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Therapie der anankastischen/zwanghaften Persönlichkeitsstörung

Axnankiast hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich habe mich hier angemeldet da ich hoffe, Hilfe zu finden.

Ich leide an der anankastischen/zwanghaften Persönlichkeitsstörung und leide sehr darunter. Hauptsächlich leide ich unter dem ständigen, oft unbewussten Streben nach Vollkommenheit und dem zwanghaften Erreichen dieser "Vollkommenheit" (was sehr oft mit sehr großen Anstrengungen verbunden ist, eigene Grenzen werden meist übergangen). Sobald es an Themen geht, bei denen das Erreichen der Vollkommenheit unmöglich erscheint, weil es zu beschwerlich oder einfach nicht möglich ist, werde ich depressiv.

Die Persönlichkeitsstörung wurde bei mir vor 5 Jahren diagnostiziert, nur habe ich seit dem leider, trotz regionaler Suche nach Therapeuten, nicht wirklich Methoden entwickeln können, mit denen es mir besser geht.

Bei der Suche im Netz bekam ich den Eindruck, dass es gar so ist, dass es generell erst wenig Erfahrung mit dieser Persönlichkeitsstörung gibt.

Ich würde gerne lernen, besser damit umzugehen. Hat jemand Erfahrungen oder kann mir jemand gar einen erfahrenen Therapeuten auf diesem Gebiet nennen?

Ich würde mich wirklich über Hilfe freuen.

Danke und Gruß

Tina

Antworten
c&ha^ot


Hallo Tina diese Diagnose hatte ich auch mal. Jetzt heist es ich hätte eine kompinierte Persönlichkeitsstörung. Auch mit zwanghaften anteilen. Diese Diagnose wird sehr selden gestellt. Das betrifft heufig Menschen in führenden Positionen. So lange die Zwanghaftigkeit gefragt ist und gut ankommt, entwickeln diese Personen keine problehme. Ich habe noch nie von direkten Spezialisten, direckt für diese Störung gehört. Du kannst es mit verschieden Therapeuten und Methoden versuchen. Was hast du schon versucht?

A:n[ank|asxt


Ah, hallo, schön dass Du geantwortet hast, ich habe Dich ja auch schon persönlich angeschrieben da ich Deinen Faden von letzem Jahr gelesen hatte.

Wie genau kam man denn auf diese "Weiterentwicklung" Deiner Diagnose, wenn ich fragen darf?

Ich hatte bereits eine Verhaltenstherapie und eine Gesprächstherapie. Beides nicht sehr erfolgreich. Ich probiere immer wieder etwas Neues aus, gerade im Umgang mit Menschen. Leider versticke ich mich immer wieder auf andere Weise in alte Muster, meistens bemerke ich das zu spät.

Im aktuellen Fall hatte ich ein intensives Gespräch mit einer Freundin über Ernährung. Ich muss dazu sagen dass ich leider Übergewicht habe und das Thema Ernährung normalerweise meide wie der Teufel das Weihwasser. Meine Freundin macht derzeit einen Selbsttest, sie will komplett auf Gluten verzichten und lässt sämtliche Formen von Getreide weg. Sie hat mir dann auch z.B. erzählt, dass man Honig nicht erwärmen darf, da sich Toxine freisetzen und dass z.B. Babys mit einem Fettstoffwechsel zur Welt kommen, der dann durch die Ernährung mit Kohlehydraten zerstört wird. Dazu noch die bekannten Informationen zu Gen-Gemüse, Gen-Obst, kranken Tieren, die zu Fleisch verarbeitet werden und natürlich der allgemeinen Belastung von Lebensmitteln durch Konservierungsstoffw, Spritzmittel, Kunststoffen, Verunreinigungen usw.

Ich habe also das Gefühl es ist egal, was ich esse, man kann sich nie zu 100 % sicher sein dass es nicht irgendwie verunreinigt ist.

Vollkommenheit ist auf diesem Gebiet unmöglich. Zusätzlich dazu kommt natürlich mein Übergewicht und viele gescheiterte Diäten oder Versuche, abzunehmen.

Diese Situation mit der Freundin könnte man allerdings auch auf andere Situationen adaptieren. Es geht nicht primär um das Thema mit der Ernährung.

Ich mache z.B. auch exorbitant viel für Freunde und Freundschaften. Das ging schonmal so weit, dass ich einem Freund über 2 Monate hinweg alle Einkäufe bezahlt habe, weil es ihm finanziell schlecht ging. Ziemlich dumm, so von außen betrachtet. Ich will eine perfekte Freundin sein. Dies endet aber natürlich fast immer im ausgenutzt werden. Ich habe immer das Gefühl, ich müsse wesentlich mehr leisten, als alle anderen, weil ich es um meinerselbst willen nicht wert bin. Das selbe Thema bei der Arbeit: Perfektionismus, ein Null-Fehler-Bestreben; nach jedem Fehler folgt Selbstgeißelung. Und auch hier bin ich schon sehr oft ausgenutzt worden.

Aber so wie es sich liest hast Du eine andere Symptomatik, oder?

cghaRot


Mit der Ernährung bin ich genau das Gegenteil. Ich habe angst etwas wegzuwerfen. Denke da eher an schlechte Zeiten. Ich esse so ziemlich alles. Schneide da eher den Schimmel com Käse ab. Esse Hartes Brot. Mir tut das sonst leid. Ich will aus allen was machen. Alles weiter verwerten. Nichts achtlos wegwerfen. Ja ich bin da eher geizig, würde andere dazu anhalten, wie sie am wenichsten Geld benötigen. Da könnten wird uns gut ergensen. Auf Arbeit war ich so schlimm, dass ich Listen geschrieben habe. Auf den Cent genau hatte ich alles ausgerechnet. Mein Arbeitgeber meinte so extrem hat er das noch nie erlebt. Ich habe dir per Post geantwordet.

cXhaot


In einer Klinik wurde ich nochmal richtig geprüft. Ich habe viele Macken.

EGhemalUiger1 Nutzer< (#5j302c1x8)


Das ging schonmal so weit, dass ich einem Freund über 2 Monate hinweg alle Einkäufe bezahlt habe, weil es ihm finanziell schlecht ging. Ziemlich dumm, so von außen betrachtet. Ich will eine perfekte Freundin sein. Dies endet aber natürlich fast immer im ausgenutzt werden. Ich habe immer das Gefühl, ich müsse wesentlich mehr leisten, als alle anderen, weil ich es um meinerselbst willen nicht wert bin. Das selbe Thema bei der Arbeit: Perfektionismus, ein Null-Fehler-Bestreben; nach jedem Fehler folgt Selbstgeißelung. Und auch hier bin ich schon sehr oft ausgenutzt worden.

Das ist schade, dass du ohne perfekte Leistung dich selbst nicht wertvoll finden kannst. Klingt so, als würdest du dir mit deinem auferlegtem Perfektionismus selbst ein Gefängnis bauen und nach Außen hin gar nicht du selbst als eigene Person. Grundsätzlich muss das Streben nach Perfektion nicht schlecht sein; ich habe da selbst (v.a. früher) einen Hang zu gehabt. Aber es ist eine Abwägung zwischen Nutzen und persönlichen Kosten. Spätestens da, wo du dir selbst damit zu schaden anfängst und dir dein eigener Perfektionismus weniger nützt als schadet, ist es zu viel.

Gibt es Bereiche in deinem Leben, in denen du dir erlauben kannst, dich nicht um den "Perfektionsgehalt" dabei zu kümmern? Dinge z.b. aus und mit Spaß statt mit "Zwang" zu tun? .... Möglicherwiese ab und zu für dich selbst extra "Fehler" machen und feststellen, dass davon die Welt nicht untergeht und echte Freunde dich dann immer noch mögen - auch mit Schwächen/Fehlern?

Also Mut zur Fehlerhaftigkeit in dem Sinn, dass du dich zwar weiterhin ruhig darum bemühst z.B. deine Arbeit richtig zu machen, aber dabei weniger streng/hart zu dir bist und dir Fehler verziehen kannst. Und zudem irgendwann dahin kommen kannst, dass dein wert an sich als Mensch nicht mit deinem gezeigten Perfektionsgrad steht und fällt. ... So an sich sind "perfekt wirkende Menschen" bei anderen auf privater eben nicht soo beliebt und kommen eher kühl/unnahbar als sympathisch-menschlich rüber. (Auf der Arbeit kann ein Perfektionsstreben (der nicht zu weit getrieben wird, so dass er die Arbeitserledigung an sich behindert) dagegen gut sein. Hängt vom ausmaß ab. Im Moment behinderst du dich aber eher damit ...

E@hemalifger KNutzer_ (#5x30218)


Wo wir so bei Fehlern wären - ich mag diese Tastatur nicht :=o

Was ich zu der Sache mit dem Ausnutzen noch ergänzen wollte:

Gibt es da vielleicht typische Situationen, in denen du deinen Kollegen allzu bereitwillig deren Arbeit abnimmst?

Könntest du das üben im Kleinen zu solchen Anfragen Nein zu sagen? - Auch wenn dir das sicher anfangs sehr schwer fallen wird.

Und bei der Freundschaft:

Wenn du eine "gute Freundin" (streich das perfekt ;-) ) sein möchtest, bist du vor allem ehrlich und traust dich für dich selbst einzustehen. Du darfst jemanden durchaus sagen, wenn du etwas nicht machen möchtest. (Der will es ja auch nicht machen bzw. ist jeder erstmal für sich selbst verantwortlich). Wenn du einem Freund helfen möchtest, dann mach es, weil du es von dir aus wirklich machen möchtest - und nicht weil du fürchtest sonst keine gute Freundin zu sein.

A5naZnka0s't


Danke für eure Antworten. Ich bin sehr erschöpft weil ich im Moment ständig am grübeln bin.

Es gibt Momente, in denen ich "ausbreche", ja, Suchtmittelmißbrauch zählt da z.B. dazu, allerdings würde ich mich selbst nicht als süchtig bezeichnen. Wenn ich z.B. eine Woche lang rauche, kann ich danach auch wieder monatelang nicht rauchen. Ganz schlimm war es dieses Jahr schon zu einer früheren Phase; da hätte ich beinahe für einen Freund etwas illegales getan. Er selbst hat mich davon abgehalten. Zum Glück.

Ansonsten bin ich, gerade was die Arbeitswelt angeht, schon etwas lockerer geworden. Ich reiße nicht mehr alles an mich und wenn ich sehe, dann ein Kollege mit fliegenden Fahnen gegen eine Wand läuft, dann warne ich einmal, aber ich versuche nicht mehr mit aller Kraft das aufzuhalten oder sogar, wie früher einmal, die Schuld sogar auf mich zu nehmen. Ich suche sie schon immer, bewusst und unbewusst, diese Schuldschuhe.

Gleichzeitig dann aber immer diese unbewussten Erwartungen an andere, die ich gar nicht haben will. Es hat mich z.B. verletzt, dass ich von Freunden, für die ich sehr sehr viel getan habe, kein Weihnachtsgeschenk bekommen habe. Das klingt albern und kindisch. Ist es auch. Dennoch bin ich verletzt und stelle die Freundschaft in Frage. Ich darf wohl nicht mehr geben, gar nicht mehr. Denn wenn ich gebe, wecke ich unbewusst in mir wohl Erwartungen, die nur enttäuscht werden können. Aber was heißt das? Freundschaften sind dann nicht mehr möglich?

Ich suche ja auch in einer Freundschaft Vollkommenheit. Vollkommenes Vertrauen, Verlässlichkeit, Sicherheit. Aber das gibt es denke ich nicht. Bis zu diesem Jahr war ich davon überzeugt, dass ich diese Sicherheit an meinem Arbeitsplatz gefunden habe. Ich habe dort ständig nur Lob erhalten und mir wurde immer versichert, dass mein Arbeitsplatz sicher ist, denn man könne mich eh nicht ersetzen. Dann, im Mai, kam die Änderungskündigung, die gesamte Abteilung wurde in die neuen Bundesländer verlegt, ich hätte für 60% meines Gehaltes "mit"gehen können. Diese Verletzung sitzt natürlich noch tief. Hier bin ich, mehr oder weniger, wieder auf die Füße gefallen; ich verdiene jetzt mehr, ich habe wieder einen guten Job... Aber das Vertrauen ist weg. Und die Bereitschaft, mich aufzuopfern. Vielleicht ist das gut... Aber die Leidenschaft und das Feuer für den Job sind mir verloren gegangen.

Dann habe ich Ende 2013 auch noch ein Kind verloren, was ich immer noch nicht verkraftet habe. Seit dem stimmt es zwischen meinem Mann und mir auch nicht mehr wirklich.

Dann zwischendurch die Hoffnung, in Freundschaften neuen Halt zu finden... Aber das, was ich brauche, kann keiner leisten. Als ich noch ein Kleinkind war, hat uns mein Vater verlassen, für eine andere Frau mit zwei Töchtern. Meine Mutter war selbst Perfektionistin und hat meiner Schwester und mir gewaltsam eingebläut, wie wir uns "richtig" zu verhalten haben.

Ich weiß, wo meine Probleme her kommen. Ich bin ständig dabei, zu reflektieren, wo welches Verhalten herkommt und was genau nun schief läuft.

Aber bewältigen kann ich es nicht. Diverse Traumata und auch die anankastische Persönlichkeitsstörung - all das manipuliert mich und verändert mich, nimmt mir Autenzität und Klarheit. So oft kommt es vor, dass ich plötzlich Depressionen habe und im Nachhinein erkenne, dass ich mich schon wieder seit Wochen in altem, selbstmanipulativem Fahrwasser befinde, ohne es gemerkt zu haben!

Ich bin im Moment so wütend auf mich selbst aber auch so schwach und hilflos. Ich will gar niemanden mehr an mich heran lassen weil ich Angst habe, die Menschen um mich herum zu verletzen. Ich mag nicht mehr :°(

cBhaoxt


Anankast ich verstehe deine Gefühle sehr gut. Da sind wird uns auch sehr ähnlich. Auch wenn ich das andere Extrem lebe. Ich denke das stammt aus der Lebenssituation. Ich denke du warst vorher Finanziel etwas besser gestellt. Ich habe schon früh gelernt auf Sparsamkeit und Rückhalt zu achten. Der Sicherheitswahn ist uns gleich. Substanzmittelmisbrauch ist ein Versuch zu überleben. Ja es gehört zu der persönlichkeit, dass du schlagartig mit den Rauchen aufhören kannst. Auf was anders umsteigst. Das ist die Begabung und selbstkontrolle. Aber irgendein Suchtmittel benötigst du immer, auch wenn es die Flucht in die Arbeit oder Sport ist. Es ist wie eine Sucht, nur zwanghaft. Zu entfliehen aus der Zwanghaftigkeit, geht kaum. Du funktionierst wie verngesteuert. Das Suchtmittel ist einfach der Versuch den Teufelskreis zu unterbrechen, was auch teilweise gelingt. Ein wenig verstehe ich dich.

H!agesxtolz


Ich habe dich gelesen, Anankast, und finde mich in weiten Teilen bei dir wieder. Problematisch wird es, wenn man meint, klüger als andere zu sein. Was erschreckend oft vorkommt. Vielleicht fällt mir morgen mehr dazu ein. Du bist nicht alleine!

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