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Muss die Dosierung vom Antidepressivum "Nortrilen" einheitlich s

Y$ttrfixum hat die Diskussion gestartet


Hallo, Ich erhalte nun schon seit einiger Zeit das Antidepressivum Nortrilen, 10 mg 3 mal am Tag. Mein Arzt wollte nun die dosierung langsam hochschrauben und wollte dass ich 3 mal am Tag eine halbe 25mg Tablette ( angestrebte Tagesdosis von 37,5) zu mir nehme, diese sind aber nicht teilbar. Mir wurde nun von meiner Apothekerin vorgeschlagen eine 25mg morgens und eine 10mg Abends einzunehmen. Dies würde aber zu einer täglichen Schwankung im Pegel führen. Ich frage mich nun ob dies in Irgendeiner Form schädlich sein könnte, über Hinweise und Tipps wäre ich dankbar.

Lg Anna

Antworten
Z<wackx44


Hallo Yttrium, gibt es einen Grund, warum Dich Dein Arzt soo langsam hochtitrieren will? Liege ich mit meiner Vermutung richtig, dass Dich Dein Hausarzt behandelt? Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 3x10 mg oder 3x25 mg täglich. Daraus siehst Du, dass Dein Arzt auch sofort 3x25 mg hätte empfehlen können. Man muß ja auch im Auge behalten, wohin man will: Solange Du die Erhaltungsdosis noch nicht erreicht hast, befindest Du Dich im Einschleichprozess. Die empfohlene Nortrilen-Erhaltungsdosis liegt bei 100-150 mg. Nun zu Deiner Frage: Die maximale Wirkstoffkonzentration ist nach 4-6 h erreicht. Die Halbwertszeit beträgt ca. 30 h, d.h. eine Einmaldosis erzeugt nach 4-6 h einen maximalen Wirkstoffspiegel und nach 30 h hat die Hälfte dieser Dosis den Körper wieder verlassen. Wenn Du nun gedanklich von einem Tag zur täglichen Einnahme schreitest, siehst Du, dass die eingenommene Dosis immer auf einen Restspiegel trifft, so dass sich langsam ein immer höherer Wirkstoffpegel einstellt. Die Aufteilung auf 3 Tagesportionen soll die Wirkstoffkurve gleichmäßiger gestalten, aber dass dadurch Nebenwirkungen stark begünstigt würden, glaube ich als Laie nicht. Warum Dein Arzt aber bei den bekanntlich vermarkteten 10 und 25 mg ausgerechnet auf eine so krumme Dosis setzt, bleibt mir ein Rätsel.

Y:ttr3i!uUm


Gründe für die langsame Erhöhung sind vielfältig.

Die 30 mg Tagesdosis hat bei mir schon deutliche Erfolge gezeigt.

Ich leide unter einer Bipolaren Störung, eine Erhöhung von 30mg auf 50mg empfindet mein Arzt als zu riskant und zu schnell.

Nortrilen wird in der 10g Dosis nur im 50er Pack verkauft (16 Tage) während die 25 in einer 100er Packung verkauft werden, wenn ich nur 1,5 Tabletten davon Täglich nehmen würde, würde die packung sehr viel länger reichen.

Vielen Dank für deine Erläuterung über die Wirkstoffkonzentrationen. Ich werde es mal mit 25 mg morgens und 10 mg Abends versuchen :)

Sapin nerixn


Hallo Yttrium,

auch ich habe eine bipolare Störung und wundere mich gerade über folgende Aussage:

eine Erhöhung von 30mg auf 50mg empfindet mein Arzt als zu riskant und zu schnell.

Nimmst du denn nichts zusätzlich, was eine Manie deckeln würde?

ZPwacCk%4x4


Hallo Yttrium, manchmal bekommt man im Forum auch Fragen beantwortet, die man gar nicht gestellt hat. Grund dafür ist der Eindruck mancher Leser, dass das Hauptproblem des TE von seiner Frage nicht immer voll erfaßt wird. Weil Du an bipolarer Störung leidest wie manche unserer user, die mit ihrer Behandlung nicht immer glücklich sind, möchte ich Dich einladen, etwas mehr über die Erlebnisse mit Deiner Krankheit zu berichten, weil davon auch andere betroffene Patienten profitieren könnten.

Ich selbst bin Depressionspatient (nicht bipolar), habe im Laufe der Jahrzehnte über 20 ADs ausprobiert und fühle mich mit einer 3er-AD-Kombination gut eingestellt. Neben meinem Rechner liegt der Benkert/Hippius, "Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie", den ich bei Bedarf heranziehe.

Dein Eingangspost klingt so, als stündest Du noch ziemlich am Anfang Deiner Behandlung. Da Du von Nortrilen (= TZA = trizyklisches Antidepressivum) sprichst, vermute ich, dass die depressiven Episoden bei Dir im Vordergrund stehen. Ein zweites Arzneimittel zur Behandlung Deiner Krankheit erwähnst Du nicht. Die Frage, ob Dich Dein Hausarzt behandelt, läßt Du offen. Mag sein, dass ich mir ein paar Sorgen zuviel mache und deshalb Eulen nach Athen trage.

Nachfolgend kommentarlos einige Zitate aus dem genannten Buch, die für Dich wichtig sein könnten:

"Während Stimmungsstabilisierer die Basis jeder Therapie und Prophylaxe bipolarer affektiver Störungen darstellen, sind die meisten (atypischen) Antipsychotika, Antidepressiva oder Benzodiazepine primär als Interventionsmedikamente zu betrachten ..." (S. 145/146)

"Antidepressiva sind in der Regel Mittel der 1. Wahl bei der Rezidivprophylaxe unipolarer Depressionen. Antidepressiva können bei bipolaren Störungen Manien induzieren. Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand können sie auch das Risiko für die Entwicklung eines Rapid Cycling erhöhen. Daher muß die Indikation für die Anwendung eines Antidepressivums bei bipolarer Depression eng gestellt werden. Dies gilt insbesondere für trizyklische Antidepressiva (TZA).

Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) und Bupropion haben, auch im Vergleich zu Venlafaxin, ein geringeres Risiko, eine Manie oder Hypomanie (wahrscheinlich auch Rapid Cycling) zu induzieren.

Antidepressiva sollten bei bipolaren Depressionen nur unter dem Schutz eines Stimmungsstabilisierers verordnet werden." (S. 147)

"Der Patient sollte ein Verständnis dafür bekommen, dass es nach heutigem Kenntnisstand langfristig günstiger sein kann, bei leichter Depression auf ein Antidepressivum zunächst zu verzichten, auch wenn der akute Behandlungsverlauf u.U. verlängert wird. Bei leichter Depression können eine Verhaltenstherapie und die Gabe eines Stimmungsstabilisierers ausreichend sein." S.150)

"- Bei leichten depressiven Störungen sind Antidepressiva nicht indiziert.

- Bei mittelschweren und schweren depressiven Episoden, insbesondere solchen mit Suizidalität, kann jedoch nicht auf die Gabe eines Antidepressivums verzichtet werden. Dann sollte zunächst auf einen SSRI oder Bupropion zurückgegriffen werden.

- Antidepressiva sollten nur als Bestandteil einer Gesamtbehandlungsstrategie, d.h. bei gleichzeitigem Einsatz eines Stimmungsstabilisierers oder eines atypischen Antipsychotikums (AAP), gegeben werden. Hierdurch kann das Switch-Risiko minimiert werden." (S. 157)

"Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass das Risiko, durch die Therapie mit einem Antidepressivum ein Umkippen in eine Manie zu provozieren, mit SSRI geringer als mit TZA ist ...."

! Der Einsatz von Antidepressiva bei bipolaren Depressionen ist vorsichtig abzuwägen, und das unterschiedliche Risiko der einzelnen Substanzen ist bei der Therapieentscheidung zu berücksichtigen. Dies gilt auch für die Langzeittherapie. Auf jeden Fall ist die gleichzeitige Gabe eines Stimmungsstabilisierers oder eines AAP dringend anzuraten." (S. 158)

Fett- und Kursivdruck aus dem Original, Unterstreichungen von mir.

Falls Deine Behandlung sich an diesen Empfehlungen ausrichtet, kannst Du diesen Beitrag vergessen. Ich wünsche Dir alles Gute!

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