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Meine berufliche Zukunft geht den Bach runter und ich bin schuld

M5ars ext Avril hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Forenmitglieder,

ich würde euch gerne um Rat bitten, da ich mit meiner derzeitigen Situation unzufrieden bin, oder besser gesagt: ich denke, dass ich langsam in ein Alter komme, in denen meine Lebensführung, so wie sie jetzt ist, nicht mehr akzeptabel ist, und dass ich dringend etwas ändern muss.

Ich habe 2011 mein Abi gemacht – mit knapp 20 erst, da ich die elfte Klasse wiederholen musste – und bin dann für knapp ein Jahr ins Ausland gegangen, um dort als Au Pair zu arbeiten. Im Herbst 2012 habe ich dann mein Studium begonnen und komme somit nun ins fünfte Semester.

Während der Schulzeit konnte ich es kaum abwarten, endlich studieren zu können, da ich mich durch meine damaligen psychosozialen Probleme (extreme Schüchternheit und Unsicherheit, und damit verbundene Unfähigkeit, aktiv am Unterricht teilzunehmen) stark eingeschränkt fühlte und endlich die Dinge tun wollte, die mich wirklich interessierten, ohne dabei ständig diesem Druck ausgesetzt zu sein, wie es in der Schule der Fall ist.

Ich war sehr gut in einigen sprachlichen und geisteswissenschaftlichen Fächern und wurde insbesondere wegen meines angeblichen sprachlichen Talentes gelobt. Aus diesem Grund war ich mir sicher, dass mir das Studium viel leichter fallen würde als die Schule und dass ich endlich zeigen könnte, dass ich in einigen Bereichen doch recht talentiert bin.

Leider habe ich dann an der Uni sehr schnell gemerkt, dass dies so gar nicht der Fall ist. Meine ersten Klausuren verliefen alles andere als gut, eine musste ich sogar wiederholen, und ich habe inzwischen die Angewohnheit entwickelt, Klausuren und Hausarbeiten immer wieder aufzuschieben. Jedes Semester beginne ich mit dem Gedanken, dass es diesmal besser sein würde, dass ich diesmal kontinuierlich arbeiten und mich anständig auf die Prüfungen vorbereiten würde. Jedes Mal saß ich am Ende des Semesters wieder mit den gleichen Problemen hier.

Jetzt im Moment, wo ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich in der Universitätsbibliothek. Ich muss mir dringend ein Thema für eine Hausarbeit überlegen, welche ich in knapp drei Wochen abgeben muss, und an einer anderen weiterarbeiten, die ich erst zu einem Drittel verfasst habe. Zudem sollte ich innerhalb der nächsten drei Wochen zwei Klausuren schreiben, für die ich bisher kaum gelernt habe. Seit Mitte Juli habe ich bereits Zeit gehabt um mich um diese Dinge zu kümmern, dennoch schiebe ich alles immer wieder auf, lasse Tag um Tag verstreichen, in dem irrsinigen Glauben, dass die Motivation und die Ideen eines Morgens plötzlich da sein würden.

Natürlich passiert das nicht. Und so schiebe ich immer weiter alles auf, schreibe schlechte Noten und fühle mich wie eine komplette Versagerin, da ich mit 23 Jahren nicht einmal einen anständigen Notendurchschnitt vorzuweisen habe.

Es fällt mir schwer, den genauen Grund dafür zu finden, warum ich mich mit all dem so schwer tue. Ob meine Intelligenz plötzlich abgenommen hat, ob die Uni einfach viel schwerer ist, ob meine Lehrer sich damals in mir geirrt haben und ich all dies nie gut konnte, ob es an meiner Unsicherheit und meiner Angst vor dem Scheitern liegt... all das ist mir nicht wirklich klar.

Die beiden Prüfungen, die diesen Monat anstehen, sind beides sprachliche Prüfungen. Zum einen die Abschlussprüfung für den ersten Lateinkurs, welchen ich nun bereits zweimal besucht habe und dessen Inhalt ich noch immer nicht beherrsche, zum anderen die Prüfung für eine Sprache, die ich im Rahmen meines Hauptstudiums belegt habe. Weder die erste noch die zweite Sprache beherrsche ich auch nur ansatzweise, und ich weiß nicht, wie ich diese Prüfungen bestehen soll. Wenn ich die Lateinprüfung aber nicht bestehe, kann ich den zweiten Kurs erst im sechsten Semester belegen und muss die Prüfung dann bestehen, um mein Latinum noch rechtzeitig zu erhalten. Die andere Prüfung kann ich theoretisch auch nächstes oder übernächstes Semester schreiben, aber ich glaube kaum, dass ich mir die Sprache alleine bis dahin besser beibringen kann. Und wenn dann auch noch die anderen Arbeiten hinzukommen und die Bachelorarbeit... um einen Job oder einen Praktikumsplatz sollte ich mir vermutlich auch besser langsam einmal kümmern, da ich sonst am Ende des Studiums bis auf ein einziges zweiwöchiges Praktikum nichts vorzuweisen habe.

Ich bin immer wieder erstaunt wenn ich sehe, wie viele meiner Kommilitonen das schaffen. Wie sie Studium und Arbeit und Hobbies unter einen Hut bringen, wie sie konsequent und organisiert lernen. Wenn ich versuche, zu lernen, scheine ich mir rein gar nichts merken zu können, und gebe nach einer Stunde frustriert auf.

Langsam verzweifle ich an meinem eigenen Verhalten. Was ich auch plane oder vorhabe zu tun, letztendlich tue ich aktiv wirklich nichts, bis ich keine andere Wahl mehr habe, da die Zeit abläuft.

Es ist mir wirklich peinlich, dass ich mit meinen 23 Jahren so inkonsequent bin und scheinbar nicht fähig bin, mich einfach hinzusetzen und zu lernen. Es zu ändern ist mir bisher jedoch leider dennoch nicht gelungen.

Ich würde mich einfach sehr freuen wenn mir jemand einen Rat geben könnte, wie ich mich selbst aus dieser Situation befreien kann bevor ich mir meine berufliche Zukunft verbaue.

Antworten
w!arrrior123


Vllt erstmal zu deiner "Inkonsequenz":

Das ist meist alles Gewöhnung. Wenn Du schon während Deiner Schulzeit Dich kaum aufraffen konntest, ist es jetzt immer noch schwer. Früher hast Du es auf die Schüchternheit geschoben. Mein Tipp und ich war bis vor kurzem nicht anders...

Fang einfach an etwas zu tun oder tu einfach so als hättest Du Lust genau jetzt was zu lernen/tun, wenn Du erst mal angefangen hast, ist es halb so schlimm. ;-)

Sonst wenn Du nette Kommilitonen hast und die endlich die Schüchternheit ablegen kannst, lern mit denen zusammen, dann bist Du gezwungen was zu machen.

Zur Schüchternheit:

Hattest Du Angst vor Ablehnung durch die Mitschüler oder warst Du nicht sicher ob es fachlich richtig war?

MfG warrior

P.S. Ich fang im Oktober in Siegen an zu Studieren.

Wo studierst Du denn?

MQars ewt Avrxil


Hallo warrior! @:)

Das Problem, mich zum Lernen aufzuraffen, hatte ich auch in der Schule schon, nur habe ich es damals nicht als so problematisch angesehen, da ich eben diese paar Fächer hatte, in denen ich wirklich gut war, auch ohne dass ich etwas dafür getan hätte. Ich war es gewohnt mir Wissen in Disziplinen, die mich interessierten, mit Leichtigkeit aneignen zu können. Warum englische Grammatik pauken, wenn man sowieso Bücher lieber in der Originalfassung liest und sich im Internet häufig mit Muttersprachlern unterhält? Warum die Bedeutung von Metaphern auswendig lernen, wenn man diese auch so entschlüsseln kann? Damals fiel mir das einfach so leicht, deshalb waren mir schlechte Noten in anderen Fächern egal, da ich mit diesen im Studium ja nichts mehr zu tun haben würde. Plötzlich bin ich auch in den Fächern schlecht, die mich früher stets begeistern haben.

Es "einfach" zu machen, funktioniert leider nicht. Das nehme ich mir ja schon seit Jahren vor. Ich bin einfach so schnell demotiviert, da der Erfolg ausbleibt.

Vielleicht habe ich die falsche Lerntechnik, oder aber ich setze mich selbst zu sehr unter Druck. Ich habe bereits mehr Kurse absolviert, als ich es laut Studienverlaufsplan müsste, und mein Begleitfach bereits nach vier Semestern abgeschlossen. Was die Prüfungen angeht, hinke ich jedoch hinterher. Vielleicht habe ich mir einfach zu viel zugemutet, aus Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden, und mir damit selbst nur Hindernisse in den Weg gelegt, anstatt es einfach ruhig anzugehen.

Was die Schüchternheit angeht: weder das eine noch das andere. Ich kann vor Gruppen oder in Stresssituationen einfach nicht reden. Ich bin dann wie blockiert und bekomme keinen klaren Gedanken zustande.

Ich studiere in NRW.

mMontpag


Hallo Mars et Avril!

Willst du denn den Beruf, den du mit diesem Studium anstrebst überhaupt noch erlangen? Hast du dir dein Studium vorher SO vorgestellt?

Mir kommt das alles ziemlich bekannt vor! So in etwa sah mein Studium damals auch aus... die anderen bestanden die Klausuren, ich nicht... die anderen haben Hausarbeiten abgegeben, ich nicht. Ich konnte mich einfach nicht aufraffen mit dem Lernen oder Schreiben zu beginnen. Es hat mir einfach keinen Spaß gemacht. DAS war das Problem. Möglicherweise ist das bei dir auch so. Etwas, was einem Spaß macht, wo man mit Freude auf ein bestimmtes Ziel hinarbeitet, geht einem ganz anders von der Hand. Dafür möchte man was tun.

Ich habe mich damals nach dem 6. Semester dazu entschieden, die Uni zu verlassen und ich habe diesen Schritt niemals bereut. Ich habe einen Ausbildungsberuf erlernt und arbeite heute in meinem Traumjob. Vielleicht wär das auch die Lösung für dich!? Weg von der Uni...

M!arsQ net Avrxil


Hallo montag! @:)

Ich denke, ein großer Teil meiner Frustration hängt damit zusammen, dass mein Studiengang einfach kaum Praxisbezug hat. Zwar interessieren mich die behandelten Themen größtenteils, aber ich habe nicht das Gefühl, etwas zu lernen, was mir in meinem späteren Berufsleben von Nutzen sein wird. Das ist wohl das Problem in vielen geisteswissenschaftlichen Studiengängen. Die Lust aufs Lernen von Lateinvokabeln steigert sich nicht gerade durch das Wissen, seine Lateinkenntnisse vermutlich niemals zu brauchen...

Ein Kommilitone von mir hat einmal gesagt, dass das Studium doch in erster Linie der Selbstfindung und der persönlichen Weiterentwicklung dienen sollte, aber mir fällt es schwer, diesen Gedanken zu leben. Durch den um zwei Jahre verspäteten Studienbeginn habe ich stets das Gefühl, unter Zeitdruck zu stehen. Zudem komme ich nicht gerade aus einer wohlhabenden Familie und bin daher auf staatliche Unterstützung angewiesen – wenn ich meine Leistungen nicht erbringe, dann stehe ich ohne Geld da. Ich kenne Menschen, die in Ruhe studieren müssen ohne sich übermäßigen Druck machen zu müssen, da ihre Eltern ihnen im Notfall auch ein oder zwei Semester länger Unterhalt zahlen würden. Dieses Glück habe ich nicht.

Ich hatte mich immer so sehr auf mein Studium gefreut, aber jetzt bin ich in einem Jahr schon fertig und habe nicht das Gefühl, etwas Sinnvolles gelernt oder geleistet zu haben.

Aus diesem Grund überlege ich auch, nach dem Bachelor nicht den konsekutiven Master zu machen, sondern an eine Fachhochschule zu wechseln und dort etwas zu studieren, das mich bezüglich meines zukünftigen Berufes weiterbringt. Und das obwohl ich meine Uni sehr mag...

w:arriyorx123


@ Mars et Avril

Bezüglich des Gelds such Dir einen reichen Freund ;-D ;-)

Wenn Du Dich wirklich nicht aufraffen kannst, wende Dich an eine psychologische Beratungsstelle an der Uni. Sogut wie jede Uni hat sowas. Die werden Dich dann entweder weitervermitteln oder Dir direkt helfen.

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