat es was positives, wenn ich das ganze jetzt etwas besser einsortieren kann.

C2in}derewlla68


@ mollienchen

Ich habe aber tatsächlich mal eine Weile süßigkeitenabstinent gelebt, nachdem mir ein Zahnarzt gesagt hatte, wenn ich so weiter mache, habe ich mit 30 'ne Vollprothese

ja, aber das ist doch ein Zeichen, dass eine willentliche, verstandes-gesteuerte Kontrolle des Verhaltens bei dir funktioniert (oder jetzt nicht mehr?)

Bei mir haben Androhungen von Katastrophen, die eintreten, wenn ich so weitermache, immer dazu geführt, dass ich erst recht so weitermache, weil Verbote erst so richtig nach hinten losgehen.

Aber das schreibst du ja wiederum auch:

Und je mehr ich zulege, desto mehr "muss" ich naschen.

Vielleicht wird das schlüssiger, wenn man den Zwang als nur einen Teil des Suchtverhaltens sieht, und die Stress-Reduzierung durch den Suchtstoff (ob jetzt Alkohol, Nikotin, Schoko oder sonstwas) als mindestens gleichwertigen Teil ansieht. Bemerkt man negative Konsequenzen der Sucht, erzeugt das Stress, der auf dem üblichen Weg bekämpft werden soll - eben durch den Suchtstoff.

TgesptAWRHP


@ Jan 74

Sucht nicht nachkomme, muss ich mit dem drögen, grauen, depressiven Gefühl des ausbleibenden Dopaminkicks leben

Das ist nur ein Aspekt davon.

Denn dazu kriegst du massive Entzugserscheinungen und genau die zwingen einen Süchtigen dazu, wieder zur Substanz zu greifen.

Denn sonst könnte es ja möglich sein, sich einfach so lange mit etwas Nettem abzulenken, bis das dröge-depressive Gefühl wieder abflaut.

Aber nein! es MUSS jetzt der Suchtstoff sein, was anderes hilft nicht!

Wenn doch was anderes hilft (vllt. Sport, eine andere Droge?), kann es, wenn man nicht aufpasst, in eine Suchtverlagerung münden.

Also die Sucht an sich bleibt, nur die Art es auszuleben, ändert sich.

Wenn ich einem Zwang nicht nachgehe, muss ich eine Spannung aushalten

Auch da gibt es eine Art Entzugserscheinung, nur würde sich das vermutlich anders äussern.

Wenn ich einem Zwang mal NICHT nachkomme, dann mag es sein, dass sich Spannung und möglicherweise auch Panik aufbauen. Wenn ich das jetzt aushalte und es lässt nach und ich schaffe es, das zum Dauerzustand zu machen (also mit dem Zwangsverhalten aufzuhören) wird aber Energie frei.

Nämlich die, die ich bis dato in das Zwangssystem gesteckt habe. Jetzt gehts los: wohin damit? Was mach ich damit jetzt? Plus: Jeder Zwang "bedient" eine grüblerische Gedankenschleife, und die lässt sich nicht so einfach abstellen. Wenn ich das nicht irgendwie bearbeite, dann muss sich der Zwang ein neues Ventil suchen.

Also: Wie kann ich das jetzt umsetzen, wenn ich Zwangsverhalten Nr. 1 abgelegt habe? Zwang 2 muss anders sein, damit ich nicht merke, dass es Zwang 1 ähnlich wird, den ich ja jetzt nicht mehr habe.

Bis ich ein neues Zwangssystem hab,bin ich vermutlich komplett unausstehlich, und genau an dem Punkt hätt ich dann Entzugserscheinungen. -

Mit Zwängen schadet man sich ganz klar! man vergeudet so viel Zeit damit, ewig die Waschmaschine, die Tür und was nicht alles zu kontrollieren, man verbringt Stunden um Stunden damit, nachzugrübeln, ob man bei der längst abgegebenen Steuererklärung auch wirklich Punkt X angegeben hat, oder man denke nur an Händewaschzwänge. Wenn man sich am Tag 50x die Finger wäscht, sind die Hände schon bald kaputt und die Haut hängt in Fetzen runter.

*:) *:)

c!haoxt


Ich finde Sunniva Ihre Gedanken am Logischsten. Sie könnten mit meinen Gedanken übereinkommen.

JTapn74


@ Sunniva

Hm, doch, ich finde Sucht und Zwang auch eindeutig. Fühlt sich doch komplett anders an.

@ Cinderella68

Es ist ja generell so, dass das Erkennen eines Problems bzw. seiner Ursache nicht automatisch zu Heilung führt ;-). Das wäre ja einfach. Schwierig bleibts dennoch. Die Erkenntis der Strukturen ist halt nur der erste Schritt.

Und man sagt ja auch, gerade auf Krebsstationen wird geraucht wie sonst nirgends. Stress führt halt dazu, dass der Druck, die süchtigen/zwangigen Verhaltensweisen auszuführen, noch größer wird.

@ TestARHP

Die Entzugserscheinungen kommen ja nur bei körperlicher Abhängigkeit (um die es hier ja eher nicht geht). Wobei man natürlich auch depressive Verstimmungen aufgrund Störungen im Neurotransmittersystem im Rahmen der Abstinenz als Entzugserscheinungen bezeichnen kann. Allerdings bleibt auch wenn das alles wieder gut ist die Gefahr, dass man in alte Muster zurückfällt, wenn man mal depri drauf ist oder so. Man weiss halt, Griff zur Flasche und schwupp schwimmt das Dopamin wieder flott durchs Hirn. Diese Versuchung bleibt wohl lebenslang bestehen.

Ich bin mal im Rahmen des zwanghaft nach hinten Umschauens beim Fahrrad fahren gestürzt und Wunde musste im Krankenhaus versorgt werden. Und die erwähnten "selbstschädigenden Verhaltensweisen", egal ob man die nun Zwang nennt oder nicht, haben mir auch in der Tat schon Schaden zugefügt (den ich so öffentlich nicht ausführen kag).

Mkollieync$hen


@ Cinderella68

ja, aber das ist doch ein Zeichen, dass eine willentliche, verstandes-gesteuerte Kontrolle des Verhaltens bei dir funktioniert (oder jetzt nicht mehr?)

Jein.

Das Problem ist, dass ich den Verstand nicht oder nur schwer selbst aktivieren kann. Ich benötige eine aus meiner Sicht vertrauenswürdige, kompetente andere Person dafür. So eine Art "Obrigkeit". Und dann bin es gefühlt auch nicht ich, die den Schalter umlegt. Gern führt es dann auch mal vom einen Extrem zum anderen (viel Schoko - keine Schoko, dazwischen gibt es nix).

MEolliegnc#hen


Eine andere Person (Arzt) konnte damit z.B. auch meine Todesängste wegen meiner Herzrhythmusstörungen ausschalten.

Ich fürchte allerdings, andere Personen könnten damit auch durchaus berechtigte Ängste ausschalten... Denn ich vertraue bestimmten anderen Leuten ja viel mehr als mir selbst. :-/

T?est`ARHP


@ Jan74

Entzugserscheinungen kommen ja nur bei körperlicher Abhängigkeit

Nein nein! Es gibt auch eine psychische Abhängigkeit, und bei Entzug setzen dann Verstimmungen bzw. Ängste ein. Entzugserscheinungen psychischer Art halt.

*:) *:)

Jnan7x4


@ mollienchen

Auch wenn Dich das jetzt vermutlich nicht erfreut, aber bisschen erinnert mich das an meine Mutter. Bei der gibt es auch wenig "selbst", sondern es dominieren immer die Meinungen anderer. Wenn wer (z.B. Chef) mich gelobt hat, war ich "gut", wenn nicht, dann nicht. Der totale Mangel an eigener Substanz; wie ein Fähnlein im Winde abhängig sein von den Meinungen und Äusserungen anderer.

@ TestARHP

Jo klar, dürfte ja z.B. beim Kokain der Mechanismus sein. Das geht dann ja übers Dopaminsysten. Ist eh die Frage, in wieweit man "psychisch" von "körperlich" abgrenzen kann, wenn man die Psyche als Neurotransmitter-basierte Funktion des Körpers sieht.

T9ers9tA4RHP


@ Jan74

Es gibt von JEDER Suche auch eine psychische Abhängigkeitskomponente, die allein schon durch die Gewohnheit entsteht, den Stoff (was auch immer) in jeder Sit. zu konsumieren bzw. das süchtige oder zwanghafte Verhalten aufzugeben.

Bei Drogen ists halt die Frage, welcher Stoff schneller körperlich abhängig macht. Es gibt Zeug, das schon nach dem ersten Konsum so starken Suchtdruck auf mehr und so starke Entzugserscheinungen macht, dass man sofort "drauf" ist, ob man will oder nicht.

Selbst schädigend ists alles, von der Sucht bis zum Zwang.

Schon allein, weil man seinen Handlungsspielraum dadurch so unglaublich auf die Sucht bzw. den Zwang reduziert.

*:) *:)

MgollieXn*chxen


@ Jan74

Auch wenn Dich das jetzt vermutlich nicht erfreut

Nö, nicht soooo sehr… ;-)

Ich weiß aber nicht, ob man das so vergleichen kann. Bei mir geht's ja weniger um Meinungen und Ansichten, z.B. über andere Leute, sondern um mich selbst und um Krankheitsängste. Mit meiner Meinung über andere Leute fühle ich mich inzwischen relativ unabhängig von dem, was andere denken. Also ich finde jemanden nicht nur dann gut (oder doof), wenn jemand mir "erlaubt" bzw. vorschreibt, den gut (oder doof) zu finden. Das entscheide ich höchst selbst. :-)

Wenn ich mir aber wegen was weiß ich, einem Knubbel am Handgelenk Gedanken mache, zeige das einer Kollegin, und die sagt "ach, das hatte ich auch mal, das ist nix", und das so überzeugend rüberbringt, dass es sich für mich wie wahr anfühlt, dann übernehme ich die Ansicht "das ist nix" zu 100% und verschwende auch nie mehr einen Gedanken daran. Dann ist sie in dem Moment die Instanz, die entscheidet "wahr" oder "falsch". Dazu muss sie noch nicht mal jemand "Ranghöheres" (z.B. Arzt) sein, das ist dazu überhaupt nicht nötig. Es reicht, dass sie für mich überzeugend ist.

Hätte dieselbe Person gesagt "oh, das hatte ich auch mal, da hat ein Arzt später festgestellt, dass…. (irgendwas ernsteres)", wäre ich sofort beim Arzt gewesen.

Kritisch daran halt: Eine für mich überzeugende Person kann halt, wenn sie keinen Bock auf mein "hab ich vielleicht was schlimmes"-Gejammer hat, einfach immer sagen "das ist nix", und mein Gejammer damit erfolgreich ausschalten, und wenn dann da doch mal was ist, merke ich es vielleicht nicht rechtzeitig.

SMunxnivxa


Jan,

Du sagst oben klipp und klar, es handelt sich bei Sucht und Zwang um zwei verschiedene, weil ganz unterschiedlich erlebte Dinge.

Jetzt die Frage: Hilft es Dir denn weiter, es so zu sehen? Kommst Du dadurch vielleicht besser klar mit Deinem Verhalten?

Ich erlebe "Einordnungen" oder "Stempel" ja eher als behindernd. Auch wenn ich sie mir selbst gebe. ":/

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