» »

Ich komme nicht damit klar, was ich getan habe

Sz. w2allCisxii


Hallo

Es gibt noch mehr was ich sagen wollte, aber ich kann gerade nicht mehr.

Schreib nur soviel du kannst und willst, dass sowas mal auszusprechen bzw zu schreiben Energie raubt ist klar, hör da auf deine Bedürfnisse.

Ich kann das meinem Vater nicht sagen. Der würde doch ausrasten. Ich weiß auch nicht, was das bringen sollte.

Solang du kein Bedürfnis hast mit ihm darüber zu sprechen wüsst ich auch nicht was das bringen soll.

Ich weiß nicht was das groß bringen soll. Dass mir der Therapeut sagt, dass ich das in Wahrheit nicht wollte und nur ein armes Opfer bin? Das glaube ich nicht, egal wie oft man mir das sagt. Außer mir war niemand dabei und kann nicht beurteilen was ich wollte oder nicht wollte.

Die Psyche muss ja leider absolut nicht eindeutig sein, manchmal will man Dinge und will sie gleichzeitig nicht oder man will etwas was einem gar nicht gut tut. Und den Verdacht hast du ja nun dass heutige Probleme mit dem Geschehen von damals zusammen hängen könnten. Angenommen der Verdacht stimmt ändert ob du es gewollt hast oder nicht ja nichts daran dass die Probleme nun da sind.

Es ganz eindeutig nicht gewollt zu haben ist natürlich etwas einfacher (aber vermutlich auch nicht viel), aber manchmal ist's halt leider nicht so, trotzdem kannst du es bearbeiten.

diese Erinnerungen sind komisch und manchmal bin ich mir auch nicht sicher ob sie echt sind

Das ist wahrscheinlich eine Schutzfunktion der Psyche, ging mir auch so (hab ähnliches erlebt) und soweit ich weiß ist das öfter der Fall. Ganz unabhängig von gewollt oder nicht gewollt ist das natürlich auch ein deutliches Zeichen dass die Psyche in diesem Moment eben wirklich Schutz nötig hatte.

ein armes Opfer

Was das betrifft, ich hoffe dir helfen ungeschönte Worte: Also da führt leider echt kein Weg dran vorbei, du warst mindestens eins und maximal bist du noch eine Weile lang eins wenn das solche Folgen davon trug. Du kannst aber aufhören ein Opfer zu sein und vor allem: wirf es doch nicht dir vor wenn du ein wärst/warst. Du warst Kind und sie Erwachsen, wer von euch hätte wohl wissen müssen dass das wohl net die beste Idee ist mit Kindern rumzumachen: Sie natürlich!

Dein Wunsch nie ein Opfer gewesen zu sein ist natürlich mehr als verständlich, das ist der Versuch im Nachhinein die Kontrolle zu haben, und auch damals gehabt zu haben. Aber hattest du sie wirklich? Wolltest du es auf allen Ebenen deiner Selbst (Ich glaub dir dass du es in Teilen doch wolltest, ich hab das leider selbst kennengelernt, aber wolltest du wirklich von ganzem Herzen?)? Es war "unangenehm" mit ihr über sexuelles zu sprechen, du warst mal "überfordert" und hast dich schlafend gestellt (Klassiker, hab ich auch gemacht und vermutlich unzählige Kinder von denen irgendwelche Triebgesteuerten die Finger nicht lassen konnten), die Erinnerung daran ist "komisch" ... Das sind alles Dinge die doch nicht so gewesen wären wäre das alles so, hm.., ich sag mal selbstbestimmt.

Ich will dich damit nicht zu einem Opferdasein überreden, im Gegenteil. Ich wünsch dir dass du es bald hinter dir lassen kannst.

s]cohnecYke19x85


@ s.wallisii

super Beitrag! :)= :)^


Noch was zum Thema "Opfer": Im englischen Sprachraum sprechen Betroffene mittlerweile fast ausschließlich von sich als "survivors" (=Überlebende). Ich denke, der Begriff trifft es um einiges besser.

Und ja, in einer Therapie gehört es auch dazu, mal Opfer zu sein bzw. sein zu dürfen. Aber das ist nur ein ganz, ganz kleiner Teil des therapeutischen Prozesses.

J{ulexy


Das mit den survivors finde ich klasse, schnecke! :)^

NYeirixn


Ich habe ein sehr großes Problem damit zu verstehen warum sich das so auf mich ausgewirkt hat. Ich hab das nie verbalisieren können, was mit mir nicht stimmte. In der Zeit danach habe ich mich, wie ich jetzt finde, sehr auffällig verhalten. Das haben damals weder meine Eltern noch ich deuten können. Spätestens mit 15 war ich schwerst depressiv und hab das nicht gemerkt, weil ich da noch nicht wusste, wie sich Depressionen anfühlen. Die Diagnose hab ich dann noch angezweifelt, weil ich das für den Normalzustand hielt. Weil es nicht so schlimm ist.

Das hier ist nichts anderes. Mir ist etwas Unschönes widerfahren, aber es war nicht so schlimm. Es ist nicht vergleichbar mit richtigem Missbrauch, an Kindern, die sich aus Angst und körperlicher Unterlegenheit nicht wehren können. Ich habe das nich so in Erinnerung, dass ich es damals so schlimm fand. Ich mochte es nicht, aber ich habe es nicht als unerträglich empfunden. Ich hab es immer hinter mich gebracht und dann versucht, nicht weiter darüber nachzudenken.

J5anO74


Im Gegensatz zu sexuellem Missbrauch von Frauen, der ja von massiver körperlicher Gewalt begleitet ist, ist das umgekehrt ja eigentlich sanft und gewaltfrei.. von daher nicht zu 100% zu vergleichen, oder?

Es handelt sich doch wohl vorwiegend um einen schweren emotionalen Missbrauch, denke ich mir so. Ein Eindringen in den Intimbereich eines eher schutzlosen Kindes (von einer Person, die zumindest zum Teil auch eine Art Mutterrolle hat), vielleicht sogar verbunden mit der Scham, das mitgemacht (und schlimmstenfalls sogar genossen?) zu haben, und dazu noch die Scham, Schuld und das schlechte Gewissen, bei einem Akt des Betruges von ihr ihrem Partner (und Deinem Vater) gegenüber Mittäter zu sein. Alles in allem eine emotoniale Last, die ein Kind wohl erdrückt, und die Depressionen sind dann auch kein Wunder.

Reime ich mir mal so laienhaft zusammen, aber da ist der Aspekt "schuld" ja definitiv vorhanden, insofern ist es eigentlich auch verständlich, dass Du Dich schuldig fühlst. Aber Du hattest ja auch gar keine Chance, dem zu entkommen.

Aber eigentlich ist hier wohl auch schon alles gesagt..

JYan7x4


"Missbrauch" beinhaltet als eines der typischen Muster ja auch die Verdrehung der Ursachen. Jemand wird verletzt, und dann wird ihm noch manipulativ eingetrichtert, er wäre ja selber schuld daran (oder in Deinem Fall - Du hättest es ja selber auch gewollt). Vermutlich bist Du Opfer von genau sowas und denkst daher viel mehr als angebracht, dass Du selber mit schuld an der Sache hast.

AXphroCditE?sChildx9


Neirin

Mir wurde das Gefühl gegeben, das das mir Wiederfahrende nicht ernst zu nehmen und allenfalls mit einem Augenzwinkern zu bewerten ist.

Mir ist etwas Unschönes widerfahren, aber es war nicht so schlimm.

Jetzt denke ich andauernd daran und glaube jetzt zu verstehen, dass viele meiner Probleme mit dem damals zu tun haben.

Ich wünsche Dir eine gute Reise.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH