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Unterstelle Leuten vorschnell und zu Unrecht Selbstprofilierung

LJebkuc2henher+zchexn hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich unterstelle Leuten immer schnell, dass sie sich nur profilieren oder indirekt mit irgendwas angeben oder sich als toll darstellen wollen. Ich weiß nie, ob ich dafür einfach ein feines Gespür habe und das sonst kaum jemandem auffällt oder ob ich mich da viel mehr in Sachen reinsteigere, die eigentlich keine Bedeutung haben.

Ich bekomme manchmal mit, wie Frauen irgendwo indirekt einfließen lassen, dass irgendein Typ auf sie stehen würde, sie aber nicht und das wäre ein Problem. Sexuell wäre der Typ ja schon attraktiv, aber sie wollen eigentlich nicht usw. Wenn ich sowas höre, denke ich immer total schnell, dass die Person gar nicht so ein großes Problem damit hat, sondern einfach nur zeigen will, dass sie so begehrt ist und noch dazu von jemand Attraktivem.

Oder wenn eine Person in irgendein Gespräch, wo es eigentlich keine Relevanz hat, einfließen lässt, dass ihre Eltern oder irgendwer aus ihrem Umfeld einen "hohen" Beruf hat. Da denke ich mir immer, das war für den Kontext jetzt eigentlich unwichtig, aber die Person verkauft es als relevant, aber in Wahrheit will sie nur damit angeben, ohne dass es jemand merkt.

Oder wenn irgendjemand erwähnt, dass er ja so gut mit xy befreundet ist, denjenigen extra beim Spitznamen nennt, denke ich auch oft, derjenige will vor anderen extra raushängen lassen, dass er ja so vertraut und viel besser befreundet mit demjenigen ist als man selbst.

Das passiert mir sehr oft und dadurch sind mir viele Menschen (zu Unrecht?) so schnell unsympathisch. Ich sehe bei vielen ein als unabsichtlich dargestelltes, aber eigentlich absichtliches Erwähnen irgendwelcher Dinge, die die Person besser dastehen lassen.

Ich muss sagen, dass ich selbst sehr unsicher und schüchtern bin und extra immer darauf achte, bloß nicht zu viel Unnötiges zu sagen und auf keinen Fall angeberisch oder überheblich zu wirken. Diese Angst, dass ich durch Erwähnen von etwas Positivem angeberisch/unsympathisch dastehen könnte, hat sich auch auf andere übertragen, also dass ICH Leuten sowas unterstelle, was ich als Reaktion auf mich selbst befürchte.

Kennt das jemand? Wie geht man damit um, wenn man Leuten vorschnell Angeberei unterstellt? Liegt die Ursache vielleicht darin, dass ich selbst so unsicher bin? Vor allem bei relativ beliebten Leuten, die wiederholt immer was erwähnen, was gar nicht "nötig" wäre, denke ich, ich bin die einzige, der das auffällt und alle anderen würde sich blenden lassen. Was kann man dagegen tun, nicht jedes Verhalten anderer so negativ und selbstdarstellerisch zu sehen?

Antworten
P#anadoorxa


Liegt die Ursache vielleicht darin, dass ich selbst so unsicher bin?

Genau! :)z

Du magst an anderen häufig das nicht, was du dir selbst am wenigsten zugestehst.

Du achtest wahrscheinlich penibel darauf, nicht anzugeben oder? Deshalb fällt dir das bei anderen so extrem auf.

Meiner Erfahrung nach ist es die beste Lösung, die Fehler der anderen zu akzeptieren, indem man seine eigenen negativen Seiten so annimmt wie sie sind.

Du darfst manchmal angeben, das ist keine Schande. Wir sind alle nur Menschen. Wir sind alle nicht perfekt. Wir sind alle manchmal geizig, egoistisch, angeberisch, gierig, aufdringlich etc.

Das ist okay. Das macht uns als Menschen aus. Wären wir perfekt, wäre das Leben langweilig! :)_

PNanadForxa


Das passiert mir sehr oft und dadurch sind mir viele Menschen (zu Unrecht?) so schnell unsympathisch.

Das ist ein großer Verlust für dich. Wenn du dich nur mit wenigen und dir vermeintlich sympathischen Menschen umgibst, verpasst du schnell ganz viel.

Andere Menschen haben andere Ansichten und sind deshalb immer eine persönliche Bereicherung. Schließt du dich selber aus, hast nur du den Verlust. Den anderen ist es ja egal, ob du sie magst oder nicht. Das heißt, du schadest dir damit selbst.

D1ieR Sehxerin


das liegt vielleicht auch daran, dass - gerade frauen - immer beigebracht wurde, jaaaa schön bescheiden und zurückhaltend zu sein. jedenfalls ist das in meiner generation noch so. und die gratwanderung zwischen "das projekt habe ich echt gut hinbekommen" und "ich bin ja soooo toll und besser als alle anderen" ist ja auch nicht leicht ;-)

ich habe jedenfalls im beruflichen umfeld lernen müssen, mir auch mal selber auf die schulter zu klopfen!

Planadxora


Genau! Es ist auch völlig legitim, sich selbst zu loben. Viele Eltern unterbinden das ja schon während der Erziehung.

Meine Eltern waren auch so. Ich durfte nie stolz auf mich sein und hab auch nie Lob gehört, um ja nicht abzuheben. Das macht das Selbstwertgefühl total kaputt.

Man soll jetzt auch nicht übermäßig prahlen, aber ein nettes Wort zu sich selbst vor anderen ist keine Schande.

zYuen~dst?off


Kennt das jemand? Wie geht man damit um, wenn man Leuten vorschnell Angeberei unterstellt? Liegt die Ursache vielleicht darin, dass ich selbst so unsicher bin? Vor allem bei relativ beliebten Leuten, die wiederholt immer was erwähnen, was gar nicht "nötig" wäre, denke ich, ich bin die einzige, der das auffällt und alle anderen würde sich blenden lassen. Was kann man dagegen tun, nicht jedes Verhalten anderer so negativ und selbstdarstellerisch zu sehen?

Sei umarmt, Schwester im Geiste! ;-D

Haargenau wie du interpretiere ich das Verhalten anderer ganz oft als geprägt von überhöhter Selbstdarstellung, Selbstbeweihräucherung und tunnelblickartiger Selbstfaszination - Eigenschaften, bei denen mir sozusagen das Messer in der Tasche aufklappt. Übrigens nicht nur im realen Kontakt, sondern fast noch mehr in der virtuellen Kommunikation (und im Netz wird verdammt viel Ego-Demonstration betrieben, fb und Konsorten leben ja geradezu davon). Und genauso gereizt reagiere ich auf Selbstdarstellung via Jammerei und demonstrativer Opferhaltung.

Woher das kommt, weiß ich nicht genau. Ich kann nur sagen, dass ich selbst nicht schüchtern bin und nicht unsicher über meine Vorzüge. Ich weise aber extrem selten aktiv auf diese Meriten hin, ich erwarte, dass andere sie aus meinen Leistungen selbst herauslesen (und ggf. anerkennend kommentieren). Diese Zurückhaltung wurde mir in meiner Erziehung vermittelt, Angeben und "Schaumschlagen" war - übrigens geschlechtsunabhängig - absolut verpönt und disqualifizierte den Andershandelnden als komplett niveaulos.

Und ja, hinter diesem Wert stehe ich voll und ganz, aber wie du, werte TE, stört es mich oft, dass ich mir geradezu selbst schlechte Laune mache, indem ich überall Würstchen sehe, die sich als Filetspitzen gerieren. Ich hab keine wirkliche Strategie dagegen. Bin aber überzeugt davon, dass viele das Selbstlob brauchen, um davon abzulenken, dass sie sich eigentlich als wertarm einschätzen. Wahrscheinlich ist Mitleid die richtige Haltung.

S1. wabllixsii


@ Lebkuchenherzchen

Vor allem bei relativ beliebten Leuten, die wiederholt immer was erwähnen, was gar nicht "nötig" wäre, denke ich, ich bin die einzige, der das auffällt und alle anderen würde sich blenden lassen.

Vermutlich siehst du das schon richtig so, du wertest es nur recht heftig (dass es außer dir nie jemandem auffällt halte ich für nicht so wahrscheinlich).

Was kann man dagegen tun, nicht jedes Verhalten anderer so negativ und selbstdarstellerisch zu sehen?

hm, wenn was selbstdarstellerisch ist musst du jetzt sicher nicht anfangen das krampfhaft als anders wahrzunehmen und was das negativ betrifft, leicht ist das sicher nicht zu ändern. Würde ich in anderen Zusammenhängen selbst gerne schaffen und es ist ziemlich schwer. Angeberei und derartiges stört mich zum Glück so gut wie gar nicht (außer es wird allzu männlich-machohaft), ich kenn sogar jemand der nicht nur übertriebene Selbstdarstellung praktiziert sondern sich aus Bestätigungssucht am Laufendem Band ganze Lügenmärchen aus den Fingern saugt, das war auf Dauer anstrengend aber ich kann ihn trotzdem nett finden weil er das ansonsten wirklich ist, fast allen anderen ist er sehr schnell tierisch auf den Sack gegangen^^

Naja, Genervtheiten haben hier und sonst natürlich auch irgendwie ihre Daseinsberechtigung im Leben, man muss halt mit ihnen umgehen, im Idealfall realistisch und manchmal kann man sie vielleicht auch auflösen (*hoff*^^). Mit realistisch meine ich: Du solltest jetzt nicht anfangen dir diese Genervtheiten zu verbieten oder unterdrücken, überleg dir deine Grenzen der Erträglichkeit sozusagen und sei dabei zu dir und den anderen gleichermaßen fair. (Das ist natürlich kein fester Wert und hängt schon mit deiner "Leidensfähigkeit" in dem Zusammenhang zusammen, sonst wär's ja dir gegenüber nicht mehr fair.) Gönn dir die Genervtheit wenn diese Grenze überschritten ist (vielleicht auch mal nach außen hin ;-) ) und verurteile sie nicht wenn sie vorkommt wenn die Grenze unterschritten bleibt.

Der Schlüssel zum auflösen solcher Genervtheiten scheint mir Akzeptanz und Nachsicht zu sein, und zwar hauptsächlich sich selbst gegenüber, anderen gegenüber kommt's dann automatisch.

Du vermutest ja selbst dass es mit deiner eigenen diesbezüglichen Zurückhaltung zu tun hat, das könnte durchaus sein. Ich würde also versuchen sowohl deine entsprechenden Ängste anzunehmen/akzeptieren die dich hindern nicht so zurückhaltend zu sein, als auch den Fakt dass du es bist und eventuell, falls es das gibt, auch das Bedürfnis selbst mal gut dazustehen und ähnliches.

@ zuendstoff

Und ja, hinter diesem Wert stehe ich voll und ganz

na vielleicht wär das ja überdenkenswert :-D also eher nicht im Sinne es ins Gegenteil umzukehren sondern einfach ein wenig Nachsicht mit jenen zu haben. "komplett niveaulos" ist jedenfalls ganz schön übertrieben.

Bin aber überzeugt davon, dass viele das Selbstlob brauchen, um davon abzulenken, dass sie sich eigentlich als wertarm einschätzen.

ja wahrscheinlich

Wahrscheinlich ist Mitleid die richtige Haltung.

":/ ... es gibt ja wohl mehr als nur so Extreme, ich glaub aus der Motivation heraus wär das Mitleid übrigens auch nur ein Akt zum Selbstschutz und Abgrenzen. Nachsicht wär sinnvoll aber das ist sicher ein zu weit entfernt gestecktes Ziel solang der eigentliche Grund des Aufregens (was es auch sein mag) verbleibt.

Woher das kommt, weiß ich nicht genau. Ich kann nur sagen, dass ich selbst nicht schüchtern bin und nicht unsicher über meine Vorzüge. Ich weise aber extrem selten aktiv auf diese Meriten hin, ich erwarte, dass andere sie aus meinen Leistungen selbst herauslesen (und ggf. anerkennend kommentieren).

Vielleicht tun sie dir das (das gegebenfältige Anerkennen) nicht oft genug und durch deine diesbezügliche Wertung sitzt du sozusagen in der Falle es auch nicht forcieren zu können und deshalb regt es dich so auf. Nur eine Idee und vllt Schmarrn, aber möglicherweise könntest du da diesbezüglich mehr über dich rausfinden wenn du einfach mal experimentell ein wenig angibst ;-D

kUleineZr_ddrache)nstern


Damit anzugeben, dass man selbst nie "angibt", also nie etwas positives an sich heraushebt oder von seinen Erfolgen o.ä erzählt empfinde ich auch als eine Form von Angabe. Damit stellt man sich nämlich eigentlich auch über die Menschen, die so etwas, also das Angeben oder das sich gut darstellen, "nötig" haben.

Ich empfinde übrigens Leute, die ständig ihr Licht unter den Scheffel stellen und immer so bescheiden sind ganz oft als anstrengend und zwar genau aus diesem Grund:

ich erwarte, dass andere sie aus meinen Leistungen selbst herauslesen (und ggf. anerkennend kommentieren).

Wenn man nämlich nichts herausliest und anerkennend kommentiert, so meine Erfahrung, sind die Menschen dann oft verletzt, beleidigt o.ä. und man selbst hat keinen blassen Schimmer warum.

Derartige Aussagen z.B. sind in meinem Empfinden übrigens total arrogant:

Und ja, hinter diesem Wert stehe ich voll und ganz, aber wie du, werte TE, stört es mich oft, dass ich mir geradezu selbst schlechte Laune mache, indem ich überall Würstchen sehe, die sich als Filetspitzen gerieren. Ich hab keine wirkliche Strategie dagegen. Bin aber überzeugt davon, dass viele das Selbstlob brauchen, um davon abzulenken, dass sie sich eigentlich als wertarm einschätzen. Wahrscheinlich ist Mitleid die richtige Haltung.

zuendstoff

implizieren sie für mich doch, dass man sich selbst natürlich für eine Filetspitze hält, die derartige Methoden natürlich nicht nötig hat und daher für den anderen Teil der Menschheit nur Mitleid über hat.

PwanYad.ora


@ Zuendstoff

Und ja, hinter diesem Wert stehe ich voll und ganz, aber wie du, werte TE, stört es mich oft, dass ich mir geradezu selbst schlechte Laune mache, indem ich überall Würstchen sehe, die sich als Filetspitzen gerieren. Ich hab keine wirkliche Strategie dagegen. Bin aber überzeugt davon, dass viele das Selbstlob brauchen, um davon abzulenken, dass sie sich eigentlich als wertarm einschätzen. Wahrscheinlich ist Mitleid die richtige Haltung.

Phu, wenn das kein stinkendes Eigenlob und eine Überwertung von sich selber ist, dann weiß ich auch nicht.

Du stehst also über allen armen Würstchen und bemitleidest sie, weil du so toll bist, dass du das gar nicht nötig hast?

Lobst du dich hier nicht implizit selbst? Ist das nicht unheimlich vermessen, von sich selber zu behaupten, sowas nicht nötig zu haben und andere bemitleidenswert zu betiteln?

Machst du nicht gerade das, was du vorher kritisiert hast? Du wertest andere ab und dich selber auf. Bescheiden, symapthisch, selbstbewusst etc. wirkt das garantiert nicht. Eher das Gegenteil.

Genau das meine ich. Wer sowas krasses schreibt und andere so in die Mangel nimmt, der hat immer ein Problem mit sich selber...

Wer mit sich im Reinen ist, hat das nicht nötig, andere zu bemitleiden oder so eine harte, abwertende Kritik zu äußern.

Mitgefühl und Nachsicht mit seinen Mitmenschen und sich selber wäre doch so viel erstrebenswerter. Echte Bescheidenheit ist Toleranz und Verständnis.

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