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Mein Zuhause verloren und tieftraurig

M^in+yixp hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe med1-Community,

schon einige Male habe ich einen Text geschrieben, ihn aber immer wieder gelöscht, aufgrund von Bedenken, es nicht richtig in Worte gefasst zu haben und missverstanden zu werden und aus Angst vor möglichen negativen Reaktionen, denn es geht mir sehr schlecht und ich liege sowieso schon am Boden.

Jetzt möchte ich es aber nochmal versuchen und hoffe auf ein bisschen Empathie.

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Worum es geht:

Ich habe das Haus, in dem ich von Geburt an dreißig Jahre lang gelebt habe, verloren und komme darüber nicht hinweg.

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Zur Vorgeschichte:

Ich bin inzwischen 33 und habe in dem Haus meiner Oma, zusammen mit meiner Mutter und meiner Oma, von Geburt an gelebt, bis ich 30 war.

Mein Opa (der vor meiner Geburt starb) und meine Oma hatten es in den 60er Jahren erbaut, worauf ich immer sehr stolz war, überhaupt war ich auf beide, insbesondere meine Oma immer sehr, sehr stolz (aus vielerlei Gründen).

Meine Eltern trennten sich, als ich zwei Jahre alt war, Geschwister habe ich keine.

Ich war zusammen mit einer Bekannten selbständig, diese Tätigkeit gab ich auf, als ich 2009 an Krebs erkrankte und es abzusehen war, dass ich nicht so bald in meinen Beruf zurückkehren könnte. Sehr traurig war ich darüber allerdings nicht, da ich sicher teilweise auch durch meinen Beruf krank wurde und ich hatte schon andere Pläne für die Zeit nach meiner Erkrankung. Bis dahin wollte ich von meinen Ersparnissen leben.

2011 verstarb meine Oma dann ganz überraschend an plötzlichem Herzversagen.

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So war alles einmal geplant gewesen:

Meine Großeltern hatten ein gemeinsames sog. Berliner Testament. So ging nach dem Tod meines Opas alles an meine Oma über und nach ihrem Tod sollte alles zu gleichen Teilen an ihre Kinder (meine Mutter und meinen Onkel) gehen.

Allerdings war immer allen klar, dass mein Onkel ausbezahlt würde und wir dort wohnen bleiben würden. Darüber wurde offen gesprochen, das wusste schon mein Opa (als meine Eltern noch verheiratet waren) und auch ich wuchs in diesem Wissen auf.

Dementsprechend kümmerte ich mich mit zunehmendem Alter auch um vieles das Haus und Grundstück betreffend und plante mein Leben dort. Ich liebte es, alles in Stand zu halten, zu renovieren, die Räume schön einzurichten und zu dekorieren, an Ostern und Weihnachten zu schmücken und den Garten und das gesamte Grundstück zu pflegen. Für mich war klar, dass ich nirgendwo anders leben wollen würde und selbst dort alt werden wollte.

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Wie dann alles kam:

Nach dem plötzlichen Tod meiner Oma eröffnete mir meine Mutter völlig überraschend für mich, dass sie dort nicht wohnen bleiben wollte, dass ihr das Haus, das Grundstück zu groß und die Arbeit zu viel sei, dass sie noch nie gerne dort gelebt hätte und in eine kleine Mietwohnung ziehen und das Haus zusammen mit ihrem Bruder verkaufen möchte.

Das zog mir sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Nie hatte sie auch nur ansatzweise Andeutungen gemacht, dass sie das Haus einmal nicht übernehmen wollen würde und nie zuvor hatte sie auch nur erwähnt, dass sie das Leben dort nicht mochte. Mich traf das alles wie ein Schlag.

Nach langem hin und her bat ich dann meine Mutter und meinen Onkel darum, mir etwas Zeit zu geben, damit ich das Haus kaufen könnte. Meinem Onkel hätte ich sogar schon mal eine Anzahlung im mittleren fünfstelligen Bereich geben können (aus meinen Ersparnissen und dem Verkauf meiner Hälfte der Räume aus meiner Selbständigkeit), meiner Mutter hätte ich ebenfalls eine (wenn auch kleinere) Anzahlung geben können. Desweiteren sicherte ich meinem Onkel zu, dass ich mich nach meiner nächsten Kontrolluntersuchung (die nach 6 Monaten gewesen wäre) um meine neue berufliche Laufbahn gekümmert hätte, um dann einen Kredit aufnehmen zu können und ihn voll auszubezahlen. Das alles wäre natürlich schriftlich festgehalten worden. (Zu damaligen Zeitpunkt bekam ich leider - aber verständlicherweise - keinen Bankkredit).

Meine Mutter wäre damit einverstanden gewesen, mein Onkel hingegen nicht. (Dazu muss ich sagen, dass er das Geld aber nicht dringend gebraucht hätte!)

Ich habe alles versucht, auch noch etwas mehr Geld flüssig zu machen, da ich fürs Alter schon länger privat etwas vorgesorgt hatte, aber es reichte ihm nicht und er begründete es immer damit, dass ich vielleicht nicht gesund werden würde und ihm letztlich doch nicht alles zahlen könnte, was aber völlig an den Haaren herbeigezogen war, denn wäre ich nicht gesund geworden, wäre ich sowieso gestorben und dann hätten sie das Haus immer noch verkaufen können.

Es war aber nichts zu machen und ich hatte keine Rechte, um den Verkauf zu verhindern und obwohl ich anfangs noch hoffte, dass sich vielleicht keine Käufer finden würden, wurde mir auch diese Hoffnung genommen.

Ich musste ausziehen.

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Heute:

Ich komme über den Verlust meines "(Groß-)Elternhauses" einfach nicht hinweg und bin deshalb gesundheitlich völlig am Ende, weil es mich so sehr schmerzt.

Meine Oma hätte niemals gewollt, dass dort jemals fremde Leute wohnen und ich hätte alles dafür gegeben, dass es in Familienbesitz bleibt.

Es fühlt sich an, als hätte ich meine Oma zweimal verloren.

Als ich vor dem Verkauf (vor drei Jahren) das letzte Mal dort war, brach ich weinend zusammen und kam mit einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus. Als ich entlassen wurde, war mein Leben, das ich bis dahin geführt hatte, einfach weg.

Mein geliebtes Zuhause, mein Heimatort, die Nachbarn, mit denen mich eine Freundschaft verband, das Gefühl "nach Hause" zu kommen, meine geliebten Arbeiten am und ums Haus - alles unwiederbringlich verloren.

In der ersten Zeit versuchte ich mir einzureden, dass das Haus nur leer steht, aufgrund irgendeines Problems unbewohnbar ist und ich nur vorübergehend in meiner Wohnung einen Ort weiter lebte. Aber immer wieder zog es mich zu "meinem" Haus und als ich dort zum ersten Mal die neuen Besitzer antraf, fühlte es sich so an, als könnte ich nicht mehr atmen, ich wäre am liebsten sofort gestorben.

In der Nähe wohnen zu bleiben, ertrug ich nicht, so zog ich weiter weg, aber es wird wohl nie weit genug sein.

Ich "lebe" (es ist kein Leben!) wie ein Phantom, keiner meiner neuen Nachbarn kennt mich, ich lebe sehr zurückgezogen, verlasse selten (fast nie) die Wohnung und bin froh, wenn mich alle einfach in Ruhe lassen. Ich fühle mich wie in Trance, einer Art Schockzustand und ertrage keine Menschen. Ich bin nachts wach, wenn alles still ist und schlafe tagsüber mit Ohropax, um nichts und niemanden hören zu müssen.

Ein neues Leben habe ich nicht in Angriff genommen, denn ich weiß nicht, wofür?! Noch ca. 1 1/2 bis 2 Jahre kann ich von meinen Ersparnissen leben (ich habe alles gekündigt, was ich kündigen konnte, ich stehe dann finanziell wieder wie am Anfang da, als ich 16 war). Was nach den kommenden zwei Jahren sein wird, ist mir schlichtweg egal. Ich hoffe fast auf einen neuen Ausbruch meiner Krebserkrankung, die ich nicht nochmal behandeln lassen würde oder ansonsten spiele ich mit dem Gedanken, dann alles selbst zu beenden.

Ich sehe keinen Sinn mehr. Alles, wofür ich immer gelebt habe, ist mir genommen worden, ohne Rücksicht, ohne ein bisschen Entgegenkommen.

Hätte meine Oma gewusst, wie alles kommen würde, hätte sie zu Lebzeiten sicher versucht, es abzuwenden. Aber das alles konnte weder sie, noch ich ahnen.

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Gesundheitlich usw:

Der Verlust meines Zuhauses macht mir so zu schaffen, dass sich psychosomatische Symptome bemerkbar machen, wie ständige Kopfschmerzen und große Probleme im Verdauungstrakt.

Ich träume fast jede Nacht vom Haus. Entweder ist es ein schöner Traum, in dem alles so ist wie früher und ich bin so glücklich, aber dann fast schockiert, wenn ich in meiner Realität wieder aufwache. Oder es ist ein Traum, in dem ich auf unterschiedlichste Weise vor dem damaligen Problem stehe, dass mir urplötzlich gesagt wird, das Haus würde verkauft. Dann spüre ich im Traum die Panik in mir aufsteigen, versuche, es zu verhindern (was mir nie gelingt) und wache meistens schon weinend auf.

Es ist es ein Gefühl, als wurde mir das Herz herausgerissen.

Sobald ich mich auch nur gedanklich mit dem Haus beschäftige, wie jetzt beim Erstellen dieses Beitrags, weine ich unaufhörlich. Ich bekomme einen Kloß im Hals, mein Magen zieht sich zusammen, ich bekomme kaum noch Luft und kann nicht aufhören zu weinen.

Ja, ich bin wohl schwer depressiv und ja, ich habe schon an eine Therapie gedacht, aber wozu darüber reden? Kein Therapeut kann mir "mein" (Zu-)Haus(e) zurückgeben. Also was soll das Ganze bringen?!

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Warum ich hier schreibe? Ehrlich, ich weiß es nicht.

Vielleicht wollte ich einfach mal alles los werden.

Danke an alle, die sich die Mühe gemacht haben, all das zu lesen.

Liebe Grüße,

Antworten
avm7azoxne67


Hallo Du,

Lass Dich erstmal drücken....

Deine Geschichte hat mich angesprochen. Tut mir leid, dass Du so leidest.

Hier ein paar Tips:

1. ja, eine Therapie fände ich in Deinem Fall auch schlau... Das bringt Dir dein Haus nicht wieder....aber hilft Dir zurück ins Leben.

2. Versuche Kontakte aufzubauen, du versinkst sonst immer tiefer *:)

3. hört sich erstmal komisch an: schreibe Deine Traeume auf. Vielleicht versuchst Du allgemein mehr zu schreiben (hat mir immer geholfen). Wenns ein Bestseller wird, versuche ein anderes Haus zu kaufen...

4. die familiäre Enttäuschung ist wohl auch nicht ohne, oder? Du bist 33 und es liegt noch soviel positives vor Dir. Bitte schmeiß das alles nicht weg. Lass Dir helfen!!

Ich wünsche dir ganz viel Kraft, das zu überwinden und wieder in deine Zukunft zu schauen :)*

pgrobvlvembnratzxe


Ich kann Dich zutiefst verstehen! :°(

Ich habe ebenfalls mein Haus verloren. Ok, es war "nur" ein Mietshaus, aber ich bewohnte es allein und mindestens ein Jahrzehnt lang gab es nicht die geringstens Befürchtungen, dass ich da je ausziehen muß, weil mit der Vermietung alles auf ewig bis zu meinem Tod sicher schien.

War aber nicht...mit einemmale wurde das Anwesen, zu dem noch mehrere Häuser gehörten, verkauft, neue Eigentümer kamen und das wars für mich. Ich habe mich rausklagen lassen. Ich bin nicht von allein gegangen.

Seitdem bin ich auch nur noch ein halber Mensch ohne Heimat. Nie werde ich mich in einem Mietshaus zuhause fühlen können. Aber nochmal so ein preisgünstiges Haus für mich allein werde ich nie wieder finden.

Ich verstehe Dich sooooooooooooooooooooooo gut. Das wollte ich Dir damit berichten. :)* @:)

nmig*eF84


:)_

Was ist dein Onkel nur für ein Mensch?

Ich verstehe dich gut, das ist genauso als wenn man einen geliebten Menschen verliert.

Aber: Du hast den Krebs überwunden, das Leben hat noch etwas vor mit dir, versuch bitte aus diesem Tief herauszukommen und einen neuen Lebenssinn zu finden!

Ohne Therapie wirst du es nicht schaffen, aber du bist noch so jung, du darfst dich nicht aufgeben!

Gibt es noch irgendwelche Menschen die dir nahestehen?

Hast/ hattest du irgendwelche Hobbies?

Fclame!chenx79


mir tut es auch wahnsinnig leid :°_ :°_

Wie wäre es denn, wenn du dir einen "neuen" Traum zulegst, indem du ein kleines, gemütliches Häuschen planst in dem gleichen Ort, wo du dein Zuhause hattest? Wäre das nichts? So kannst du in deinem Umfeld leben, auch wenn es nicht DAS Haus ist, aber es ist dann DEIN eigenes Häuschen, nach deinen Vorstellungen. Und du hast deine Freunde und Nachbarn.

Ich drück dir die Daumen und wünsche dir von Herzen, dass du wieder glücklich wirst :)_ :)_

A-pfelzkuchen0o0x7


Es fühlt sich an, als hätte ich meine Oma zweimal verloren.

Liebe Te, ich habe das Gefühl, du hast den Tod deiner Oma noch nicht richtig verarbeitet...Hattest du denn jemanden mit dem du über den Verlust reden konntest?? :-/ Ich kann dir da auch keine Tipps geben, da ich mich in diesem Bereich nicht auskenne.

Meine Oma hätte niemals gewollt, dass dort jemals fremde Leute wohnen und ich hätte alles dafür gegeben, dass es in Familienbesitz bleibt.

Deine Oma hätte es auch nicht gewollt, dass du dich so aufgibst und nur noch sterben willst. Meinst du, sie wäre glücklich, wenn sie dich SO sehen würde?

Wie siehsts denn eigentlich in deinem privaten Bereich aus - Partner, Kinder, Familienplanung oder sowas? Oder existiert sowas nicht in deiner Zunkunft??

Was für Pläne hattest du früher als du deine Selbststädigkeit aufgegeben hast? Du kannst sie auch jetzt in Angriff nehmen. Oder war es dieses Haus, welches deine Zukunft sein sollte?

Allgemein finde ich das sehr sehr schade, dass du dich aufgegeben hast. Natürlich ist der Tod eines geliebten Menschen nicht einfach.... aber sich gleich dem ganzen Leben zu verweigern kann nicht richtig sein. Ok, dich interessiert dein eigenes Leben nicht mehr. Aber draußen gibt es eventuell Menschen, denen du was geben könntest, die dich brauchen. Auch wenn du es heute nicht so sehen kannst.

EUhema_liger Nuthzer ([#4790x13)


@ Minyip

Ich kann dich vollkommen verstehen, was da an ideellem und symbolischem Wert dranhing. Dein Onkel muss ein ziemlicher Idiot sein (so wie meiner, auch wenn der und seine Brut es trotz primitivster Gier nicht so weit geschafft haben). Mal abgesehen von dem moralischen Aspekt, der wesentlich schwerer wiegt, ist es kaum möglich, so einen Betrag inflationsneutral und gleichzeitig risikofrei anzulegen. Das ist einfach nur kurzsichtige Gier.

MSinyixp


Ich danke euch allen sehr für die lieben Worte und Wünsche!

Dass ich so nette Antworten bekommen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Danke.

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Hallo amazone67

ja, eine Therapie fände ich in Deinem Fall auch schlau... Das bringt Dir dein Haus nicht wieder....aber hilft Dir zurück ins Leben.

Ich glaube, das ist der springende Punkt: ich will gar nicht mehr zurück ins Leben, weil ich nicht weiß, für was es sich lohnen sollte.

versuche ein anderes Haus zu kaufen...

Daran hatte ich anfangs sogar gedacht, aber es ist nicht dasselbe. Ich möchte so gern unseres zurück und ertrage den Gedanken einfach nicht, dass jetzt andere Leute dort wohnen.

 die familiäre Enttäuschung ist wohl auch nicht ohne, oder?

Das ist leider richtig. Zu meinem Onkel habe ich den Kontakt abgebrochen. Der Kontakt zu meiner Mutter ist schwierig, ich spüre oft extreme Wut in mir aufsteigen und beende dann Telefongespräche sofort.

Überhaupt ist unglaublich viel Wut in mir. Ich sehe mich vor meinem inneren Auge oft am Meer stehen und höre mich laut schreien. Ja, ich würde verdammt gerne alles rausschreien.

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Hallo problembratze,

es tut mir sehr leid, dass auch du dein Zuhause verloren hast.

Seitdem bin ich auch nur noch ein halber Mensch ohne Heimat. 

Ja, genauso fühlt es sich an. Ich weiß nicht mehr, wohin ich gehöre, alles weg, was Sicherheit und Geborgenheit gab.

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Hallo nige84

Gibt es noch irgendwelche Menschen die dir nahestehen?

Nein, nicht wirklich. Meine Mutter liebe ich natürlich noch immer und ich werde sie immer lieben, aber diese Sache steht zwischen uns. Sie hatte natürlich alles Recht der Welt, ihr Leben anders zu gestalten, aber ich hätte mir zumindest gegen meinen Onkel Unterstützung erhofft.

Ansonsten sind alle Freundschaften kaputt gegangen. Zum Teil weil ich mich so verändert habe, denn ich war früher ein ganz anderer Mensch: lebenslustig, fröhlich, aufgeschlossen und für jeden Spaß zu haben. Zum Teil weil ich manche Kontakte (alte Nachbarn, Leute aus dem Dorf) selbst nicht halten konnte, weil es mich zu sehr schmerzt, nicht mehr dort bei ihnen leben zu können.

Hast/ hattest du irgendwelche Hobbies?

Leider bezogen sich alle meine Freizeitaktivitäten aufs Haus. Es war immer was zu tun. Im Sommer war ich ständig draußen zugange (ein sehr großes Grundstück mit viel Grünfläche) - man war fertig und konnte im Grunde schon wieder von vorne anfangen :-). Meine Oma und ich haben das meiste gemacht (meine Mutter weniger, deshalb verstand ich ihr Argument der vielen Arbeit auch nicht) und für schwerere Arbeiten hat uns immer ein Nachbar geholfen. Im Winter gab's dann drinnen immer etwas zu werkeln und ich liebte es, einzelne Räume immer neu zu dekorieren.

Niemand, der mich früher kannte, würde denken, dass ich es bin, der hier in dieser Wohnung lebt - alles kahl. Ich finde keine Freude daran, hier irgendwas nett zu gestalten, da ich mich nur zu Besuch fühle. Ich habe ein Dach überm Kopf, mehr nicht, so empfinde ich es.

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Hallo Flamechen79

Wie wäre es denn, wenn du dir einen "neuen" Traum zulegst, indem du ein kleines, gemütliches Häuschen planst in dem gleichen Ort, wo du dein Zuhause hattest?

Nein, unvorstellbar für mich, dorthin zurückzukehren, aber nicht am selben Fleck und nicht in unserem Haus wohnen zu können, es aber ständig vor Augen zu haben. Auch wäre dies überhaupt nicht in dem Abschnitt des Ortes möglich, in dem ich gelebt habe, da dort schon alles bebaut ist.

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Hallo Apfelkuchen007

Hattest du denn jemanden mit dem du über den Verlust reden konntest??

Damals gab es da schon noch Menschen, mit denen ich reden konnte, meine Mutter und ein paar Freunde.

Wie siehsts denn eigentlich in deinem privaten Bereich aus - Partner, Kinder, Familienplanung oder sowas? Oder existiert sowas nicht in deiner Zunkunft??

Das stand für mich schon länger nicht mehr zur Debatte, das Leben dort stand für mich an erster Stelle. Wenn sich mit einem Mann (der dort miteingezogen wäre) etwas ergeben hätte - gut, wenn nicht - auch okay. Kinder kann ich keine bekommen.

Was für Pläne hattest du früher als du deine Selbststädigkeit aufgegeben hast? Du kannst sie auch jetzt in Angriff nehmen. Oder war es dieses Haus, welches deine Zukunft sein sollte?

Ja natürlich sollte das Haus, das Leben dort meine Zukunft sein. Ich habe nie darüber nachgedacht, woanders zu wohnen, diese Option gab es für mich überhaupt nicht. Ich habe immer viel Geld und Herzblut in dieses Haus gesteckt, um alles instandzuhalten und um es uns allen schön zu machen. Dort selbst alt zu werden, war nicht nur eine Idee, sondern meine feste Überzeugung.

Ja, ich hatte aufgrund meiner Erkrankung und dadurch dass ich meine Selbständigkeit aufgab, beruflich noch (andere) Pläne im Kopf. Aber meine Motivation dafür ist futsch, ich wüsste nicht wofür.

Allgemein finde ich das sehr sehr schade, dass du dich aufgegeben hast. Natürlich ist der Tod eines geliebten Menschen nicht einfach....

Nicht ihr Tod hat mir den Lebensmut und die Lust am Leben genommen, sondern die Tatsache, dass ich nicht nur sie, sondern auch mein Zuhause und ihr Lebenswerk verloren habe.

Sicher hat mich ihr Tod auch aus der Bahn geworfen, zumal er ohne Vorankündigung so plötzlich kam, aber ich hätte das geschafft, auch weil ich so ein gutes soziales Netzwerk hatte, aufgefangen wurde.

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Hallo DoN_

Ich kann dich vollkommen verstehen, was da an ideellem und symbolischem Wert dranhing. 

Ja, das macht es so schwer, deshalb könnte auch kein anderes Haus als Ersatz herhalten.

EUhemaligeIr Nutze`r (m#47b9013x)


@ Minyip

Ja, das macht es so schwer, deshalb könnte auch kein anderes Haus als Ersatz herhalten.

Tut mir wirklich Leid für dich, dass es so gelaufen ist. Eine Möglichkeit wäre eventuell noch gewesen, das Haus als Sicherung für den Kredit zu benutzen, beispielsweise in Form einer Grundschuld. Leider ist es dafür jetzt zu spät :-|

Mninfy<ip


@ DoN_

Tut mir wirklich Leid für dich, dass es so gelaufen ist. Eine Möglichkeit wäre eventuell noch gewesen, das Haus als Sicherung für den Kredit zu benutzen, beispielsweise in Form einer Grundschuld. 

Das wäre laut Bankberater nur möglich gewesen, wenn ich die Besitzerin des Hauses gewesen wäre, dann wäre auch eine Hypothek denkbar gewesen. Dafür hätte mir das Haus aber zuerst überschrieben werden müssen und auch da willigte mein Onkel nicht ein. Richtig weh getan hat mir zusätzlich, dass ich das Gefühl von ihm vermittelt bekam, er hätte Angst, dass ich ihn um sein Erbe bringen könnte, wenn er mir in irgendeiner Form entgegenkommt. Eigentlich hätte er mich besser kennen müssen ...

Und danke, DoN_! @:)

E[llxa71


Was weißt Du denn über die aktuellen Besitzer des Hauses?

Wäre es denkbar, dass sie evtl. zu einem späteren Zeitpunkt wieder verkaufen? (Wobei dann immer noch zu klären wäre, wie das bei Dir mit Eigenkapital und Kredit aussähe.)

Oder, etwas abgefahrene Idee: hat das Haus mehrere Wohnungen und könntest Du Dich einmieten?

Ginge natürlich nur, wenn Dein Wohlergehen nicht in erster Linie vom Status "Eigentümer" abhängt.

Meine Ideen haben alle irgendwie mit Konfrontation zu tun, statt Flucht und/oder Lethargie.

Insgesamt kann ich Deinen Schmerz gut verstehen, finde aber auch, dass Du Dich sehr arg mit dem Haus identifizierst, d.h. Dein Leben steht und fällt quasi damit; zwischen den Zeilen lese ich, dass sogar eine Liebesbeziehung eine geringere Priorität hätte, warum eigentlich?

Ist Liebe nicht immer noch wertvoller als Materielles (so sehr das Haus auch von Emotionen geprägt ist, die letztlich ja viel mit Projektionen zu tun haben.... was genau projizierst Du da?)?

EKhemaliOger Nutz|er (#479013x)


Das wäre laut Bankberater nur möglich gewesen, wenn ich die Besitzerin des Hauses gewesen wäre, dann wäre auch eine Hypothek denkbar gewesen. Dafür hätte mir das Haus aber zuerst überschrieben werden müssen und auch da willigte mein Onkel nicht ein. Richtig weh getan hat mir zusätzlich, dass ich das Gefühl von ihm vermittelt bekam, er hätte Angst, dass ich ihn um sein Erbe bringen könnte, wenn er mir in irgendeiner Form entgegenkommt. Eigentlich hätte er mich besser kennen müssen ...

Ja, den Unwillen von Seiten deines Onkels hatte ich fast befürchtet. Es stimmt allerdings nicht, dass es für solche Konstellationen keine für alle Beteiligten sicheren Verfahrensweisen gibt. Beispielsweise hätte man das komplette Rechtsgeschäft notariell beurkunden lassen, anschließend die Eintragung der Grundschuld zugunsten der finanzierenden Bank und dann die Auflassung im Grundbuch vormerken können. Irrtümer im Detail nicht ausgeschlossen, aber es funktioniert auf jeden Fall und der Bankberater hat hier ordentlich Mist erzählt.

Msiny.iRp


@ Ella71

Wäre es denkbar, dass sie evtl. zu einem späteren Zeitpunkt wieder verkaufen?

Leider nein, ich wünschte, es wäre so, dann würde ich sofort alles dafür tun, um das möglich zu machen. Sie haben aber aus bestimmten Gründen genau solch ein Haus gesucht, ist eine größere Familie... (näher möchte ich lieber nicht drauf eingehen).

Oder, etwas abgefahrene Idee: hat das Haus mehrere Wohnungen und könntest Du Dich einmieten?

Wäre auch nicht möglich, wäre für mich aber auch keine Option. In dem Haus, in dem ich vorher schalten und walten konnte, wie ich wollte, dann nur noch Mieter sein. Undenkbar. Aber auch von den jetzigen Eigentümern her völlig unmöglich, daher egal, sich darüber Gedanken zu machen.

 zwischen den Zeilen lese ich, dass sogar eine Liebesbeziehung eine geringere Priorität hätte, warum eigentlich?

Eine Liebesbeziehung hatte nur insofern eine geringere Priorität, dass ich dort nicht ausgezogen/weggegangen wäre, sondern der mögliche Partner dort hätte mit einziehen müssen oder meinetwegen auch seine Wohnung zusätzlich behalten können. Andersrum ist das doch auch oft der Fall, dass Frauen zu den Männern in deren Häuser ziehen, also wieso nicht mal so rum?

Allerdings brauchte ich nie zwingend jemanden an meiner Seite, ich war immer glücklich allein und gerne Single.

Ist Liebe nicht immer noch wertvoller als Materielles?

Zuerst einmal passt dieser Vergleich für mich persönlich nicht, da ich mich ja nicht zwischen "Liebe und Haus" entscheiden musste (mir wurde das Haus einfach genommen). Ebenso wenig geht es mir um das Materielle, was das Haus betrifft.

Es hatte nichts damit zu tun, dieses Haus besitzen zu wollen (es gehörte mir ja nie), in dem Sinne von "Reichtümer" anhäufen. Nein, überhaupt nicht, das wäre gar nicht ich.

Das Haus war schlichtweg 30 Jahre lang mein Lebensmittelpunkt, mein Zuhause (wer schon freiwillig sein geliebtes Zuhause auf?!).

Andere leben für ihre Arbeit, für ihre Kinder, für was auch immer ... mein Leben spielte sich eben dort ab, nicht nur, was bestimmte Arbeiten am/ums Haus betraf, sondern auch das Zwischenmenschliche... mit den Nachbarn reden, die gerade auch draußen zu tun hatten oder mit ihnen zusammensitzen, reden, lachen (wir hatten alle ein sehr gutes Verhältnis zueinander), Freunde einladen, Feste dort feiern.

Es ist so viel mehr als nur ein Haus für mich.

Ich bin von heute auf morgen aus meinem Leben gerissen worden, einem Leben, das ich genauso, wie es war, liebte und alles, was mir wichtig war, mir etwas bedeutete, war und ist weg.

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@ DoN_

Beispielsweise hätte man das komplette Rechtsgeschäft notariell beurkunden lassen, anschließend die Eintragung der Grundschuld zugunsten der finanzierenden Bank und dann die Auflassung im Grundbuch vormerken können. 

Ihm alles schriftlich zu geben, es auch notariell beglaubigen zu lassen - das hatte ich ihm alles vorgeschlagen. Er fing aber immer wieder mit meiner Erkrankung an und diese "machte" sich auch bei den Gesprächen mit dem Bankberater "nicht gut", das spürte ich jedes Mal, zumal ich meine Selbständigkeit aufgegeben hatte.

Ja, ich steckte damals noch mitten in der Behandlung (es waren leider mehrere Chemos nötig) und die sahen mich alle schon im Sarg liegen, dabei war die Prognose laut Ärzten wirklich gut. Ich habe nicht einen Tag daran gezweifelt, gesund zu werden.

Allerdings denke ich, dass es meinem Onkel einfach sehr gelegen kam, dass ich nicht so handeln konnte, wie mit voller Gesundheit. Ich frage mich nur, wie es ihm gefallen kann, dass in seinem geliebten Elternhaus seine Eltern gingen ihm über alles nun fremde Leute wohnen, anstatt seiner Nichte. :|N

Irrtümer im Detail nicht ausgeschlossen, aber es funktioniert auf jeden Fall und der Bankberater hat hier ordentlich Mist erzählt.

Möglicherweise wurde ich zusätzlich noch falsch oder zumindest nicht ganz richtig beraten. Der Bankberater meinte damals im letzten Gespräch allerdings, "es steht und fällt alles mit ihrem Onkel, er hat das Recht zu verkaufen, Sie haben nicht das Vorkaufsrecht, klären Sie das". Diese Worte habe ich nie vergessen,nur war mit meinem Onkel einfach nicht zu sprechen.

EVhemaligeOr N7utzer (#479x013)


@ Minyip

Möglicherweise wurde ich zusätzlich noch falsch oder zumindest nicht ganz richtig beraten. Der Bankberater meinte damals im letzten Gespräch allerdings, "es steht und fällt alles mit ihrem Onkel, er hat das Recht zu verkaufen, Sie haben nicht das Vorkaufsrecht, klären Sie das". Diese Worte habe ich nie vergessen,nur war mit meinem Onkel einfach nicht zu sprechen.

Im Hinblick darauf, dass dein Onkel mit jedem Geschäfte machen kann, mit dem er will, hatte der Bankberater natürlich Recht.

Trotzdem zeugen die Argumente deines Onkels nur von Begriffsstutzigkeit, da er so den vollen Kaufpreis noch vor der eigentlichen Eigentumsübertragung erhalten hätte. Was spielt da bitte deine Krankheit für eine Rolle, wenn sowieso alles nahezu im selben Moment abgewickelt wird?

M[iSnyixp


@ DoN_

Du hast mit allem Recht.

Ich denke, er wollte es nicht an mich verkaufen, sondern lieber an fremde Leute. Er hatte mit einem befreundeten Makler dann auch den Preis noch höher getrieben, aber sie haben es gezahlt, das Haus war auch gut in Schuss, tolle Lage, alles wunderbar.

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass nur meine Mutter hätte einschreiten können, denn es gehörte ihr ja zu gleichen Teilen. Aber sie hat alles ihm überlassen mit dem Verkauf, es war ihr schlichtweg egal.

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