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Keiner versteht mich

LlichtA.mHorizxont


Damit meine ich das, was man von außen wahrnimmt. Ob jemand selbstbewusst auftritt, laut ist, leise, schüchtern, cholerisch, selbstdarstellerisch… Natürlich ist das nicht die gesamte wahre Persönlichkeit, das ist mir klar. Aber mich beispielsweise als selbstbewusst und erfolgreich darstellen, obwohl ich das Gegenteil bin, wird eben nicht funktionieren. Das meine ich.

LfovHuxs


Der gleiche Zweifel nochmal:

wenn man vor allem zu sich selber steht

Wer steht hier zu wem? Offenbar "ich zu mir". Das "Mir" vorgestellt als "wahre Persönlichkeit" und "Ich" als das in mir (?), das entscheidet, was ich nach außen zeige. Aber natürlich ist das "Ich" und seine Entscheidungen nicht weniger wahr, als das "Mir". Sogar, wenn das "Ich" entscheidet zu Lügen, ist die Lüge wahrer Ausdruck des "Ichs". Nun kann es verschiedene Instanzen in mir geben, die miteinander im Konflikt stehen. Eine, die situatives Lügen für notwendig hält und eine, die sich dafür verabscheut. Welche davon ist meine "wahre Persönlichkeit"?

Manchmal erscheint es so, als würde mit wahrer Persönlichkeit etwas Klares, Widerspruchsfreies gemeint - das meinte ich mit falschem Ideal. Manchmal wird darunter auch übelmeinenderweise das Schlechteste in einem Menschen verstanden, das was ungehemmt zum Vorschein kommt, wenn jemand seine Beherrschung verliert, er sein "wahres Gesicht" zeigt.

Aber solche Festlegungen werden niemandem gerecht.

ufvg41


naja ich würd da jetzt nicht die "wahre Persönlichkeit" als in sich harmonische, stimmige Entität, betrachten, sondern es geht eher um Wahrheiten vs Unwarheiten.. also wenn ich eine Dienstreise verweigere und sagen "ich bin erkältet" ist das nicht die Wahrheit, wenn ich hingegen sagen "ich mache sowas nicht wegen meiner Angststörung" dann ist das in dem Fall die tatsächliche Wahrheit über mich. Und es geht dann um ein zu-dieser-Wahrheit stehen.

Die Persönlichkeit kann man dann als ein komplexe Bündel derartiger, teilweise sicher auch in Widerspruch zueinander stehenden, Wahrheiten betrachten. Aber es gibt halt einfach Dinge, die in Bezug auf einen selber wahr sind, und Dinge, die es nicht sind.

LSich]tAmHobrizonxt


Für mich ist die "wahre Persönlichkeit" ein in sich stimmiges Gesamtbild, und zwar eins, bei dem Eigensicht und Außenwirkung weitestgehend übereinstimmen, dessen Einzelheiten zu kennen/zu offenbaren dafür aber nicht zwingend relevant/notwendig ist.

LVovHuxs


Und es geht dann um ein zu-dieser-Wahrheit stehen.

Ich sehe da verschiedene Möglichkeiten:

- Man kann zu der Wahrheit der psychischen Krankheit stehen und diese auch nach außen kommunizieren. (uvg41-Position; ich würde sie die offene Position nennen)

- Man kann zu der Wahrheit der psychischein Krankheit stehen und beschließen, dass diese Wahrheit nicht jeden was angeht. (LichtAmHorizont-Position; ich würde sie die souveräne Position nennen)

- Man kann die psychische Krankheit nicht wahrhaben wollen (oder hat keine Ahnung von ihr) und nach außen so tun, als ob alles in Ordnung wäre. Aber auch das ist dann so die aktuelle Wahrheit. Man kann darüber innerlich total zerrissen sein, aber auch das ändert nichts daran, dass diese Zerrissenheit wahr ist. (LovHus-Ergänzung; ich denke, dass in realen Situationen immer einiges von dieser Ergänzung zu finden ist)

L@ovHxus


mond+sterne

Ich möchte meine Defizite jedoch nicht ausgleichen, sondern ich möchte sie beheben.

Was hindert dich?

Du kannst mir gerne versichern, es wäre nicht so gemeint gewesen. Ich habe es so interpretiert.

Deine Interpretation ist völlig frei von dem, was ich gemeint, nicht gemeint, beabsichtigt oder nicht beabsichtigt habe. Mit deinen Interpretationen gestaltest du deine Welt, deine Defizite, deinen Weg, Defizite zu überwinden oder in die falsche Richtung zu gehen. Ja selbst, welche Richtung falsch oder richtig ist, entspringt ausschließlich deiner Interpretation von was immer du zu diesem Zweck heranziehst.

Erlebst du dich als Schöpfer oder Opfer deiner Interpretationen?

meond+stxerne


@ LovHus

Danke erstmal, dass Du einen Beitrag von mir aufgegriffen hast.

Das Thema Ratschläge ist für mich ein wichtiges Thema (im Gegensatz zum Thema Wahrheit, das für mich eher akademische Bedeutung hat). Deshalb schreibe ich etwas ausführlicher dazu.

Zum einen beschäftigt mich die Frage, warum ich so eine Abneigung gegen Ratschläge habe. (Ich glaube es etwas damit zu tun, was in dem von Dir verlinkten Buch als "kolonialisieren" bezeichnet wurde. Das würde bedeuten es geht wirklich ums Prinzip, und es ist ganz egal, ob der Ratschlag gut oder schlecht ist.)

Was mir bei den Ratschlägen, die ich bekomme, jedoch auffällt, dass sie praktisch immer in die falsche Richtung gehen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich erheblich weniger Probleme mit Ratschlägen hätte, die in die richtige Richtung gehen.

Vielleicht können wir an dem Beispiel mit den Mind-Maps herausfinden, warum "Ratschläge" (ich schreib mal in Anführungszeichen, weil das was Du geschrieben hast natürlich nicht wirklich ein Ratschlag war) so oft in die falsche Richtung gehen. (Ich habe da noch keine Idee.)

Dann stellt sich mir noch die Frage inwieweit die Form bei Ratschlägen eine Rolle spielt. Bei den Mind-Maps war es wiederum so, dass es weder der Form nach, noch vermutlich von Dir so gemeint, ein Ratschlag war. Dennoch habe ich auf nahezu tragische Art einen Ratschlag daraus gemacht. (Das spricht dafür, dass es gar nicht so sehr um die Form geht.)

Da Mind-Maps ansich eine gute Idee sind, habe ich mir noch Gedanken gemacht, warum es für mich als Ratschlag nicht gut ist. Es ist nicht gut, weil es mich vom rechten Weg abbringt.

So, ich versuche jetzt, also wieder auf den rechten Weg zu kommen. Mein Problem ist, dass ich Gedanken habe, sie teilweise aufschreibe, aber am Ende landen sie so oder so im Nirvana/Altpapier.

Wenn jetzt die beiden Mind-Maps, die ich aufgrund Deines Ratschlags gezeichet habe, irgendwann im Altpapier landen, ist damit auch niemanden geholfen, dass sie ein wenig ansehnlicher sind als hingekritzelte Gedanken.

Meine Aufgabe/Problem ist es, aus den Gedanken, die ich habe, irgendwann auch mal Handlungen zu machen. (Das ist ein wenig so wie mit den Leuten, die sich einen Notizzettel an die Tür kleben, wo drauf steht: Müll rausbringen. Selbst tausend tolle Haftnotizen helfen da nicht weiter, wenn man es nicht irgendwann auch einmal tut.)

Das ist der rechte Weg. Auf diesem Weg könnte ich ein Defizit beheben.

Ich möchte meine Defizite jedoch nicht ausgleichen, sondern ich möchte sie beheben.

Was hindert dich?

Ich schaffe es nicht alleine. Ich brauche dafür Hilfe.

Erlebst du dich als Schöpfer oder Opfer deiner Interpretationen?

Meine Interpretaion war etwas scherzhaft gemeint, weil ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Denn Du hast einen Beitrag geschrieben, der der Form nach keinen Ratschlag enthielt, und ich gehe davon aus, Du hast es auch nicht als Ratschlag gemeint.

Also, wenn man es etwas undramatischer sieht, habe ich Deinen Beitrag gelesen, ich bin dem Link gefolgt, habe den Wiki-Artikel gelesen und die Technik zweimal ausprobiert. Ich bin einfach einen naheliegenden Weg gegangen, dem Du entnehmen kannst, dass mich das Thema Mind-Maps durchaus interessiert.

Das ist eine andere Interpretation, die ich etwas "richtiger" finde. Denn bei der ersten Interpretation habe ich ein kleines Drama produziert, indem ich indirekt den Vorwurf reininterpretiert habe, Du hättest mir gegen meinen Willen einen Ratschlag erteilt.

So gesehen kann ich mich als Schöpfer meiner Interpretationen betrachten.

Als Schöpfer meiner Interpretationen, kann ich auch eine Interpretation erschaffen, die mich zum Opfer meiner Interpretationen macht. Tu ich nur nicht, weil der Beitrag eh schon zu lang ist.

Interessantes Ergebnis. Vielen Dank für die zielführende Frage.

@:)

L5oBvHuxs


mond+sterne

was in dem von Dir verlinkten Buch als "kolonialisieren" bezeichnet wurde

Du hast es gelesen! :-D

Meine Aufgabe/Problem ist es, aus den Gedanken, die ich habe, irgendwann auch mal Handlungen zu machen... Auf diesem Weg könnte ich ein Defizit beheben.

Ok. Dazu ein paar Informationen PSI-Theorie von Prof. Julius Kuhl, Osnabrück , die dir auf dem Weg nützlich sein könnten:

Handlungen werden über 4 Persönlichkeitssysteme gesteuert, deren Aktivierung wiederum an vorhandene oder gedämpfte Affekte gebunden sind. Es gibt zwei Affektlagen, die jeweils aktiviert oder gedämpft sein können: Positiver Affekt und negativer Affekt. Es ist also NICHT so, dass es eine Affektskala gibt, die von negativ bis positiv reicht und neutral ist irgendwo in der Mitte. Es sind tatsächlich zwei Skalen.

Nehme ich als Beispiel deine Haltung Ratschlägen gegenüber. Dein negativer Affekt ist sehr hoch, wegen der Gefahr der Kolonialisierung oder Übergriffigkeit. Da kommt eine interne Warnmeldung und der Affekt ist da. Es gibt aber auch positiven Affekt, der aber davon abhängt, ob die Richtung stimmt, wobei es einen "inneren Wächter" gibt, der entscheidet, ob die Richtung akzeptabel ist. Das läuft unbewusst und du kriegst das Ergebnis in Form eines spürbaren Affektes mit. Bei gemischten Affekten (man will und will gleichzeitig nicht) ist am deutlichsten, dass man es mit zwei Affekten zu tun hat.

Die vier Affektlagen kürze ich wie folgt ab: A+ : positiver Affekt, A(+) : gedämpfter positiver Affekt, A- : negativer Affekt, A(-): gedämpfter negativer Affekt.

Nun zu den vier Systemen:

1.) Die "intuitive Verhaltenssteuerung" (IVS) wird über positiven Affekt A+ aktiviert. Sie ist sehr gegenwartsbezogenes, spontanes Handeln, wie es z.B. soziale Interaktionen erfordern. Es ist ungezwungen und fühlt sich richtig an.

2.) Manchmal ist es sinnvoll, nicht jeden Einfall gleich in die Tat umzusetzen. Wenn der positive Affekt gedämpft wird A(-), irgendwas "nicht stimmt", schaltet sich die IVS aus und dafür das Absichts- oder Intentionsgedächtnis (IG) ein. Es ist das Gedächtnis, in dem Handlungsabsichten gespeichert werden. Es ist eng mit dem Bewusstsein verknüpft, es operiert linear, schrittweise. Man kann planen und über die Schritte nachdenken. Deshalb nennt man das Absichtsgedächtnis und die Operationen, die darin möglich sind, auch "Verstand". Wenn alles klar und geordnet ist, regelt sich der positive Affekt wieder hoch und die IVS übernimmt wieder das Handeln.

3.) Manchmal kommt es auch zu deutlichen Störungen und negativen Affekt A-. Dieser aktiviert die ebenfalls mit dem Bewusstsein zusammenhängende Objekterkennung (OE), die auch "Fehlerzoom" genannt wird. Diese Störungen haben (nehmen sich) Priorität. Was ist da los? Es könnte ja lebensbedrohlich sein (wobei dann nochmal ganz andere Prozesse einsetzen, die hier nichts zur Sache tun). "Fehlerzoom" trifft es sehr anschaulich. Erstens wird fast alles bis auf einen Punkt ausgeblendet, zweitens ist negativer Affekt vorhanden. In Diskussionen findet man das laufend, es wird kleinlich und ätzend.

4.) Ohne negativen Affekt, also bei A(-), ist das eben noch vom Fehlerzoom übertönte 4. System aktiv, das Extensionsgedächtnis (EG) oder "Selbst". Das ist zwar ein wahres Wunderwerk, in dem in Sekundenbruchteilen alle bisherigen Erfahrungen mit neuen Eindrücken abgeglichen werden können, Informationen hochgradig parallel verarbeitet werden und neue, kreative Lösungen wie aus dem Nichts da sind, aber leider überfordert das unseren Verstand erheblich, so dass die Aktivität des Selbst unbewusst bleibt. Es vermittelt seine "Ergebnisse" über den Körper als "somatische Marker", auch Gefühle (Bauchgefühl, Kloß im Hals etc.). Alle Nicht-Ratschläge sondern Selbst-Einfälle kommen aus dem Selbst.

Ich brauche dir keine Ratschläge zu erteilen, weil ich weiß, dass nur du selbst weißt, welche Richtung passt, was machbar ist und was sofort geblockt wird.

Nun das Beispiel "Mind-Map" in diesem Rahmen interpretiert: Tools gehen in die falsche Richtung, wenn sie dich im Verstand halten, davon hast du eh genug, oder mehr als genug. Trotzdem war da ein positiver Affekt ("hat mich interessiert"), also könnten MindMaps irgendwie doch hilfreich sein (sage nicht ich, sondern als innere Antwort von dir an dich). Könnte es sein, dass dein Verstand, der doch eine organisierende Unterbrechung von Handlung sein soll, zu einer Art Labyrinth geworden ist, aus dem du den Weg zurück ins Handeln verloren hast? Jede Überlegung hält dich in A(-) und das ist die falsche Richtung, wie du offenbar ganz deutlich spürst. Ich finde deine Erkenntnis sehr beeindruckend, dass Zusammenstellungen, die nichts enthalten als Verstandesinhalte (sei es als Liste, sei es als MindMap) unabhängig von der Form in den Papierkorb fliegen können. Falsche Richtung.

Nun habe ich sehr viel geschrieben. Ich werde daraus keine "Hilfe", keine Ratschläge für dich zusammenstellen. Wenn es in irgendeiner Form dein Interesse geweckt hat, wirst du selber damit experimentieren können. Viel Spaß dabei. Wenn du doch mehr über diesen Gegenstand erfahren willst, mit konkreten Übungen, wie man Affektlagen wechselt und sinnvoll das "Selbst"-System einbindet und nutzt, dann findest du das in einem weiteren Buch gut und verständlich nachvollziehbar beschrieben: Die Kraft aus dem Selbst.

umv&g4x1


Aversion gegen Ratschläge kenne ich auch. Ratschläge bergen ja auch ein hohes Missbrauchspotenzial.. Unter dem Deckmantel des Helfen-wollens gehts vor allem um zwei Dinge:

a) der, den den Ratschlag erhalten hat, soll gefälligst so sein wie der Beratende es wünscht (indem er sich an die Ratschläge hält)

b) der Beratende wil als toller Berater und Helfer lobgepriesen werden

In der Tat kann man aber dabei übers Ziel hinausschiessen und übertrieben negativ reagieren. Das kenne ich auch alles selber. Wenn man familiär sehr stark auf so eine Art malträtiert wurde, ist das eigentlich kein Wunder. Das Ego will sich nun freikämpfen und behaupten und hat genug von alledem.

Letztlich steckt dann da auch ein verletztes Selbst hinter. Sich egomässig zu behaupten und gesund abzugrenzen, daber aber nicht zu übertreiben und zu sehr die alten Wunden das Verhalten steuern zu lassen, ist oft eine schwierige Gratwanderung.

mcond+Osterxne


@ uvg41

Ja, genau, so ist das.

uZvgx41


Dann kann (sollte) man daraus zwei Dinge schlussfolgern:

a) als Berater: Warum berate ich? Was ist meine wahre Motivation? Will ich aufrichtig helfen, oder bin ich eigensinnig und erwarte eine Belohnung? Da ist Ehrlichkeit sich selber gegeüber gefragt.

b) als Berateter (oder wie auch immer man das nennt ;-) ): Wo handle ich rational und vernünftig, und wo handle ich aus meinem verletzten Ego heraus und überreagiere?

(auch wenn das jetzt auch wieder ein Ratschlag war..)

LPichtADmHoriHzont


als Berateter

Beratener? ;-D

u+vgx41


hm stimmt ;-)

L(ov_Huxs


Guten Morgen, zusammen :-D .

Ich finde die Rollenzuschreibung "Berater" und "Beratener" fixiert die Ratschlagtätigkeit in Geber und Empfänger von Rat(schlägen).

Kommunikation ist die Begegnung von Impulsen, Einfällen, Gedanken, Interpretationen, Absichten, Motiven, Affekten, Widerständen, Aha-Erlebnissen, Grummelgefühlen, Freude, Frust... zweier oder mehr Menschen. Sie hat ihre eigene Intelligenz, die mal mehr, mal weniger zugelassen wird. Ihre Komplexität überfordert den Verstand und auch wenn ihn das nervt, das ist verdammt gut so, denn der Verstand hat eh schon zu viel zu sagen. Das Leben wird nicht vom Verstand kontrolliert. Es entwickelt sich als kommunikativer Prozess mit anderen oder auch mit sich selbst, wobei letzterer zu Schleifen neigt, ok, ersterer auch.

LqovEHus


uvg

Letztlich steckt dann da auch ein verletztes Selbst hinter. Sich egomässig zu behaupten und gesund abzugrenzen, daber aber nicht zu übertreiben und zu sehr die alten Wunden das Verhalten steuern zu lassen, ist oft eine schwierige Gratwanderung.

:)^ . Ich würde "verletztes Selbst" durch "gewordenes Selbst" ersetzen, das enthält dann alle Erfahrungen. Und es gilt für jeden. Wunden sind all die schmerzhaften Erfahrungen, die noch nicht über-wunden sind. Auch dafür ist Kommunikation gut, mit sich selbst und mit anderen.

Ich lese gerade den Roman "Ich und die anderen" von Matt Ruff. Da werden zwei Vorstellungen von multipler Persönlichkeitsstörung einander gegenübergestellt. Die eine Vorstellung ist die einer zerbrochenen Vase. Daraus folgt, dass der Berater dem Gestörten dabei hilft, die Teile wieder zu integrieren. Dazu sagt der Protagonist sinngemäß: "Eine Vase kann man zerschlagen, 100 Jahre liegen lassen und anschließend alle Teile wieder zusammenkleben. Sie lebt ja nicht." Und ersetzt die Vase im Bild durch einen Rosenstrauch, der von einem Sturm entwurzelt wird, dessen Teile sich über den Garten zerstreuen, manche eingehen, andere neue Wurzeln schlagen und dort weiterleben. Es ist nicht möglich, aus den Teilen anschließend den "alten" Rosenbusch wiederherzustellen oder gar den, der er geworden wäre, wenn er an Ort und Stelle weitergewachsen wäre. Weil der Rosenbusch und auch seine Teile leben.

So meine ich das mit dem "gewordenen Selbst": Da ist nichts "verletzt" was "heil" "gemacht" werden könnte. Wenn aber ein (Berater)Selbst mit der Einstellung, heilen zu wollen, was verletzt ist, einem (Beratenen)Selbst begegnet, findet sich letzterer leicht in einem Sturm und Hagelschauer von Ratschlägen wieder. Dabei kommt es gar nicht darauf an, was das Beraterselbst meint oder will, wie ich es eben geschrieben habe, sondern ob es das Berateneselbst so auffasst/interpretiert. Man bekommt Rollen ja nicht nur zugewiesen, man weist sie sich auch selbst zu.

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