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Langweiliges Leben

PxoweerPxuffi


Ich musste (und muss noch immer) Ziele haben, kurzfristige, mittelfristige, langfristige, erstelle ellenlange Listen (und hasse mich dafür). Ich habe das Gefühl, ich muss etwas "leisten", produktiv sein. Langsam aber sicher stellt sich die Erkenntnis ein, dass man nichts leisten muss, um ein wertvoller Mensch zu sein.

Ich glaube, das hast du missverstanden. Die Liste dient nicht dazu, etwas zu leisten. Natürlich steht auf meiner Liste auch, dass ich das Exposé bis zum Ende der Frist schreiben sollte, aber viel mehr Punkte dienen eher meinem Vergnügen.

Hab ich Lust auf Schwimmen, schreib ich Schwimmen auf die Liste. Kommt mit in den Sinn, mal alleine ins Museum zu gehen, kommt das auch auf die Liste usw.

Das sind einfach Impulse, die einem im Laufe des Tages kommen, auf die man Lust hat.

Wobei ich da natürlich aus einer ganz anderen Position komme. Ich bin extrem antriebslos. Mein Exposé würde ich zum Beispiel von alleine nicht schreiben bzw. in der letzte Minute und über der Frist und in einer extrem schlechten Qualität. Ich befriedige nur meine Triebe. Mittel- und langfristige Ziele schaffe ich nicht oder nur mit großer Not.

Wie die TS sitze ich dann da und verzweifle, weil ich nichts mache und alle anderen ein cooleres Leben haben.

Der Wochenplan hat mich aus einer ganz schlimmen depressiven Phase herausgeholt, weil man so vor Augen geführt bekommt, dass man Dinge schafft und viel erledigt. Ich dachte vorher nämlich, ich krieg nichts auf die Reihe und bin ein Loser. Das zerrt am Selbstwertgefühl und macht depressiv.

So hake ich jetzt immer meine Liste ab und bin richtig stolz auf mich - auch wenn ich nur die Pfandflaschen weggebracht habe! :)z

Mbil*ky_eW77


Ich glaube es liegt auch an Facebook und Co., dass man immer mehr das Gefühl hat, alle anderen würden mehr und interessantere Dinge erleben.

Man sieht ja auf den Plattformen dann hauptsächlich nur die tollen Unternehmungen, und dann aber gehäuft von allen Freunden/Bekannten.

Irgendjemand der Freunde ist immer gerade auf Urlaub, rund ums ganze Jahr. Sobald man Facebook öffnet, sieht man tolle Strände und interessante Städtereisen und schöne Ausflüge.

Aber man muss sich vor Augen halten, dass die Reisen abwechselnd von den verschiedenen Personen stattfinden. Die wenigsten verreisen 5 mal im Jahr.

Aber man bekommt halt ständig vor die Nase gerieben, welche tollen Dinge einem gerade entgehen, während man im Büro oder auf dem Sofa sitzt.

Früher hat man ja nicht alle Reisen/Ausflüge der anderen mitbekommen. Höchstens von den besten Freunden ein paar Fotos vom Haupturlaub.

CYoGmr$an


Ich glaube es liegt auch an Facebook und Co., dass man immer mehr das Gefühl hat, alle anderen würden mehr und interessantere Dinge erleben.

Oh ja. Zumal ja auch alles aufgebauscht wird, weil jeder wahnsinnig cool und interessant erscheinen möchte. Ich bin froh, dass ich aus dem Alter raus war, als diese Medien zum Hype wurden. Ich glaube, wenn ich Anfang 20 gewesen wäre, hätte mich das auch gewurmt, dass andere Leute 200 Leute als "Freunde" listen oder ich das Gefühl haben muss, dass die Welt außer mir in einem stets aktiven und spannenden Rauschen steckt und jeder irgendwie immer was tolles macht. Peter steht am Eiffelturm, Melanie streichelt ein Nilpferd, Karl macht Selfies mit einem hübschen Mädel in der Disse, Sabine/Franzi/Lydia haben die tollste Clique und sowieso das aufregendste Leben ... Hühnerkacke. Eine diffuse Ansammlung total nichtiger Momentaufnahmen werden zum Lifestyle erklärt.

Dass hier Wahrnehmung und Realität deutlich auseinanderlaufen das lehrt einen dann das Leben.

W%eltenbzummlWerin_8x6


Ja, Facebook beeinflusst einen schon. Aber ich sehe immer wieder die GLEICHEN Leute die ein aufregenderes, tolleres und cooleres Leben führen als ich.

Ich dahin bin im Alltags-Trott. Ich arbeite gerne, verbringe gerne Zeit mit meinem Freund und krieg auch gerne Besuch von Freunden und Verwandten. Aber so richtig besonders oder spannend finde ich es nicht. Andere machen am Wochenende irgendwelche tollen Ausflüge oder sonst was. Andere machen eine Weltreise, ein Work & Travel Jahr oder sonst was. Und ich arbeite wie ein normalo...

N7ord8i84


Na aber diejenigen die ne Weltreise machen müssen vorher richtig reinhauen damit genug Geld in der Kasse ist um das zu finanzieren. Die mit Work & Travel haben entsprechende Berufe gelernt (die oft in Deutschland garnicht sooo gut bezahlt sind, z.B. in der Gastronomie) oder machen unbezahlte Praktika für die sie vorher auch Geld ansparen mussten.

So oder so, dieses ganze "aufregende" Zeug kostet Geld. Wenn deine Bekannten also nicht gut geerbt haben müssen die Abstriche an anderer Stelle machen. Die haben dann vielleicht keine große Wohnung, ein Haus, ein schönes Auto oder häufige Kurzreisen sondern die saßen 1-2 Jahre in ihrer kleinen zwei Zimmer Wohnung, fuhren Fahrrad und kamen nicht mal in den Schwarzwald.

DQie S8eherxin


ich frage mich immer, wer denn nun definiert, was ein cooles und spannendes leben ist ":/

wir doch selber für uns, oder? wenn ich so lese, was um dich herum gerade so passiert, dann klingt das für mein gefühl schon so überladen, dass mir persönlich die ruhezeiten fehlen würden!

ich z.b. habe gerade urlaub und finde es großartig, einfach mal auszuschlafen, mir soviel kaffee zum frühstück gönnen zu können, wie ich will, einfach nur mal blöd zu schauen, ziel- und planlos sein zu dürfen.

für mich gehört zu einem erfüllten leben durchaus auch rumgammeln und faulsein dazu! ständig nur bungee jumping, foto safari, tandem sprünge, himalaya besteigungen wären mir zu anstrengend ;-)

WoeltlenbuImmlAerino_86


Ich habe früher mit 16 ein Jahr in den USA verbracht und bin da in die High-School gegangen. Ich habe auch ein Erasmus Semester in Schweden gemacht. Das fand ich spannend und aufregend. Fast täglich hab ich was neues gesehen/ gelernt.

Ich kann das gar nicht, dass ich einfach nur rumgammel oder nichts tue. Selbst am Wochenende, wenn ich mal ausschlafen könnte, dann wach ich spätestens um 8 Uhr auf. Ich hätte auch sonst das Gefühl, den Tag unnötig zu vertrödeln. Ich versuche möglichst effizient meinen Tag zu gestalten, damit ich möglichst viel schaffe. Die nächsten Tage und das Wochenende sind z.B. schon ziemlich durchgetaktet...

Dpie qSeherixn


irgendwie bewundere ich das ja, aber ich frage mich immer (bei so ständig beschäftigten menschen), wann die ganzen erlebnisse sacken können, man alles in ruhe revue passieren lassen kann, sich erholt!?

M#iZlkyR_e7x7


Ich bewundere auch die Leute, die ständig aktiv sind. Ich hab da wohl leider nicht so viel Energie.

Ntord|i84


Ständiges "aktiv sein" kann natürlich auch eine Flucht vor Ruhe sein. Ich muss ständig was machen um nicht über bestimmte Dinge nachzudenken oder mich von bestimmten Sachverhalten abzulenken. Auch schon erlebt.

CMoUmraxn


Aber ich sehe immer wieder die GLEICHEN Leute die ein aufregenderes, tolleres und cooleres Leben führen als ich.

Prüf dich doch mal. Nimm mal eine Person als Musterbeispiel. Und dann sagst du 3 für dich außergewöhnliche Dinge, die diese Person immer wieder macht (so bisher in diesem Jahr).

Das fand ich spannend und aufregend. Fast täglich hab ich was neues gesehen/ gelernt.

Die Jugend ist deswegen spannend, weil sich sehr viel in sehr kurzer Zeit ändert. In den Zwanzigern meint man dann, das müsse immer so weitergehen. Das tut es aber nicht. Viele Leute fallen dann in eine Art Sucht für Freizeitstress, weil sie sich und anderen zeigen müssen, dass ihr Leben durch Aktivität einen Sinn bekommt und es noch höher, schneller, weiter geht. Aber letztendlich ist es eine erkaufte Spannung - limitiert durch Geld und Zeit. Es ist nichts als Konsum, als würde man sich neue Schuhe kaufen. Die "Spannung" hat ein Sicherheitsnetz und ist insofern ein künstlicher Nervenkitzel wie eine Achterbahn oder ein spannender Film. Diese Spannung nutzt sich ab.

Die wirklich aufregenden Dinge im Leben möchte man eigentlich gar nicht haben. Krankheit, Verlust von Angehörigen, zwischenmenschliche Probleme, Arbeitsplatzsorgen, Geldnot ... Irgendwann wird man froh, dass das Leben einem solche Oasen der Ruhe bietet, wie du sie kennst. Einfach mal unaufgeregt sein.

D3ie .Seherixn


Irgendwann wird man froh, dass das Leben einem solche Oasen der Ruhe bietet...

das kann ich nur unterschreiben! in unserem leben war die letzten fünf jahre so viel los (auch viel sehr belastendes), dass ich um jeden moment des innehalten könnens dankbar bin - "langeweile" empfinde ich mittlerweile als etwas sehr sehr schönes!

m'ondy+sntexrne


Du siehst immer wieder die GLEICHEN Leute, von denen Du vermutest, sie würden ein aufregendes Leben führen.

Wie sich jene Leute im Innern fühlen, weißt Du jedoch nicht. Nach außen hin führst Du jedoch auch ein aufregendes Leben mit einer anstehenden Hochzeit und beruflichem Erfolg.

Wenn Du herausfinden wolltest, ob Dein Neid auf jene Leute berechtigt ist, müsstest Du mit ihnen reden. Vielleicht finden sie ihr Leben wirklich toll und aufregend. Vielleicht laufen sie auch nur vor ihrer inneren Leere und Langeweile weg.

Wenn Du nicht immer nur die GLEICHEN Leute ansehen würdest, sondern auch ein paar andere, denen es nicht so gut geht wie Dir, die ein sehr viel armseligeres Leben führen als Du, wäre Deinem Neid sicherlich auch jede sachliche Grundlage entzogen.

W,elten)bummleriPnx_86


Ich erachte mein Leben als normal und durchschnittlich.

Es ist nicht so, dass ich den anderen ihre tollen Unternehmungen nicht gönnen würde. Es führt mir vielmehr vor Augen wie langweilig und normal mein Leben ist.

Von einigen dieser Leute weiss ich, dass sie wirklich so ein aufregendes, spannendes und erfolgreiches leben führen und damit glücklich sind.

Ich weiss auch nicht, warum ich mein Leben und Alltag als so langweilig erachte. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich einen so lieben Freund gefunden habe, der mich sogar heiraten wird und einen Job, der mir Spass macht. Andererseits wurde mir jahrelang vorgelebt, dass das NORMAL und die Regel ist. Es ist also nichts besonderes.

Es wurde auch von mir erwartet früher, dass ich Abitur mache, studiere und dann einen angemessenen Job finde. Demnach habe ich auch das als normal empfunden.

Meiner Meinung passiert nichts aussergewöhnliches...

Cyomraxn


Von einigen dieser Leute weiss ich, dass sie wirklich so ein aufregendes, spannendes und erfolgreiches leben führen und damit glücklich sind.

Aber du bist nicht in der Lage, jetzt mal konkret anhand eines Beispiels aufzuzählen, was so jemand in den letzten 5 Monaten Besonderes gemacht hat?

Es wurde auch von mir erwartet früher, dass ich Abitur mache, studiere und dann einen angemessenen Job finde. Demnach habe ich auch das als normal empfunden.

Meiner Meinung passiert nichts aussergewöhnliches...

Erklär das mal jemandem, der mit Geringbeschäftigung aufstocken muss und sich überlegt, ob er sich in 3 Monaten mal wieder Kino leisten kann und seine Abende allein vor dem TV verbringt.

Ich glaube, deine Position im Leben ist dir nicht so richtig klar. Alles normal - die Höchstleistung von heute ist der Standard von morgen.

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