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Mein Sohn (8) muss in ein Therapiezentrum, bin so fertig

Alias 706397


Ich freu mich auch unglaublich.

Und danke euch auch sehr für eure Anteilnahme. @:)

G`numsexl


....auch ich freue mich mit und hoffe das Allerbeste.

Alias 706397


@:)

Alias 706397


Seit gestern ist mein Sohn nun in der neuen Kleingruppe. Ich kann nur sagen, dass ich ein sehr gutes Gefühl habe und mich dort gut aufgenommen und wohl gefühlt habe. Gleiches gilt für meinen Sohn. Natürlich hat er auch gestern wieder gefragt, wann er nach Hause kommt. Jedoch hat man schon gemerkt, dass er sich gut auf die sehr netten Menschen dort einlassen konnte.

Ich durfte heute Morgen mit ihm telefonieren. Die Strukturen und Regeln sind dort völlig anders als in der alten Einrichtung.

Dort ist alles viel lockerer, auch was die Besuche betrifft. Bin positiv überrascht. :)^

Und sein Zimmer ist sehr hell, geräumig und wirklich sehr schön. Es bietet viel Platz für uns zum spielen. :)_

Zudem war ich heute Vormittag beim Jugendamt und habe unserem Sachbearbeiter eine Kleinigkeit als Dankeschön vorbei gebracht. Zum Glück habe ich ihn persönlich angetroffen, denn ab nächste Woche hat er seinen wohlverdienten Urlaub. Die hören auch nicht so oft ein Danke, wenn sie gute Arbeit geleistet haben und in unserem Falle war das mehr als gut. :)^

Er hat sehr von der neuen Institution geschwärmt, bzw. sie sehr gelobt, was mich noch positiver gestimmt hat.

Ich möchte mich nochmal bedanken, dafür dass ihr mich bis her begleitet und aufgebaut und mir zugehört habt. @:)

D:ie rKel@tin


Alias, ich freue mich wirklich sehr für euch! :)z :)=

Ich wünsche euch, dass es so positiv weitergeht! @:)

mYond0+stqernxe


@:)

Alias 706397


Ich danke euch @:)

A|licAeimW+ondSerlaxnd


Ich wünsche viel Kraft! @:)

Alias 706397


Danke Alice @:)

d\a&naxe8x7


Freut mich. Natürlich will er nach Hause, aber wenn das in der neuen Einrichtung gut klappt, dann kann es ja bald soweit sein. @:) @:)

Alias 706397


Danke danae87. Ich sehe ihn schon nächsten Samstag wieder. Evtl. können wir sogar da schon raus gehen und ein Eis essen. Das haben wir schon viele Monate nicht mehr getan. :p> :)_ x:)

I&nqdiRviduealisxt


@ Alias

Ich "schulde" dir ja noch eine Antwort, zumindest war das versprochen. Nun bin ich unsicher, denn nachdem die Situation mit deinem Sohn offenbar in vernünftige Bahnen geleitet ist und sich entsprechend entspannt hat, der ganz schlimme akute Druck also erstmal weg ist, ist mehr Raum für Gedanken in eine allgemeinere, ganzheitlichere Richtung, und mein Beitrag würde ein wenig anders ausfallen als ursprünglich angedacht. Um mal die Richtung anzudeuten: Mein Gesamteindruck von Ereignissen, Problemen und Fadenverlauf hat von dir in mir das Bild eines Menschen entstehen lassen, der sich das Leben unnötig schwer macht, sich zu oft selbst im Weg steht, weil er zu leicht entweder in einen Abwehr-/Verteidigungsmodus oder in einem Selbstbeschuldigungsmodus gerät. Beides absorbiert wertvolle Kraft und laugt aus, ohne viel zu bewegen. Ich sehe deshalb viel Potenzial für positive Veränderungen in Richtung mehr Souveränität und Zufriedenheit und weniger Selbsthass.

Dazu würde ich gern mehr schreiben - aber nur, wenn du das auch möchtest. Ich möchte dich nicht ungefragt damit "überfallen", zumal das, was ich dazu im Kopf habe, eventuell auch alte Wunden und "neuralgische" Punkte berühren könnte. Das scheint mir nur zulässig, wenn du dem zustimmst und dich genügend stark und offen dafür fühlst, bzw. wenn du mir grundsätzlich vertraust, dass ich dein Wohl im Auge habe und dir nicht absichtlich weh tun will.

Alias 706397


@ Individualist

In meiner Therapie habe ich einiges über mich erfahren und gelernt. Kenne meine Fehler, meine Schwächen und vor allem meine Stärken. Letztere habe ich bis vor ein paar Jahren eher unter Verschluss gehalten. Grundsätzlich neige ich eher dazu, mein Licht unter den Scheffel zu stellen und halte wenig von mir, ja. Ich möchte jetzt nicht an Selbstüberschätzung leiden, aber ein wenig mehr Selbstvertrauen wäre angebracht. Auch ich bin zu einem nicht unbeträchtlichen Teil das Produkt meiner Erziehung, meiner Erlebnisse aus der Kinder- und Jugendzeit. Ich habe früher große Probleme mit Vertrauen gehabt und war auch ein sehr eifersüchtiger Mensch. Das ist heute nicht mehr so. Das war offenbar darin begründet, dass ich in meinem Leben zu vielen Menschen begegnet bin, die mein Vertrauen mißbraucht haben.Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein gesamtes Dasein.

Da ich also nicht ganz so unwissend bin, wie du vielleicht vermutest, bin ich offen für deine Gedankengänge. Auch wenn eine Triggergefahr bestehen sollte. Beim Lesen mancher Fäden hier, ist es mir schon manches Mal so ergangen. Dass ich mich darin wiedergefunden oder wiedergesehen habe oder ich einfach fürchterlich weinen musste. Auch weiß ich, dass meine eigene Kindheit nicht immer ein Zuckerschlecken war und ich auch im Teeniealter sexuelle Übergriffe erfahren habe. Auch innerhalb der Familie. Meine Therapie wurde schon einige Male verlängert, ich habe sie sicher nicht aus Spaß gemacht. Dennoch bin ich noch lange nicht da, wo ich gern wäre.

Hiermit erteile ich dir also die Erlaubnis, nehme mir aber gleichzeitig das Recht heraus, nur auf das zu antworten, wozu ich in der Lage bin.

ItndivEiduCalist


@ Alias

Danke für dein Vertrauen! Ich hoffe, ich kann das Versprechen einlösen, nun mal dein Befinden und Möglichkeiten zu dessen Verbesserung in den Mittelpunkt zu rücken. Es wird aber, das sei vorausgeschickt, nicht einfach, und es wird ein bisschen ans Eingemachte gehen. Das erlaube ich mir nur, weil du unter Alias schreibst - die normale Forumsanonymität würde ich dafür nicht als ausreichend ansehen. Möge das Nachfolgende dir einige Anregungen für deine eigene Therapie mitgeben, die natürlich durch keine Forumsdiskussion ersetzt werden kann. Ich empfehle, es von Zeit zu Zeit erneut zu lesen, weil es ziemlich lang geworden ist, und weil die "Gesamtmelodie" (zu der auch [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/706397/?p=15#p21712320 dieser]] Beitrag von mir gehört) vermutlich erst nach und nach zu erkennen ist.


Ich hatte angedeutet, dass ich - jedenfalls für den Themenbereich dieses Fadens, weiter kann ich ja nicht blicken - den Eindruck habe, du machst dir das Leben unnötig schwer, stehst dir oft selbst im Weg, weil du schnell entweder in einen Abwehr-/Verteidigungsmodus oder in einem Selbstbeschuldigungsmodus gerätst. Beides sind Selbstschutzstrategien, aber keine sinnvollen Problemlösungsstrategien. Die dafür aufgewendete seelische Energie ist beträchtlich, aber sie fehlt dann an anderer Stelle - für dich selbst, für produktivere Zwecke, für Fortschritt und Entwicklung. Es ist Energie, die quasi auf der Stelle tritt und nicht viel nachhaltig bewegt. Ich denke, auch deshalb fühlst du dich oft so ausgelaugt und "am Ende".

Weil es mir so wichtig erscheint, möchte es auch nochmal anders sagen. Und zwar mit den etwas allgemeiner gefassten Worten von Karen Horney, einer der bedeutendsten und von mir sehr geschätzten Vertreterin der sog. Neopsychoanalyse (und übrigens Mutter der einst sehr bekannten Schauspielerin Brigitte Horney).

Karen Horney schreibt:

"Der neurotische Prozess ist eine spezielle Form menschlicher Entwicklung, und zwar eine besonders unglückliche, weil sie die Vergeudung konstruktiver Kräfte bedeutet. [...] Unter günstigen Umständen werden die Kräfte des Menschen zur Verwirklichung der ihm gegebenen Möglichkeiten eingesetzt. [...] Unter innerem Druck kann jedoch ein Mensch seinem wahren Selbst entfremdet werden. Dann setzt er den größten Teil seiner Kräfte dafür ein, sich mit Hilfe eines starren Systems innerer Gebote zu einem Wesen von absoluter Vollkommenheit zu formen. Denn nur göttergleiche Vollkommenheit kann die Erfüllung des idealisierten Vorstellungsbildes, das er von sich selbst hat, ermöglichen; nur sie kann seinen Stolz auf jene Eigenschaften befriedigen, die er seinem Gefühl nach besitzt, besitzen könnte oder besitzen sollte."
(Karen Horney, Neurose und menschliches Wachstum; Hervorhebung von mir)

Man sollte sich nicht an einzelnen Worten aufhalten und sich insbesondere nicht am Begriff "neurotischer Prozess" stören - das war gängige Terminologie, als das Buch vor über 60 Jahren entstand. Immerhin ist von einem Prozess und nicht von einem statischen Krankheitsbild die Rede, und das ist schon Teil einer historisch neuen Denkweise. Das Buch war einer der Meilensteine in der Entwicklung der Psychologie. Gegenüber der eher defizit-orientierten und mechanistischen Betrachtungsweise von Urvater Freud wird hier der Gedanke der Entwicklung und Selbstverwirklichung in den Vordergrund gerückt, und "Neurosen" werden nicht mehr so sehr als fossilenartige Relikte einzelner verdrängter Kindheitstraumen gesehen, sondern vielmehr als Resultat einer unglücklichen Entwicklung und missglückten Selbstverwirklichung. Das ist eine optimistischere, lebensnähere, vor allem aber viel weniger stigmatisierende Sichtweise.
(Fällt dir was auf? In ganz ähnlicher Weise habe ich den Blick auf deinen Sohn abzuwandeln versucht, indem ich deiner fatalistischen These von "Zwängen" und "unguten Anlagen" diejenige einer unglücklichen Kommunikation gegenüber gestellt habe!)


Wenn ich sage, dass du zu oft in einem Abwehr-/Verteidigungs- oder Selbstbeschuldigungsmodus (anstatt in einem produktiven Wachstumsmodus) bist, und dass das, wie Horney sagt, eine "Vergeudung konstruktiver Kräfte" darstellt, die dich unnötig auslaugt, dann ist das zunächst mal nicht viel mehr als eine Behauptung von mir. Du wirst zwar ahnen, dass ich damit vermutlich nicht ganz falsch liege, trotzdem sehe ich mich in der Pflicht, das noch genauer herauszuarbeiten.

Als einen sehr zentralen und vermutlich unaufgearbeiteten Punkt glaube ich die immer wieder auftauchende Schuldthematik auszumachen. Alles rund um Schuldgefühle, schlechtes Gewissen, Verantwortung, sowie auch "Image-"Fragen, also wie man vor sich selbst und anderen dasteht, wie man denkt, dass man von anderen wahrgenommen wird, und wie man wahrgenommen werden möchte usw. zieht sich zwischen den Zeilen wie ein roter Faden überall durch und scheint einen enormen Raum in dir einzunehmen.

Wie ich darauf komme? Nun, diese Themen sind in diesem Faden ja praktisch gar nicht von uns an dich herangetragen worden, aber trotzdem sind viele deiner Reaktionen so, als stünden sie ständig im Raum. Als würdest du beinahe panisch überall einem imaginären Richter wittern, vor dem du dich zu verantworten hast, und den du mal mit Abwehr/Verteidigung, mal mit vorauseilender Selbstbeschuldigung milder zu stimmen suchst.

Markantestes Beispiel (aber bei Weitem nicht das einzige) ist deine [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/706397/?p=15#p21712509 erstaunliche Reaktion]] auf meinen [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/706397/?p=15#p21712320 langen Beitrag]]. Du nimmst darin zwar lt. Anrede Bezug auf mich, aber inhaltlich so gut wie gar nicht. Für das Schuldthema, das in deinem Beitrag die Hauptrolle spielt, habe ich nicht den geringsten Anknüpfungspunkt geliefert - abgesehen von der wenig einladenden Andeutung, dass ich Schuldfragen für unproduktiv halte. Deshalb nannte ich deinen Beitrag einen eindrücklichen Beleg für meine These von scheiternder Kommunikation, weil er so grandios an meinem Beitrag vorbeiging. Das ist kein Vorwurf, aber eben aufschlussreich und deshalb betrachtenswert: dass du auf ein Thema "antwortest" (besser gesagt: anspringst), das von mir gar nicht "angeboten" worden war, muss ja auf einen mächtigen Impuls verweisen, der nur aus dir selbst kommen kann. Du greifst ungefragt das Thema Schuld auf, erklärst es aufwändig für abgehakt, während man aber aus dem Wesen deiner Reaktion das genaue Gegenteil entnehmen kann. Du wirfst dich ohne erkennbaren Anlass in den Staub, überschüttest dich mit Asche, als müsstest du, anstatt auf meinen Beitrag zu antworten, erstmal eine ganze Horde Monster in dir selbst beschwichtigen. Was ist da los?? Ich vermute, dass hier ein weitgehend unbearbeiteter Teil jener Probleme liegt, die dir das Leben schwer machen.

Meine Fehler sind klar, Individualist. Was ich falsch gemacht habe, weiß ich genau. Leider. Lieber würde ich es verdrängen, weil es so furchtbar wehtut und ich mich manchmal dafür hasse.

Ich denke, das tust du im Wesentlichen auch. Also verdrängen. Und abwehren. Sogar mit diesem Satz! So sieht keine Aufarbeitung aus. Denn: solange ich mich mit einem schmerzenden, unangenehmen Thema auseinandersetze, es aufzuarbeiten suche, versuche ich genau hinzuschauen und mehr über mich und die Situation herauszufinden. Meine Haltung dabei ist fragend, suchend, neugierig, offen. Wenn ich aber vorgebe, schon bestens zu wissen, was ich angeblich falsch gemacht habe, ist das wie der Beschluss, nicht mehr hinzuschauen und keine weiteren Fragen zu stellen oder zuzulassen. Damit ist das Thema quasi eingekapselt, und es geht nicht mehr darum, sich ihm zu stellen, sondern nur noch darum, den Deckel drauf zu halten. Letzteres kostet zwar ähnlich viel seelische Energie wie Ersteres, jedoch leider ohne den Nutzeffekt, mit sich selbst besser ins Reine zu kommen und sich weiterzuentwickeln. Genau das aber wünsche ich dir.

Das Zitierte ist auch der Versuch, jegliche befürchtete Kritik abzuwehren, indem man ihr selbst zuvorkommt. Schlechtes Gewissen und Selbstgeißelung stehen oft gar nicht im Dienste einer angestrebten Besserung, sondern werden im Gegenteil wie ein Schutzschild moralischer Unangreifbarkeit vor sich hergetragen. Böse gesagt: sie helfen, das, was man an sich selbst insgeheim verurteilt, besser zu verkaufen und auszuhalten, ohne etwas ändern zu müssen. Noch böser gesagt: es ist weit bequemer, sich selbst zu hassen, als sich zu ändern. Schon Nietzsche hat deshalb lapidar angemerkt, dass ein schlechtes Gewissen "unanständig" sei.

(Fortsetzung im nächsten Beitrag)

I8ndividuaalisUt


Fortsetzung

Obwohl du es, soweit meine Erinnerung reicht, nirgendwo erwähnt hast, halte ich es für naheliegend, dass deine "inneren Monster" ihre Macht dem Nährboden einer streng religiösen Erziehung verdanken könnten. Nur so ein Gedanke am Rande...

Wie dem auch sei, auf jeden Fall aber scheint, was die besagten Themen angeht, ein riesiger Komplex in dir zu lauern, bei dem es vermutlich noch viel aufzuarbeiten gäbe, wobei du auch über manchen Schatten springen müsstest. Dazu müsstest du aber auch die "Ich weiß genau, was ich falsch gemacht habe"-Fassade und alle vorauseilenden Selbstbezichtigungen ablegen und nochmal schonungslos gewissermaßen an den Anfang zurückgehen, möglichst im Schutz einer professionell begleiteten (idealerweise tiefenpsychologischen) Therapiesituation.

Nun hast du aber genau dem indirekt eine Absage erteilt und berufst dich dabei auf Fachleute:

In den Elterngesprächen und den sog. Hilfeplangesprächen ist so oft von Schuld gesprochen worden. Doch diesen Zahn haben mir die Fachleute in der Einrichtung (nicht in der Klinik) sachte gezogen und mir anhand eines Beispiels erklärt, dass es manchmal zwischen Kind und Mutter/Vater nicht passt. Dass dafür weder die Schuld bei mir, noch bei meinem Sohn liegt. Und dass ich das akzeptieren soll.

Wem hilft die Frage nach Schuld? Jetzt gilt nur noch, es besser zu machen.

Das sagt sich so leicht dahin, und es bleibt doch Selbstbetrug und kaum mehr als eine bloße Beschwörungsformel. Man kann die inneren Monster eben nicht einfach per Beschluss abstellen - das wäre ja wieder nur eine Scheinlösung auf der Ebene von Selbstentfremdung und einem "starren System innerer Gebote", um es mit Horney zu sagen. Solange die Monster da sind und du alle Hände voll damit zu tun hast, sie in Schach zu halten, rauben sie dir Kräfte und du bist unfrei. Solange das so ist, kann man nicht von abgeschlossener oder gelungener Aufarbeitung sprechen. Und solange das so ist, wird auch der Satz "Jetzt gilt nur noch, es besser zu machen" weitgehend ein frommer Wunsch bleiben, ähnlich wie die meisten guten Vorsätze zu Silvester - weil man eben auch im neuen Jahr noch der gleiche Mensch ist. Das Besser-Machen lässt sich ja nicht so einfach reumütig beschließen, als hätte man es vorher nur versehentlich vergessen - letztlich kann es ja nur ein Resultat einer inneren Wandlung, sprich gelungener Aufarbeitung und entsprechender eigener Weiterentwicklung sein.

Deshalb sehe ich den letzten, von mir hervorgehobene Satz im vorstehenden Zitat wie eine Fata Morgana, die eine wohlfeile Abkürzung des Weges verheißt, aber wohl irgendwann zu der bitteren Erkenntnis führen wird, dass man doch wieder nur im Kreis gelaufen ist. Im Teufelskreis.

An dieser Stelle muss ich der Gefahr eines möglichen Missverständnisses vorbeugen. Auch ich halte Schuldfragen bekanntlich für unproduktiv, das habe ich ja hier bei med1 oft genug an verschiedenen Stellen betont. Tatsächlich hilft die Frage nach der Schuld niemandem, da stimme ich dir also zu. Warum bezeichne ich den Passus dann trotzdem als Fata Morgana, wenn wir uns doch einig sind? Der Unterschied ist: in dir rumoren sie ja trotzdem, die Fragen um Schuld, Verantwortung, dein Selbstbild usw. Das ist überall zu spüren. Und deshalb gehören sie meines Erachtens nicht unter den Teppich gekehrt, sondern im Zuge einer Aufarbeitung gründlich thematisiert. Also nicht, weil es etwa um Schuld oder Nichtschuld an sich gehen müsste, sondern weil es um deren Stellenwert und Funktion in deinem Seelenhaushalt gehen muss! Ich hoffe, der Unterschied ist klar genug, damit hier kein Missverständnis entstehen kann.


Ich möchte die gleiche Textstelle nochmals mit anderem Schwerpunkt zitieren, um auf einen weiteren Aspekt aufmerksam zu machen.

Doch diesen Zahn haben mir die Fachleute in der Einrichtung (nicht in der Klinik) sachte gezogen und mir anhand eines Beispiels erklärt, dass es manchmal zwischen Kind und Mutter/Vater nicht passt. Dass dafür weder die Schuld bei mir, noch bei meinem Sohn liegt. Und dass ich das akzeptieren soll.

Was für ein Schmarrn. Da sagt ein sogenannter Fachmann allen Ernstes einer Mutter: tja, Pech gehabt, Sie und Ihr Sohn, das passt einfach nicht. Sowas kommt vor, das müssen Sie akzeptieren. :-o Welche Mutter könnte sich je damit abfinden? Nahezu jede Mutter wäre empört über so ein oberflächliches "Urteil" - aber du scheinst vor allem dankbar nach den darin liegenden Freispruch für dich gegriffen zu haben...

Meine absichtlich provokante Formulierung soll zeigen, wie sehr auch hier das Schuldthema unbemerkt und sehr entfremdend dazwischenfunkt. Denn natürlich gehe ich eigentlich davon aus, dass auch du deinen Sohn liebst und ihn nicht einfach aufgrund von so einer Bemerkung in die "Passt-dummerweise-nicht"-Schublade fallen bzw. dort verkümmern lassen möchtest.

Ich vermute, das war von den Fachleuten so "dahergesagt", aber für einen ernsthaften professionellen therapeutischen Rat kann ich das nun wirklich nicht halten. Wenn es zwischen Kind und Bezugsperson "nicht passt", kann man das doch nicht auf die müßige Schuldfrage reduzieren und dann kurzerhand empfehlen, den Status quo zu akzeptieren! (Auch wenn ich ahne, wie das gemeint war bzw. von dir vielleicht auch selektiv aufgenommen/wiedergegeben wurde.)

"Passt nicht" hat die Natur nicht vorgesehen. Wir Säugetiere sind besonders in der frühen Kindheit vital auf Gedeih und Verderb davon abhäng, dass es zwischen Mutter(figur) und Kind hinreichend passt. Wenn es das nicht tut, ist das keine Laune der Natur, die man zu akzeptieren hat, sondern es muss Gründe haben, und die kann und sollte man suchen und anschauen. Die Möglichkeiten hat man heutzutage. Natürlich hat niemand "Schuld" an einem Missverständnis, aber das ist ja nun weiß Gott nicht die einzige oder gar sinnvollste Betrachtungsdimension, eher lenkt sie vom Wesentlichen ab. Wenn es dauernd "Missverständnisse" gibt, oder gar grundsätzlich "nicht passt" - und hier schließt sich der Kreis zum Thema scheiternde Kommunikation! -, ja, dann sollte man vielleicht doch mal nach den inneren Störsendern Ausschau halten.

Ich hoffe, dir diesbezüglich einige verwertbare Anregungen gegeben zu haben.

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