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Vom Wesen der Hochbegabung...

Drie RKexltin


Lütte

"Die Lütte" kommt aus dem plattdeutschen und heißt übersetzt "Die Kleine". Im norddeutschen Raum werden (oder wurden vor allem damals von der älteren Generation) Kinder umgangssprachlich (aber nicht abwertend) so genannt. Beispiel: "Was machen wir heute Abend mit der Lütten?" ;-D

p~elzt7ierx86


@ Keltin

okay, wieder was gelernt ;-D

D5ie@ KelLtin


Übrigens, deine Bilder sind sehr schön - habe mir nicht alle angesehen, aber die, die ich angeklickt habe, sind ganz gelungen. Wobei du bei einigen Bildern recht gruselige Gedanken im Kopf hattest....

pdelztQier<86


@ Keltin

nunja, das Thema war nun mal "das Böse im Menschen" - auch wenn ich mir das selbst ausgesucht habt. ;-)

p>elzti<exr86


...und danke für das Kompliment - leider kann ich seit einiger überhaupt nicht mehr zeichnen/malen aufgrund meiner Erkrankungen, und das ist für mich schon sehr schwer...

pTeNlzt iexr86


...seit einiger Zeit...

Rpalp0h_HxH


Unser Sohn (8 J.) hat einen IQ von 140. Und trotzdem ist er nach Aussage des Psychologen kein typischer Hochbegabter. Er konnten nicht lesen und schreiben als er in die Schule kam, hatte dafür mit 5 Jahren ein sprachliches Ausdrucksvermögen, was viele Erwachsene nie erreichen, technischen Sachverstand und eine irre Phantasie. (Letzteres macht ihn z.T. zum begehrten Spielkameraden.) Er abstahiert Dinge auf eine Weise, die viele Erwachsene so nicht zu stande bringen, denkt sehr schnell. Er ist aber trotz allem ein ganz normaler Junge, bei weitem kein Wunderkind.

Aber er hat Probleme mit sich und seiner Umgebung, das war der Grund für den Besuch beim Psychologen, wo ganz nebenbei der IQ Wert herauskam, ansich ein ziemlich nebensächlicher , unwichtiger Zahlenwert.

Letzlich ist es uns ziemlich egal, ob er nun hochbegabt ist oder nicht, dieses Schubladendenken ist eh selten zielführend. Wichtig ist, daß wir neben dem Zahlenwert des IQ bei dem Test viel über seine Denkmuster gelernt haben. Viel darüber, was in seinem komplizierten Köpfchen so vor sich geht, warum er oft frustriert ist, genervt, aggressiv, traurig. U.a. deshalb, weil er mit seinen Denkmustern bei seinen Spielkameraden im gleich Alter meist auf Unverständnis stösst. Weil er dank ungefilterter Aufnahme von Information schnell an Reizüberflutung leidet, weil sein komplexes und sehr früh entwickeltes Verständnis für Regeln und Gerechtigkeit in der Erwachsenenwelt mit Widersprüchen, Regelbrüchen und Ungerechtigkeit konfrontiert wird - und vieles mehr.

Von daher finde ich, daß die "inflationäre Zunahme an hochbegabten" eher ein positives Zeichen ist, daß sich Kindergärten, Schulen und Psychologen vermehrt daran machen, Ursachen für ein Verhalten zu erforschen, statt Kinder die nichts ins Schema F passen mit dem Rohrstock zu schlagen, in die Ecke zu stellen, nach Hause zu schicken oder mit Ritalin ruhig zu stellen.

Was man im Ergebnis damit macht, ist nicht so toll. Schulen funktionieren meist nach Schema F. Erst spät, im Gymnasium wird etwas differenziert, wobei auch Gymnsaien inflationär sind und das Niveau sinkt. Elitäre Förderschulen sind in Deutschland Mangelware, Förderung in der Grundschule meist ein komplettes Fremdwort, überforderte Lehrer die Regel.

Der IQ Wert ist eine kleine Hilfe, eine Zahl, ein Testergebnis, mit dem man dem Lehrer belegen kann, daß das Kind vermutlich nicht vom 6+6=12 überfordert ist, sondern gelangweilt. Mehr nicht.

So sind denn die ersten Jahre des Lebens geprägt von dem Kampf eines emotional unreifen aber vom Verstand her sehr fortschrittlichen, intelligenten Wesens, sich in die Welt der "normalen" einzufinden, sich anzupassen. Eine Qual, sie nicht zu verstehen, anzuecken, anders zu sein. Ein Prozess der mit viel emotionalen Problemen einhergeht, der ALLE Beteiligten bis zum äussersten stresst. Bis der kindliche Intellekt so weit entwickelt ist, daß er dem Kind erlaubt, dem Verstand die Kontrolle über die Emotionen zu geben, um sich anzupassen. Ab da an fallen die Kinder nicht mehr auf. Die Umgebung atmet auf, das Kind... verkümmert, wenn man nicht aufpasst. Die Fähigkeiten unterdrückt, zurückgehalten in dem Bewusstsein - sie kommen nicht gut an bei anderen.

Wohl dem, dem es gelingt, mit guter Bildung und guten Startbedingungen seine Fähigkeiten später voll zu entfalten.

pSelzqtier<8*6


Auch normal begabte Kinder können Probleme mit ihrem Ich und ihrem Umfeld entwickeln, das ist nicht HB-exklusiv. Sicher, die Gründe und die Art solcher Probleme mögen zwischen den 2 Gruppen differieren, nicht aber das Resultat.

Und letztlich gehören diese Probleme und deren Lösung auch zur Persönlichkeitsreifung dazu.

Es ist nicht so, dass ich die von dir angesprochenen Probleme nicht kennen würde - im Gegenteil. Allerdings ist es mir nicht ersichtlich, wie ein fragwürdiges IQ Test -Ergebnis und die "Diagnose einer Hochbegabung" dabei helfen soll diese Probleme zu überwinden. Dass man anders ist und etwas anders denkt als der Rest, das ist einem doch schon lange zuvor bewusst. Aber letztlich muss man mit sich und seinem Leben unter den eigenen Bedingungen ebenso auskommen lernen, wie es ein durchschnittlich begabtes Kind mit seinen Problemen und seinen Voraussetzungen tun muss.

Was natürlich sehr hilft (und ich damals auch als sehr hilfreich empfunden hätte), ist der Kontakt zu Gleichgesinnten. Aber auch das ist nichts, was nur bei hochbegabten Kindern der Fall ist.

Die inflationäre Zunahme an Hochbegabten wäre nur dann ein gutes Zeichen, wenn tatsächlich - im Gegensatz zu früher - alle wirklich Hochbegabten erkannt und gefördert werden würden.

Das funktioniert aber schon deswegen nicht, weil der IQ Test nicht dafür geeignet ist wirkliche Hochbegabung von Pseudo-Hochbegabung zu unterscheiden. Das Konzept der Intelligenz ist viel zu abstrakt und unklar, als dass ein IQ Wert gemessen werden könnte, der dann der tatsächlichen Intelligenz enstpricht.

In der heutigen Zeit werden für IQ Tests zudem gerade die Kinder ausgewählt, die schon früh verhaltensauffällig sind - und nicht etwas die, die durch besondere Fähigkeiten auffallen. Da man in der Kindheit die endgültige Intelligenz selbst laut den IQ Test Aposteln mittels IQ Test in der Kindheit nicht vorhersagen kann, werden immer wieder neue IQ Tests bei dieser Klientel gemacht. Irgendwann stellt sich hier mit Sicherheit ein Lerneffekt ein, und 10-20 Punkte mehr können durchaus am Ende beim endgültigen IQ Test das Resultat dessen sein. Es ist einfach unsinnig anzunehmen, dass bei einem 8-Jährigen, dessen Gehirn sich noch entwickelt, die tatsächliche Intelligenz (im Rahmen einer dem IQ Test per se inhärenten eingeschränkten Aussagekraft über die wirkliche Intelligenz) gemessen bzw. die endgültige Intelligenz abegschätzt werden kann. Ich kannte z.b. im Kindergarten Kinder, die als sehr begabt galten, schon Lesen und Schreiben konnten, rechneten etc - deren intellektuelle Entwicklung jedoch irgendwann stehenblieb.

Der Erfolg einer solchen IQ-Test/Hochbegabung-Diagnose-Epidemie sieht man ja zum Teil hier im Forum bei einigen Usern auch: Arroganz, Selbstgerechtigkeit, Erklärungen aller Probleme mit der (vermeintlichen) HB - bei einer (in dem, was man von sich gibt) bemerkenswert wenig erkennbaren hohen Intellligenz.

Natürlich sollten Kinder nach ihren Begabungen bestmöglich gefördert werden - und zwar idealerweise alle. Die weniger Begabten genauso wie die sehr begabten Schüler. Die Diagnose einer Hochbegabung ist aber in vielen Fällen nur noch Mittel zum Zweck um Erziehungsfehler und soziale Probleme anderer Ursache zu erklären. So wenig wie es richtig war, früher nur bei Hochleistern eine Hochbegabung anzunehmen, so wenig richtig ist die derzeitige Entwicklung, dass jedes Kind mit einem gestesten IQ von über 130 als hochbegabt gilt, das vermittelt bekommt, dass es ja für seine Probleme nichts kann, und "alle anderen nur zu dumm sind", um das zu begreifen. Siehe einige Posts hier im Thread angeblicher Hochbegabter.

Am Schluss noch ein Wort zum Thema Unterforderung in der Schule: Auch das wird mir zu inflationär gebraucht. Zum einen muss auch ein sogenanntes hochbegabtes Kind lernen manchmal Dinge zu tun, die es nicht interessieren - das wird von den anderen ja auch gefordert, das ist in jeder Gesellschaft so. Natürlich sollte es im Idealfall zwischendurch aber seinen Intellekt ausreizen dürfen.

Man macht es sich jedoch einfach, wenn Versagen in der Schule oder soziale Probleme allein mit Unterforderung erklärt werden. Denn wenn es nur um Unterforderung ginge - was spräche dagegen, sich eigene Beschäftigungen zu suchen, seine Grenzen selbst auszureizen? Ja, ich habe mich auch zum Teil gelangweiligt und unterfordert - aber unterfordert gefühlt habe ich mich eigentlich nicht, weil ich immer nebenbei irgendeines meiner Projekte machte, die ich dann bei Bedarf auch in langweiligen Schulstunden verfolgte. Wer meint, sehr intelligent zu sein, der sollte es auch schaffen, dem Unterricht auch so zu folgen - Kinder mit gleichzeitig vorliegender ADS etc einmal ausgeschlossen.

s+e\nsibexlman


Ich bezweifle, dass Mozart ein überragender Physiker hätte werden können, wäre er nicht Musiker / Komponist gewesen. Oder, dass Picasso auch zur höheren Mathematik berufen hätte sein können.

Es gibt auch punktuelle Hochbegabung- also eine Begabung, die weit über dem Durchschnittlichen in diesem Bereich liegt.

Irgendein Wissenschaftler hat die These aufgestellt, dass man - egal in welchem Bereich - ziemlich gut werden kann, sofern man 10.000 Stunden oder mehr Übung darin hat

Durch Übung (dazu kann auch das Üben im Problemlösen gehören) kann sich durchaus auch der IQ erhöhen (unser Gehirn ist da nicht wesentlich anders als unsere Muskeln- Training erhöht die Fähigkeiten- das ist messbar).

Von einer intelligenten Person erwarte ich, dass sie antizipiert, dass das nur das Grundwerkzeug ist und für die Aneignung von komplexerem Wissen andere Lernmethoden erforderlich sind.

Ich erwarte von einer halbwegs intelligenten Person die Fähigkeit, sich selbst die notwendigen Informationsquellen zu erschließen. Und Intelligenz beginnt mit Neugier und Interesse. Nach meinem Dafürhalten ist deswegen keine besondere Lehrmethode erforderlich- lediglich ein gutes Angebot zum Selbstlernen und Tüfteln- genau deswegen sollten sich höher Begabte und Hochbegabte unter Schülern mit durchschnittlicher oder geringer Intelligenz gut lernen können, wenn man ihnen nicht langweiligen Lernstoff aufoktruiert und sie in ein Lernschema zwängt. Wenn ich in der Schule alles verstanden hatte und die Übungen langweilig wurden, dann habe ich mir irgendein Lehrbuch rausgeholt und ganz woanders gelesen und nachgedacht.

pvelztiexr86


daß sich Kindergärten, Schulen und Psychologen vermehrt daran machen, Ursachen für ein Verhalten zu erforschen, statt Kinder die nichts ins Schema F passen mit dem Rohrstock zu schlagen, in die Ecke zu stellen, nach Hause zu schicken oder mit Ritalin ruhig zu stellen.

Im Übrigen pressen die jetzige Herangehensweise und die Psychologen mit ihren IQ Tests und "Erkenntnissen" zum Thema die Kinder in ein Schema - es ist nur ein anderes als zuvor. Nichtdestotrotz ist es ein Schema, das noch nicht einmal alle wirklichen Hochbegabte richtig zu identifizieren vermag.

Schon dieser Satz von dir sagt aus, was mittlerweile mit Hochbegabung assoziiert, meinem Empfinden nach fast gleichgestellt wird.

Im Grunde genommen passt kein Kind ins Schema F, weil jedes ein Individuum mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Voraussetzungen ist. Es gibt nur Kinder, die sich ähneln - das ist dann die "Norm". Aber auch innerhalb dieser hat das einzelne Kind dennoch eine Individualität.

Und auch normalbegabte Kinder können aus dem Schema F - egal aus welchem Grund - fallen.

Die Förderung der Hochbegabung sollte eigentlich genauso normal und selbstverständlich sein wie die Förderung der Schwächsten und die Förderung der "Norm". Was jetzt aber passiert ist, dass man Kinder, die noch nicht einmal alle wirklich hochbegabt sind (ich würde mal behaupten eher die wenigsten darunter), mit dem Label HB austattet, nur um sie von den anderen Kindern abzugrenzen. Das war's. Das hilft auch den Kindern nicht, im Gegenteil.

p elzWtier8x6


Wenn ich in der Schule alles verstanden hatte und die Übungen langweilig wurden, dann habe ich mir irgendein Lehrbuch rausgeholt und ganz woanders gelesen und nachgedacht.

eben, das ist ja genau das, was ich ansprach.

Sicherlich sollte man kein Kind in ein Lernschema pressen, und das wurde in der Tat früher oft getan. Aber es ist genauso unbestritten, dass ich gewisse Grundlagen haben muss, um mir weiteres Fachwissen anzueignen bzw. logisch denken und neue Überlegungen anstellen zu können. Auch Hochbegabte. Sie haben oftmals nur andere Methoden sie diese Grundlagen anzueignen. Jedoch passiert es bei vielen Underachievern, dass sie aufgrund ihrer HB Diagnose erst recht meinen nichts tun zu müssen, und auch nicht nach ihren Methoden sich die geforderten Grundlagen, die auch sie später brauchen, aneignen. Würden sie sich diese nämlich aneignen - egal wie und egal wo (z.b. auch zuhause) - dann wären sie keine underachiever und würden in der Schule keine gravierenden Probleme habe. Klar, es gibt underachiever, für die die Bestätigung, dass sie nicht so dumm sind wie angenommen, der Durchbruch ist - aber ich denke, unter den underachievern sind auch viele, die schlichtweg gar nicht hochbegabt sind. Denn ansonsten würde man vll nicht in der Schule Hochleistungen vollbringen, aber die Begabung und vor allem die Neugier und der Drang, Neues zu lernen, würden sich, dann eben außerhalb der Schule, bemerkbar machen.

pyelzt}ierx86


Es gibt auch punktuelle Hochbegabung- also eine Begabung, die weit über dem Durchschnittlichen in diesem Bereich liegt.

Eigentlich nicht. Nach der bisher gültigen Definition ist Hochbegabung eine hohe allgemeine (analytische) Intelligenz, zum Ausdruck gebracht mit dem ominösen IQ Wert. Wie sich dieser Durchschnitsswert dann im Einzelnen aus den Teilbereichen des Tests zusammensetzt, kann unterschiedlich sein.

Im Übrigen haben viele Musikgenies auch ein hohes mathematisches Verständnis - da scheint also eine gewisse Korrelation gegeben zu sein.

Da man Mozarts IQ nicht mehr testen kann, kann es sein, dass er ein musikalisches Wunderkind ohne Hochbegabung war, oder aber dass er hochbegabt war, was sich bei ihm als Musikgenie äußerte.

Wohlgemerkt sind das nur Betrachtungen auf Basis der allgemeingültigen Definition von Hochbegabung und Intelligenz, die unzureichend ist.

p^el ztier.8x6


Ja, ich habe mich auch zum Teil gelangweiligt und unterfordert - aber unterfordert gefühlt habe ich mich eigentlich nicht

edit: muss heißen: ja, ich WAR auch zum Teil gelangweilt und unterfordert - aber unterfordert gefühlt habe ich mich eigentlich nicht.

cZriec+harlie


oder mit Ritalin ruhig zu stellen.

{:( ":/

Ritalin ist ein Stimulanzmittel.

mvucghbi4rnxe


PS: Irgendein Wissenschaftler hat die These aufgestellt, dass man - egal in welchem Bereich - ziemlich gut werden kann, sofern man 10.000 Stunden oder mehr Übung darin hat.

Das war ein Studie unter Musikstudenten - unabhängig von der Begabung wurde festgestellt, dass kein Musikstudent bei Aufnahme des Studiums die 10.000 Übungsstunden unterschritten hatte, das also umgekehrt unabhängig von der Begabung offensichtlich mindestens 10.000 Stunden Übung notwendig sind, um die Aufnahmeprüfung an Musikhochschulen zu schaffen.

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