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Sind Depressive oder psychisch Kranke selbst schuld?

RJajjaKnxi


Uhm,... ich bin grade auf den Thread gestoßen und wollte gerne was dazu schreiben.

Grade was das Thema Depression angeht bin auch ich ein beschriebenes Blatt, im Moment glücklicher Weise aber auf dem Wege der Besserung.

Also meine Gedanken zum Thema: (hoffe ich kriegs geordnet hin)

Meines erachtens spielen da einige Dinge mit herein, ob, wodurch und in welchem Maße jemand an Depressionen leidet.

Als Depressiver hört man von Außenstehenden ja oft die Sprüche: "Stell dich nicht an!", "Ich hab das auch geschafft!", "Werd erwachsen!", usw.... Das kennt mit Sicherheit jeder Betroffene.

Diese Aussage läuft darauf hinaus, dass Menschen dazu neigen, jeden Einzelnen als Identisch in deren Eigenschaften anzusehn.

Dem ist aber nicht so. Es gibt viele "Sensibelchen", wie manche so schön zu sagen pflegen. Und diese Personengruppe reagiert auf identische Ereignisse mit unter heftiger.

Mal blöde verglichen: Der "Otto-Normal-Mensch" Ist ein Windlicht, also eine Kerze mit einer Schutzhülle, damit ihr Wind nichts anhaben kann. Und das "Sensibelchen" immer nur eine Kerze, die bei jedem Windhauch auszugehen droht. Sie haben diese Schutzhülle nicht und sind allen Einflüssen ausgeliefert, zerbrechlich, instabil...

Und so passiert es dann auch, dass Person A an den Problemen seines Lebens wächst und Person B, ähnliche Probleme kaum bewältigen kann und in seinen Augen vor einem unüberwindbaren Berg steht.

Ohje, ohje, ich hoffe ihr versteht was ich meine....

Bei mir ist es zB. so, dass ich Menschen an sich hasse, gar verabscheue aufgrund der Dinge die sie tun. Dazu habe ich noch ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit und brauche unbedingt meinen Freiraum. Das macht es mir sehr schwer im Alltag zurecht zu kommen. Ein paar Beispiele: Unterdrückung von Menschen am Arbeitsplatz, Geld ist wichtiger als die Gesundheit (siehe Krankenhäuser, Altenheime etc.), Umgang mit Flora und Fauna, Egoismus,... Das sind alles Dinge die ich per se, so wie sind nicht akzeptieren kann und will, wenn auch das gedankenlose Hinnehmen solcher Zustände mein Leben einfacher machen würde. Aber dann würde ich mich selbst verraten

Kurz gesagt: manche Menschen sind einfach viel emfänglicher für negatives und nehmes es sich mehr zu Herzen, suchen wohlmöglich die Schuld bei sich, während andere einfach weitergehen, wie wenn nichts gewesen wäre.

A_iyanWax89


Kurz gesagt: manche Menschen sind einfach viel emfänglicher für negatives und nehmes es sich mehr zu Herzen, suchen wohlmöglich die Schuld bei sich, während andere einfach weitergehen, wie wenn nichts gewesen wäre.

Dem kann ich nur zustimmen. Wirklich schuld ist niemand. Das ist Unsinn. Es gibt auch unzählige verschiedene Ursachen, weswegen man in eine Depression geraten kann. Und bei manchen hätte man es eventuell verhindern können, durch einen anderen Lebensweg, durch eine andere Denkweise... Und ich sage nicht bei allen! Meistens weiß man das auch erst hinterher, dass man den falschen Weg gegangen ist, das man vielleicht zu viel in sich hineingefressen hat und eher hätte Stop sagen sollte, dass man seine eigenen Kräfte überschätzt hat und selber noch nicht wusste wie sensibel man wirklich ist. Aber man ist trotzdem nicht schuld. Niemand wünscht sich so eine Krankheit oder würde gar effektiv darauf hin arbeiten.

Und bevor jetzt alle auf mich eindreschen: Ich beziehe das hier auf niemanden, am ehesten rückblickend auf mich selbst. Denn auch ich bin kein unbeschriebenes Blatt.

JHa<n7x4


Ist nicht sogar die – häufig im Elternhaus aufgedrückte – Struktur, "DU bist schuld, DU bist das Problem, weil DU so minderwertig bist kommst Du nicht klar / sind wir unglücklich" die Kern-Ursache der psychischen Probleme und führt automatisch dazu, dass man die Schuld eher bei sich und eigenem Versagen sucht (bevor man das reflektierend durchschaut hat)?

R8ajaxni


Ich denke das Problem ligt in der "Andersartigkeit" der Depressiven. Man vrehält sich vor einer Depression bereits andersartig, aufgrund desse, das man Dinge anders wahrnimmt. Und der "Normal-Mensch" kann damit einfach nicht umgehen, wenn etwas oder jemand von der "Norm" abweicht und grenzt somit solche Leute (un)bewusst aus, was wiederum den potentiell Depressions gefärdeten triggert und in seinem Weltbild stärkt.

m~nef


Ist nicht sogar die – häufig im Elternhaus aufgedrückte – Struktur, "DU bist schuld, DU bist das Problem, weil DU so minderwertig bist kommst Du nicht klar / sind wir unglücklich" die Kern-Ursache der psychischen Probleme und führt automatisch dazu, dass man die Schuld eher bei sich und eigenem Versagen sucht (bevor man das reflektierend durchschaut hat)?

Dazu wird jetzt auch wieder wer sagen können: "Naja, selbst schuld, wenn man sich das zu Herzen nimmt!" :-X (Kernursache KANN das ein, muss aber auch nicht)

JsaBn74


Gibt auch Leute, die behaupten, es kann in der Tat schuld des "schwierigen Kindes" sein. Meiner Ansicht nach sind Kinder im einjährigen Altersbereich kategorische nie schuld (wenn es nicht gerade wie bei Rosemary's Baba ist und es eine wahre Satansbrut ist).

Narzisstisch gestörte Eltern in ständiger Opferrolle, die ihrem Kind schon im Babyalter unbewusst suggerieren, ach, Du bist schwierig für mich, Du bist eine Last, wegen Dir kann ich dies und das nicht tun, Du bist für mich eine beeinträchtigung dürften erheblichen Schaden anrichten.

~^Traum|krisYtallx~


Ich finde es sehr zynisch einem psychisch Kranken die Schuld an seiner Erkrankung zu geben. Leider kann man eine schlimme seelische Verletzung nicht auf einem Röntgenbild sichtbar machen, so daß sie genauso schlimm wie eine körperliche Verletzung sichtbar für jeden werden würde. Dann stünde man nicht mehr unter Generalverdacht des Simulierens!

Ich glaube, daß manche psychische Erkrankungen für einen Gesunden wirklich schwer nachvollziehbar sind und deshalb die Meinung entstehen kann, sie seien selber schuld.

Bei einer Depression wird dann dazu geraten, sich nicht so gehen zu lassen, sich zusammen zu reißen, nicht immer so mies gelaunt zu sein.

Ähnliches bei Angststörungen. Da wird gesagt: Du brauchst doch keine Angst zu haben, Du steigerst dich da rein...

Bei Borderline mit SVV will man ja nur Aufmerksamkeit und ein Burn Out darf nur ein Manager oder Spitzensportler haben.

Sind doch eh "Mode-Erkrankungen".

Unsere moderne Leistungsgesellschaft voller Egoisten ist es, die da noch am ehesten "Schuld" dran hat. Wehe man ist dann noch krankgeschrieben, wenn es nach manchen Leuten geht verliert man dann direkt den Anspruch auf Versorgung durch Sozialleistungen oder medizinische Versorgung, denn dann ist man ja ein Schmarotzer...

Ntor/d#i8R4


Es ist für Außenstehende halt schwierig zu unterscheiden ob jemand wirklich psychisch krank ist oder das aus irgend nem Grund spielt bzw. sich selbst einbildet. Welcher Laie kann z.B. sagen ob der 15jährige Teenager jetzt einfach nur aus pubertären Gründen schlecht drauf ist oder ob der wirklich in Richtung Depression / Borderline abgleitet ? Und wer kann sagen ob der 58jährige Kollege jetzt wirklich an nem Burn-Out leidet oder ob er einfach mit den Veränderungen der Arbeitswelt und der Firma nicht klar kommt ?

Es ist immer beides möglich, man sieht es den Leuten einfach nicht an. Natürlich gibt es Kranke denen Simulantentum unterstellt wird aber es gibt auch genug Simulanten die sich auf psychische Probleme zurückziehen anstatt mal dafür gerade zu stehen was läuft.

SJmar=agdauxge


Was mir bei solchen Threads fehlt ist das Bekennen von psychisch Kranken: Ich möchte es überwinden! Ich bin mehr als meine psychische Krankheit! Mir fehlt hier das Streben nach Normalität, nach Gesundheit, irgendwie wird hier viel mehr für Verständnis geworben (damit alles so bleiben kann, wie es ist und sich nichts ändern muss?) und gleichzeitig auf der bösen Umwelt herumgehackt. Mit so einer Mischung aus Jammern, Selbstmitleid und Anklagen bekommt man sicherlich kein Verständnis.

Und nein, es gibt keinen Anspruch darauf, dass die Umwelt sich in freundliche Psychiater und Therapeuten verwandelt und die Welt zum Ponyhof wird, auch die Gesunden haben Lasten zu tragen, denn sie übernehmen einen Teil der Last, den die Kranken nicht tragen (können). Vielleicht wäre ein wenig Dankbarkeit ganz hilfreich, sich mit der bösen Welt da draußen, die nicht das Super-Duper-Verständnis für psychisch Kranke aufbringt, zu versöhnen.

So, und jetzt dürfen all die zarten, verletzten und traumatisierten Sensibelchen die Keule rausholen und auf mich losprügeln. ]:D

s1evUenthXrexe


@ smaragdauge

schön formuliert, aber leider verhindert schon die Krankheit das annehmen solcher Logik. Und das dumme bei dieser Erkrankung das man als Außenstehender nicht erkennen kann ob und wieviel Kraft der Erkrankte aufbringt um normal sein zu wollen. Im Zweifelsfall kann der Erkrankte mit aller Kraft dagegen ankämpfen und niemand bekommt etwas davon mit.

Mit Rationalität und Logik kommt man bei dieser Krankheit nicht weit und man kann unmöglich auseinanderhalten was schlechter Charakter und was Krankheit ist. Als Außenstehende kämpft man oftmals auch selbst mit diesen Symptomen (zumindest ich) und man wünscht sich hin und wieder auch mal schwach sein können und sich einfach gehenzulassen. Sieht man dann einen Erkrankten hat man automatisch die Erwartungshaltung, wenn ich das schaffe dann kann er es sicher auch.

SImara~gdaulge


schön formuliert, aber leider verhindert schon die Krankheit das annehmen solcher Logik. Und das dumme bei dieser Erkrankung das man als Außenstehender nicht erkennen kann ob und wieviel Kraft der Erkrankte aufbringt um normal sein zu wollen. Im Zweifelsfall kann der Erkrankte mit aller Kraft dagegen ankämpfen und niemand bekommt etwas davon mit.

Das kann gut sein. Aber wenn ein Mensch den Mund aufmacht und sich äußert, dann kann man auch heraushören, wie er sich mit seiner Krankheit stellt und was er von anderen erwartet. Und je mehr ein Mensch von anderen erwartet, umso weniger ist er bereit, selbst etwas zu tun.

Mit Rationalität und Logik kommt man bei dieser Krankheit nicht weit und man kann unmöglich auseinanderhalten was schlechter Charakter und was Krankheit ist

Wer spricht von schlechtem Charakter? Es ist auch klar, dass die Grenzen zwischen Charakter und Krankheit fließend sind, darum ist es ja auch so wichtig, gegen die Krankheit anzukämpfen, damit sich der Charakter nicht verformt.

Als Außenstehende kämpft man oftmals auch selbst mit diesen Symptomen (zumindest ich) und man wünscht sich hin und wieder auch mal schwach sein können und sich einfach gehenzulassen.

Das ist aber ganz sicher nicht bei allen so und ich glaube, die Gefahr beim Sich-Gehen-Lassen ist die, dass man dabei ein Stück Selbstachtung verlieren könnte (stelle ich mir mal so vor), zumindest ich finde Menschen, die sich gehen lassen oder aufhören zu kämpfen, nicht als angenehm. Selbstachtung ist überhaupt ein Stichwort, aus Selbstachtung kann man viel Kraft schöpfen, während sie verrinnt, wenn man sich hängenlässt und permanent ein weinerliches kleines Häufchen Elend ist.

Vieles mag Theorie sein, aber ich glaube, man muss nicht alle Täler dieser Erde durchwandert haben um zu wissen, wie sich Schatten anfühlt.

NcLenxa


Das kommt auch mit daher, weil die Tatsache -psychisch krank- als sehr unsympathisch und nicht gerade anziehend empfunden wird. Man verbindet damit leider: bekloppt, nicht ernst zu nehmend usw...

Aus dieser Nummer bei anderen wieder herauszukommen, wenn man psychisch krank ist, ist nicht gerade einfach.

Natürlich ist man nicht "schuld" an dieser Krankheit. Selten ist sowas organisch, meist sind es erworbene Seelenverletzungen in der Kindheit. Wie bitte soll man daran schuldig sein...

SCmarZagdxauge


NLena,

ich finde, dass Du hier zwei sehr wichtige Punkte aufgezeichnet hast, die man tatsächlich trennen kann und sogar muss.

Zum einen empfinde ich psychisch Kranke tatsächlich als unsympathisch und wenig anziehend, aber ich würde dennoch nie auf die Idee kommen, ihnen die Schuld daran zu geben, dass sie z.B. in der Kindheit verletzt und traumatisiert wurden. Das muss man strikt trennen, und ich glaube, eigentlich tun das auch die meisten. Die Verbindung zwischen dem einen und dem anderen stellen eher die Kranken selbst her.

c/hakot


Smaragdauge Deine Schilderungen sind sehr spannend. Ich bin erstaunt und zu gleich entsetzt. Mir ist nur sehr Unklar wo deine Abneigung gegen psychisch kranke herrührt. Ich denke als Gesunder Mensch, sollte da doch eher Mitgefühl vorhanden sein. Der Gesunde könnte sich dadurch doch eher Gestärkt fühlen und Stolz auf seinen starken Charakter sein. Als betroffene psychisch Kranke, scheint es mir irgendwie so, als ob die Gesunden neidisch auf den Psychisch Kranken sind, weil er anders ist. Das in der Arbeitswellt es zu Konflikten kommen kann mit psychisch Kranken, wegen Leistungsschwäche und häufigen Arbeitsausfall, kann ich leicht nachvollziehen. Deshalb finde ich es eher Schlimm, wenn sich Depressive auf Arbeit schleppen, weil es der Firma bestimmt nicht förderlich ist, einen Kranken seine Fehle mit zu tragen. Sicher ist auch Integration in das Berufsleben sehr wichtig für den Erkrankten. So was ist aber nur durch Mithilfe von Außen möglich. Wenn man den kranken schon im Vorfeld verurteilt, ohne ihn Möglichkeiten anzubieten, in denen er Wachsen kann, hat er schon Verloren.

S&u8nfloxwer_73


Zur Ausgangsfrage: NEIN NEIN NEIN und nochmals NEIN.

Und bzgl. "unsympathisch":

Einige Diagnosen mögen dazu führen, dass die Leute auffällig sind. Okay.

Aber wenn man sich vor Augen führt, dass ca. 25% der Bevölkerung im Lauf des Lebens mal an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung erkrankt und dass es unendlich viele Menschen gibt, wo man nix von der Angst oder Depression oder oder weiß, passt das mit dem pauschalen "als unsympathisch abstempeln" wohl kaum.

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