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seelisches selbstverletzendes Verhalten, gibt es das?

iYnemxuri hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich bin zur Zeit etwas überfragt, da ich Verhaltensweisen meines Mannes in unserem Sohn wiedererkenne. Sie haben beide in Situationen von Stress oder Ärger ein Verhalten was ich als selbstverletzend beschreiben würde, allerdings bezieht es sich meist darauf, dass sie sich zwar schaden aber nur indirekt und sich keinen körperlichen Schmerz zufügen.

Bei meinem Mann ist das Problem komplexer und teilweise sehr ausgeprägt, deswegen ist die große Sorge mein Sohn, denn er ist erst 5 Jahre alt und ich weiß gar nicht wie ich damit umgehen soll, dass er seit ein paar Monaten ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legt wie mein Mann.

Er kann davon aber (fast) unmöglich etwas mitbekommen haben, da es bei meinem Mann sehr subtil abläuft und selbst von mir jahrelang kaum bemerkt wurde. (seitdem macht er eine Therapie...)

Mein Sohn wirft zum Beispiel Dinge, die ihm normalerweise sehr am Herzen liegen in den Müll oder macht sie kaputt. Und er redet davon, wie schlecht er ist und dass er nichts kann usw...das macht mich dann ziemlich traurig.

das betrifft meinem Mann natürlich auch - aber anders. Ich habe beispielsweise sein Ipad heimlich aus dem Müll geholt und es ihm in einem "besseren" Moment dann wiedergegeben...oder ihm sehr wichtige geschäftliche Termine, die lange geplant sind, nimmt er nicht wahr, wenn wir z.B. vorher Streit hatten, was z.B. die Terminplanung angeht. Er löst sich dann regelrecht auf, kann auch mal einen halben Tag im Bett liegen...solche Sachen. Und ich kann dann auch einlenken und alles versuchen. Der Termin wird auch nicht verschoben oder verspätet angetreten. Ich schlage dann tausend Dinge vor...nix.)

Bei meinem Mann weiß ich, dass es damit zu tun hat, dass er sich (besonders in Momenten von Auseinandersetzungen) minderwertig und wertlos fühlt und somit auch alles als wertlos erachtet, was er tut und besitzt.

wie kann man denn sowas nennen? Auto-Aggression trifft es ja auch nicht, auch wenn - mein Sohn zumindest - dann als Resultat endlos traurig ist.

ich würde gerne wissen wie ich mich verhalten soll, denn ich habe natürlich auch schon versucht diese dinge zu ignorieren.

das klappt bei beiden nicht :=o

wie kann man dann an sie (beide) rankommen. Mein Mann konnte mir das bisher nicht wirklich erklären.

ich würde dazu gerne was lesen aber mir fehlt da der Ansatz zur Suche...

und ja, ich weiß das hört sich nicht so dramatisch an, eher normal, wie eine Phase...aber die Erfahrungen mit meinem Mann sind eben sehr schmerzhaft und ich bin deswegen sehr sensibel diesbezüglich.

Schmerzhaft im Sinne von: Ich will ihm helfen, kann es aber nicht. Denn er tut wirklich alles für uns - nur leider hat er daneben eben einige Abgründe, die unter der Oberfläche sind.

Unsere Tochter ( 8 Jahre) hingegen zeigt keinerlei solcher "Marotten"

danke euch!

Antworten
KOleixo


inemuri

Bei meinem Mann weiß ich, dass es damit zu tun hat, dass er sich (besonders in Momenten von Auseinandersetzungen) minderwertig und wertlos fühlt und somit auch alles als wertlos erachtet, was er tut und besitzt.

Klingt für mich eher so, als hätte er nicht gelernt mit Konflikten, Stress und Wut umzugehen. Das ist aus meiner Sicht der Grund. Wenn jemand sich in Rage bringt, dann kann er auch nicht mehr klar denken und es ist logisch, dass er dann auch unvernünftig handelt.

ich würde gerne wissen wie ich mich verhalten soll, denn ich habe natürlich auch schon versucht diese dinge zu ignorieren.

Dein Mann macht doch eine Therapie. Was spricht dagegen einmal mitzugehen und zu fragen, wie Du ihn unterstützen könntest? Da könntest Du auch gleich erwähnen, was Du und Dein Mann tun könnt, um dem 5jährigen zu helfen.

Unsere Tochter ( 8 Jahre) hingegen zeigt keinerlei solcher "Marotten"

Deine Tochter wird in dieser Hinsicht nicht Deinen Mann als Vorbild gesucht haben. Es bedeutet ja nicht unbedingt, dass sie besser mit Stress umgehen kann. Sie könnte ihren Ärger in sich hineinfressen. Das ist aus meiner Sicht schlimmer, als mal etwas auf den Boden zu knallen. Damit wird die Wut ja heraus gelassen. Damit will ich nicht sagen, dass Deine Tochter das tut - Du kennst sie und Du wirst wissen, ob wie sie mit ihrer Wut umgeht.

Kinder sind keine Idioten. Natürlich bekommen die Kinder mit, wie ihr mit gewissen Situationen umgeht. Ihr seid ihre Vorbilder. Ich würde sogar sagen, dass es eher zu einem 5jährigen passt, aus Wut etwas kaputt zu machen, weil er noch keine anderen Möglichkeiten kennt, mit so einer Situation umzugehen. Er kann es ja noch lernen.

Bge/sagtezFraxu


Nun gut, dass man sich nicht selbst wert fühlt, kennen sehr viele Menschen. Auch ich zweifel ständig an mir, ob das was ich getan habe auch gut genug ist. Dieser Zustand schwankt ständig und ich muss immer an mir arbeiten.

Was dein Mann erlebt ist einfach ein mangelndes Selbstwertgefühl und dein Sohn hat sich, so subtil dein Mann das auch ausagieren mag, (wobei ich Dinge in den Müll schmeißen und einen halben Tag im Bett liegen bleiben nicht subtil finde) es sich vorbildhaft genommen und beginnt vielleicht ähnlich zu empfinden. Ich habe zum Thema Selbstwert ein sehr tolles Buch gelesen, das für Therapeuten geschrieben ist, aber wie ich finde auch sehr gut von Betroffenen gelesen werden kann. Es sind gute Verhaltenstipps darin und vielleicht bekommst du auch Anregungen wie du dich deinem Sohn gegenüber Verhalten kannst um ihm mehr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu geben. Abgesehen davon würde ich versuchen herauszubekommen, was man erzieherisch machen muss um ein Kind in dem Punkt zu stärken und eine Beratungsstelle aufsuchen oder dazu Literatur suchen. Sowas wie: "Wie ein Kind Selbstbewusst aufwächst." Gibts doch bestimmt was zu.

Der Titel meines Buches: Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen Psychotherapeutische Intervention zum Aufbau von Selbstwertgefühl. Von Friedrike Potrek-Rose, Gitta Jacob.

Ich fand es sehr aufschlussreich und es hat mir wirklich geholfen.

Liebe Grüße

d/anaex87


inemuri

Klar, geht das. Man kann zum Beispiel mit einem Haufen Idioten schlafen obwohl man eigentlich nicht will, weil man sich selbst nicht den Wert zugesteht: "Nein.", zu sagen.

Das Verhalten selbst kannst du vermutlich nicht ändern und ich würde auch sagen, dass er es eindeutig vom Vater gelernt hat. Die Ähnlichkeit ist einfach zu groß, als dass es Zufall sein könnte. Ich an deiner Stelle würde zur Erziehungsberatung gehen, eventuell gibt es sogar eine Stelle wie hier, da kümmern sie sich schwerpunktmäßig um die Kinder psychisch kranker Eltern und helfen dabei andere Wege aufzuzeigen.

Wie löst du denn Konflikte?

iLnemuxri


Danke euch allen für eure Beiträge -

ich war den ganzen Tag unterwegs und bin jetzt etwas zu platt, werde aber morgen auf alles eingehen.

In die Richtung Selbstvertrauen stärken und aufbauen habe ich auch schon gedacht, in der Hoffnung, dass das einiges löst. das wäre jetzt die nächste Richtung gewesen.

danke für den Buchtipp, das werde ich mir genauer anschauen!

ziemlich sicher melde ich mich morgen!

gute Nacht zusammen

mdond +ste7rne


ich würde gerne wissen wie ich mich verhalten soll, denn ich habe natürlich auch schon versucht diese dinge zu ignorieren.

Wie eine Mutter, bzw. wie eine Frau. Im Augenblick verhältst Du Dich eher wie eine Ärztin, die nach einer Diagnose sucht, oder wie eine Psychologin, die nach einer Lösung für ein psychisches Problem sucht.

Wie Du geschrieben hast, macht das Verhalten Deines Sohnes Dich traurig. Meiner Meinung nach solltest Du Dich mehr von diesem Gefühl leiten lassen....

iznemuarxi


@ kleio

dass ich mitgehen könnte bei der therapie habe ich so noch nicht gewusst und auch nicht in betracht gezogen zumal ich dachte, dass er dort auch einen geschützten raum hat und mich der therapeut evtl. gar nicht kennenlernen sollte. Es gibt ja auch viele konflikte zwischen uns, die aus einem totalen unverständnis entstehen. es ist wirklich so, dass ich manchmal vor ihm stehe und denke "??? in welchen zwei welten leben wir gerade ???" und das wird dort dann z.b. thematisiert und entwirrt.

und ja, er kann schlecht mir konflikten umgehen, er ist dann schnell das angeschossene reh und kommt nicht raus. es ist ziemlich komplex, hat damit zu tun, dass er keine guten Kindheitserfahrungen gemacht hat - Richtung - du kannst das nicht, guck mal wie toll die anderen das machen und wie willst du das schaffen, das geht nicht. usw. Prügel mit dem gartenschlauch war auch dabei...

und was du sagst stimmt ja auch, klar in dem alter ist eine solche reaktion relativ normal. traurig macht mich aber schon diese richtung, in die das geht. aber vielleicht übertreibe ich da wirklich.

unsere tochter frisst zum glück nichts in sich hinein. sie wird auch mal laut oder protestiert, je nachdem wie wir ihr auf die füße getreten sind. ihre vorstellung von gerechtigkeit zeigt sie ganz deutlich.

@ besagtefrau

ja, und nein...natürlich weiß ich nicht inwieweit sich unser sohn meinen mann als vorbild nimmt. aber geht ja auch in die kita und bis dahin hat sich dann z.b. wieder einiges gelöst. das mit dem ipad hat er auch nicht mitbekommen.

aber wahrscheinlich bekommt er mehr mit als wir denken. zumal ich manchmal wirklich fast verzweifle.

dazu auch mehr gleich...

@ danae

fange ich mal hinten an ;-)

wie ich probleme löse? das ist eine sehr gute frage...

in der regel argumentativ - also ich bin eher wenig emotional geleitet

( wobei ich z.b. bei aufführungen meiner kinder immer die einzige mutter bin, die zu tränen gerührt ist oder die bei büchern und filmen auch gern welche vergießt).

dennoch habe ich - wenn es darum geht anderen zu helfen - auch die (in meinen augen ungute) eigenschaft, dass ich nichts damit anfangen kann wenn jemand nur jammert und nicht versucht selbst an einer lösung zu arbeiten oder überhaupt in betracht zieht, dass sich dieses oder jenes problem lösen lässt.

probleme mit meinem mann und mit den kindern versuche ich mit reden zu lösen, doch merke ich oft, wie mein appell an gesunden menschenverstand (oder was ich mir darunter vorstelle) oft ins leere geht.

und dann zum thema "psychisch krank" ... das hört sich hart an, ich weiß nicht, ob man das sagen kann. ich kenne mich da nicht aus.

ich merke nur, dass es mich ziemlich viel kraft kostet zumal ich gerade hochschwanger bin und sich dieses ganze "dilemma" erst durch mein aufdecken (im sommer 2014) des fremdgehens (2x escort ) meines mannes voll ausgebreitet hat.

falls jetzt eine frage in die richtung kommt: ich bin bei ihm geblieben, weil ich weiß, dass es nicht aus mangelnder liebe zu mir passiert ist und weil er uns - abgesehen von diesen wirklich starken ausreißern - wirklich gut tut und alles für uns macht. Die therapie war zum beispiel eine bedingung.

aber trotzdem zweifle ich natürlich jeden tag, ob es die richtige entscheidung war und wieviel prozent "ich bleibe für die kinder" dabei ist.

denn obwohl ich ihn liebe, kann ich mir durchaus vorstellen mich zu trennen. und sollte irgendwas in diese richtung wieder passieren, wird das auch passieren.

... so, das war jetzt ein langer text...

und @ mond&sterne ...

ja, mich interessieren auch psychologische phänomene. vielleicht deshalb.

bis das mit unserem sohn schwieriger wurde (essen ist auch ein großes thema) und bis ich letzten sommer rausfand, dass mein mann fremdgegangen ist, habe ich mich immer von meinem gefühl leiten lassen.

jetzt bin ich diesbezüglich einfach nur unsicher, denn wieso habe ich so lange nichts gemerkt? wir sind immerhin seit 9 jahren zusammen. und er hat vor 3 jahren mit chatten angefangen, bis er tatsächlich konkret wurde (2012&2013). und ob ich alles weiß, sei auch mal dahingestellt.

und da ich immernoch jeden tag daran zu knabbern habe...bin ich ziemlich ratlos und nicht mehr sicher, welches gefühl nun das "richtige" ist.

so. jetzt bin ich aber fertig...(im wahrsten sinne des wortes)

dPa}nane87


inemuri

Wenn die Kasse die Therapie zahlt dann kann man davon ausgehen, dass er in der Klassifikation als psychisch krank zählt, sonst würden sie nicht zahlen.

Mh, du gehst die Sachen eher lösungsorientiert an, find ich verständlich, ist auch mehr so meine Sache. Allerdings habe ich auch die unangenehme Selbsterkentnis gehabt, dass es dabei so manches Mal mehr um mich geht, als um mein Gegenüber. Denn ich kann es so schlecht aushalten meine Kinder weinen zu sehen und dann werde ich leicht ungeduldig wenn sie sich nicht schnell beruhigen lassen obwohl ich doch einen Lösungsweg angeboten habe. Eigentlich kenne ich es aber doch auch, die Gefühle gehen nicht sofort weg. Nur mag ich nicht angefasst werden wenn ich traurig bin (was wiederum an meiner Kindheit liegt) und so lerne ich gerade hart, meine Kinder einfach im Arm zu halten. Die Balance zwischen notwendigem Trost und Trost der nur theatertralisches Leiden verstärkt fällt mir aber sehr schwer.

Lange Rede kurzer Sinn, könntest du dir vorstellen zu üben erstmal die Gefühle anzunehmen und zu trösten und dich dann, nach der ersten Aufregung, der Lösung des Problems zu widmen? Und dann im Anschluß noch ein wenig zu trösten, wenn nötig? Beziehungsweise im falle von Frust/Wut da zu helfen umzugehen, statt gleich an die Ratio zu appelieren?

M?etaQ4


Ich sehe da einen Unterschied bezüglich deines Umganges mit dem Verhalten von deinem Mann / deinem Sohn. Beide haben ein anderes Alter und eine andere Beziehung zu dir. Bei deinem Mann wirst du nicht viel tun können. Das ist dann die Arbeit des Therapeuten und geht nur, wenn er auch eine Änderung will.

Dein Sohn ist noch klein und er ist dein Sohn, da hast du ganz andere Möglichkeiten.

Was du sicher tust: ihn nicht klein machen; würdigen, was er tut und vollbringt, vor allem seine selbstgewählten Tätigkeiten. Positiv reden und nicht negativ (also statt: "Lass das nicht fallen" lieber sagen "halt das gut fest"). Ihm deine Liebe und Wertschätzung zeigen, ihm Vertrauen entgegen bringen, indem er z.B. auch mal schwierige Aufträge bekommt.

Gibt es eine Rivalität zu seiner Schwester?

Übermässiges Loben ist allerdings auch nicht gut, das macht ihn abhängig davon und birgt die Gefahr, dass er nicht mehr auf seine eigene innere Stimme hört.

Was für Probleme gibt es denn mit dem Essen?

Ich kenne das von meinem Sohn auch, dass er, wenn er wütend und frustriert ist, das kaputt macht, was ihm gerade noch ganz wichtig war. Das macht mich auch immer ganz betroffen und zeigt an, dass es ihm mit der Situation nicht gut geht.

Dann braucht er mehr Unterstützung oder mehr Zuwendung.

Ich könnte mir vorstellen, dass für deinen Sohn auch nicht soviel übrig bleibt: Du bist hochschwanger, also schon ein bißchen auch auf das neue Kind eingestellt, er hat noch eine große Schwester, du machst dir Sorgen um seinen Papa, dann ist da dieses Fremdgehen im Hintergrund, das kann doch auch ganz schön die Gedanken beschäftigen.

Eine besorgte Mama, ein besorgter Papa, kann es sein, dass er da zu kurz kommt? Und wenn ja, wo könntest du für ihn etwas Luft schaffen, damit er in den Genuss deiner (positiven) Aufmerksamkeit kommt?

mpond+sFterxne


ja, mich interessieren auch psychologische phänomene.

Dann schreibe ich mal meine psychologische Erklärung für dieses Phänomen. Dein Sohn fühlt sich zu klein und zu schwach, um sich mit seinen Wünschen durchzusetzen. Deshalb verhält er sich so bescheuert.

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