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Aufgewachsen ohne Vater: Folgen?

TUinatxine hat die Diskussion gestartet


Mich würde mal interessieren, wie es anderen Mitgliedern geht, die ohne Vater aufgewachsen sind. Also diejenigen, die vom Vater vernachlässigt wurden, er sich nie kümmerte.

Inwieweit hat das eure spätere Partnerwahl geprägt? Hat es Spuren hinterlassen?

Ich selbst war auch so ein Kind. Meine Mutter hatte danach keinen weiteren Partner, nachdem sie sich von meinem Vater trennte und der sich dann auch nie wieder meldete bzw. meinte er hätte keine Kinder.

Neben der Tatsache, dass mir praktische Fähigkeiten fehlen, merkte ich auch, wie über die Jahre etwas wesentliches abwesend war. Ich hatte in der Pubertät extreme Probleme mit dem Umgang von gleichaltrigen Jungs und später auch bei der Partnerwahl. Ich habe mich noch Jahre später, als Gleichaltrige schon den 5. Partner hatten einen Vater gewünscht, der für mich da ist, nicht aber einen Mann. Sexuell hatte ich anfangs gar keine Interesse mich in einen Jungen zu verlieben.

Wie war das bei euch?

Antworten
LDovell*y9x4


Bei mir war's auch so. Ich hab eher immer das Gefühl ohne Beziehung nicht glücklich zu sein. Ich denke das hat auch was damit zutun das man in der Kindheit mit dem Gefühl aufgewachsen ist das der Papa sich nicht interessiert und man versucht im Erwachsenenalter das Problem durch einen Partner zu lösen. Sag ich mal als Hobbypsychologe...

T\inaxtine


Bei mir war es gegensätzlich. Ich hatte das Gefühl: Ich brauche doch gar keinen Partner. Zunehmend nervten alle Verwandten damit, warum ich denn nicht endlich einen Partner hätte, ob ich anders gestrickt wäre.

Ich hatte zwischenzeitlich eher das Gefühl ich bin asexuell.

Ich wollte unbedingt einen Vater, der sich um mich kümmert und für mich war klar, dass mein Partner später nicht in meinem Alter sein würde.

Ich wollte mich zwischenzeitlich auch beraten lassen, weil ich bemerkt habe, dass mir diese Vernachlässigung durch meinen Vater echt nicht gut tat. Zumal mein Vater dann noch so Gemeinheiten wie Rechtsanwalt, gemeine Briefe usw. abzog.

Bei der Suche nach psychischem Support stieß ich aber auf das nächste Problem, denn es fand sich kaum ein Therapeut, der mich für voll nahm bzw. darauf spezialisiert war.

B5igBa-ngJuxle


ich bin auch ohne vater aufgewachsen. natürlich prägt es jemanden, ganz egal, wie man aufgewachsen ist. wie man aufwächst, welche erfahrungen man macht und auch wie man erzogen wird macht doch einen teil dessen aus, wie man sich charakterlich entwickelt. würde ich jetzt mal sagen.

mein vater war alkoholiker, meine mutter hat sich scheiden lassen, da war ich gerade vier geworden. ich habe nur ein paar wenige erinnerungen von damals, die meisten sind keine schönen.

der abend als wir gegangen sind, musste meine mutter die polizei rufen. die haben uns unsere haustür aufgebrochen damit wir gehen konnten. mein vater saß nämlich betrunken im wohnzimmer, mit den hausschlüsseln hinterm rücken und wollte uns nicht gehen lassen.

die scheidung und die klärung ums sorgerecht waren auch nicht schön. es gab geheimnummern, weil er ständig angerufen hat und ich durfte lange zeit nicht alleine vorm haus spielen oder alleine von der schule nach hause gehn. in der zeit hatte ich angst vor "dicken männern mit bart". da ich schon fast nicht mehr wusste, wie mein vater überhaupt aussah. lol.

als ich 10 war, ist mein vater gestorben. er brauchte eine neue herzklappe, aber als alkoholiker wollte man ihn wohl nicht operieren, oder er hatte nein gesagt, keine ahnung. damals war ich nicht wirklich traurig drüber. ich kannte den mann ja eh kaum. ich war eher wütend, dass er es nicht geschafft hat aufzuhören. heute bin ich nicht mehr wütend.

meine mutter hatte danach natürlich eine neue beziehung. ich bin also nicht ganz ohne männliche bezugsperson aufgewachsen.

hat mich das alles geprägt. ja.

ich habe allerdings keine probleme eine beziehung einzugehen.

allerdings muss ich nicht unbedingt heiraten. liebe braucht sowas nicht. zumal ich nicht gläubig bin und die ganze bürokratische seite auch nicht mag.

und ich trinke so gut wie nie alkohol.

WfarmacXhxine


Ich bin auch ohne Vater aufgewachsen. Meine Eltern haben sich scheiden lassen und er hat sich danach nie für uns interessiert und auch keinen Unterhalt bezahlt.

Als ich knapp 10 war hat meine Mutter ihren Freund kennengelernt. Der hat aber nie bei uns gewohnt und sie waren 400 km auseinander.

Ich glaube nicht das es sich dramatisch auf meine Beziehung auswirkt. Oder die Partnerwahl. Ich bin zwar auch ungerne Single, aber keine Ahnung ob man das darauf schieben kann? ":/

Ansonsten habe ich ganz normale Vorstellungen. Ich möcht schon gern heiraten und Kinder. :-)

W}ar~maPchine


Ach und vermisst habe ich ihn nie. ;-)

DFespUerxo


Aufgewachsen ohne Vater?

Ja.

Folgen?

Keine!

TKinHatine


Dann gehöre ich offenbar doch zu den Einzelfällen.

Heiraten würde ich auch nicht.

KFleixo


hat mich das alles geprägt. ja.

Sehe ich auch so. Egal ob mit Vater, gutem oder schlechten Vater (natürlich aus der eigenen subjektiven Sicht) oder ohne Vater, so hinterlässt diese, wie jede andere Erfahrung eine Prägung. So lange ich ein Kind bin, so lange kann ich da auch eine Schuldzuweisung an meine Erziehungsberechtigten machten, schließlich tragen sie für mich und meine Entwicklung eine Verantwortung. Wenn ich erwachsen bin, ausgezogen bin nicht mehr. Da trage ich die Verantwortung für mich, niemand anderer mehr und es liegt an mir zufrieden zu sein. Wenn ich ein Manko sehe, kann ich es ändern mit oder ohne fachmännische Hilfe.

Tsinatxine


So habe ich das nicht gesehen. Ich hatte immer Schuldgefühle. Frei nach: Was ist denn falsch an mir, dass mich dieser Mann abstößt bzw. nie haben wollte? Es muss doch etwas geben, dass das begründen kann. Ich habe das relativ früh auf mich transferiert.

TRinatixne


Und irgendwo nimmt man diese Prägungen ja manchmal auch mit in den neuen Abschnitt des Erwachsenenlebens.

B`icgBanugJule


Egal ob mit Vater, gutem oder schlechten Vater (natürlich aus der eigenen subjektiven Sicht) oder ohne Vater, so hinterlässt diese, wie jede andere Erfahrung eine Prägung.

genau. das gleiche gilt auch umgekehrt. es soll ja auch familien geben, die ohne mutter aufgewachsen sind.

geprägt wird jeder mensch. wie man sich nachher verhält, wie gut man im leben klar kommt, hängt allerdings nicht nur davon ab. es ist ein (wichtiger) teil, aber eben nur ein teil von dem, was einen menschen ausmacht.

"fabrum esse suae quemque fortunae" – jeder sei der schmied seines glücks.

Ich hatte immer Schuldgefühle.

du hattest schuldgefühle. wie sieht es heute aus?

ich habe mich als kind auch immer gefragt, warum mein vater trinken muss und nicht für uns aufhört. das habe ich eine lange zeit nicht verstanden, deshalb war ich sehr wütend.

heute tut er mir leid. er hat es nicht geschafft aufzuhören. er hatte es ein paar mal versucht, bevor meine mutter gegangen ist. er war mehrmals in kliniken zum entzug, in therapie. der alkohol war stärker. er hat sich sein leben zerstört. er war kein schlechter mensch, der alkohol hat ihn zu dem gemacht, was er nachher war.

heute weiß ich das und bin nicht mehr wütend. traurig, dass es für ihn so gelaufen ist schon.

ich werde mich allerdings nicht von dieser prägung/erfahrung bestimmen lassen. ich bin für mein leben und glück selbst verantwortlich.

AmliceRHaprgrexaves


Meine Eltern haben sich scheiden lassen und mein Vater ging zurück in die USA da ich da noch ziemlich klein war und eine tolle Mama und Oma hatte x:) habe ich ihn nie vermisst, aber vielleicht bin auch ein Extremfall. Ich glaube nicht, dass es sich bei mir in Beziehungen auswirkt. Ich finde es schön eine gute Beziehung zu haben, aber generell bin ich nicht der Typ der unbedingt eine braucht, ich kann ganz gut auch ohne jemand leben und sehe mich auch in einer Beziehung als eigenständigen Menschen.

TCinaTtixne


was ist dann bei mir falsch gelaufen, dass es mich mitnimmt?

LReniK8ruexger


Zum "ohne Vater aufwachsen" kann ich nichts beitragen, da ich zu jenen gehöre, die zum Großteil ohne Mutter aufgewachsen bin. Das hat mich natürlich in gewisser Hinsicht geprägt, an welchen Stellen wir mir aber erst so langsam klar.

Ich hatte auch erst vergleichsweise spät sexuelles Interesse an Männern, ob es allerdings damit zusammenhängt weiß ich nicht, jetzt ist es jedenfalls da und wie.

Dazu was speziell bei die los ist und was du dagegen tun könntest, kann ich dir leider nichts sagen. :°_

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