» »

Langweiliges Leben

dCevilKinSdirsguisxe


diese Gesellschaft ERWARTET grade zu, das man nach einem 8 bis 10h Arbeitstag noch mindesten 2 Stunden Sport machen sollte und am Wochenende sollte man gefälligst den ganzen tag Biken oder Boxen, Stiere Reiten, Krokodile Zähmen oder Drachen töten!!

Ich wurde sogar von mehreren (!) Vorgesetzten dafür kritisiert, daß ich auf ihre Frage, wie ich mich erhole, geantwortet habe: Zu Hause, mit meiner Familie; das ist für mich Freizeit, wenn ich Zeit habe und wir abends noch was spielen oder so. Meinung der Vorgesetzten: Uiuiui, das wäre doch überhaupt gar kein Ausgleich, ich müsse etwas für mich tun, einen Mannschaftssport machen oder dergleichen, nur das wäre ein echter Ausgleich zur Arbeit (die im wesentlichen aus unzähligen Kontakten mit Menschen besteht), ich würde an burnout erkranken... Gut, ihnen zuliebe bin ich in einen Chor gegangen und wurde gelobt, daß ich "jetzt endlich was für mich selbst tue". Nach einem halben Jahr habe ich das wieder sein lassen, nach der Arbeit fand ich es einfach nur stressig und wollte die Zeit bei meinen Lieben zu Hause sein. Auch wenn das angeblich "nichts ist".

dFevilin}disguixse


Aber um zurück zum Thema zu kommen: Was ist denn das Spannende, das die anderen machen? Wenn es wirklich so toll ist: Was hält dich davon ab, dasselbe zu tun?

WCeltenbPummOlerin_x86


Ich kann gar keine speziellen Beispiele nennen, was die anderen machen was ich so toll finde. Da fängt es an bei kurzreisen, irgendwelchen Ausflügen mit Freunden oder sonst was.

Warum ich dass nicht mache, weiß ich auch nicht....

Ccomrxan


Da fängt es an bei kurzreisen, irgendwelchen Ausflügen mit Freunden oder sonst was.

Vielleicht hast du das einfach direkt übersprungen und wurdest direkt zur "Weltenbummlerin"? Oder ist das eher ein Sehnsuchts-Nick? Er passt gar nicht zu deinem Problem, welches du hier schilderst. Vielleicht hast du dich noch gar nicht gefunden und orientierst dich einfach daran, "was die anderen so machen". Es könnte genauso gut sein, dass du in deiner Rolle irgendwann total zufrieden bist, häuslich und entspannt, und dein Nest dir am liebsten ist.

Wenn man etwas anderes wirklich will, dann findet man auch den Antrieb dazu. Wenn du dich gebremst fühlst, dann musst du die Ursachen finden (Ruhebedürfnis, Fixierung auf den Verlobten, falsche Interessen). Und wenn du am Schluss feststellst, dass es dir beim Müßiggang doch wirklich am besten geht, dann ist es so und du wirst es nicht mit Gewalt ändern können.

P owe5rPufxfi


Kann es nicht auch einfach sein, dass du dich generell mit dir selbst unwohlfühlst und deshalb ein geringes Selbstwertgefühl hast? Damit ist fast alles automatisch "cooler", was die anderen machen.

Ansonsten hält dich ja nichts davon ab, diese Aktivitäten auszuführen.

Nbordi8x4


Warum ich dass nicht mache, weiß ich auch nicht....

Ich dachte Juli und August stehen Städtereisen an ? Und ansonsten wundert es mich nicht das bei deinem vollen Terminkalender der Platz für die Dinge fehlt die du gerne machen willst. Nicht weil andere es machen, weil es als "cool" oder "angesagt" gilt oder weil dein Freund / deine Familie es gerne machen würde sondern einzig und allein weil du daran Spaß hast.

Ich kann dir nur raten nen Gang zurück zu schalten und nicht auf allen Hochzeiten tanzen zu wollen. Nicht die Masse der Aktionen ist wichtig sondern die Qualität und das man es wirklich genießt.

D im;pxle


ich müsse etwas für mich tun, einen Mannschaftssport machen oder dergleichen

Ich habe mir eine Familie angeschafft, das ist fast schon Mannschaftssport, gerade wenn die Kleinen noch "klein" sind! Seitdem sehne ich mich hin und wieder nach einem "Gammelwochenende" auf der Couch. Positiver Effekt: Ich bin viel aktiver als vor dem Kind!

Wseltenbu:mmlerUin_x86


@ power Puffi

Das mit dem geringen Selbstwertgefühl kann schon stimmen. Es ist tatsächlich so, dass ich alle um mich rum als "toller, besser, cooler" empfinde.

Es ist teilweise auch paradox. Einerseits beneide ich die Leute hier im Büro, dass sie eine unbefristete Stelle haben (ich mach bis Ende des Jahres eine mutterschaftsvertretung) andererseits habe ich Mitte Juni ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle ab 1.1 ( unbefristet ). Ich kann mich grad über das Vorstellungsgespräch gar nicht so richtig freuen, weil die Stelle ja "nur" bei einer Gemeinde ist und nicht beim Kanton. Ich komm mir dann vor als wäre ich wieder schlechter als meine Kollegen .

Es stimmt, wir machen im Juli / August ein paar Städtereisen . Auf die freue ich mich auch schon sehr. Ich habe generell auch schon viele Länder gesehen, aber wenn ich dann wieder sehe, dass eine ehemalige Kommilitonin von mir eine Weltreise macht , dann kommt mir mein Alltag wieder so langweilig vor.

Ich arbeite im Moment sehr viel (macht mir auch sehr viel Spaß) aber wenn Ich dann gegen 19.30 heimkomme ist der Tag teilweise für mich schon halb Gelaufen .gegen 22 Uhr bin ich meistens so müde, dass ich schlafen will

Nuordri84


Es ist tatsächlich so, dass ich alle um mich rum als "toller, besser, cooler" empfinde.

Sieht für mich auch extrem so aus, du scheinst ein ziemlich heftiges Statusdenken zu haben und dich ständig zu vergleichen. Aber weshalb ? Wenn du glücklich bist, wie willst du das steigern ? Oder geht es nur um Show für Außenstehende ?

Es ist halt die Frage was du jetzt machen kannst. Entweder du gibst Vollgas das du immer mit allen mithalten kannst (dabei können deine Bedürfnisse und deine Gesundheit aber auf der Strecke bleiben) oder du arbeitest daran das du dich nicht mehr permanent mit anderen vergleichst und das haben willst was die haben. Da ist nämlich auch nicht alles Gold was glänzt.

PtoweurZPuffxi


oder du arbeitest daran das du dich nicht mehr permanent mit anderen vergleichst und das haben willst was die haben. Da ist nämlich auch nicht alles Gold was glänzt

Würde ich auch sagen. Das Problem ist viel weniger dein Terminkalender als dein Selbstwertgefühl.

Was würde dir denn helfen, damit du dich wieer wohler in deiner Haut fühlst?

CzomQraxn


aber wenn ich dann wieder sehe, dass eine ehemalige Kommilitonin von mir eine Weltreise macht , dann kommt mir mein Alltag wieder so langweilig vor.

OK, alles klar. Jetzt sehe ich es auch ein bisschen wie die anderen, dass du eigentlich alles andere als ein langweiliges Leben hast, sondern du dir selbst nicht genug bist. Es ist die Unsicherheit im Vergleich mit anderen. Die Strategie "Downsizing" und zum Glück finden hat schon bei vielen funktioniert. Deine Ausgeglichenheit ist wichtiger als ob ein Job beim Kanton ist. Deine Freude über eine Städtereise wiegt viel mehr als die Frage, ob du noch in den letzten Dschungel-Winkel vorstößt.

Sei glücklich und lebe. Dann sind die anderen auf dich neidisch.

Viele Grüße vom Comran, der die letzten beiden Beförderungsvorschläge abgelehnt hat und sich sauwohl fühlt, auf diese Tretmühle nach oben nicht angewiesen zu sein :)_ @:)

N+ormdi8B4


der die letzten beiden Beförderungsvorschläge abgelehnt hat und sich sauwohl fühlt, auf diese Tretmühle nach oben nicht angewiesen zu sein

Das ist was, das bei vielen noch nicht angekommen ist. Man muss garnicht unbedingt das größte Rad im Getriebe sein, ne Nummer kleiner kann glücklicher machen. Ist für mich auch ein Grund wieso ich nicht neidisch auf die Kollegen sind die außertariflich bezahlt werden. Die mögen zwar 20-25% mehr Geld bekommen, können aber eher selten nach 8 Stunden aus dem Büro raus bzw. Überstunden relativ unbürokratisch abfeiern und Brückentage oder 52 volle Wochenenden gibt es für die auch nicht.

Klar hab ich weniger Status, weniger Geld und auch keinen Firmenwagen aber ich hab im Normalfall um 15.30 Uhr Feierabend und stehe nicht kurz vorm Burnout.

A|a0s


Ich mache nach Feierabend gar nichts mehr, weil ich einfach nur noch kaputt bin und Ruhe brauche !

Emh"emaSligFer Nu!tzer K(#4588x71)


Spannender Thread, den ich gerne weiter verfolge :)D

Warum?

Weil ich mich wiedererkenne.

Und weil ich mich verändert habe.

Ich wurde dazu gezwungen.

@ Powerpuffi:

Deshalb sollte man sich immer beschäftigen. Beschäftigung heißt nicht zwingend, dass man jetzt in den Urlaub fährt oder seine Käfersammlung neu sortiert, sondern sich pro Tag mittel- und kurzfristige Ziele setzt - so ist man immer in Beschäftigung, macht etwas Sinnvolles und etwas Spaßiges - das Resultat ist dann, dass man mit sich zufrieden ist.

Ich dachte auch erst: was ein Blödsinn, aber seitdem ich mir immer einen Wochenplan schreibe und täglich alles abarbeite, weiß ich endlich, dass ich stolz auf mich sein kann und mein Leben ganz und gar nicht langweilig ist.

Vor nicht mal zwei Jahren hätte ich Dir hier ein dickes fettes :)^ gegeben, mittlerweile läuft es mir bei solchen Aussagen kalt den Rücken herunter. (Bitte nicht persönlich nehmen - ich finde Dich sehr sympathisch!) Ich kämpfe dagegen, über 30 Jahre mit To-Do-Listen gelebt zu haben, ich musste immer höher, schneller, weiter, und vor allem, was das Reisen angeht, habe ich mich immer nur mit denjenigen gemessen, die mehr oder weiter gereist waren.. Zum einen ist das natürlich völliger Bullshit. Mein Unternehmensberater-Kumpel, der buchstäblich die halbe Welt gesehen hat, ist zwar toll gereist, hatte aber keine Zeit für Freunde oder gar eine Freundin. Mein Arbeitskollege, der mir bei jeder Gelegenheit reindrückte, er sei schon in 50 Ländern gewesen, reist seit der Geburt seiner Kinder allerhöchstens noch nach Dänemark. Ich habe zu dem Thema hier mal einen Beitrag verfasst, vielleicht finde ich ihn wieder, dann verlinke ich ihn eben.

Ich musste (und muss noch immer) Ziele haben, kurzfristige, mittelfristige, langfristige, erstelle ellenlange Listen (und hasse mich dafür). Ich habe das Gefühl, ich muss etwas "leisten", produktiv sein. Langsam aber sicher stellt sich die Erkenntnis ein, dass man nichts leisten muss, um ein wertvoller Mensch zu sein. Und dass auch das Für-andere-da-sein ein Lebensinhalt sein kann, geben ist manchmal sogar schöner als erleben. Am Wichtigsten ist aber, dass man einfach "sein" darf. Man "muss" nicht leisten. Das ist ein Irrglaube unserer Gesellschaft. In einigen anderen Ländern ich lebe in Skandinavien ist man da weiter, die Frage nach dem Job kommt nicht als erstes, da ist es wertvoller, eine Familie gegründet zu haben.

Ich meine nicht mehr, dass ich arbeiten muss, um ein wertvoller Mensch zu sein. (Was nicht heisst, dass ich nicht unheimlich gern wieder in meinen Job zurück möchte - weil er mir Spass macht und ich die Leute mag.) Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich nicht arbeite. Bin ich jetzt faul? Denk, was Du willst, liebe Leistungsgesellschaft,.. ich bin krank und habe trotz Krankheit immerhin noch einen Doktortitel geschafft

Vorletzte Woche war ich irre stolz drauf, dass ich mich fünf Minuten lang - völlig unbewusst - an meiner Orchidee erfreut habe, die trotz meines sehr ungrünen Daumens schon im fünften Jahr blüht. Letzte Woche habe ich mir ein paar Mandalas ausgedruckt und ausgemalt. Meinen Alltag verbringe ich krankheitsbedingt fast nur noch auf dem Sofa. Schwer, sich damit abzufinden, aber es geht. Und "Sofa" bedeutet nicht "gammeln". Ich lese, ich schaue Filme (ich liebe gute Filme, schon immer!), ich lasse mich von Pinterest inspirieren. Pinterest ist seit Monaten wirklich meine grosse Liebe x:) Ich klebe Mosaike,... entdecke meine Kreativität neu, da Rucksackreisen und Sport eben nicht gehen.

Sehr viele gute Beiträge in diesem Thread!

Eehemaligenr Nutzer x(#458871)


@ devilindisguise:

Ach so, Spielen ist weniger wertvoll als Chor? Und Zeit mit der Familie zählt nicht? Zum K***en :(v Auf solche Chefs kann man verzichten.. (abgesehen davon finde ich, dass man beim Spielen unheimlich viel lernt, ich spiele auch gern!)

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH