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Ab wann und wem sollte man von der Depression erzählen?

m[ond`+sqtexrne


@ HannahWe

Verstehst du den Unterschied? Der Depressive hat keine Wahl.

Ja. Der Depressive kann es sich nicht aussuchen, ob er in eine depressive Episode gerät. Er braucht Hilfe, um sich durch diese Episode durchzuquälen. Er hat dabei keine Wahl. Er ist auf ein funktionierendes Gesundheitssystem angewiesen. Wenn er diese Hilfe nicht bekommt, wird er sterben.

Auch wenn wir beim Thema Depression im Detail etwas andere Ansichten vertreten, liegt unsere eigentliche Meinungsverscheidenheit bei dem Miesepeter.

Denn Du bist der Meinung, dem Miesepeter geht es gut und er hat die Wahl. Ich bin der Meinung der Miesepeter ist unzufrieden, und deshalb geht es ihm nicht gut. Wenn er könnte, würde er etwas an seiner Unzufriedenheit ändern. Aber er kann es nicht. Er hat ebenfalls keine Wahl.

Du machst vermutlich das, was Snaiperskaja [VSS] beschrieben hat. Du spielst das Ausmaß der Probleme des Miesepeters herunter, um Dich abzugrenzen, weil Du Deine eigenen Baustellen hast. Es geht Dir mit Deinen eigenen Baustellen schon schlecht genug. Deshalb hast Du nicht die menschlichen Resourcen, um Dich in die Gedanken- und Gefühlswelt des Miesepeters hineinzuversetzen.

Damit machst Du gegenüber dem Miesepeter im Grunde genommen nichts anderes als die von Testrale zitierte Person gegenüber einem Depressiven.

@ Snaiperskaja [VSS]

Eine gesunde Abgrenzung gegenüber den Problemen seiner Mitmenschen würde ich jedem empfehlen. Etwas anderes ist es aber, wenn man selbst eigene Baustellen hat und/oder Ängste und deshalb die tatsächlichen Krankheiten/Probleme anderer für nicht existent erklären muss bzw. sie in ihrem Ausmaß leugnet. Wenn er selbst depressive Verstimmungen kennt/hat, braucht er das möglicherweise vor und für sich selbst - nur dummerweise hierbei zu Lasten von Testrale und vielleicht auch für sich selbst mit einem Preis verbunden. Vielleicht ist es jetzt klarer geworden.

Ja.

Testrale wird also Unrecht getan, weil das Ausmaß seiner Erkrankung heruntergepielt wird.

Richtiger wäre es wohl, wenn man es so sagen würde, wie es ist. Nämlich dass man schon genug eigene Probleme hat, und deshalb nicht zusätzlich mit den psychischen Problemen des anderen belastet werden möchte.

Tlestzr/alxe


@ mond und Sterne

Wahrscheinlich hast du recht, wir sind alle mehr oder minder neurotisch-depressiv, weil wir uns vor allen Dingen gegenüber anderen behaupten müssen. Er hat es ja auch so gesagt, die Welt ist hard und um durchzukommrn muss man selbst eben härter sein. Aber wohin führt uns das, wenn wir alle in unsere rigenen Depressiv-Neurotischen Suppe kochen nicht von anderen wissen wollen?

HSanUnahWxe


Denn Du bist der Meinung, dem Miesepeter geht es gut und er hat die Wahl. Ich bin der Meinung der Miesepeter ist unzufrieden, und deshalb geht es ihm nicht gut. Wenn er könnte, würde er etwas an seiner Unzufriedenheit ändern. Aber er kann es nicht. Er hat ebenfalls keine Wahl.

Doch, die hat er. Er kann die "Das Glas ist halbvoll/halbleer" Methode anwenden, ein paar Bücher über positives Denken lesen, seine Mitmenschen leben lassen, wie sie es möchten, und sich auf sich selbst und sein Leben konzentrieren.

Zu jemandem, der einen Stein im Schuh hat, und das hat der Miesepeter meiner Meinung nach, sage ich: Jammer nicht, zieh den Schuh aus, mach den Stein raus und weiter geht's! Tschakka.

Das hilft dem Depressiven aber nicht. Er kann das Glas nicht halbvoll sehen, egal wie lange er es ansieht. Der Depressive wäre am liebsten tot, weil die Welt und das Leben so sinnlos ist. Der Miesepeter jammert halt gerne, er zieht dadurch die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen auf sich und lebt von deren Feedback. Natürlich habe ich mehr Mitleid mit dem Depressiven.

Ich habe ja auch mehr Mitleid mit einem verhungernden Kind in Afrika, als mit dem Wohlstandskind aus Deutschland, dass 5 Minuten nach der Abfahrt auf der Autobahn nörgelt, dass es Hunger hat. Hunger haben beide.

Du machst vermutlich das, was Snaiperskaja [VSS] beschrieben hat. Du spielst das Ausmaß der Probleme des Miesepeters herunter, um Dich abzugrenzen, weil Du Deine eigenen Baustellen hast. Es geht Dir mit Deinen eigenen Baustellen schon schlecht genug. Deshalb hast Du nicht die menschlichen Resourcen, um Dich in die Gedanken- und Gefühlswelt des Miesepeters hineinzuversetzen.

Damit machst Du gegenüber dem Miesepeter im Grunde genommen nichts anderes als die von Testrale zitierte Person gegenüber einem Depressiven.

Ja, für den Depressiven habe ich mehr Verständnis als für den Miesepeter. Das liegt aber meiner Meinung nach nicht an meinen eigenen Problemen (die ich in jahrelanger, schmerzhafter Therapie mit Profis aufgearbeitet habe), sondern an der Intensität des Problems. Und da hat der Depressive einfach ein größeres Problem als der Miesepeter.

Wahrscheinlich hast du recht, wir sind alle mehr oder minder neurotisch-depressiv, weil wir uns vor allen Dingen gegenüber anderen behaupten müssen. Er hat es ja auch so gesagt, die Welt ist hard und um durchzukommrn muss man selbst eben härter sein. Aber wohin führt uns das, wenn wir alle in unsere rigenen Depressiv-Neurotischen Suppe kochen nicht von anderen wissen wollen?

Zu einer völlig empathielosen Gesellschaft, in der jeder sich nur um sich selbst dreht und kein Verständnis und Mitgefühl für den anderen übrig hat. Wobei meine Erfahrung hier besagt: Je schlechter es einem Menschen selbst geht, desto weniger erträgt er das Leid der anderen. Je mehr jemand selbst "kämpfen" muss im Leben, desto eher gönnt man den anderen die Butter auf dem Brot nicht, gönnt ihnen keine Freude, Liebe, Spaß, usw. Wenn jeder sich erstmal um sich selbst kümmert und dafür sorgt, dass es ihm gut geht, psychisch wie auch körperlich, notfalls mit der Hilfe von Profis, dann hat er auch wieder ein Ohr für seine Freunde und Mitmenschen, kann sich einfühlen, mitfühlen, auf sie eingehen und fühlt sich von seinen Problemen nicht belästigt.

Tteistrxale


@ HannahWe

Du hadt recht

Z wa{ckx44


Seine schwestr hat stärkste Depressionen und nimmt medis, aber das hält er auch nur für eine Art willensschwäche..

Das könnte vielleicht ein Grund sein, weshalb dieser Mensch zum Thema Depressionen kein vernünftiger Gesprächspartner ist. Solange er bei seiner Meinung bleibt, bleibt er von seiner Schwester abgegrenzt, muß sich keine Gedanken um sie machen, braucht ihr auch nicht zu helfen, sie braucht ja nur hart gegenüber sich selbst zu sein und sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Wenn das Gespräch mit Dir, Testrale, zu einer Einsicht bei ihm führen würde, hätte das automatisch zur Folge, dass dieser Schutzzaun bricht und er mit den Versäumnissen gegenüber seiner Schwester bewußt leben müßte, und dazu fehlt ihm wahrscheinlich die innere Stärke.

mGond+cstexrne


@ Zwack44

Die Begründung mit der er es abgelehnt hat, sich mit den Depressionen seiner Schwester auseinanderzusetzen, ist zwar nicht stichhaltig. Aber man kann ihm kein Versäumnis gegenüber seiner Schwester vorwerfen.

Z.wack4x4


mond + sterne, kommt sehr auf den Standpunkt an. Als meine Schwester ein Neurinom hatte, habe ich sie durch Deutschland gefahren, bis wir sicher waren, den besten Neurochirurgen für sie gefunden zu haben. Mein Urlaub wurde halt um 4 Wochen verschoben. Das ist für mich "Familie". Für die Beratung depressiver Patienten habe ich den Benkert/Hippius neben dem Rechner liegen, obwohl - für die user, die psychiatrische Beratung brauchen, bin ich kein Familienmitglied. Merkst Du , dass es sich dieser "Mensch" mit seiner kranken Schwester recht einfach gemacht hat, viel zu einfach?

m`ond+s%texrne


@ Testrale

Wahrscheinlich hast du recht, wir sind alle mehr oder minder neurotisch-depressiv, weil wir uns vor allen Dingen gegenüber anderen behaupten müssen. Er hat es ja auch so gesagt, die Welt ist hard und um durchzukommrn muss man selbst eben härter sein. Aber wohin führt uns das, wenn wir alle in unserer eigenen Depressiv-Neurotischen Suppe kochen nicht von anderen wissen wollen?

Das führt zu kollektiver Ignoranz. Und das wollen wir nicht.

Die Frage ist nur, was die Alternative ist. Du möchtest Dich mitteilen. Du möchtest den anderen sagen, dass Du in dieser depressiv-neurotischen Suppe kochst. Das finde ich grundsätzlich auch richtig.

Ich weiß nur nicht, wie es dann sinnvoll weitergehen könnte. Er kann Dir nicht aus Deiner Suppe helfen, weil er selbst uneingestandenermaßen in ihr kocht. Aber was dann? Wie könnte es weitergehen?

TSestrxale


@ Mond+Sterne

Wir müssen einfach erkennen, das es auf diesem Planeten KEIN anderes Wesen gibt, das uns Trost spenden kann, das uns intellektuell und emotional ebenbürtig ist, als der mensch. Wir haben nur einander auf dieser Welt. Kein anderes Wesen, kann unsere Komplexen, ambivalenten, Emotionen und Gedanken überhaupt erahnen, nur wir können das.

Es gibt sonst niemand außer unsere Mitmenschen!

mFomnd+ stexrne


@ Testrale

Das ist zweifelsohne richtig.

Ich versteh nur zugegebenermaßen den Zusammenhang nicht so ganz.

:-D

n<ott6ran>quilixzed


Wenn man es nicht mehr aushält (bzw davor) sollte man es einem Arzt erzählen.

Sqojroman


Hallo Testrale,

hier hast du ja deine Erwartungen genannt: dein Erzählen von der Depression sollte die Beziehung vertiefen und jetzt bist du enttäuscht, dass es dies nicht getan hat.

Aus meiner Sicht fehlte aber eine ganz wichtige Botschaft: was hättest du dir denn als Reaktion gewünscht? Hast du eine Veränderung in seinem Verhalten gewünscht? Was waren deine Erwartungen? Das habe ich nicht so richtig rausgelesen.

Ich finde übrigens die Reaktion dieser wichtigen Person nicht so niederschmetternd wie du. Ich sehe es nicht als Verleugnen als Krankheit. Ich denke, er stellt die Eigenverantwortung und Eigeninitiative in den Mittelpunkt. Sich von "der Depression" nicht unterkriegen zu lassen, sondern aktiv einen Ausweg zu suchen. So verstehe ich es. Und er sagt klar, dass er eine bestimmte Sicht einnehmen möchte und weiß, dass diese "medizinisch falsch" sein kann.

Und es gibt ja nicht nur eine Art von Depression. Sondern wie es bei Fieber leichtes Fieber bis lebensbedrohlich hohes Fieber gibt, gibt es auch Abstufungen der Depression, von depressiven Verstimmungen und kurzen Episoden bis zur schweren Depression. Aber es gibt eben auch sowas wie "erhöhte Temperatur". Beim Fieber gibt's dafür ein Thermometer und Grad-Angaben, bei den Formen von Unwohlsein/Niedergeschlagenheit/Traurigkeit, über eine depressive Verstimmung bis zur schweren Depression eben nicht. Daher versteht mancher die Unterschiede nicht so leicht - was zu Verwechslungen und Missverständnissen führen kann.

Manchmal gelingt auch ein Vergleich über: Muskelkater im Bein, geprelltes Bein, verstauchtes Bein, aufgeschlagenes Bein, gebrochenes Bein, um solche Unterschiede zu verdeutlichen, wie: wann ist es nur eine Frage des Willens? Und wann ist es keine? An solchen Beinen kann man das manchmal besser nachvollziehen. Über einen 1,5m hohen Zaun mit Muskelkater: das mag gehen - Willensfrage/Motivationsfrage. Mit zwei gebrochenen Beinen: no chance - an ärztlicher Behandlung/Schienen/Ruhigstellen/langes Ausheilen/Reha führt kein Weg vorbei.

Bei Depressionen gibt es Veränderungen im Hirn, im Nervensystem. Die sieht man nur nicht so offensichtlich wie was an den Beinen. Aber vielleicht lässt sich da was konstruieren wie Muskelkater der Nerven bis zu gebrochenen Nerven. Nur so als Idee. Um den Unterschied zu verdeutlichen.

In der - sagen wir - bewusst ignoranten, vielleicht sogar entwertenden Art des Umgangs seinerseits mit der Depression kann für dich/euch eine Chance liegen: nämlich, diese Krankheit nicht so niederschmetternd wahrzunehmen (und die Wahrnehmung des Depressiven ist ja darauf geeicht!), sondern diese andere, aktivere Wahrnehmung auch erstmal zu akzeptieren.

Ich verstehe, dass du dich jetzt vielleicht erstmal unverstanden von ihm fühlst und dich distanzierst. Aber ich finde nicht, dass das eine Reaktion ist, die zwangsweise so sein müsste.

Ich hätte zwei aus dem Thema Depression und deiner Öffnung abgeleitete Themen viel interessanter gefunden:

1. Was kann er für dich tun, um dich in deiner Genesung oder im Umgang mit der Depression zu unterstützen? Was erhoffst du dir von ihm? Denn das solltest du schon explizit sagen. Es gibt ihm doch eine viel bessere Orientierung.

und

2. Was kannst du trotz Depression für ihn "erbringen"? Denn diese Frage ist doch wichtig. Beziehungen (Freundschaftsbeziehungen, Partnerschaftsbeziehungen, Arbeitsbeziehungen) gehen Menschen ein, um daraus Vorteile für sich zu ziehen. Was sind deine Vorteile gegenüber anderen? Auch das solltest du betonen. Und beweisen.

Grüße,

ZXwackx44


Soroman, Du willst Dich Testrale mit Deinem gesunden Hirn nähern. Darf ich fragen: Hast Du schon einmal unter schwerer Depression gelitten?

SFilbmermoyndauxge


Merkwürdig: wer Rheumaschmerzen oder eine fiese Erkältung, Krebs oder einen gebrochenen Arm hat, darf jammern. Wer eine gebrochene Seele (also Depressionen oder eine psychische Störung) hat, darf nicht jammern, sich nicht mal mitteilen ? sorry aber diese Einstellung find ich traurig

mQond+sTterxne


@ Silbermondauge

Da irrst Du Dich gewaltig. Krebspatienten haben es beispielsweise häufig auch sehr schwer, weil es ein unangenehmes Thema ist, an das niemand gerne erinnert wird.

Am ehesten kann man meiner persönlichen Erfahrung nach noch über Alltagswehwechen wie Wurzelbehandlungen, Erkältungskrankheiten oder Magenverstimmungen jammern.

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