» »

Denk`nicht an einen weißen Elefanten

Alias 703372 hat die Diskussion gestartet


Ich schreibe mit Alias, da ich dieses Thema so grauenhaft und eklig finde, dass ich nicht weiß, wie ich das überhaupt niederschreiben soll. Ich lag wegen der Sache mal wieder die gesamte Nacht mit Herzrasen wach.

Ich bin durch psychische Beschwerden eh so gestrickt, dass ich negative Dinge schlecht wieder loswerden kann, die mir einmal anhaften, ständig Negativtrigger, die schlechte Erinnerungen auslösen. Ich will dann immer bei bestimmten Dingen, dass sie mir nicht mehr einfallen, als Erinnerung oder Gedanke nicht mehr ausgelöst werden, aber dann sind sie erst recht parat, so wie die Sache mit -denk' nicht an einen weißen Elefanten-.

Vielleicht kann ich im Laufe des Fadens, sollte er sich gut entwickeln, mehr schreiben, im Moment kann ich nur sagen, dass sich mir immer eine Mißbrauchsphantasie aufdrängt, die mit mir gemacht wird. Eklig, aus der Familie, der Vater. Wie nur werde ich den Ekel wieder los?

Mir wurde heute Nacht klar, dass es nicht klappt, zu versuchen, dass einem der Gedanke nicht einfällt. Somit wollte ich den Gedanken zumindest neutralisieren, damit ich einschlafen kann. Aber auch das klappt nicht. Wie auch könnte man sowas neutral finden?

Oh man, was mache ich denn jetzt? Naja, ich schicke diesen Text jetzt erstmal ab und warte, wie sich die Kommunikation hier entwickelt, ob ich mehr mich wage zu erzählen, oder nicht.

Danke für das Lesen schonmal, bis hier hin. %:| :°(

Antworten
Ehhemaleiger Nutzer (:#530x218)


Vielleicht mal allgemeiner:

Wenn dir das einfällt/durch den Kopf geht ruhig eine Weile bewusst darüber nachdenken - und irgendwann anfangen eine praktische Tätigkeit zu machen; z.B. Aufräumen, Spülen. Und danach zu den noch anstehenden Tagesroutinen übergehen. Irgendwann könntest du wieder auf andere Gedanken kommen bzw. bewusst zwischendurch an das denken, was du gerade machst (im Außen).

Weiß nicht, ob das auch bei solchen Erinnerungen wie du sie andeutest/nennst klappt, aber ich denke sich vorzunehmen nicht an den weißen Elefanten zu denken, funktioniert nicht. Dann ihm lieber bewusst einen Platz einräumen und dadurch versuchen herauszufinden, warum einen das so beschäftigt und um was es im Kern dahinter geht.

Hätte es bei dir denn einen realen Boden, dass dein Vater dich missbraucht als Fantasie?

EhhemaligVer Nu)tzer (#5302x18)


Also weißt du, woher diese Vorstellung kommt und in welchem Zusammenhang sie das erste Mal aufgetaucht ist? ... Wäre ja interessant für die Frage, ob das einfach ein flüchtiger Gedanke gewesen ist, der sich aber bei dir festgesetzt hat (weil er so einen Ekel auslöst?) - oder ob das an eine reale Erinnerung anknüpft; evtl. in abgeänderter Forum (und mit anderen Personen/einer anderen Person).

m$ondL+st%ernxe


[[http://www.med1.de/Suche/Zwangsgedanken/]]

Swunf5loweFr_7x3


Das sind doch keine Zwangsgedanken... :-/

Diese sich aufdrängenden Erinnerungen an den Missbrauch, das sind Flachbacks. Die von alleine kommen können oder von den simpelsten Außenreizen getriggert werden (Gerüche oder oder oder. Also alltägliche Dinge, die aber irgendwie mit der Situation oder dem Täter verbunden sind). Das ist (wenn es auch wenig tröstlich ist) ein TOTAL TYPISCHES Symptom für eine Traumatisierung. Die sich halt nicht massiv äußern muss, sondern durch solche Dinge.

Wichtig wäre, sich deutlich zu machen: Das war DAMALS. Ich bin JETZT sicher. Ich bin NICHT in der Situation. Lernen, dieseBilder wie einen Film an sich vorbeiziehen zu lassen. Nicht krampfhaft wegdrängen, sondern mit möglichst viel Distanz zur Kenntnis nehmen. Aber nicht weiter im Hier und Jetzt bewerten. Und dann: Ablenken. Nicht weiter einsteigen in die Gedanken, Erinnerungen etc. Eventuell geht das nur mit professioneller Therapie.

Erste Ansatzpunkte zur Selbsthilfe:

[[http://www.hogrefe.de/programm/ratgeber-trauma-und-posttraumatische-belastungsstoerung.html]]

G^rottxig


Mir ist nicht ganz klar, ist es ein Gedanke oder eine Erinnerung?

Ansonsten finde ich es schwierig, so etwas zu versuchen zu neutralisieren, wie du es schreibst. Ich würde die Konzentration auf etwas anderes legen.

SRunfl+ower_x73


Vielleicht kann ich im Laufe des Fadens, sollte er sich gut entwickeln, mehr schreiben, im Moment kann ich nur sagen, dass sich mir immer eine Mißbrauchsphantasie aufdrängt, die mit mir gemacht wird. Eklig, aus der Familie, der Vater. Wie nur werde ich den Ekel wieder los?

Warum sollst Du den Ekel überhaupt loswerden? Ist doch eine angemessene Reaktion auf so ein Erlebnis...!

meond+;ste'rne


Das sind doch keine Zwangsgedanken... :-/

Stimmt, da habe ich mich vertan.

Slun{flowyer_7x3


Ist halt schon ein Unterschied. ;-)

Alias 703372


Vielen Dank für Eure Antworten. @:)

Ich kann mit jeder Antwort etwas anfangen. Das Wort Flashback kannte ich bezogen auf diese Symptomatik noch gar nicht.

Snaiperskaja [VSS]

Ja, das mit dem Ablenken mache ich ja schon. Tagsüber funktioniert es ganz gut, abends, wenn man im Bett liegt, wird das schwieriger.

Gute Frage, ob diese Gedanken realen Ursprungs sind, oder Phantasie. Denn eine genaue Erinnerung, von der ich wüßte, dass sie real ist, habe ich nicht.

Was real ist, ist, dass meine Grenzen grundsätzlich nie geachtet wurden und ich gezwungen wurde Nähe aufzunehmen. Ich wurde gezwungen meinen Vater auf den Mund zu küssen, Mutter auch, was ich immer eklig fand, auch, weil ich dadurch oft deren Spucke mit abbekam, aber auch so...ich ekelte, zum Küssen gezwungen zu werden. Mein Vater ließ beim Pinkeln immer die Türe auch, Mutter auch. Das Bad war so gelegen, dass man gezwungen war, immer alles zu sehen. Auch wenn wir Kinder auf dem Klo waren, wurde erwartet, dass die Türe aufbleibt. Alles solche Dinge. Es war unmöglich, Grenzen zu setzen. Ständig war man komplett ausgeliefert.

Ich wurde psychisch krank und kann bis heute keine Nähe aufnehmen. Ich habe nie einen Partner gehabt, auch Sex praktiziere ich nie.

@ mond+sterne

Du hast Recht. Das Ganze hat etwas Zwanghaftes. Auch, wenn es nicht um diese Ekelgedanken geht, so ist der Rest meiner Persönlichkeit auch von Zwängen durchzogen, ehr gedanklicher Art, nicht unbedingt Handlungszwänge. Die auch, aber ehr weniger.

Bei mir dreht sich immer alles darum, etwas nicht mehr loswerden zu können, was mir geschadet hat. Sei es eine blöde Meinung, eine Verletzung oder sonstwas...das haftet mir auf ewig an und wird ständig durch Trigger wieder ausgelöst. Es sind oft solche Kleinigkeiten, die andere in 2 Minuten vergessen haben, solche Dinge werden bei mir nach 20 Jahren noch wieder ausgelöst und es fühlt sich so an, als wäre es eben erst passiert.

Auch eine tiefe Verunsicherung ist in mir bei allen Dingen. Ich habe gelernt, dass ich nie Recht habe, mit dem, was ich sage, Recht hat immer die Mutter und erzählt sich auch noch so einen Mist.

@ Sunflower_73

Danke für den tollen Tip! Auf die Art versuche ich es bereits, damit umzugehen.

Stimmt schon, dass der Ekel eine angemessene Reaktion auf solche Dinge ist. Du fragst, warum ich den dann loswerden will? Es ist halt, weil es sich so schlimm anfühlt. Ich hatte die Vorstellung, wenn man den Ekel aus der Situation nimmt, dann wird die Sache belangloser und man vergisst es schneller.

Aber das klappt nicht. Aber da ich Angst habe, den Ekel wieder fühlen zu müssen, ist auch der Gedanke, bzw. diese Vorstellung wieder da. Es passiert immer das in mir innerlich, was ich NICHT will. Elendlich.

@ Grottig

Gute Frage. Genau das war mir beim Schreiben auch nicht klar, wie ich das formulieren soll, als Gedanken, als Erinnerung oder als Vorstellung. Es ist am besten ausgedrückt: eine Ekelphantasie!...bei der ich nicht weiß, ob das jemals real war.

G9r@ottixg


Weisst du letztlich ist es nicht so wichtig, ob es wirklich so war oder nicht. Es ist etwas, mit dem du umgehen musst, denn es macht ja etwas mit dir. Du spürst ja den Ekel real in dem Moment.

Es gibt durchaus Techniken, damit umzugehen. Z.B. die 5-4-3-2-1 Übung. Du suchst dir 5 Dinge die du siehst, wahlweise auch hörst, dann 4, dann 3, etc. einfach ohne Nachzudenken und sagst sie laut. Desweiteren, versuche dir klar zu machen, dass das nun nicht real ist. Dann gibt es noch die Tresorübung, da stellst du dir vor, wie du aufkommende Bilder einfach wegschliesst. Das alles erfordert etwas Übung. Und natürlich Ablenkung. Wenn es häufig abends im Bett ist, wie wäre es mit einem Buch?

Flashbacks sind auch nicht immer zwangsläufig Bilder, es können auch alte Gefühle sein, oder Körperempfindungen. Das habe ich oft, mir ist dann z.B. Speiübel.

Da du hier als Alias schreibst, kann ich dir keine PN schicken, würde ich aber gerne. Wenn du willst und dich traust, dann kannst du mir unter deinem Nick eine schicken. Ich behalte das dann natürlich für mich. Aber nur, wenn du das auch möchtest.

Alias 703372


Ich werde mir diesen AliasFaden aktuell halten, d.h. ich werde hier noch öfter von "anderen weißen Elefanten, an die ich nicht denken will" schreiben. Aber im Moment stagniert alles in mir. Trotz Leid kann ich nicht schreiben.

Ich hatte so viel realen Streß von außen die letzten Jahre, der nun vorüber ist. Alles ist erledigt. Da dachte ich, nun kann es mir besser gehen, aber Pustekuchen. Jetzt geht es erst richtig los mit den innerlichen Dingen, als hätten diese gewartet, bis ich Zeit für sie habe, unter ihnen zu leiden.

Diese Sachen waren auch schon vorher da, aber immer aushaltbar, oft verdrängt, aber jetzt....oh man. :°(

Und wegen den Triggern: Bei mir triggert mittlerweile so gut wie alles. Absolut alles, Gegenstände, Schmuck, einzelne Worte, Verhaltensweisen der Leute...und und und ....alles löst in mir eine schlechte Erinnerung aus, die mich im aktuellen Geschehen dann blockiert. Ich kann nichtmal mehr TV gucken. Das unterlasse ich schon seit Jahren. Aber ich kann doch jetzt nicht alles vermeiden. Mittlerweile mache ich es so, dass ich diese Dinge, die triggern, trotzdem tue, auch wenn es mir dann schlecht geht...anders geht es ja auch schon gar nicht mehr. Diese Trigger sind wie ein psychisches Krebsgeschür, dass sich immer mehr ausbreitet, bis es überall ist. Bzw. nicht die Trigger, sondern die Erinnerungen oder Flashbacks, wie ihr es nennt, sind ehr das Krebsgeschwür. Die Trigger sind ja nur die Auslöser. *dazulern*

@ Grottig

Wenn ich dazu bereit bin, dann gib ich Dir meine Mailadresse.

Alias 703372


Wie gesagt, auf Schmuck befindet sich bei mir auch ein Trigger.

Ich bin gestern über den Markt gelaufen und habe mir trotzdem ein schönes Armband geholt, was ich jetzt trage. Und nun beginnt der Kampf: ich fühle mich jetzt nonstop schlecht, wenn ich das Armband sehe. Würde ich es ablegen, wäre die Sache wieder weg, aber ich sehe das irgendwie nicht ein, dass bei mir "der Feind" immer siegen soll. Daher trage ich es weiter und fühle mich dabei schlecht, weil es ein Trigger ist auch eine von meinen unzähligen schlechten Erinnerungen auslöst.

Tja, was tun? Das Armband umlassen und ausharren, was die Gefühle angeht oder hoffen, dass sich der Trigger durch Dauertragen verliert, oder das Armband abnehmen? Dann wäre der Druck weg, aber ich hätte mal wieder verloren.

Ich fühle mich so besch*. :-(

m%ond+~stexrne


:)_

Ja, es ist ein Dilemma. Ich kenn da auch kein Ausweg.

JF-vLigQht


Versuchst du denn allein, also ohne therapeutische Hilfe, damit fertigzuwerden? Wenn das alles so heftig ist, würde ich es schon so sehen, dass du direkte Unterstützung therapeutischer Art brauchst.

Gedanken lassen sich übrigens nicht "wegmachen". Man kann sie nur genau betrachten und ihnen ihre Macht nehmen. Du bist heute erwachsen, du bestimmst selbst über dich, niemand hat das Recht, bis heute noch deine Gedanken zu beeinflussen.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH