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Erfahrungen Anfangszeit mit Medikament

VDerix1977 hat die Diskussion gestartet


Hallo ich bin Neu hier. Kurz zu mir bin 38 Jahre alt und alleinerziehende Mama einer 8. jährigen Tochter. Ich nehme nun seit 9 Tagen Fluoxetin zum beruhigen ab und zu Opipramol. Es ist mein zweiter Zusammenbruch. 2011 war mein erster. Habe erst letztes Jahr die Medis abgesetzt. War auch in Therapie. Leider hat meine Therapeutin jetzt selbst viel am Hals und die Suche nach einer neuen ist schwer. Im Moment fühle ich mich wie gefangen. Ich schlafe sehr schecht. Bin meistens gegen vier wach. Dann kommt die Angst wie der lange Tag wohl zu schaffen ist. Ich habe oft Unruhe Übelkeit Herzstechen. Vor allem weiß ich am Dienstag muss ich wieder arbeiten. Sonst gibt es mega Stress. Wie geht es euch so mit der Krankheit. Ab wann ging es euch besser? Würde mich sehr über Nachrichten freuen. Lieber Gruß Verena

Antworten
ZMwDack4x4


Hallo Veri1977, erst einmal ein paar Kraftsternchen: :)* :)* :)* Mit Information verwöhnst Du uns ja nicht gerade. Zunächst würde die Diagnose interessieren. Was Du schreibst, läßt auf eine Erschöpfungsdepression schließen. Wenn Du schon von 2011-2014 Psychopharmaka genommen hast, ist Dir das Thema ja nicht völlig unbekannt. Dass Stress ein Auslöser sein kann, weißt Du also, und Dein Beitrag läßt vermuten, dass am Dienstag Deine Stresskurve wieder stark nach oben schießt. Warum? Weil Du trotz Krankheit arbeiten willst. Von Deinem ersten Zusammenbruch müßtest Du doch noch wissen, dass Antidepressiva zunächst eingeschlichen werden, damit unerwünschte Nebenwirkungen möglichst unterbleiben, dass dann in aller Regel die Dosis angehoben wird und man damit meistens erstmals die niedrigste wirksame Dosis überschreitet und dass sich dann ein Wirkstoffspiegel aufbauen muß, der die Wirksamkeit erst langsam zum Tragen bringt. Ich komme noch einmal auf Deinen ersten Zusammenbruch zurück. Man weiß aus Erfahrung, dass mit steigender Zahl von Rückfällen das Risiko für die Notwendigkeit einer lebenslangen Medikation steigt. Aus diesem Grund erscheint mir Deine Absicht, ab Dienstag wieder zu arbeiten, äußerst fragwürdig, denn bei Deinem derzeitigen Zustand halte ich den nächsten Zusammenbruch momentan schon geradezu für vorprogrammiert. Weil es, wie bei vielen Medikamenten, sog. non-Responder gibt, ist gar nicht sicher, dass Fluoxetin bei Dir überhaupt wirkt selbst für den Fall, dass es Dir 2011 geholfen haben sollte. Nach einer Daumenregel sollte nach zwei Wochen AD (natürlich in wirksamer Menge) eine Depression um ca. 20 % zurückgegangen sein; andernfalls sollen die Chancen für einen Erfolg mit diesem AD schlecht stehen. Aus der Fluoxetin-Bewertung im Benkert/Hippius, Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie: "Unter den SSRI zeigen Citalopram, Escitalopram oder Sertralin eine günstigere Nutzen-Risiko-Relation." Warum also verschreibt Dir Dein Arzt (Hausarzt?) gerade Fluoxetin?

Unter "Opipramol" finde ich den Hinweis: "Vorsicht bei Kombination mit CYP2D6-Inhibitoren, z.B. Fluoxetin." Sicher auch eine Fraghe der Dosis, aber darüber hast Du uns nichts verraten.

Weil Fluoxetin als nicht-sedierend gilt, ist bei Dir das Opipramol wohl als schlafanstoßend gedacht. Dass Du es dann nur bei Bedarf nehmen sollst, wundert mich, denn Du klagst nach 9 Tagen noch über Schlafstörungen, und Opipramol soll eigentlich schnell wirken (oder hast Du keinen Bedarf gesehen?).

Ich selbst wanderte bei meiner ersten schweren Depression in stationäre Psychiatrie, wurde rein medikamentös behandelt und war nach 3 Monaten wieder arbeitsfähig.

Ich wünsche Dir alles Gute!

Vjer i1x977


Vielen lieben Dank für dir Antwort. Also der Zusammenbruch kam nach einem Krankenhausaufenthalt. Meine Tochter hatte Rotaviren. War sehr schlimm. Dachte zeitweise ich verliere sie. Die Angst wenig Schlaf usw. war einfach zu viel. Dann habe ich mir noch eine Erkältung eingefahren. Habe schon viele verschiedene Medis hinter mir. Citalopram Venlafaxin Mitrazipan usw. fluoxetin hat bei mir sehr gut angeschlagen. Deshalb hat mir der Psychiater das wieder verschrieben. Opipramol nehme ich wenn ich sehr unruhig werde. meistens reichen da dann 25 mg. Abends nehme ich meistens 50 mg. Fluoxetin nehme ich jetzt 20 mg. Heute war der Tag ganz okay. War mit meiner Tochter unterwegs. Morgens ist es aber eher schlecht von der Stimmung u Angst. Macht sich im laufe des Tages. Es ist halt ein innerlicher Druck. Wie ein Schockzustand irgendwie. Ja warum arbeiten am Dienstag. Ich brauch diesen Job um uns zu ernähren.

Z<waGcku4x4


Ich brauch diesen Job um uns zu ernähren.

Ist schon klar; die meisten Menschen arbeiten deswegen. Weiß Dein Psychiater davon? Dein Erstbeitrag klang so, als trautest Du Dir das noch nicht zu. :)* :)* :)*

Vperi1x977


guten morgen. schön von dir zu hören. also hätte ich die wahl würde ich klar mir noch zeit nehmen stabil zu werden. ich habe angst es nicht zu schaffen. panik zu bekommen. muss jetzt 4 tage arbeiten dann habe ich eine woche frei. fahren in urlaub aber auch das ist was wo mir eher angst macht. ich denke aber muss mich dieser angst stellen. geht es dir wieder ganz gut? erzähl mal ein wenig wie es bei dir war oder ist. aber nur wenn du magst. lg verena

ZTwackx44


Gut, wenn es Dich interessiert, aber ich sag Dir gleich von vornherein: Unsere Probleme sind/waren nicht identisch, weil bei mir Ängste eine sehr untergeordnete Rolle spielten und Zwänge überhaupt keine. Die Vorgeschichte hat sich über Jahre hingezogen: Die Arbeit ging mir nicht mehr von der Hand, ich hatte manchmal Sehstörungen, so dass ich eine Viertelstunde nicht mehr lesen konnte, ich hatte recht niedrigen Blutdruck, lief wie auf Watte und immer an der Wand lang, weil ich mir einbildete, falls ich zusammenklappen würde, könnte ich dann an der Wand zu Boden rutschen. Ich hatte immer "grenzwertige" Schilddrüsenwerte und kann diesen Begriff seither nicht mehr hören. Wegen Verdacht auf Drüsenstörungen ließ ich mich in der Endokrinologie der Uni Düsseldorf untersuchen. Einziges Resultat: Testosteronwert recht niedrig. Da der Klinikchef keine große Notiz davon nahm und unser Stammhalter schon herumlief, hielt ich das für ein untergeordnetes Problem. Ich war fast ununterbrochen (so kommt es mir aus heutiger Sicht vor) in internistischer Behandlung, die Hirndurchblutung wurde geprüft, man versuchte Akupunktur, ständige Rückenschmerzen ließ ich in der Mittagspause mit Fango, Massagen und Dampfstrahldusche behandeln. Die Arbeit fand ich immer beschwerlicher, die Aktenberge türmten sich, im Urlaub war ich zu nichts zu gebrauchen und guckte vor mich hin, ohne dass mir das langweilig wurde. Dann empfahl mir mein Internist wegen Verdachts auf Depression einen Psychiater. Ungläubiges Staunen auf meiner Seite. Hatte ich doch immer geglaubt, Depressionen würden sich vor allem in Weinkrämpfen ausdrücken - hatte ich aber nicht. Dann ging alles ganz schnell. Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, der Chefarzt sagte mir nach einer fast wortlosen Untersuchung, er wolle mich stationär aufnehmen. Für wie lange? Achselzucken, "... bis Sie wieder gesund sind". Weil ich in meiner Vorgeschichte keine traumatischen Erlebnisse hatte, nannte er die Depression "endogen"; das war damals die Bezeichnung bei unbekannter Ursache.

Dann jeden Tag eine Infusion mit einem tricyclischem AD in steigender Dosierung, nach 3 Wochen in fallender Dosierung bis auf Null, Untersuchung, "Nein, Sie sind noch nicht gesund, wir probieren das noch mit einem zweiten tricyclischen AD." Na Prosit. Nach den Infusionen fiel ich regelmäßig in tiefen Schlaf, und der Chef machte sich anscheinend einen Spaß daraus, zur Visite mit viel Getöse ins Zimmer zu stürzen und zu sehen, ob ich, jeweils zu Tode erschrocken, einen neuen Rekord im Aufspringen aus dem Bett aufstellte. Gegen Ende der 3 Monate sollte ich laufen und schwimmen und durfte mittags in die Stadt gehen. Alles sehr mühsam, machte nur gebremsten Spaß. Natürlich beschäftigte mich der Gedanke, ob ich jemals wieder arbeitsfähig werden würde, ob die Ehe auseinanderfliegt, wenn ich nach Hause komme, wie mich die Arbeitskollegen empfangen würden, ob ich jemals wieder Freude empfinden könnte. Am Tag der Entlassung wurde ich gerade 40. Der Chef empfahl mir, gleich am nächsten Tag wieder zu arbeiten. Komisches Gefühl, aber ging besser als ich dachte. Aber obwohl sich mit der Arbeit auch Erfolgserlebnisse einstellten, dachte ich noch 1.5 Jahre lang morgens beim Einsteigen ins Auto: "Ob du es heute wohl wieder schaffst?" Aber eines wußte ich: nie mehr zurück in die Psychiatrie!

Ich hatte dann 17 Jahre keine Depressionen mehr, aber dann stellte sich doch schleichend ein dumpfes Gefühl ein. Meine Frau sagte: "Du bist wieder depressiv." Ich marschierte also zu einem Psycho-Doc im Raum Köln - diesmal rechtzeitig, um das Ganze ambulant abzuwickeln. Aponal und Anafranil waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr der Hit, und so mußten wir nach einem neuen AD für mich suchen. Bei mir keine einfache Sache, weil ich unerwünschte NW magisch anzog. Beste Erfahrungen hatte ich mit Sertralin, bis es mich photosensibilisierte. Mein Psycho-Doc räumte mir sehr freizügig ein Mitspracherecht ein. Manche ADs habe ich abgelehnt, andere habe ich selbst vorgeschlagen, eines verlor nach einiger Zeit seine Wirkung, von Albträumen über eitrige Hautirritationen bis zu allergischen Reaktion hatte ich immer etwas zu berichten. Auf diese Weise lernte ich über 20 ADs kennen. Ich fühle mich heute mit einer 3er-Kombi (Hauptkomponente Cymbalta) gut eingestellt und führe ein relativ normales Leben. Jedenfalls war meine ambulante Behandlung so erfolgreich, dass ich bis zum Ruhestand keinen einzigen Arbeitstag wegen Depression verpaßte - für mich ein schönes Ergebnis. Allerdings waren drei Auslaßversuche erfolglos, so dass ich permanent auf meine ADs angewiesen bin. Ganz der Alte bin ich allerdings nicht mehr, denn eine Schwäche habe ich behalten: Ich darf mir nicht zuviel Stress zumuten, sonst läuft der Schweiß in Strömen und die Nerven fangen an zu flattern.

Und im Ruhestand? Leider bin ich auf Schmerzen abonniert: eine Knie-Schlittenprothese, zwei Knie-TEPS, Achillessehne gerissen, NHL mit Chemo, von der Chemo Neuropathie in beiden Füßen, Oberarmbruch durch Treppensturz, Austausch-OP Marknagel gegen Metallplatte im Arm, eine Bandscheiben- und vier Wirbel-OPs (aber dass Schmerzen deprimieren, ist ja nichts Neues).

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