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Brauche ich eine Therapie?

RIegen0mädcxhen hat die Diskussion gestartet


Die Frage stelle ich mir schon lange.

Und zwar hatte ich als Kind ein sehr problematisches Verhältnis zu meinen Eltern. Ich wurde unheimlich streng und mit vielen Regeln erzogen. Gleichermaßen hat man mich nicht gefördert, aber unheimlich viel erwartet.

Mir hat zum Beispiel nie jemand bei den Hausaufgaben geholfen, aber erwartet wurde immer eine Eins in einem Test.

Später zur Pubertät wurde es noch schlimmer. Ich war ein sehr introvertiertes Kind mit wenig Freunden. Meine Nachmittagsbeschäftigung war der Fernseher und das Essen. Für Hobbys blieb kein Geld übrig. Ich wurde sehr dick, was mich sozial umso mehr isolierte.

Je dicker ich wurde, desto mehr lehnten mich meine Eltern ab. Sie kritisierten mich ständig für alles was ich tat und aß. Ständig wurde gestichelt. Meine Mutter begann nun auch, mich regelmäßig zu prügeln.

Irgendwann mit 14 begann ich dann eine Diät und rutschte in eine schlimme Magersucht. Mit 16 war ich dann wirklich körperlich am Ende. Mein BMI war bei der 15 und ich war halbtot, konnte auch nichts mehr richtig und plante schon sorgfältig meinen Suizid. Getan habe ich es trotzdem nicht, obwohl ich wirklich alles durchdacht hatte.

In der Schule wurde ich erst für mein Übergewicht dann für mein Untergewicht gehänselt. Ich war ja fast nie da, da halbtot. Ich hatte ungefähr überall Schmerzen und habe mein Leben verschlafen. Ich wollte eigentlich nur noch sterben. Von Anfang an.

Aber mit 17/18 wurde es besser. Mein Gewicht normalisierte sich. Ich hab auch die Schule gewechselt und wurde emotional stabiler, da mich meine Mutter Gott sei Dank nicht mehr schlug, nachdem ich zum ersten Mal zurückgeschlagen hatte. Sie hatte die Polizei gerufen und wollte mich tatsächlich anzeigen. Das Kind, welches sie zuvor mehrmals Finger und Rippen gebrochen hat. Einmal hat sie mir das ganze Gesicht zerkratzt, auch über das Augenlid. Ich hatte große Angst, dass sie mir das Auge vllt noch aussticht. Ich musste eine Woche lang Zuhause bleiben, weil ich so nicht zur Schule durfte.

Sie hat mich jahrelang gequält und misshandelt.

Heute mit 24 merke ich zwar nicht mehr so stark, dass ich einen Knacks habe, aber viele Dinge funktionieren nicht, wie sie sollten. Ich fühle mich "normal", mein Hausarzt rät aber zu einer Therapie, um das erlebte aufzuarbeiten - was die Essstörung betrifft. Normal essen kann ich bis heute nicht. Allerdings stört mich das nicht wirklich. Ich hab Normalgewicht, allerdings viele Zwänge, die ich nicht abstellen kann.

Ich fühle mich damit völlig alllein gelassen und wurde mit einem "Googeln Sie doch mal" Heim geschickt. Wenn ich irgendwo anrufe, fühle ich mich wie der letzte Idiot. Ich meine, mir gehts gut.

Denkt ihr, das ist notwendig und wichtig?

Das alles zu erzählen ist so peinlich. Ich schäme mich so dafür, was mir meine Eltern angetan haben und kann bis heute nicht verstehen, wie man sein eigenes Kind so zerstören kann.

Antworten
t(omikne


liebes Regenmädchen *:)

eine kurze Antwort von mir:

JA

du trägst Wunden in dir, die du für dein weiteres Leben nicht gebrauchen kannst.

deine ganze Geschichte tut mir sehr leid, aber Mitleid hilft dir nicht weiter.

dein letzter Satz zeigt mir, dass du Dinge abwerfen und neu ordnen musst, um mit dir selbst glücklich zu werden. und dein vorletzter Satz zeugt von dem Mut zur Selbstfürsorge, denn du springst über einen tiefen Schatten.

ich kann dir nur gut zureden, es mit einer Therapie zu probieren.

:)*

SKunflAower_x73


Kurz und deutlich: JA.

Dir muss daran NICHTS peinlich sein. Nichts. Du bist nicht Schuld an dem, was Deine Eltern getan haben. Deine "Probleme" (Essen, Nichtessen) waren (unglückliche) Bewältigungsstrategien der Gesamtsituation. Sie haben Dir damals geholfen, aber belasten Dich jetzt. Und die Vorgeschichte, deren Wunden bei Dir, bleibt. Egal ob Du isst oder nicht oder Zwänge hast oder nicht.

Dir geht es NICHT gut. Mit einer Essstörung und Zwängen, die man selber bemerkt, geht es einem i.d.R. nicht gut. Und wenn man schon nach einer Therapie fragt und sich mit dem Thema beschäftigt, hat irgendein Teil in Dir erkannt, dass der Ist-Zustand keine Dauerlösung ist. Dass Du im und vom Leben mehr verdient hast. Ich glaube, da steckt einiges an Leidensdruck in Dir.

Hole Dir Hilfe. Dir muss nichts peinlich sein, im Gegenteil. Geschichten wie Deine (und viel weniger schlimme Dinge und viel schlimmere Dinge) sind Alltag eines Therapeuten.

Pjlüsc%hVbixest


Kann mich den anderen nur anschließen.

Alleine die Tatsache dass du dich schämst sollte jedem zeigen dass du eine Therapie brauchst.

Schämen sollten sich ganz andere, deine Eltern und alle die weggeguckt haben.

REege+nmädxchen


Dann ist der Konsens, dass ich es mal probieren sollte?

Wie würdet ihr das machen? Muss ich mir einfach einen Therapeuten suchen und einen Termin machen? Was sagt man denn da am Telefon? Kostet das Geld? Und wie lange dauert das bzw. wie viel Zeit pro Woche nimmt es in Anspruch? Welche Vorteile bietet es?

Shunfylower_7x3


Kommst Du aus Deutschland?

1. Du musst mit einigen Monaten Wartezeit auf einen Platz rechnen.

2. Du solltest Dich über die zugelassenen Therapieformen (Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Psychoanalyse) informieren.

3. Rumtelefonieren. Listen gibt's bei Deiner Krankenkasse, Gelbe Seiten, Google. Es gibt eine Suchfunktion auf den Seiten Deiner zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (bzw. der KV Bund: [[http://www.kbv.de/html/arztsuche.php)]]. Wichtig ist allgemein, dass der THerapeut eine sog. Kassenzulassung hat. Aber es gibt eine Ausnahme, dazu gleich noch mehr. Was man sagt: Ich hätte gern ein Termin für ein Erstgespräch. Und wenn mehr Nachfragen kommen, schilderst Du halt kurz, was Dein Anliegen ist. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

4. Kosten tut es nix. Du hast erstmal 5 sog. probatorische Sitzungen zum Kennenlernen. Dann entscheidet man, ob man zusammenarbeiten will. Das bedeutet, dass der Therapeut einen Antrag auf Kostenübernahme bei Deiner Krankenkasse stellt.

5. Zeit pro Woche: bei VT und TP als Therapieform i.d.R. eine Sitzung von 50 Min. Dauer pro Woche. Bei VT zusätzlich Zeit für "Hausaufgaben": Dinge protokollieren, ausprobieren, durchdenken,... Letztlich hängt der Therapieerfolg aber davon ab, was Du wirklich aktiv in der Zeit zwischen den Sitzungen umsetzt an Denk- & Verhaltensänderungen, Erkenntnissen,... Bei einer "echten" Psychoanalyse 3 oder mehr Sitzungen pro Woche. Würde ich für Anfänger echt von abraten. Du brauchst erstmal konkretere Unterstützung als so eine klassische Analyse. Und wenn Zwänge eine Rolle spielen, fängt man i.d.R. mit VT an.

6. Dauer: Man kann anfangs entscheiden, ob man eine Kurzzeittherapie (25 Sitzungen) oder Langzeitthrapie (45/50 Sitzungen) beantragt. Bei VT kann man dann mit Zwischenstufen auf 80 Sitzungen gehen, bei TP rd. 100, bei Analyse noch mehr. Wobei 45/50 Sitzungen oft wirklich ausreichen.

7. Vorteile: Bewältigung der quälenden Erinnerungen, weniger Beeinflussung dadurch im Alltag. Veränderte Sichtweise, verändertes Verhalten. Aber darüber bestimmst DU. Niemand macht einen anderen Menschen aus Dir. Aber die Last der Ereignisse, das Korsett der Zwänge wird wegfallen.

Weitere Infos:

[[http://www.bptk.de/patienten/einfuehrung.html]]

Lies hier mal die Unterseiten und klicke auch rechts mal auf den "Ratgeber Kostenerstattung". Es gibt nämlich angesichts der langen Wartezeiten auf einen Platz die Option, sich von Therapeuten ohne Kassenzulassung behandeln zu lassen. Mehr Infos in der Broschüre.

RaegenAmäd=chen


Also ich habe jetzt die gesamte Liste bei jameda abtelefoniert und habe erfahren, dass ich zu keinem Facharzt für Psychatrie und Blabla gehen kann. Die Dame am Telefon war so unfreundlich, dass mir echt der Hut hochgegangen ist und ich sie blöde F*tze genannt und aufgelegt habe - uuups! ;-D

Leider geht bei den Dip. Psychologen niemand ans Telefon. Die meisten wollen, dass man ihnen aufs Band spricht und die rufen dann zurück - wenn sie es denn für nötig halten.

Ich hätte nie erwartet, dass es tatsächlich so kompliziert sein könnte, überhaupt jemanden zu finden, der einen therapiert. Was ein Käse.

A9ndrGea nund< LINxA


Das ist normal das man aufs Band sprechen muss, kenne ich auch nicht anders. Ich habe sogar erst nach einen halben Jahr einen Rückruf erhalten dafür aber gleichzeitig einen Therapieplatz bekommen.

Ich habe im übrigen so ziemlich das gleiche in meine Kindheit mitgemacht wie du. Allerdings waren die Schläge jetzt nicht so das ich Brüche erlitten habe. Aber seltsamerweise hörten die auch auf, als ich mich zum ersten mal mit 13 Jahren gegen meine Mutter gewehrt habe und auch zurück geschlagen habe. Ich bin jetzt seit über ein Jahr in der Therapie die sich Verhaltenstherapie nennt, allerdings kann ich nicht sagen das es mir was bringt...

uRnko~mpli*ziexrt


Andrea war schneller :-)

Ich wollte auch nur schreiben - Anrufbeantworter ist normal. Stelle dir einfach mal vor, der Therapeut ist mit einem Klienten in einer Sitzung und dann klingelt das Handy/Telefon - geht nicht.

Noch ein Tipp damit du schneller einen Termin bekommst. Spreche nochmal deinen Hausarzt an, sage ihm dass du e9ine Therapie machen willst. Frag ihn ob er nicht einen empfehlen kann und vielleicht selbst dort anrufen, damit es schneller geht. Du bist ja sicherlich nicht die einzige Patientin bei ihm mit psychischen Problemen. Die meisten Ärzte kennen da doch jemanden und dann geht es vielleicht schneller. Bei mir ging es so innerhalb einer Woche.

Wenn du einen Termin hast finde ich es ganz praktisch, wenn du ihm einige Tage vor der Termin eine Mail sendest. Darin ausführlich dein Problem schilderst, so ähnlich wie in deinem Eingangsposting. Hat zwei Vorteile, zuhause fällt es dir vielleicht leichter deine Probleme zu beschreiben, dann der Therapeut ist auch schon vorab informiert.

Ich als Mann habe auch immer gedacht - das bekomme ich alleine hin. Naja, irgendwann war mir klar, dem ist nicht so. Daher hier komme ich alleine nicht weiter, da brauche ich Hilfe eines Profis. Psycho. Therapeuten sind eben Profis, wenn die Seele schmerzt. Schämen und peinlich sein muss dir da gar nichts - kann und trifft bei ents. Umständen jeden.

ROegenm>ädchxen


Danke für eure Rückmeldung! :)z

@ unkompliziert

Der Tipp hört sich richtig gut an. Ich werd gleich nächste Woche mal zu meinem Hausarzt gehen.

Vor 7 Jahren hat das mein alter Hausarzt schon mal probiert. Allerdings bin ich einfach nicht zu diesem Termin gegangen und auch nie wieder bei ihm erschienen. Das wird kein zweites Mal passieren! Diesmal rock ich den Shit fett und nehme die Hilfe an. So.

@ Andrea und LINA

Magst du mir von der Therapie erzählen? Was passiert da so? Wieso denkst du, dass es nicht hilft? :)_

RNegeanmärdcxhen


So, ich habs nun endlich geschafft, ein Gespräch zu ergattern! :)_

Übrigens hat mir mein Hausarzt leider überhaupt nicht geholfen. Sie hat mir über Google Nummern rausgesucht, die ich auch selber hätte finden können. Die, die sie rausgesucht hat, waren alle hilflos überbucht. Teilweise stimmten Nummer und Adresse nicht. Was zur Hölle soll das? ":/

Erst eine andere Therapeutin hat mir am Telefon empfohlen, mal bei der Kassenärztlichen Vereinigung anzurufen und mir die Nummern neuer Praxen zu besorgen, die noch offene Kapazitäten haben.

So bin ich dann zu meinem ersten Termin gekommen. Ich bin schon sehr gespannt. Er ist gleich nächste Woche.

R#egenmä0dchexn


Ich heute das Gespräch mit meinem Therapeuten und bin total aufgewühlt. Er meint, auf den ersten Blick sieht es wohl so aus, als hätte ich eine Borderlinestörung. Er hat mir dazu auch eine spezielle stationäre Therapie in einer Klinik für Borderliner empfohlen. Seiner Meinung nach wird es ein sehr langer Weg, der mich bis an mein Lebensende begleiten wird.

Das hat mich alles so getroffen. Worte wie "Persönlichkeitsstörung", "emotionale Instabilität" und "verzehrte Wahrnehmung" treffen einen so hart.

Er meinte, ich bin als adrette Dame gekommen und habe Stück für Stück alle meine Päckchen aufgepackt und das das alles ziemlich schwer sein wird und es auch sein kann, dass er nicht der richtige Fachmann für meine Probleme sein kann und ich sicherlich mehrere Therapien in Anspruch nehmen muss, bis ich eine Besserung verspüre. Der Weg an sich wird lang und hart sein.

Ich bin gegangen, weil ich dachte, dass ich vllt ein "bisschen" Probleme habe. Dass sie doch so massiv sein sollen, schockt mich. Ich will auf keinen Fall in eine Klinik. Keine 10 Pferde bekommen mich dahin! ":/

ä3pfeGlchxen


Ich kann mir gut vorstellen, wie es Dir nun geht. auch essgestört und auch Borderlinerin

Sowas knallt ordentlich, ich hab mich da bis heute nicht dran gewöhnt und wenn ich dann gehe, dann dreht sich immer alles.

Ich war die letzte Zeit auch auf Therapeutensuche und mir wurde nahegelegt, wieder in eine Klinik zu gehen. Ja, ich bin am Überlegen. Spricht vieles dafür, vieles dagegen.

Was spricht denn bei Dir gegen eine Klinik? @:)

ähpfelcKhexn


Ich bin gegangen, weil ich dachte, dass ich vllt ein "bisschen" Probleme habe. Dass sie doch so massiv sein sollen, schockt mich. Ich will auf keinen Fall in eine Klinik. Keine 10 Pferde bekommen mich dahin! ":/

Das kenn ich. Ich denke immer, dass es so schlimm schon nicht ist, das alles ambulant locker zu schaffen wäre und dass das auch jeder, der mir hier im Forum stationär empfiehlt, das sehen könnte, wenn er/sie mich persönlich sehen würde. Dann wäre voll logisch, dass ich das natürlich auch ambulant kann.

Das rede ich mir ein, weiß aber (dank der Hilfe mancher sehr geduldigen Menschen hier im Forum @:) ), dass das kompletter Mist ist und ich ein Meister der Manipulation bin. Nicht böswillig, aber mittlerweile glaube ich selbst schon zu sehen, dass ich alle mit einem Lächeln um den Finger wickeln und überzeugen kann, dass ambulant ausreicht.

In der PIA wurde ich da ein bisschem von meiner Illusion erlöst, als mir die Frau gesagt hat, dass ich auch direkt da bleiben könnte, überhaupt mir einen Klinikaufenthalt nahe gelegt hat. Die Frage, ob ich direkt da bleiben wollen würde, keine Ahnung, ob das ein Scherz war.

Seitdem bröckelt die Fassade immer mehr, weil ich anscheinend eben doch nicht nur "bisschen" Probleme habe.

RIegenmgä>dchxen


Hey äpfelchen, schön, dass man nicht alleine ist :)_

Wie gehts dir damit? Hast du das Gefühl, es wird mit der Therapie besser?

Dagegen spricht für mich, dass wenn es jemand erfährt, alle denken, ich sei irre. Außerdem hab ich Angst, auf richtig "Irre" zu treffen.

In meinem Hinterkopf habe ich Bilder aus "Einer, der übers Kuckucksnest flog" und den einen Film mit Angelina Jolie und Wynona Rider - irre Pfleger, irre Menschen. Horror.

Also ich möchte niemanden beleidigen. Vielleicht sind es Vorurteile, aber ich hab genau davor schreckliche Angst.

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