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Panik vor Spinnen, keine ruhige Minute mehr, was hilft wirklich?

N[urar\ihyxon


:|N

Ich liebe wirklich, wirklich jedes Tier. Ich rette jedes Tier. Ich peppel halb ersoffene Mäuse wieder auf, fange Ratten lebendig, spiele mit Käfern, Schnecken, Reptilien, Amphibien und allem was so kreucht und fleucht, aber bei Achtbeinern hört es auf.

Ich habe mich auf eine sehr verdrehte Art und Weise mit Zitterspinnen arrangieren können. Zu mehr bin ich nicht bereit. :|N

Eidxlih


Außerdem hab ich durch Gedankenexperimente rausgefunden, dass ich eigentlich nicht vor Spinnen an sich Angst habe, sondern davor, dass die unter meine Klamotten krabbeln könnten

Bei mir ist es auch vor allem die Vorstellung, dass sie mir im Schlaf zu nahe kommen könnten, übers Gesicht oder ins Ohr krabbeln. Was an sich eher unwahrscheinlich ist, aber die Furcht vor diesem Kontrollverlust ist es wohl und das Ausgeliefertsein im Schlaf.

Ich war jetzt übers Wochenende verreist, um wieder runter kommen. Musste raus aus der Umgebung hier, in der ich mich so erschreckt hatte, wobei ich rational auch nicht erklären kann, wieso ich mich in einem Hotelzimmer sicherer fühlte, denn da könnten unter dem Bett oder den Schränken ja auch Spinnen lauern, von denen ich nichts weiß, aber es tat mir gut, rauszukommen, bin jetzt wieder etwas entspannter und konnte am Wochenende mal ein paar Stunden verbringen, ohne ständig auf der Hut und so angespannt zu sein.

Ich glaube inzwischen für mich aufgedröselt zu haben, dass mir vor allem das Erschrecken so zusetzt, also der Moment, in dem ich eine Spinne irgendwo entdecke, wo ich absolut nicht mit ihr gerechnet hätte. In meinem Schlafzimmer z.B., dem bestabgesichertsten Ort in meinem Haus. in fremden Häusern erschrecke ich mich nicht so sehr, wenn ich dort Spinnen in den Ecken sitzen sehe (scanne jeden Raum ganz automatisch und unbewusst ab, sobald ich ihn betrete). In solchen Umgebungen, auch draußen, kann ich Spinnen inzwischen beobachten und sie stören mich kaum. Es ist das Erschrecken im eigenen Haus, an einem vermeintlich sicheren Ort, denke ich.

Meine Schreckhaftigkeit hat wohl mit einem Erlebnis aus meiner Kindheit zu tun, mal so küchenpsychologisch vermutet von mir. Mir ist da nämlich im Rahmen der Diskussion hier etwas gedämmert, eine Sache, die ich ziemlich verdrängt hatte. Da bin ich zu Tode erschrocken und es ging mit einer tiefgehenden Grenzüberschreitung einher für mich. Das fiel so etwa in dieselbe Zeit wie meine kindlichen Erfahrungen mit Winkelspinnen an einem bestimmten Ort in meiner Kindheit. Vielleicht daher die negative Verknüpfung. Denn mir ist nach wie vor nicht so ganz klar, wieso ich mich nur vor Spinnen so erschrecke und vor Mäusen, Schlangen oder was sonst noch so schnell irgendwo raushuschen kann, seltsamerweise nicht :-/

E2dlPih


aber bei Achtbeinern hört es auf

Weißt du, warum das bei dir so ist? Ich ekle mich sonst nämlich auch vor anderen Krabbeltieren nicht derart, kann die meisten auch anfassen und im Haus problemlos dulden.

N\u@rariahyxon


Ja, anerzogen.

Ich wohnte als Kleinkind mit meiner Mutter auf einem Bauernhof. Eines Tages muss sich wohl ein Mordsviech von Riesenspinne in mein Kinderzimmer verirrt haben. Obwohl meiner Mutter klar war, dass es völlig hamlos ist, wollte sie unter keinen Umständen dieses Ding in meiner Nähe haben. Also wurde das Kinderzimmer deswegen komplett leer geräumt und das Mistviech gesucht. Gefunden werden konnte es aber nicht.

Wir nehmen beide an, dass es damals los ging, unterbewusst natürlich, und sich dann im Laufe der Zeit immer mehr verstärkte.

B{urn5er84


wobei ich rational auch nicht erklären kann, wieso ich mich in einem Hotelzimmer sicherer fühlte, denn da könnten unter dem Bett oder den Schränken ja auch Spinnen lauern, von denen ich nichts weiß

Vielleicht würde es dir gut tun, den Willen abzulegen, eine bestimmte Umgebung (dein Schlafzimmer) absolut kontrollieren zu wollen. Vielleicht ist das Problem garnicht die Spinne, sondern die Erfahrung, dass du beim Versuch, Kontrolle auszuüben, "versagt" hast – das was du "Schreck" nennst. Die plötzliche Erkenntnis, dass du eben doch nicht die Kontrolle hast, obwohl du eigentlich davon ausgegangen bist.

Aber wenn du eben garnicht erst versuchst, die Kontrolle zu haben, kannst du sie auch nicht verlieren. Das ist es wahrscheinlich, was dich auswärts besser schlafen lässt.

E dlixh


Obwohl meiner Mutter klar war, dass es völlig hamlos ist, wollte sie unter keinen Umständen dieses Ding in meiner Nähe haben. Also wurde das Kinderzimmer deswegen komplett leer geräumt und das Mistviech gesucht. Gefunden werden konnte es aber nicht.

Also ähnlich wie bei mir, meine Mutter reagierte früher auch so auf Spinnen, einmal mussten wir mit ihr das Haus verlassen und mehrere Stunden warten, bis mein Vater nach Hause kam, weil eine Spinne unter die Eckbank gekrabbelt war. Meine Mutter weigerte sich, das Haus zu betreten. Woher sie ihre Abneigung hat, wissen wir aber nicht so recht, denn ihre Mutter war da ganz anders, die fing die Viecher sogar mit den bloßen Händen und einem Tuch ein, um sie nach draußen zu setzen und auch sonst hat niemand aus der Familie solche Panik.

Ich weiß nur, dass ich auf der einen Seite sicher geprägt wurde durch das Verhalten meiner Mutter, auf der anderen Seite empfand ich es aber auch als sehr schrecklich, wenn meine Angst kleingeredet und ich den Tieren mehr oder weniger absichtlich ausgesetzt wurde. Bei meiner Mutter legte sich die Panik später nämlich etwas und sie konnte nach dem Motto leben: Wenn ich sie nicht mehr sehe, vergesse ich sie nach kurzer Zeit wieder, aus den Augen aus dem Sinn. Was zur Folge hatte, dass ich oft weinend und voller Panik in meinem Zimmer die Nacht über ausharren musste, weil ich vorm Zubettgehen eine Spinne gesehen hatte, die von meiner Mutter dann lediglich verscheucht, nicht aber aus dem Zimmer entfernt wurde. Für sie war es damit getan, wenn das Tier hinterm Schrank verschwand und ich machte dann kein Auge zu, weil ich wusste, dass es noch im Zimmer war.

Vielleicht würde es dir gut tun, den Willen abzulegen, eine bestimmte Umgebung (dein Schlafzimmer) absolut kontrollieren zu wollen

Ja, ich denke auch, darin wird der Schlüssel liegen, in die Richtung gingen ja auch schon die ersten Tipps hier. Ich habe mich quasi zu sehr abgeschottet. So recht kann ich mir aber noch nicht vorstellen, die Gitter abzumontieren und bei offenem Fenster ohne Schutz zu schlafen {:(

B.urn6er84


Ich habe mich quasi zu sehr abgeschottet. So recht kann ich mir aber noch nicht vorstellen, die Gitter abzumontieren und bei offenem Fenster ohne Schutz zu schlafen

Man muss ja nicht gleich radikal sein. Ich würde sagen, lass die Gitter ruhig dran (schadet ja nicht) und versuche lieber, dich aktiv mit dem Gedanken anzufreunden, dass es trotz Gitter gut und gerne sein könnte, dass eine Spinne in deinem Schlafzimmer sein KÖNNTE (aber wahrscheinlich trotzdem keine da ist).

Hast übrigens ne PN.

B%urne7r84


Ich habe nochmal den ersten Post durchgelesen. Vielleicht kann man ja die Fenstergitter dran lassen, aber zumindest mal aufhören, Gift zu sprühen, so als ersten Schritt. Vielleicht später auch mal die Bürstendichtungen abmontieren.

Deine Wohnung ist eine spinnendichte Festung und wenn du Lebensqualität willst, musst du auch ohne diese Festung auskommen können.

Wenn die Gitter doch irgendwann mal ab können, ohne dass du Angst hast, wär das meiner Meinung nach der Maximal-Erfolg.

N%urawrihyxon


Für sie war es damit getan, wenn das Tier hinterm Schrank verschwand und ich machte dann kein Auge zu, weil ich wusste, dass es noch im Zimmer war.

Das geht wieder in Richtung Kontrollverlust.

Wenn ich so ein Ding sehe, dann kann ich nicht weggucken. Das einerseits. Andererseits steiger ich mich immer mehr in meine Panik rein, solange ich hinsehe. Aber wenn ich wegschaue und sie flüchtet, dann könnte sie praktisch überall sein, von überall her kommen, und ich wüsste es nicht. Das ist der definitive Worstcase.

Problematisch ist bei mir auch die Grunderkrankung mit den dissoziativen Episoden, in denen ich u.U. eine gewisse Selbstgefährdung nicht ausschließen kann.

Ich bin ja eh in Therapie und hoffe, dass sich diese Panik, die nicht im Zusammenhang mit der eigentlichen Erkrankung steht, auch verbessert. Meine eigenen Kontrollmehcnaismen funktionieren nicht oder nicht gut genug. Das ist ein Aspekt, an dem ich arbeite.

Das Ding bei meiner Mutter ist, dass sie nie so Panik hatte vor diesen Tieren. Damals auch schon nicht. Maximal eine Art Ekel, wie ihn die meisten Menschen auch kennen. Bei mir hat sich das leider trotzdem eingeprägt. Auch heute kommt sie gut damit klar. Sie macht die Viecher kalt und für sie ist es dann auch in Ordnung.

Ich leide an so einer Begegnung Tage und Wochen im Schlimmstfall.

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