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Ich bin rassistisch, ohne es zu merken und wollen, ihr auch?

w7illpgesun}dsein hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Gemeinde,

ich ertappe mich immer wieder, dass ich Menschen im in- oder auch direkten Umfeld anders bewerte oder sogar abwerte, weil sie augenscheinlich nicht aus Deutschland (der anderen westlichen Ländern) kommen, also rein äußerlich offensichtlich von Eltern aus anderen Kulturkreisen abstammen. Wenn die dann perfekt deutsch sprechen, studieren oder arbeiten und einfach gar keine Unterschiede in ihrem Wesen merklich sind, wunder ich mich trotzdem am Anfang ein bisschen. Das legt sich schnell und ich komme wunderbar mit ihnen klar, aber der erste Kontakt ist doch von Vorurteilen belastet...

Ich finde das unglaublich, weil ich (wie fast jeder "moderne" junge Mensch von sich selber) von mir behaupten würde, offen, tolerant usw. zu sein.

Kurz zu mir:

Ich bin Berliner, hab ne ostdeutsch-geprägte Erziehung genossen (was meiner Meinung nach etwas positives ist, aber hier nicht Gegenstand der Diskussion), habe viele Jahre in Kreuzberg und Neukölln (Migrantenanteil ca. 25-35%) gewohnt, hatte 3 Jahre ne türkisch-arabische Freundin, war selber ca. 50 mal im "dunkelhäutigeren Ausland" und trotzdem immer noch so eingeschrämkt in meinem Denken.

Kennt ihr das von euch auch?

Antworten
wzillg0esundseixn


Was wichtiges vergessen: Wenn sie dann die Klishees von "typischen Ausländern" erfüllen kommt es ab und zu schon vor, dass ich mir denke: "Tja, bist ja auch nicht von hier" o. ä. Ich schäme mich dafür :°(

wmilUlgesoundseixn


KENNT NIEMAND DIESE GEDANKEN UND GEFÜHLE ???

B[rum3mb'ien~e


Traut sich keiner was schreiben... gut dann oute ich mich mal: wenn ich zB in die Ubahn einsteige, zähle ich automatisch durch wieviele vermeintliche Nettobezieher aussteigen und denk mir immer "Na da stimmt die Statistik doch, dass jeder arbeitende Mensch in Österreich drei Menschen mit seinem Steuergeld erhalten muss".

B!rujm@mbxiene


Muss aber sagen, dass meine beste Freundin Kroatin ist, kein Wort Deutsch kann und ich mich mit ihr ausnahmslos auf Englisch unterhalte, sie nicht mal dran denkt, arbeiten zu gehen, außer wenn sie sehr knapp bei Kasse ist und dann natürlich schwarz und ich da natürlich so tue als ob das ganz normal wäre.

MJada*me CJharentxon


kein Mensch ist Vorurteilsfrei – egal worum/um wen es sich handelt! wichtig ist dass man reflektiert genug ist um seine eigenen Vorurteile als solche zu erkennen und zu hinterfragen und das bevor sich diese Vorurteile auf das eigene Handeln auswirken!, und lieber TE das tust du offensichtlich auch, deshalb brauchst du dich nicht zu schämen.

ich fürchte mich vor dunkelhäutigen Menschen, natürlich nur im ersten Moment, wenn ich jemanden in meiner Nähe sehe – aber trotzdem löst z.B. ein Afrikaner in mir etwas aus. ich weiß leider (noch) nicht woher das kommt ":/

TFaps


Ich ertappe mich selbst auch des Öfteren dabei, Vorurteile über einen bestimmten Kulturkreises zu haben. Komme da über meinen Schatten nicht hinaus. Und leider erlebe ich hier täglich nur Negativbeispiele.

hab ne ostdeutsch-geprägte Erziehung genossen

Was auch immer Du damit ausdrücken willst. Wie viele Ausländer (außer Russen und Vietnamesen natürlich) hatten wir denn in der DDR? Toleranz gegenüber Ausländern wurde zumindest mir nicht beigebracht. Ich hatte zu niemanden Kontakt, obwohl es beim Studium schon den ein oder anderen ausländischen Studenten gab.

In meiner Geburtsstadt ist auch heute noch jeder Ausländer ein Exot.

Vielleicht hast Du unbewusst, eine skeptisch geprägte Einstellung deiner Eltern übernommen?

Mgö4öp M:ööp


Ja, ich oute mich auch. Mir gehts genau wie dem TE. Ich will gern offen für alles sein und bekomme das nach außen auch gut dargestellt, aber dieser Impuls im ersten Moment jemanden anhand seiner offensichtlich ausländischen Abstammung in eine Schublade sortieren zu wollen ist da. Meine Großeltern waren da ziemlich deutlich (wie auch sonst, wenn ihnen an anderen Leuten etwas nicht gepaßt hat), vielleicht ist das irgendwie drin, keine Ahnung.

Ich glaub, bei mir äußert sich das dann, indem ich dann versuche, besonders nett zu sein, was dann sicher auch wieder auffällig ist |-o |-o

H ybrxidX99


Gut, dann oute ich mich auch: Ich möchte auch gerne offen für alles sein. Ich hatte aber negative Erfahrungen dahingehend und habe diese immernoch. Teils waren es wirklich negative ereignisse, teils waren es für mich negativ Empfundene. Es ist nunmal so, dass diese Schubladendenken durch negative Ereignisse eher geprägt wird. Auf 1000 Menschen kommen vielleicht 5 die scheisse bauen, die sind aber dann der "typische Mensch" für die diese 1000 Menschen.

Meine größte Negative Erfahrung:

Ich und 2 Migranten standen an der Bushaltestelle. Denen war scheinbar langweilig. Sind zu mir gekommen und haben gefragt "bist du deutsch?". Ich habe mit "ja" geantwortet. Daraufhin kam nur "dann bekommst jetzt aufs Maul" und 2 Minuten später lag ich auf dem Boden. Alleine.

Negativ empfundenes:

Ich bin sehr strikt was meine "safety zone" um mich herum angeht. Hier kommt eben das kulturelle mit rein. Hier in schwaben ist es so, dass man immer abstand voneinander hält. In manchen kulturen ist das nicht so. Wenn ich mich dann mit jemanden unterhalte, der aus so einer kultur kommt, dann fühle ich mich immer, wie wenn er mir "auf die pelle rückt", einfach weil der abstand dort nicht so groß ist und eher mal das gegenüber freundschaftlich berührt wird. Ich selber mag sowas einfach nicht, habe aber verständniss für sowas (sage dann halt, er möge bitte etwas abstand wahren, die meisten nehmen einem das auch nicht krumm, wenn man es offen anspricht).

Edhemal%iger Ncutzerp *(#5319x21)


Zunächst einmal möchte ich klarstellen, daß ich Vorurteile per se nicht als verwerflich empfinde. Nun ja, es ist so Haie und Tiger fressen Menschen. Das ist ein Vorurteil, denn nicht alle Haie und Tiger tun das. Trotzdem ist man gut beraten , sich von Tigern und Haien fernzuhalten. Verstanden? Vorurteile sind sozusagen ein Überlebensinstinkt. Wer nur einmal eine unangenehme Erfahrung mit einem Hai oder Tiger gemacht hat, wird ausserstande sein sein "Vorurteil" zu revidieren.

Also wer in einem sozialen Brennpunkt mit hohem Migrantenanteil wie Kreuzberg, Neukölln oder Wedding aufgewachsen ist, wird mit hoher Warscheinlichkeit mehrere unangenehme Begegnungen mit Migranten gehabt haben, wodurch Vorurteile quasi zementiert werden. Somit erscheint es ersteinmal klar, daß Migranten gewaltbereiter wären, nicht zu unsere Kultur passten, bla, bla, bla...

Aber ab jetzt heißt es aber : Kopf einschalten.

also ein paar Fakten:

1. Kreuzberg und Wedding waren schon immer Problembezirke, lange bevor die ersten Gastarbeiter in den 50er u. 60er Jahren kamen. Die Mieten waren billig, die Kriminalität hoch.

2. Verschiedene Migrantengruppen werden in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich wahrgenommen. Zum Beispiel sind Italiener in Berlin freundlich singende Pizzabäcker, aber in Süddeutschland nur als "Spaghettifresser" verschriehen. Für Leute mit schwarzer Hautfarbe ist der Osten Deutschlands gefährlicher als der Westteil Berlins, usw.

3. Wo sich Gleichgesinnte, Menschen mit gleichem kulturellem Hintergrund und gleicher Sprache ansiedeln kommt es fast unausweichlich zu einer Ghettoisierung.

4. Der Nährboden für Kriminalität ist ein bildungsfeindliches Millieu in dem selbstreflektierendes Denken, empathisches Fühlen und altruistisches Handeln nicht gefördert wird.

Nun ein kleines Gedankenspiel: Angenommen, ihr wärd ein waschechter Mallorquiener. Was wäre Eure Ansicht über Deutsche?

Meine Schlußfolgerung aus den Fakten ist, daß die Nationalität oder die Herkunft letzlich keinen Unterschied macht. Die Problem in genannten Stadtteilen sind Millieuprobleme einer Unterschicht. Siehe hierzu Punkt 3.

Ein weiteres Problem ist, daß wer in solch einem Problembezirk aufgewachsen ist und somit selbst Teil des Millieus ist, kaum Kontakt zu Migranten haben wird, die gebildet, tolerant sind und so gar nicht all diesen Klischees eines "Ausländers" entsprechen. (in Fernseh-talk shows zum Thema "Migranten" begegnet man immer wieder Vertretern von oft Türken, Arabern auch anderen Migranten, die so gar nicht den Klichees entsprechen. Aufgeschlossen, Tolerant, gebildet und sie sprechen oft besser Deutsch als man selbst-häufig ohne jeden Akzent.) Das liegt daran , daß es mehr gibt als diesen "Mikrokosmos" Problembezirk. Hier braucht es den Blick über den Tellerrand, um zu erkennen, das zB Türken in Kreuzberg nur ein kleiner winziger Teil einer türkischen Gesellschaft sind. sie sind auch Komiker, Ärzte , Anwälte oder Journalisten. Das klingt für die Einen banal, Anderen muß man das aber erklären. Es ist eine Illusion zu glauben, die Probleme in best. Bezirken wären gelöst, wenn es dort keine Migranten sondern nur noch Deutsche (wie immer man die noch als deutsche definieren will) gäbe.

Zurück zur menschlichen Biologie: Thema Vorurteil

Also ich habe in meinem Bezirk eine unangehme, gefährliche Erfahrung gemacht. Dabei ist es ausserdem unerheblich, ob ich diese Erfahrung persönlich gemacht habe, ob sie ein Bekannter gemacht hat oder ob ich aus den Medien davon erfahren habe. Angenommen der Täter war gewalttätig. Dabei izmir der türkische Akzent aufgefallen. Nun werden im Gehirn die Merkmale "Gewalttätig" und "Akzent" miteinander verknüpft. Das ist sozusagen eine Basisleistung des Gehirns. Jeder kennt das : Wer schon mal von einer Wespe gestochen wurde hat Angst vor Allem , was Schwarz/Gelb gestreift ist und fliegt. Hat bisher alles ganz gut in der Evolution funktioniert, aber als Mensch wurde uns zusätzlich von eben jener Evolution ein "special-effect" mitgegeben, was wir nicht ignorieren sollten: VERSTAND

Dieser Verstand ermöglicht es Vorurteile zu hinterfragen. Sozusagen dem schlampigen , schnellen Vorurteil ein genau überlegtes Urteil folgen zu lassen.

Frei nach Immanuel Kant: ... habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bediehnen ...

izmir

Sorry, ich konnte nicht widerstehen ;-)

nxanqaZbxi


Wow Oochnurmann selten so einen guten Beitrag gelesen. :)^

KDamYikazi0x815


Wow Oochnurmann selten so einen guten Beitrag gelesen. :)^

Dem schließe ich mich ausnahmslos an :)z

D.er klgeines YPrinxz


Fast ;-)

Denn: das

Zum Beispiel sind Italiener in Berlin freundlich singende Pizzabäcker, aber in Süddeutschland nur als "Spaghettifresser" verschriehen.

war in den 60-er Jahren so. Vielleicht noch in einem Teil der 70-er. Aber seither nicht mehr.

EGhemaRlig~er UNutzer (#53x1921)


war in den 60-er Jahren so. Vielleicht noch in einem Teil der 70-er. Aber seither nicht mehr.

Ist mir entgangen. Womöglich ein "Vorurteil" meinerseits ;-)

D/ieFüchbsinx80


Ich hab echt ne menge rassistischer Sprüche in meinem Leben gehört, davon waren ganz viele von Ausländern/Migranten ]:D .

Da hat einer über den anderen hergezogen, sei es weil die benachbarten Heimatländer nicht miteinander grün waren oder auch aus religiösen Gründen.

Oft hab ich nur mit dem Kopf geschüttelt.

Ich bin nicht "ganz" deutsche und auch nicht mit nem deutschen liiert.

Natürlich hab ich auch so meine Vorurteile im Kopf, sei es drum das ich ne Frau im Pelz sehe, leider auch zunehmend gegen gewisse Männer mit Bart und Weste ;-) .

Ihr versteht ;-D .

Aber meine Gedanken sind frei und solange ich damit niemanden schade ist es völlig okay.

Wir sind halt nicht o:) , ich schmunzel manchmal über meine Gedankengänge und mir ist auch bewußt das nicht alles politisch korrekt ist was ich denke.

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