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Mein Sohn (8) muss in ein Therapiezentrum, bin so fertig

Alias 706397 hat die Diskussion gestartet


Das Thema ist einfach zu intim, persönlich und brisant, um es unter meinem eigentlichen nick zu eröffnen. Ich bitte daher um Verständnis und davon abzusehen, meinen eigentlichen nick zu erforschen oder zu spekulieren. @:)

Ich schreibe hier, weil es dermaßen unter meiner Oberfläche brodelt und ich auch einfach nicht mehr weiter weiß. Kurz gesagt: ich kann nicht mehr. Ich bin fertig mit den Nerven.

Ich weiß nicht mal, wo ich beginnen soll. Mein Sohn war schon sehr früh ein auffälliges Kind. Irgendwie anders als andere Kinder oder seine Geschwister. Ich mache mir große Vorwürfe, dass ich da zu viel falsch gemacht haben könnte, obwohl er nicht mein erstes Kind ist. Ich kann das kaum in Worte fassen, was den Tag über bei uns zuhause teilweise ablief. Es kam, wie es kommen musste, ein Zusammenleben war bald nicht mehr möglich. Ich habe mir Hilfe gesucht und es wurde in einer Fachklinik ein ADS diagnostiziert und mein Sohn medikamentös eingestellt. Jedoch konnte ich mir nicht vorstellen, dass seine Anfälle und Ausraster alleine daher rühren. Das wurde während einer stationären Behandlung auch so bestätigt. Die Klinik meinte, mein Sohn sei stark gefährdet oder zeige Tendenzen zu "Personenkreis 35a". Vielleicht sagt diese Diagnose dem Einen oder Anderen etwas. Ich war geschockt, wie man sich bestimmt gut vorstellen kann. Nach dem Aufenthalt in der Klinik folgte eine sofortige Unterbringung in einer heilpädogischen Einrichtung. Dort wurde es besser und wir beide konnten endlich wieder Zeit miteinander verbringen und es genießen. Es war kein Kampf oder Krampf mehr, sondern dann eine schöne Zeit. Und genau das hab ich so vermisst! Und mein Sohn auch. Er ist doch noch klein...

Jedenfalls lief alles wirklich sehr gut. Sowohl in seinem neuen Zuhause auf Zeit und auch in der neuen Schule. Das hätte ich nicht zu Träumen gewagt. Es ging bergauf. Ich malte mir schon aus, dass es wieder gut werden könnte, wenn er dann wieder zuhause leben wird. Und dann passierte folgendes:

Die Besuche bei ihm fanden nicht immer alleine statt. Auch der Bruder kam regelmäßig mit. Dann, nachdem er schon über ein halbes Jahr dort lebte, äußerte er den Wunsch danach, seinen Onkel zu sehen. Obwohl nicht in der Regel, erfüllten wir ihm diesen Wunsch. (Eigentlich ist nur die direkte Familie wie Eltern und Geschwister eingebunden in den zeitbegrenzten Aufenthalt)

Es wurde also diese Ausnahme gemacht und der Besuch fand statt. Dieser Onkel kennt ihn von klein auf und die beiden hatten eine sehr enge Beziehung. Ab und zu hat er auch dort übernachtet. Schon alleine, um mich während der recht hohen Überforderung zu entlasten. Und ich war dankbar, wenn ich überhaupt mal zur Ruhe kam und durchschnaufen konnte.

Nun kam also der Besuch. Besagter Onkel ist sehr nah am Wasser gebaut und ihm liefen auch schon bei der Begrüßung damals die Tränen. Der Besuch ansich war eigentlich ganz schön und gut gelaufen.

Aber nach diesem Besuch fing der Horror an. Es lief über ein halbes Jahr gut und dann ging plötzlich alles ganz schnell den Bach runter. Es wurde so schlimm, dass er aktuell wieder in der Fachklinik ist, weil selbst die Einrichtung überfordert ist und auch keine Kapazitäten hat, das aufzufangen. Mein Sohn hat sein komplettes Zimmer zerstört. Ist in solchen Anfallsmomenten eine Gefahr für sich und andere. Also genau das, was wir hier zuhause mit ihm erlebt haben und weswegen er in eine heilpädagogische Gruppe umgezogen ist und ich ihn schweren Herzens losgelassen habe. Alles ist wieder da und scheint noch schlimmer als jemals vorher. Wir alle zermatern uns das Hirn, was der Auslöser war.

War es der Besuch mit dem Onkel? Was kann ihn so getriggert und sein Gefühlsleben so erschüttert haben, dass er danach dermaßen den Boden unter sich verloren hat und nur noch ausrastet?

Ich bin so traurig und fühle mich so schuldig, weil ich ihn so oft beim Onkel geparkt habe, weil ich an meine Grenzen gestoßen bin und einfach nicht mehr konnte. Es hat auch sehr sehr lange gedauert, bis es einen Platz in der Fachklinik für ihn gab.

Hat irgendjemand eine Ahnung, was passiert sein kann? Einrichtung, Klinik und ich sind uns einig, dass es mit dem Besuch des Onkels zusammen hängt, da es danach aufgetreten ist.

Natürlich hat er auch immer den Wunsch geäußert, nach Hause zu wollen, aber dann haben Gespräche stattgefunden, in denen ich ihm erneut erklärt und daran erinnert habe, warum er in der Einrichtung ist und dass sie ihm nur helfen wollen. Damit wir eben bald wieder zusammen leben können. Aber dass wir alle an uns arbeiten müssen, damit es funktionieren kann. Und dass ich ihn ganz doll lieb habe, egal wo er auch immer ist. :°(

Ich habe solche Angst, dass ich schuld bin, dass es jetzt so ist. Er war einfach zu oft beim Onkel. Und beim Onkel läuft nicht alles rund. Trinkt zu viel Bier, weint immer schnell, ist immer so emotional (allerdings nur bei Dingen, die ihn betreffen. Ansonsten fehlt ihm Empathie für andere).

Ich fühle mich schlecht dabei, das jetzt zu schreiben, als würde ich ihn verraten. Aber es trägt nur zur Findung bei. Er trägt Frauen-Dessous. Ich wüßte das wohl gar nicht, wenn mein älterer Sohn mich darauf aufmerksam gemacht hätte, weil er das sehr befremdlich fand damals. Leider hat er das auch getan, wenn mein Sohn dort mal das Wochenende verbracht hatte.

Das habe ich allerdings erst jetzt erfahren in einem Gespräch mit ihm.

Was glauben die Profis unter euch: wie wirkt das auf einen Sechsjährigen?

Der Onkel meinte zwar, dass er darauf geachtet hat, dass der Kleine nichts mitbekommt, aber das kann trotzdem geschehen sein.

Die ganze Tragweite dessen kenne ich erst seit ein paar Tagen und bin zu diesem Thema auch mit der Klinik und der Einrichtung im Gespräch. Ich suche so sehr nach Erklärungen. Weil keiner wirklich eine hat. Nicht mal die Fachleute in der Klinik. Es wurde jetzt ein EEG gemacht bezüglich Epilepsie, weil der Oberarzt (hatten heute Konferenz alle zusammen) da ein paar Beobachtungen gemacht hat, die auf seltene Anfälle hindeuten können. Aber so richtig glaubt er nicht daran. Will es aber abklären, was ich gut finde. Da Epilepsie in unserer Familie vorkam und bei meinem Bruder noch ein Thema ist.

Ich bin einfach nur noch durcheinander und weiß nicht mehr, wie ich besagtem Onkel begegnen soll.

Es tut so weh, dass man so hilflos ist und jetzt zusehen muss, wie das eigene Kind in einer anderen Stadt untergebracht werden muss, weil es hier bei uns solche speziellen Therapiezentren nicht gibt. Die jetzige Einrichtung ist in unserer Stadt.

Für jegliche Anregung wäre ich dankbar.

Antworten
J|aalmma


Es tut mir leid, was du durchmachen musst. Was sagt dein Sohn denn zum Onkel? Hast du da irgendwelche Befürchtungen? Kinder spüren Stimmungen ganz intensiv. Vielleicht hat es ihn heruntergezogen, weil der Onkel geweint hat und deinem Sohn machte das Angst.

Viel Kraft für die bevorstehende Zeit.

Alias 706397


Mein Sohn spricht ja nicht, das ist ja das Problem. Er kommt nicht aus sich raus. Am Samstag besuche ich ihn wieder und werde vorsichtig das Gespräch mit ihm suchen. Beim letzten Besuch hat er auch mit mir geredet und das hat mich sehr gefreut. Aber auf den Onkel ist er nicht eingegangen.

Enhema*lige$r Nut7zer (#4g79013)


"Personenkreis 35a"

Diesen Ausdruck hab ich in der Form noch zwar nie gehört, aber es ist wohl eine seelische Behinderung (abgeleitet von § 35a SGB VIII) gemeint. Da muss man auch erst mal darauf kommen ":/

Alias 706397


ich finde die Diagnose schrecklich. :°( Woher kommt so etwas? Wie entsteht das?

J1ulOey


Das ist doch noch keine Diagnose oder?

Ich denke, jede psychische Krankheit ist eine seelische Behinderung...(korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege!)

h-ikle9inexs


Und dass der Onkel für deinen Sohn irgendwie mehr negativ als positiv besetzt ist, das steht außer Diskussion? Klingt irgendwie nach Trauma...

Sool<amixe


Und dass der Onkel für deinen Sohn irgendwie mehr negativ als positiv besetzt ist, das steht außer Diskussion? Klingt irgendwie nach Trauma...

Genau das musste ich auch sofort denken, leider...

kXleinger_dZrachensxtern


Liebe Alias,

das ist alles bestimmt keine einfache Situation, aber ich finde es fatal nach einem Schuldigen zu suchen, bzw, den Onkel als Schuldigen "auszumachen". Kein Kind bekommt einen psychischen Schaden, weil der Onkel Dessous trägt, wenn nicht was ganz anderes vorgefallen ist.

Vielleicht hat dein Kind erwartet, dass es endlich rauskommt und das am Besuch des Onkels festgemacht und ist ausgetickt, weil er registriert hat, dass dem nicht so ist?

Und nein, es muss nicht jemand Schuld sein, weder du noch der Onkel, dass dein Sohn seelisch behindert ist!

Mir kommt es so vor, als würdest du das als "Schande" empfinden, als etwas das durch "Versagen" entstanden ist.

Wieso denkst du das?

Psychische Behinderungen können genau so angeboren sein wie physische Behinderungen, würdest du da genau so empfinden?

ich finde die Diagnose schrecklich. :°( Woher kommt so etwas? Wie entsteht das?

Ich finde du musst erst mal akzeptieren, dass dein Sohn so ist, so wie du akzetieren müsstest, wenn er einen Arm zu wenig hätte oder blind wäre.

Kinder merken sowas, dass man sich für sie schämt, dass man sich ständig fragt "warum bis du so verquer" etc.

Dein Kind ist anders. Damit musst du, er und der Rest der Familie leben. Die "Schuldfrage" ist völlig irrelevant.

Alias 706397


Aber wodurch negativ besetzt. Das hat ja der Arzt heute auch gesagt, dass es vielleicht etwas ausgelöst hat. Ein Trauma, aber er meinte eben auch, dass es dafür eigentlich schon zu lange anhält. Also dieser Zustand.

Ich kann einfach nicht mehr, bin am Ende meiner Kräfte. :°(

Alias 706397


@ kleiner_drachenstern

wenn das so rübergekommen ist, tut es mir leid.

Es geht nicht um das Akzeptieren meines Sohnes, sondern darum, ihm helfen zu können. Da er so nicht in der Gesellschaft akzeptiert wird und kein normales Leben führen kann. Das ist schrecklich. Dieses Therapiezentrum kann ihm dann helfen, aber das Gefühl, dass er dann noch weiter weg von mir ist, ist unbeschreiblich. Hast du Kinder und warst schon mal in einer ähnlichen Situation?

Ich suche auch keinen Schuldigen, sondern nach Erklärungen. Irgendwas muss ihn aus der Bahn geschmisen haben, obwohl er auf einem guten Wege war. Und genau das beschäftigt im Moment alle Beteiligten.

m@ondG+stOerne


Dein Sohn hat einen Wunsch geäußert. Er wollte Besuch von seinem Onkel. Er weiß, was gut für ihn ist. Deshalb hat er diesen Wunsch geäußert.

Ich würde es gut und sinnvoll finden, wenn ihr auch in Zukunft auf das hört, was Dein Sohn sagt.

Als der Onkel wieder weg war, ist er aggressiv geworden, weil ihm das genommen wurde, was er braucht.

Hat Dein Sohn etwas gesagt, bevor er aggressiv wurde? Hat er seinen Wunsch, dass der Onkel bei ihm bleiben soll, in irgendeiner Weise verbal geäußert?

Das sind Äußerungen, die man leicht überhört. Aber vielleicht kannst Du Dich im nachhinein an etwas erinnern?

@:)

@ Juley

Das ist doch noch keine Diagnose oder?

Nein, wenn es sich tatsächlich um den Paragraphen aus dem SGB handelt, wird dort das Recht auf Rehabilitation bei Behinderung oder drohender Behinderung geregelt.

Ich denke, jede psychische Krankheit ist eine seelische Behinderung...(korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege!)

Wenn eine Krankheit langfristig nicht geheilt werden kann, wird sie als Behinderung eingestuft. Was jetzt so grob vereinfacht ist, dass es wohl auch nicht viel richtiger ist, als das was Du geschrieben hast.

Ich sehe die Dramatik des §35a jedenfalls ebenfalls nicht.

mGond+>sterxne


@ hikleines Solamie

Und dass der Onkel für deinen Sohn irgendwie mehr negativ als positiv besetzt ist, das steht außer Diskussion?

Mir erscheint es offensichtlich, dass der Onkel gut ist für den Sohn. Denn der Sohn hat sich den Besuch gewünscht, und als er wieder weg war, ist er aggressiv geworden.

Wie kommt ihr darauf, der Onkel könnte negativ besetzt sein?

k9leine7r_drac,hensiterxn


Nein, ich habe keine Kinder aber ich habe einige Jahre in einem Heim für verhaltensauffällige und psychisch kranke Jugendliche gearbeitet und kenne das Phänomen, dass sich Eltern mit der Frage nach dem "warum" selbst zerfleischen.

Natürlich gibt es viele Fälle, wo wirklich ein gravierendes Geschehen die psychischen Probleme ausgelöst hat, aber es gibt eben genaus so viele Fälle, in denen die psychische Behinderung angeboren ist.

Wenn der Onkel dann heult, weil er nicht erträgt, dass das Kind "eingesperrt ist und kein normales Leben" führen kann, auch wenn das nur nonverbal so rüberkommt kann das reichen um eine derartige Situation auszulösen, da muss der Onkel nichts böses gemacht haben.

Mir liegt nichts ferner, als dir ein schlechtes Gewissen zu machen, meine Intention ist ein Blickfeldwechsel: wie wäre es, wenn mein Sohn z.B. blind wäre, wie würde ich da reagieren, wäre das ähnlich schlimm etc.

In der unserer Einrichtung "verwandten" Klinik wurde viel mit diesen Gedankenspielen gearbeitet, das hat Eltern und Kinder sehr entlastet. @:)

Alias 706397


Da es schon sehr früh bei ihm sichtbar wurde, kann ich mir auch vorstellen, dass es angeboren sein könnte. Es war fast von Anfang an schwierig mit ihm. Und der Onkel ist in der Tat eine enge Bezugsperson und wichtig für ihn. Deshalb hatte ich zuerst auch in diese Richtung gedacht, dass mein Sohn so ausgerastet ist, weil er wieder weg war. Vielleicht hängt er sogar mehr an ihm als an mir. Das wäre dann allerdings tatsächlich mein eigenes Verschulden. Weil sie eben sehr sehr viel Zeit miteinander verbracht haben.

Ich muss jetzt sowieso erst mal den Befund des EEG's abwarten und dann sehen wir weiter. Er soll ergänzend gegen diese Spitzen, die ja sehr massiv sind, noch ein Medikament bekommen. Ein Neuroleptika. Was mir einerseits wegen der Nebenwirkungen Sorge und andererseits aber auch Hoffnung macht. Mir wäre lieber, wenn er unter diesem Medikament in seiner jetzigen Gruppe bleiben könnte und nicht schon wieder einen Wechsel erführe. Ich finde das schrecklich, von Einrichtung zu Einrichtung. :°(

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