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Borderliner und Ritzen - Ursachen / Hilfen?

Gxoldxtau hat die Diskussion gestartet


Hallo Leute,

ich brauche Eure Hilfe.

Ich habe in meiner shg-Depri-Gruppe eine Borderlinerin mit Ritzer-Problematik kennen gelernt.

Sie hat das in der shg gut getarnt, sie war ein paar Monate in der Gruppe, dann für 2 Monate in der Klinik, dann wieder raus. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nichts über ihr Ritzer-Problem.

Sie hat mich auf Facebook als Freund ausgefunden, und ich habe die Feundschaft bestätigt.

Wir haben uns persönliche Botschaften geschickt.

Wir haben uns daraufhin auf Fahradtour vaage verständigt. Kurz vor Termin hat sie es auf Inliner abgeändert. War mir auch recht, wir sind zusammen Inliner für mich kaufen gegangen.

Wir sind am Nachmittag Inliner gerollt. Alles gut.

Sie hat mir gesagt, dass sie die ganze Aktion - Einkaufen, Rollen - gut fand.

Ich fand's auch gut.

Die Woche drauf waren wir wieder zum Rollen verabredet.

Während des Inliner-Laufens (Rollen) hat sie mir mehr über ihr Ritz-Problem gesagt, auch, dass sie schon letzte Woche Abschiedsbriefe geschrieben hat.

Da ich selber ein Depri bin, habe ich ihr gesagt, verschiebe alles auf morgen. Immer!

Wir sind dann in meine Wohnung gerollert, um etwas Wasser zu trinken, und um dann noch mal raus zu laufen. Wir sind dann zum Kinder-Spiel-Brunnen der Stadt gelaufen. Flacherdiger Springbrunnen, wo Fontainen aus dem Boden mehr oder weniger fast Mannshoch rausspritzen.

Wir haben dort unsere Inliner ausgezogen, und sind barfuss in den Springbrunnen gegangen, und haben uns gegenseitig nass gespritzt. Naja, sie etwas vorsichtiger, um nicht zu nass zu werden. Weil, sie müsste ja noch mit dem Auto nach hause fahren. Ich hab ihr gesagt, sie könnte ein Handtuch auf den Autositz unterlegen. Naja, wollte sie insgesamt doch nicht.

Aber sie sagte auch, Springbrunnen sei besser als Freibad, weil man da noch seine Klamotten anbehalten könnte.

Und sie sagte auch, wenn sie es könnte, würde sie in langen Hosen im Springbrunnen sitzen.

Ich habe ihr dann angedeutet, wir könnten das doch am nächsten WE so machen.

Die shg-Sitzung am nächsten Termin danach hatte dann schlechte Vibes. Unter anderem, wegen anderen Leuten, unter anderem womöglich wegen mir, weil ich die Erlebnisse mit ihr am vorherigen WE "anonymisiert" hatte.

Sie hatte die Anonymität aufgehoben.

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Ich glaube, sie braucht so verrückte Erfahrungen wie etwa mit Klamotten in Springbrunnen zu gehen, mit langen Hosen auf der Fontaine im Springbrunnen zu sitzen, und niemand schert sich darum.

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Sie hat so ein Treffen mit mir abgesagt, obwohl wir uns beim vorherigen Treffen quasi einig über das nächste Treffen waren - das jetzt von ihr abgesagte Treffen.

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Einerseits denke ich, ich müsste sie zu solchen Verabredungen quasi "zwingen", zu Sport und so, weil, wenn man Depri drauf ist, tut auch überredetes Sportevent gut.

Andererseits, ich bin bloß vernünftiger Depri, der sich nach Suizidgedanken schleunigst proffessionelle Hilfe gesucht hat.

Ich weiß aber nicht, wie Ritzer reagieren, wenn man sie sozusagen vor die Wahl stellt oder drängelt, eine Unternehmung zu machen. Den Depris tut es meist gut, wenn sie gedrängelte Unternehmungen "zwangsweise" machen.

Wie ist das aber mit den Ritzern?

Was können ehemalige Ritzer dazu sagen?

Grüße *:)

Antworten
s;chn>eck2e1H985


Kannst du bitte die unsägliche Terminologie "Ritzer" abstellen? Danke!

Die richtige Bezeichnung ist selbstverletzendes Verhalten oder SVV.

Es gibt keine Gebrauchsanleitung für "die" Borderliner oder "die" Ritzer. Sind immer noch Individuen.

Was hast du für ein Interesse an ihr? Ich würde in deinem Falle die Distanz wahren, immerhin seid ihr in einer Selbsthilfegruppe - es geht also um Gruppengespräche und Hilfe, nicht um Freundschaften. Gerade, wenn es dir selber nicht gut geht, übernimmst du dich in der Rolle der Vertrauensperson massiv!

Mein Tipp: Geh deine Probleme an, achte auf dich und unternimm ruhig was mit der Gruppe. Aber nicht alleine.

JWan74


Ich würde "Ritzer" nicht als spezielle Untergruppe der Borderliner ansehen. ist halt eines der vielen Symptome, eher weit verbreitet. Es gibt auch nicht-Ritzer, die ansonsten genauso "borderlinige" Verhaltensweisen zeigen wie die ritzenden unter ihnen. Ich persönlich finde das ritzen auch weder schlimm noch schockierend; es ist ein Ausdruck seelischen Leids und für mich daher lediglich ein Indikator dafür, dass es jemandem wirklich nicht gut geht (naja, gesund ist es allerdings natürlich nicht). Sie hat also kein "Ritzer-Problem" sondern eher ein umfassendes Problem.

Leute mit borderline-Persönlichkeit zu sozialen Events zu ZWINGEN ist ein "interessanter" Ansatz. Ich würde vermuten, dann ist der Kontakt bald ganz beendet. Wenn Dir was an ihr liegt, lass ihr ihren Freiraum (was mit BLern ziemlich anstrengend sein kann). Ansonsten lässt die heftige Emotionalität da wohl in der Regel eher wenig Spielraum für "Vernunft" in den akuten Phasen.

Gerade, wenn es dir selber nicht gut geht, übernimmst du dich in der Rolle der Vertrauensperson massiv!

Das wollte ich auch noch schreiben/untermauern. Du kannst nicht auch noch jemanden zusätzlich mit tragen, wenns Dir eh selber nicht gut geht.

Und - sorry an alle BLer falls sie sich nun auf den Schlips getreten fühlen - eine emotionale Bindung an jemanden mit so einer Problematik kann ein wahres Fegefeuer sein, sehr anstrengend und belastend, kräftezehrend. Fragt sich ob Dir sowas nun gut tut. Erste Anzeichen gibts ja schon für "soziale Instabilität und Unberechenbarkeit" von ihr. Vermutlich verbrennst Du Dir da die Finger.

JJanl74


Der Titel des Fadens ist "Ursachen/Hilfen", das ist strenggenommen was anderes als die späteren Themen.

Ursachen - komplex, hoher Leidensdruck, Ritzen als Ventil, um überhaupt noch irgendwie alles ertragen zu können (ich vermute, wenn man ritzt (aus BL-Gründen), dann MUSS man es tun. das Befinden in dem Moment lässt keine andere Wahl).

Hilfen - puh. auch komplex. Schwierig bis unmöglich, für einzelne Laien nicht zu leisten. Höchstens "für jemanden da sei, wenn ER das in Anspruch nehmen will". Aber das ist immer ein bisschen mit Selbstaufgabe/Aufopferung verbunden. Eigene Bedürfnisse werden ggf. nicht befriedigt. Unter Druck setzen in irgendeiner Form hilft nicht weiter. Gewaltig groß ist die Angst, verlassen zu werden (diffus und allgemein). Also zusichern, dass man der Person beistehen wird und sie nicht fallen lässt (aber halt, ohne gleichzeitig von ihr soziale/emotionale Stabilität zu fordern).

J(aXn@7x4


Im Fernsehen war mal ein Bericht - Leute wurden im MRT (Gehirn) unter Streß gesetzt und die Hirnakivität gemessen, konkret, der Streß (wie auch immer man das misst, weiss ich nicht mehr genau). Dann wurde ein Schmerzimpuls (elektrischer Schlag, glaube ich) ausgelöst. Bei "normalen Leuten" stieg der Streßpegel durch den Schmerz noch weiter an. Bei den Borderlinern (um die ging es in dem Bericht) war es aber so, dass der Streßpegel insgesamt höher war als bei den "normalen", aber durch den Schmerz dann gesunken ist.

Das ist eigentlich nur das, worum es geht. Der innere Streßpegel (Angst, Anspannung) ist gewaltig und Schmerzen senken ihn wieder. Als nicht-Betroffener ist das wohl schwer nachzuvollziehen, aber das ist die simple und neurologisch nachgewiesene und schlüssige Erklärung für das SVV.

Daraus resultiert auch, was hilft - alles, was den emotionalen Streß verringert (bzw Dinger unterlassen, die ihn steigern).

mLond.+steDrne


Ich weiß aber nicht, wie Ritzer reagieren, wenn man sie sozusagen vor die Wahl stellt oder drängelt, eine Unternehmung zu machen. Den Depris tut es meist gut, wenn sie gedrängelte Unternehmungen "zwangsweise" machen.

Wie ist das aber mit den Ritzern?

Ich sehe da keinen Zusammenhang zwischen dem Ritzen und gemeinsamen Unternehmungen.

Für mich wäre eher die Frage, inwieweit Du Dich auf eine Beziehung mit einem Borderliner einlassen möchtest.

Ist das Thema noch aktuell?

J"ulexy


Für mich wäre eher die Frage, inwieweit Du Dich auf eine Beziehung mit einem Borderliner einlassen möchtest.

Vielleicht weil nicht alle Borderliner beziehungsunfähige Monster sind?!?

(meine letzten Beziehungen haben 3 bzw 6 Jahre gedauert und die Trennungsgründe waren definitiv nicht meine Krankheit. Und es waren "funktionierende" Beziehungen. Wobei ich das Wort "funktionierend" im Zusammenhang mit "Beziehung" nicht sonderlich mag. Aber ihr wisst, was ich meine, hoffe ich!)

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