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Keiner versteht mich

mjond\+sterxne


Wie würdest Du das Thema heute formulieren?

(Kleio)

Bitte helft mir, mich zu verstehen.


LVovHxus


mond+sterne

Die nächste Frage wäre für mich, was ich noch machen kann, wenn ich mich gerade nicht damit beschäftige, mein Schicksal zu gestalten.

Das bringt mich auf eine der seltsamen Paradoxien des Lebens: Du kannst alles mögliche tun und es wird dein Schicksal beeinflussen. Und du kannst versuchen, dein Schicksal zu gestalten, aber das wird es nur besiegeln.

Paradoxien zu verstehen ist ein guter Anfang, dich zu verstehen.

mjonQd+stexrne


Mein Spontangedanke ist eher, mit diesem Themenhopping kommen wir nicht weiter.

Aber wenn Du mich verstehst, weil Du Paradoxien verstehst, wäre es natürlich eine gute Sache.

moondT+sternxe


Also sollte ich lieber alles mögliche tun als zu versuchen, mein Schicksal zu gestalten.

Das ist jetzt mein erster Gedanke mit etwas Nachdenken. ;-)

:-)

LIovHuxs


:-) :)*

m'ond/+stexrne


Worüber diskutieren wir hier gerade?

mFond+sxterne


Hallo LovHus,

ich habe gerade an Dich gedacht, weil ich mich geärgert habe.

Ich meine "ich habe mich geärgert", was ist das für eine Scheiße?

Man soll niemanden ärgern. Auch nicht sich selbst. Warum tue ich es?

Ich verstehe mich da nicht. Ich habe schon versucht, mit vielen Leuten darüber zu reden. Aber es kommt einfach nichts dabei heraus.

Hast Du eine Erklärung dafür?

Ich frage Dich, weil Du der Meister der Ich-Mich-Dialoge bist. Aber vielleicht ist es für mich auch gar nicht so wichtig, eine Antwort vom Meister zu bekommen.

Vielleicht brauche ich einfach nur einen Sparring-Partner mit dem ich mich in Ich-Mich-Dialogen üben kann.

Was meinst Du?

LhovH}us


mond+sterne

Es ist einen Tag her, dass du den letzten Beitrag geschrieben hast. Da ich gestern nicht im Forum war, sehe ich es erst jetzt.

Ich schätze, seit du dich geärgert hast, hast du bis jetzt schon eine Reihe anderer Gefühle gehabt. Könntest du eine Liste schreiben mit diesen Gefühlen?

Hast du eine ungefähre Vorstellung davon, wie Golf gespielt wird? Es gibt da verschiedene Situationen, leichtere und schwierigere, in denen sich ein Ball befinden kann. Dann wählt der Golfer einen passenden Schläger und setzt den nächsten Schlag. Wenn er es sich leisten kann, hat er einen Caddy dabei, der sein Gepäck trägt und ihm die Schläger reicht. Manchmal beraten sie sich auch über den passenden Schläger.

Du kannst dir vorstellen, du seist der Caddy, dein Mich der Golfer und die Gefühle in den diversen Situationen die Schläger. Ihr habt eine laaange Runde Golf gespielt und sitzt nun an der Bar und fachsimpelt über die Runde: Über die diversen Herausforderungen/Situationen, den jeweils gewählten Schläger und warum, wie es ausgegangen und entsprechend günstig/ungünstig weitergegangen ist. Ob es ein gutes Spiel war oder eher weniger und woran das lag.

Das wäre so ein Ich-Mich-Dialog. Es gibt ja Leute, die behaupten, ein Tag wäre unvollständig, wenn man ihn nicht auf diese Weise "an der Bar" ausklingen lässt :-D .

mhon}d+sJterne


@ LovHus

Ok, so wie der Caddy mit dem Golfer ins fachsimpeln kommt, so könnte auch ich mit jemand anders ins fachsimpeln kommen.

Ich möchte allerdings nicht über eine Golfpartie fachsimpeln, sondern über mein Leben (passt zu meinem Motto).

Wärst Du bereit, es mit mir zu tun?

LEovHuxs


mond+sterne

Für einen Ich-Mich-Dialog müsstest du schon mit deinem Mich fachsimpeln.

Wenn "Caddy, Golfer, Schläger" nicht zu dir passt, lass dir etwas anderes einfallen, was für dich, dein Mich und das Thema (z.B. deine Gefühle, von denen Ärger nur eines von vielen ist) steht. Ein Team, das dir spontan Freude macht. "Leben" scheint mir recht groß als Thema, aber wenn du genauer weißt, worum es gehen soll, geht auch das. "Wozu sind Gefühle gut?" oder noch spezifischer: "Was hat es mit Ärger auf sich?", wie du gestern gestartet bist, sind richtig gute Themen.

Je nachdem, wie du mich an deinem Dialog teilhaben lässt, kann ich dir über die Schulter gucken und Feedback geben. Wenn wir direkt zusammensitzen würden, könnten wir auch einen Dialog zu zweit führen, damit du ein Gefühl dafür bekommst. Das geht aber in einem Forum wie hier nicht.

mrond~+stternxe


Mir geht es so als stünde ich mit einem großen Koffer allein auf dem Bahnhof. Ich brauche jemanden, der mir hilft, ihn zu tragen.

Wenn ich um Hilfe bitte, bekomme ich kluge Ratschläge, wie ich meinen Koffer alleine tragen könnte.

Da mir niemand beim tragen hilft, würde es mir helfen, wenn mir jemand sagen würde, warum er mir nicht beim tragen hilft.

Wenn ich frage, warum mir niemand beim tragen hilft, bekomme ich Erklärungen, warum es nicht möglich ist, mir beim tragen zu helfen.

...

@ LovHus

Je nachdem, wie du mich an deinem Dialog teilhaben lässt, kann ich dir über die Schulter gucken und Feedback geben.

Ok, ich lasse Dich an meinem Ich-Mich-Dialog teilhaben.

Also, ich habe jetzt schon eine laaange Zeit gelebt. Wie ist es gelaufen?

Ich: Es ist Scheiße gelaufen.

Mich: Ja, das stimmt.

Ich: Ich ärgere mich.

Mich: Warum? Es ist blöde, wenn Du Mich ärgerst.

...

S}hoxjo


Da mir niemand beim tragen hilft, würde es mir helfen, wenn mir jemand sagen würde, warum er mir nicht beim tragen hilft.

Wenn ich frage, warum mir niemand beim tragen hilft, bekomme ich Erklärungen, warum es nicht möglich ist, mir beim tragen zu helfen.

Ich habe schon oft Leuten kurz beim Tragen ihres Koffers geholfen, ebenso haben oft Leute mir kurz geholfen, wenn ich nicht weiterwusste. Nur ist bei Dir das Problem, dass Du nicht weißt, in welche Richtung der Koffer soll, Du hast kein Ziel, keine Richtung, Du stehst da mit Deinem Koffer und bittest nicht darum, Dir beim Tragen zu helfen, sondern Du hältst Leute an und bittest sie um Hilfe, und wenn sie hilfsbereit stehen bleiben - was hier schon sehr viele getan haben - und fragen, was genau Du brauchst, sagst Du: "Keine Ahnung, sag du es mir." Dann fragt Dich vielleicht jemand: "Okay ... soll ich dir mit dem Koffer helfen? Wo soll er denn hin?" Und Du sagst: "Ich weiß es nicht!" Der andere sagt: "Hm - okay, dann schleppen wir ihn vielleicht erst mal dahinten zum Unterstand, aus dem Regen raus?" Und dann hebt er den Koffer an und staunt, wie schwer er ist, versucht loszugehen, sieht sich um und merkt, dass Du in die andere Richtung zerrst. Fragt Dich, was das soll. Und Du antwortest: "Du willst, dass ich den Koffer unter den Unterstand tragen will. Aber ich will das nicht wollen!"
Und spätestens da zeigen Dir die meisten Leute einen Vogel und sagen, Alter, komm mal klar, und sehen zu, dass sie Land gewinnen. Die haben nämlich alle, ausnahmslos alle, auch noch ihr eigenes Gepäck, um das sie sich kümmern müssen. Das interessiert Dich nicht. Du verlangst, dass jemand kommt und sich Deiner mit einer Intensität annimmt, die erfordern würde, dass er sich selbst vernachlässigt. Dein Hunger und Deine Bedürftigkeit diesbezüglich sind so beklemmend groß, dass ich nicht weiß, wie irgendwer das stillen sollte, denn Du selbst hilfst überhaupt nicht mit, im Gegenteil. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich habe bei Dir oft den Eindruck, als wolltest Du vielleicht etwas "nachholen", was Dir fehlt, vielleicht die Urerfahrung, geborgen zu sein, umsorgt und geliebt. Aber der Zug ist abgefahren - so kümmert sich niemand mehr um einen erwachsenen Menschen, vor allem nicht um einen, der ständig ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit verlangt. Sogar bei Babys und Kleinkindern werden die allermeisten Leute sauer, wenn sie das Gefühl bekommen, dass das Kind nur um der Aufmerksamkeit willen nölt und schreit, wenn es nie zufrieden ist.

Wenn Du Dir nicht überlegst, wo Du mit Deinem Koffer - erst einmal - hinwillst, dann wirst Du da auf dem Bahnsteig stehen bleiben und immer wieder die Erfahrung machen, dass Leute kurz versuchen, Dir Hilfe anzubieten, und dann entnervt das Weite suchen. Du bist kein Kind mehr, Du bist erwachsen. Überleg Dir konkret, welche kleinen Hilfen Dir das Leben erleichtern würden. Und dann freu Dich dran, wenn es mal klappt, statt Dich wie so ein wildgewordener Blutegel aufzuführen, an jede hilfsbereit ausgestreckte Hand anzudocken, Blut zu saugen und Dich zu wundern, dass die Leute das nicht so irre super finden. Die Richtung musst Du selbst finden, das kann Dir niemand abnehmen. Und wenn Du es wirklich ganz und gar nicht kannst, dann geh den Weg, dass Du Dich eine Weile stationär aufnehmen lässt, in einer psychiatrischen Klinik (vorher gut beraten lassen, da kann man solche und solche Erfahrungen machen). Auch da musst Du Dinge selbst tun, aber Du wirst deutlich mehr an die Hand genommen als auf dem Bahnsteig.

EshemalLiger LNutze`r (#2797x02)


Wow, Shojo!

Das hast Du toll und treffend geschrieben! Chapeau! @:)

Lro)vHxus


mond+sterne

Ok, danke für das Beispiel, das reicht völlig. Du hast mich um Sparring gebeten, ich räume mal ein wenig auf, hoffe, das ist ok für dich.

Ärger ist ein Gefühl. Wenn du schreibst: "Ich ärgere mich", ist es nicht das, was tatsächlich passiert. Tatsächlich ist der Ärger da und du spürst ihn nur. Du machst ihn nicht und richtest ihn schon gar nicht auf dein Mich.

Das Gefühl des Ärgers ist kongruent, übereinstimmend mit der Aussage: "Es ist Scheiße gelaufen": Wenn etwas scheiße gelaufen ist, ärgert man sich (gemeint: ist Ärger fühlbar). Blöd ist nicht, dass da Ärger ist, sondern, dass es scheiße gelaufen ist.

Die Bestätigung vom Mich ("Ja, das stimmt") kommt für beides: Dass dein Leben scheiße gelaufen ist und dass du dich ärgerst. Es ist also wahr. Es ist deine Wahrheit.

Deine Denkrichtung ist nun: Wenn es schon Scheiße gelaufen ist, muss es mich doch nicht auch noch ärgern. Ärger ändert ja nichts, also ist es blöd. Und wenn ich schon die Scheiße nicht ändern kann, will ich wenigstens keine blöden Gefühle obendrein haben. (Wenn mir schon der Stein aus der Hand fällt, muss er mir doch nicht auch noch auf die Füße fallen.) Ich schätze, an dieser Stelle verlierst du dein Mich und gerätst vom Ich-Mich-Dialog in ein Ich-Ich-Jammern Übrigens ein Teufelskreis / eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Scheiße löst Ärger aus, Ärger ist Scheiße, erhöht also die Scheiße, was den Ärger verstärkt... . Die zweite "Mich"-Aussage in deinem kleinen Gespräch erscheint mir also ausgedacht, vom Ich kommend, nicht aus den Tiefen des Mich.

Um den Mich-Kontakt nicht abreißen zu lassen, schlage ich eine andere Denkrichtung vor, die auch deinem Motto, die Regeln des Lebens während des Lebens herausfinden zu wollen, mehr entspricht. Du hast nun eine Wahrheit deines Lebens herausgefunden: Es ist scheiße gelaufen, bestätigt durch den damit verbundenen Ärger, besiegelt durch die Zustimmung deines Mich. Nimm diese Wahrheit und stelle sie in den Setzkasten deines Lebens. Dann mache dich auf die Suche nach all den anderen Wahrheiten in deinem Leben.*

Dazu kannst du deine eigene Form oben nehmen, nur ein wenig mit meinen Aufräumungen modifiziert. Also z.B.:


Ich: Jenes Ereignis ist toll gelaufen. (Wahrheit)

Ich: Ich habe mich sehr gefreut. (Bestätigendes Gefühl)

Mich: Ja, das stimmt. (Besiegelte Wahrheit)

-> Ab in den Setzkasten. Weiter geht's.


Ich: Damals, als ..., habe ich mich sehr erschreckt.

Ich: Ich war noch lange danach verunsichert und ängstlich.

Mich: Ja, das stimmt.

-> Ab in den Setzkasten. Weiter geht's.


Ich: Jene Zusammenhänge waren eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.

Ich: Ich war sehr wütend und wollte mächtig auf den Putz hauen.

Mich: Zögern. (Das war noch nicht die volle Wahrheit)

Ich: Scheiße, ja. Ich war zu feige, um irgendwas zu unternehmen. Ich schäme mich noch heute.

Mich: Ja, das stimmt.

Hier wären evtl. noch ein paar Nacharbeiten sinnvoll, bevor die Wahrheit in den Setzkasten kommt.


Bedenke:

- Einzelne Wahrheiten können sich widersprechen. Für das Mich ist so ein "Sowohl-als auch" gar kein Problem. Es ist das Ich, das gerne in "Entweder-oder" aufteilt. Nur für das Ich ist eine Wahrheit (z.B. "Es ist scheiße gelaufen") zugleich DIE Wahrheit, wonach also (Logikfalle!) alles, was nicht dazu passt, falsch sein muss.

- Es geht nicht um "positives Denken". Es geht um Wahrhaftigkeit, wie meine Beispiele hoffentlich gezeigt haben. Und zur Wahrhaftigkeit gehört, dass keiner einzelnen Wahrheit der Status gebührt "Die Wahrheit" zu sein.


*: Zum Sparring gehört auch Sprache in der Form von Ratschlägen, Handlungsanweisungen. Es wäre krampfig, darum herum zu schreiben. So wie ich dich bisher kennengelernt habe, wird dein Ich ein wenig motzig reagieren (so wie im ersten Teil deines letzten Beitrags, der allgemein gehalten war). Wenn sich dein Mich aber verstanden fühlt, sind es keine Ratschläge mehr von außen (von so einem LovHus-Typ), sondern ein selbstmotivierter Weg, den dein Mich mit dir geht (so wie im zweiten Teil, den du an mich gerichtet hast).

K%leifo


mond+sterne

Wenn ich frage, warum mir niemand beim tragen hilft, bekomme ich Erklärungen, warum es nicht möglich ist, mir beim tragen zu helfen.

Ja, klar. Was denn sonst?

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