» »

Wieso gibt es Menschen, die um ein Tier dermaßen trauern?

Nlinale`inxPB hat die Diskussion gestartet


Hi,

ich bin ja durch meine Haustiere auch öfters in Tierforen unterwegs und da lese ich immer wieder, dass Menschen schreiben, dass sie mit dem Tod ihres Meerschweinchens, Wellensittichs, etc. nicht klarkommen.

Da wird dann so einem Tier ein ganzes Thema gewidmet, man erstellt quasi einen Trauer-Blog und schreibt seitenlange Romane an das tote Tier, berichtet von 100 Erlebnissen, welche man zusammen hatte, teilweise zahlt man 400 Euro für eine Einzeleinäscherung oder gestaltet ein richtiges Grab im Garten, etc.

Man schreibt dann, dass man mit dem Tod nicht klar kommt und seit Tagen nur noch am heulen ist, nichts mehr essen kann, teilweise nicht mal mehr zur Arbeit gehen kann.

Anscheinend bin ich dann aber immer der einzige, der sowas befremdlich findet. Sobald mal jemand vorschlägt einen Psychologen aufzusuchen und zwar nicht, weil man trauert, sondern weil man (und da muss ich zustimmen) doch wohl geistig nicht ganz klar ist, wenn man so sehr wegen eines Haustieres trauert, wird derjenige gleich als gefühlskalt und pietätlos dargestellt und es werden Rufe laut dieser pietätlosen Person sofort die Tiere wegzunehmen.

Ich selbst finde es definitiv nicht normal, wenn ein Erwachsener in dem Ausmaße um ein Tier trauert und denke, dass da wirklich im Kopf was nicht in Ordnung ist.

Sehe nur ich das so? Ich meine bei mir sterben ja auch öfters Kaninchen, Meerschweinchen und Co. Die werden dann aus rein praktischen Gründen in der Mülltonne oder unter der Erde entsorgt, weiter mache ich mir dann aber keine Gedanken um das tote Tier. Was tot ist, ist tot.

Wenn mir wirklich mal ein Hund stirbt zu dem man ja eine engere Beziehung hat, dann empfinde ich eher eine Erleichterung, wenn der kranke alte Hund nun nicht mehr da ist, man nicht mehr ständig zum Tierarzt muss, man nicht täglich wegen Inkontinent wischen muss, etc. Ich fühle mich dann eher befreit und freue mich auf den Nachfolger.

Klar hat man auch an so einem Tier gehangen, aber der Tod ist ja nun die normalste Sache der Welt und man weiß ja, dass der Hund vor einem sterben wird, also warum sich noch lange Gedanken darum machen?

Mich interessiert nun wirklich aus psychologischer Sicht, wie es so weit kommen kann, dass ein Erwachsener wirklich so dermaßen um ein kleines Tier trauern kann? Finde nur ich das befremdlich?

Gruß

Antworten
ENhemalWiger ^Nutzerx (#467193)


Anscheinend bin ich dann aber immer der einzige, der sowas befremdlich findet.

Nein, mir gehts damit genauso. Natürlich ist so ein Tier bei vielen Teil der Familie. Was mir aber immer sauer aufstößt, ist die "Vermenschlichung" tierischen Verhaltens die dann in beliebige Richtungen gedeutet wird.

Agle$xandriaxT


Kaninchen und Meerschweinchen hab ich beim TA jeweils abgegeben, einäschern lassen und die Asche auf der grossen Wiese des Tierfriedhofes verstreuen lassen.

Katze Jule kam wieder nach Hause... sie wurde einzeln kremiert - im Gegensatz zu Kaninchen und MS - und kam auch wieder nach Hause. Ihre Asche ist im Wohnzimmer in einer schönen kleinen Schachtel mit ihrem Lieblingsspielzeug und einem Glasherzen.

Klar ist der Tod eine natürlich Sache... trotzdem vermisse ich nach fasst 10 Jahren noch immer diese Katze. Sie teilte ihr Leben mit mir und gab mir ihr Vertrauen und ihre Liebe. Auch wenn sie 18 Jahre alt wurde, krank war und selbst entschied zu gehen.... ich hab eine vierbeinige Freundin verloren.... eine die immer zuhörte und nichts weiter erzählte... eine in deren Pelz viele meiner Tränen hängen blieben.

Jeder Mensch trauert auf seine Weise. Bei Menschen haben wir Friedhöfe.... und bei Tieren auch. Und für manch einsamen Menschen ist das Tier der engste Vertraute gewesen den man auch nach dem Tod würdevoll behandeln möchte.

Nqor|di8x4


Es gibt nunmal Menschen bei denen das Haustier kein Tier sondern Partner, Freund, Kindersatz oder Familienmitglied ist. Da wird das Tier dann völlig vermenschlicht und dementsprechend trauert man wenn das Tier irgendwann stirbt. Bei Kindern sieht die Sache nochmal anders aus, die können nicht wirklich zwischen Tier und Mensch unterscheiden und wenn dann der Hund eingeht mit dem man quasi aufgewachsen ist dann ist das natürlich ein Grund um traurig zu sein.

Ne Steigerung davon ist, das es z.B. Pferdefreunde gibt die es ganz furchtbar finden wenn andere Menschen Pferdefleisch essen. Das grenzt für die dann teilweise an Kannibalismus denn man isst ja den Artgenossen eines "Freundes".

hgausk{atze


Manche Leute nehmen sich Tiere als Menschenersatz und trauern dann in demselben Maße darum. Darin wird wohl die Ursache liegen.

Aber warum auch nicht? Jedem das Seine.

Die eigenen Tiere nach ihrem Tod dann aber wie einen Joghurtbecher einfach in der Tonne zu entsorgen und ohne Traurigkeit erleichert zu sein, wenn der kranke, treue Gefährte Hund gestorben ist, ist das andere Extrem, finde ich.

A>l|exafndCraT


Man kann auch um seinen vierbeinigen Freund trauern ohne ihn zu vermenschlichen. Ich mag es nicht wenn man den Leuten gleich dies unterstellt. ;-) Meine Katzen sind Katzen.... und doch meine Freunde für die ich Verantwortung trage und die Teil meines Lebens, meines Alltags sind. Und ich bin Teil ihres Lebens und ihre Alltages..... wir sind alle zusammen ein Team. Und wenn einer stirbt trauert nicht nur der Mensch.... auch das Tier. Moon und Krabbe haben mehr als eine Stunde lang die tote Katze Jule versucht zum Aufstehen zu bewegen... erst mit der Zeit haben sie es akzeptiert, dass da nichts mehr ist. Und dies hat alles nichts mit vermenschlichen zu tun.

moel*inka


Ein Tier muss doch nicht vermenschlicht werden oder als Ersatz für Kind, Partner oder sonstwas hergehalten haben, damit man Trauer bei seinem Tod empfindet. Haustiere sind Haustiere, nichtsdestotrotz lebt man jahrelang mit ihnen Lebewesen zusammen. Kennt ihre Eigenarten, ihren Charme, unterhält sich, kuschelt, spielt mit ihnen. Sie sind da und gehören dazu. Und wenn sie sterben, fehlen sie. Ich finde es daher völlig natürlich und nachvollziehbar, dass man um sie trauert. Und finde das:

Wenn mir wirklich mal ein Hund stirbt zu dem man ja eine engere Beziehung hat, dann empfinde ich eher eine Erleichterung, wenn der kranke alte Hund nun nicht mehr da ist, man nicht mehr ständig zum Tierarzt muss, man nicht täglich wegen Inkontinent wischen muss, etc. Ich fühle mich dann eher befreit und freue mich auf den Nachfolger.

um einiges befremdlicher. Ein Lebewesen ist für mich nicht einfach austauschbar, nur weil es derselben Gattung angehört. Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund ist ein Hund ... sorry, aber wer Tiere so sieht, dem fehlt doch einiges an Wahrnehmungsvermögen. :-/

BLrumm biexne


Also wenn ich da jetzt so an meinen alten Kater denke, weiß ich jetzt schon, dass es mich sehr treffen wird wenn er mal nicht mehr ist. Wenn ich mich zurückerinnere, wie zersaust und klein er war als ich ihn geholt habe (15 Wochen, er war vom Wurf übrig geblieben weil ihn keiner wollte) und wie ängstlich er sein Leben lang gewesen ist, außer mir gegenüber und als eine Freundin auf ihn aufgepasst hat während ich in den Staaten war, er von ihr abgehauen ist und ich ihn dann mit 1,5 Kilo weniger aus dem Tierschutzhaus (wo er abgegeben wurde) abgeholt habe und die ersten Tage nicht von seiner Seite weichen durfte weil er so verängstigt war ohne mich. Im Schlaf hat offensichtlich immer wieder von seiner "Tour" geträumt die er zurückgelegt hat und hatte Albträume, so dass er tagelang nur auf meinem Arm geschlafen hat. Und wie sie sich verändern, zuerst so klein und verspielt und später sind sie einfach erwachsen und wirklich treue Gefährten die einem nicht von der Seite weichen.

Man macht halt einiges durch mit dem Tier und "braucht" einander, er kommt ja auch sofort angelaufen wenn er hört, dass ich weine oder wenn ich singe, muss ich ihn tragen weil ich immer mit ihm im Arm getanzt hab als er noch klein war.

Vermenschlichen tu ich ihn sicher nicht aber er wird einfach fehlen wenn er nicht mehr da ist. Kein Kater mehr bei der Türe wenn ich nach Hause komme, kein Kuschelfaktor mehr wenn ich auf der Couch liege, kein tiefes in die Augen schauen mehr wenn ich seine Ohren streichle und ich weiß auch was er möchte wenn ich höre auf welche Art er maunzt. Na ich werd ihn schon sehr vermissen und ich reih mich gerne ein bei den Leuten die schwer um ihre Tiere trauern.

MJarieYCurixe


Wenn mir wirklich mal ein Hund stirbt zu dem man ja eine engere Beziehung hat, dann empfinde ich eher eine Erleichterung, wenn der kranke alte Hund nun nicht mehr da ist, man nicht mehr ständig zum Tierarzt muss, man nicht täglich wegen Inkontinent wischen muss, etc. Ich fühle mich dann eher befreit und freue mich auf den Nachfolger.

Das find ich äußerst erschreckend.

Klingt als würde man sich irgendein "Ding" kaufen. "Oh tot, na dann eben das Nächste"

Bist du auch so "kaltherzig" zu den Tieren!?

mnelinxka


Klar hat man auch an so einem Tier gehangen, aber der Tod ist ja nun die normalste Sache der Welt und man weiß ja, dass der Hund vor einem sterben wird, also warum sich noch lange Gedanken darum machen?

Stimmt, warum um Großeltern, Eltern, ältere Geschwister, Verwandte oder Freunde trauern. War doch klar, dass sie vor einem sterben. Und der Tod ist schließlich das Normalste der Welt.

T$heRBlAac6kWidow


Also ich habe auch schon einige Tiere verloren und um Jedes tat es mir furchtbar leid. Manche steigern sich da eben noch mehr rein und kommen eine Zeitlang nicht klar. Es hilft ihnen dann kaum, wenn ein Mitmensch meint: War doch nur ein Tier.

Besser wäre es, die Person einfach reden zu lassen.

Gut, wenn man z.B. ein krankes Tier wochenlang gepflegt hat und sich intensivst darum gekümmert hat, dann ist der Schmerz wesentlich größer, als wenn das Tier aus Altersschwäche plötzlich tot im Stall oder Körbchen liegt. Kein wirklicher Tierliebhaber sagt beim Tierarzt: Bitte keine Behandlung, es hat schließlich nur x Euro gekostet.

Als unser letzter Hund verstorben ist, da haben alle Familienmitglieder getrauert, wollten aber die Leere, die der Hund hinterließ, schnell wieder füllen.

Eblla7x1


Mich interessiert nun wirklich aus psychologischer Sicht, wie es so weit kommen kann, dass ein Erwachsener wirklich so dermaßen um ein kleines Tier trauern kann? Finde nur ich das befremdlich?

Mich interessiert nun wirklich aus psychologischer Sicht, wie es so weit kommen kann, dass ein Erwachsener wirklich so dermaßen abgebrüht und empathielos Menschen ins Lächerliche zieht, die ihre Tiere von Herzen lieben und nach ihrem Tod um sie trauern? Finde nur ich das befremdlich?

M\arQieCuErxie


Finde nur ich das befremdlich?

Nein, definitiv nicht.

Man liebt sein Tier doch?! Da wird ein Trauern doch erlaub sein.

Stimmt, warum um Großeltern, Eltern, ältere Geschwister, Verwandte oder Freunde trauern. War doch klar, dass sie vor einem sterben. Und der Tod ist schließlich das Normalste der Welt.

Wollte ich auch schon schreiben, aber dann kommt sicher wieder etwas wie: "Das ist ein Unterschied, man kann ja nicht Tiere und Menschen vergleichen, bla bla bla,..."

l:o}v&eablxe<3


Also ich muss sagen, ich habe da eher geteilte Meinungen. Ich hatte schon Hamster und Meerschweinchen im Leben, aber auch mal ein Hund oder eine Katze. Zu dem Hund und der Katze hatte ich einen starke Verbindung aufgebaut, weil man sich schlichtweg mit den Tieren viel mehr beschäftigt hat. Daher war die Trauer schon größer als bei den Kleintieren. Trotzdem tut es weh, wenn die Kleintiere sterben.

Mein Freund seine Mutter hatte 3 Katzen. Anfang des Jahres ist die geliebte Katze nach jahrelange Quälerei gestorben. Die Mutter ist eine Person wie im ersten Post beschrieben wurde. Die Katze hat mindestens schon 2 Jahre kein schönes Leben mehr gehabt. Sie konnte kaum noch laufen das letzte halbe Jahr. Hatte einen rießen Tumor im Baurraum. Einschläfern? Nein, dass macht sie nicht. Sie wurde als sie gestorben ist, eingeäschert und ist nun im Wohnzimmer im Schrank. Das finde ich einfach zu krass.

Jeder Mensch ist eben anders @:)

E5llar71


Wollte ich auch schon schreiben, aber dann kommt sicher wieder etwas wie: "Das ist ein Unterschied, man kann ja nicht Tiere und Menschen vergleichen, bla bla bla,..."

Mir scheint es nicht, als würde die TE bzgl. der Liebe zu Menschen und Tieren große Unterschiede machen. In einem anderen Faden schreibt sie:

Also davon abgesehen, dass ich vermute, dass sich deine Mutter kein Altersheim leisten kann, bei meiner Oma haben wir es wie folgt gemacht:

Wir haben ihr erzählt, dass sie mal 2 Wochen ins Heim muss um sich von ihrer Krankheit zu erholen und wir wollen in den Urlaub fahren. Natürlich haben wir sie nicht wieder abgeholt, da sie aber eh Alzheimer hatte, hatte sie das nach 2 Wochen auch schon wieder vergessen.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH