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Erkennt ein Depressiver ohne Krankheitseinsicht irgendwann...

g#emolkselne Mxaus hat die Diskussion gestartet


...dass er depressiv ist?

Hi *:)

Gesetzt den Fall, ihr kennt eine Person sehr gut, vielleicht schon Jahrzehnte. Ihr wisst, dass sie früher lebensfroh und optimistisch, mutig und aufgeschlossen war, zu den Menschen hingeneigt, immer offen für Neues. Nun hat diese Person aber ca. vor 4 Jahren angefangen, sich extrem zu verändern. Es ging ihr nicht mehr so gut wegen diverser Probleme: Im Job stieg sie für kurze Zeit in die Chefetage auf, musste aber schon 2 Monate später wieder zurücktreten, weil sie merkte, sie ist überfordert mit der Stelle und die Mitarbeiter waren unzufrieden. In der Beziehung läuft es nicht gut; sie hätte gerne noch ein Kind, aber es will nicht klappen. Ein Studium bei der Fernuni Hagen wurde angefangen, um die berufliche Situation zu verbessern, ein alter Lebenstraum das Fach. Doch schon das erste Modul wurde nicht bestanden, und sie blies das Studium wieder ab und damit auch den Traum von dem Beruf, den sie sich damit hätte erfüllen wollen. Die Verwandten melden sich und fangen Erbstreitereien an. Zwar aussichtslos, aber anstrengend. Die eigene - alkoholkranke - Schwester verklagt die Person, früher eigentlich ihre größte Verbündete.

Das alles sind so Dinge, die dazu geführt haben, dass es der genannten Person sehr schlecht geht. Es folgten schon bald depressive Stimmungen: SIe fing an, alles schwarz zu sehen, die Zukunft, das Leben an sich. An sämtlichen Prinzipien wird heute gezweifelt: Am Prinzip der Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt...daran glaubt sie nicht mehr. Sie sieht sich von vielen Freunden enttäuscht. Verachtende Kontaktabbrüche ihrerseits werden durchgesetzt. Teils ohne dass jemand erfährt, warum eigentlich. Nicht nur zu den ältesten Freunden, auch mit der Familie, der eigenen Mutter, die immer wichtig war, weil niemand ihre Ansprüche erfüllt. Feinde werden plötzlich überall gesehen.

Nicht nur das, aber auch körperlich hat die Person stark abgebaut: Essstörungen, Schlafstörungen, Wahrnehmungsstörungen. Gewichtsverlust, vernachlässigtes Aussehen. Kummer und Schmerz, ohne zu wissen, worüber genau - es ist so eine Art Gesamtsituation. Es fällt ihr schwer, sich morgens aufzuraffen, normale Tätigkeiten wie kochen auszuführen. Sie ist immer müde und bekommt plötzlich Heulkrämpfe. Sie will nur noch zu Hause verbringen, es zieht sie nirgends mehr hin. Ängste und unterdrückte Bedürfnisse bestimmen das Leben.

Sie will Nähe, aber auch Distanz. Sie will, sagt sie, dass man sich für sie interessiert. Will man sie in den Arm nehmen, wird man weggestoßen. Es folgen darauf Tage und Woche, in denen man nichts von ihr hört. Je besser man es mit ihr meint, desto mehr arbeitete sie gegen einen.

Die Person hat generell keine gute Einstellung zum Thema Psychologie, obwohl im sozialen Bereich tätig. Ihrer Meinung nach sind psychisch Kranke Irre ( :-( ). Das sagt sie mir ins Gesicht, obwohl sie weiß, dass ich auch schon zwei Therapien hinter mir habe. Es besteht kein Wille, sich helfen zu lassen in irgendeiner Form.

Es geht immer weiter bergab, sie wird zu einer zunenehmend anstrengenden, schwarzen und unangenehmen Person, über die sich kaum noch etwas gutes sagen lässt.

Viele Freunde wenden sich einfach ab, lassen sie hängen.


Was meint ihr?

Besteht die Möglichkeit, dass ein Depressiver unter diesen Voraussetzungen irgendwann von selbst seine Krankheit erkennt? Oder wird er immer in dem Gedankenkonstrukt gefangen sein, dass die Welt böse und schwarz ist?

Antworten
k/einsgteixn


Was meint ihr?

Besteht die Möglichkeit, dass ein Depressiver unter diesen Voraussetzungen irgendwann von selbst seine Krankheit erkennt? Oder wird er immer in dem Gedankenkonstrukt gefangen sein, dass die Welt böse und schwarz ist?

Ich würde sagen: Ja, die Möglichkeit der Einsicht besteht definitiv.

Was du beschreibst, klingt nach einer akuten Phase der Depression. In dieser gibt es fast nie Krankheitseinsichten.

Manchmal ist es auch eine Frage des Umfelds. Wenn sie psychisch Kranke als "Irre" ansieht (ungewöhnlich im sozialen Bereich), dann ist das vielleicht auch ein Ergebnis ihrer Umwelt: Welchen Konsens zu psychisch Erkrankten gibt es denn bei ihren noch nahestehenden Bezugspersonen? Was sagen der Ehepartner, die Arbeitgeber dazu? Wenn dort nämlich auch dieses Vorurteil besteht, ist es natürlich noch schwerer, eine mögliche Erkrankung einzusehen bzw. anzugehen.

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