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Postnatale Depression - Wie helfe ich meiner besten Freundin?

Sachfneg@ge32 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich bin (mal wieder) etwas verzweifelt und mache mir Sorgen um meine beste Freundin.

Seit ich sie kenne hat sie immer Probleme mit depressiven Verstimmungen und auch richtigen Depressionen. Sie traut sich wenig zu und denkt immer, dass positive Dinge ihr niemals passieren.

Den letzten "Höhepunkt" dessen gab es im letzten Jahr als sie nach Süddeutschland gezogen ist. Ihr Freund hat dort einen neuen Job angefangen, der einen ziemlichen Karrieresprung bedeutet hat. Da sie ihn nicht verlieren wollte ist sie mitgegangen. Sie haben auch sofort eine Wohnung gefunden, sie hat nach zwei Wochen dort einen neuen Job angefangen, aber sie hat sich dort nie wirklich wohl gefühlt. Ich bin im letzten Jahr 5x dort gewesen um sie zu besuchen und ihr das Gefühl zu geben, dass weiterhin alle für sie da sind, auch wenn sie so weit weg wohnt (ich wohne in Hamburg). Sie kann sich aber mit dem Leben dort nicht anfreunden, findet alle komisch und möchte mit den meisten dort nichts zu tun haben. Sie gibt ihrem Freund die Schuld an allem. Man muss dazu sagen, dass er oft auch nicht wirklich hilfreich ist. Er ist sehr Ich-bezogen und hat oft nicht den Blick dafür, wenn es ihr schlecht geht. Er arbeitet sehr viel und sie ist dadurch recht viel alleine, was die sache nicht besser sieht. Aber Arbeit geht vor. Trotzdem glaube ich, dass er sie liebt. Er kümmert sich auch um sie wenn sie krank ist, bringt manchmal kleine Aufmerksamkeiten mit, sie unternehmen viel zusammen.

Sie hat auch schon in Hamburg keinen riesen Freundeskreis gehabt (kritisch anderen Menschen gegenüber ist sie nämlich unabhängig vom Bundesland), aber hier war ihre gewohnte Umgebung und sie war deutlich näher an ihrer Familie (Eltern, Geschwister, Patenkind) und an mir. Da ihre Eltern es nicht "sooo dicke" haben und in ihrem Heimatort auch sehr festgepflanzt sind und nicht gerne verreisen sind diese mehr als selten bei ihr zu Besuch (letztes Jahr 1x). Wenn sie dann kommen dann lässt ihre Mutter sie immer wissen wie schrecklich teuer alles ist, so dass meine Freundin zusätzlich noch ein schlechtes Gewissen hat.

Wichtig ist noch, dass Depressionen grundsätzlich in der Familie meiner Freundin vorliegen und auch die Mutter nicht ganz gesund ist was dies betrifft. Meine Freundin lehnt grundsätzlich jegliche Hilfe ab. Sie hat vor ein paar Jahren eine zeitlang Antidpressive genommen, was ihr sehr gut getan hat. Sie hat es gut vertragen und strotzte nur so vor Energie und Selbstbewusstsein. Das möchte sie aber nie wieder, die Umstellung damals ist ihr schwer gefallen (ohne ärztliche Hilfe abgesetzt). Wenn ich was sage dann reagiert sie sehr scharf und fährt mich mit Sätzen an wie "Ja, du bist ja auch nicht drin, du verstehst das nicht", "immer nur gute Ratschläge, niemand kann sich das vorstellen", "pah, so ein Psychologe will mich doch nur in eine Klapse stecken", "du hast es sooo gut, bei dir ist alles toll". Dabei war ich selbst jahrelang in Behandlung und weiß sehr wohl, dass eine Therapie hilft. Ich bin in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund gerückt, der Fokus in unserer Freundschaft liegt sehr stark auf ihr. Sie ruft an, lässt ihren ganzen Frust raus und ich darf zuhören und zustimmen aber auf keinen Fall was anderes sagen.

Vor zwei Wochen hat sie ein Baby bekommen. Es war ein Wunschkind, trotz der Probleme, die sie und ihr Freund manchmal haben. Ich hatte aber den Eindruck, dass wenn sie ein Kind planen, kann die Beziehung doch gar nicht so schlimm sein wie sie manchmal sagt. Vielleicht liegen diese krassen Äußerungen auch nur an ihrer Unfähigkeit, Dinge zu verarbeiten bzw. mit Dingen umzugehen und sich nicht immer so sehr persönlich davon getroffen zu fühlen. Manche Dinge die sie mir erzählt macht mein Mann auch, aber ich gehe anders damit um (zucke mit den Schultern wenn ich weiß dass er das nie ändern wird, z. B. seine Dreckwäsche wegräumen) und mache keinen "Staatsakt" da draus.

Im Laufe der SChwangerschaft hatte ich das Gefühl, dass es insgesamt besser geworden ist, sie hat auch nicht mehr so oft angerufen und so wütend alles raus gelassen. Sie war meist in recht guter Stimmung, hat erzählt, wie sie das Zimmer einrichten und über "Unarten" ihres Freundes hat sie einigermaßen "angemessen" gesprochen. Vielleicht hatte sie sich ja selbst vorgenommen, sich selbst nicht mehr so hochzuschaukeln oder sie hatte einfach keine Lust mehr über ihre Gefühle und Sorgen zu sprechen.

Ich habe heute mit ihr telefoniert und sie sagte mir, dass sie wohl unter postnataler Depression leidet. Sie spricht zum Glück mit ihrer Hebamme darüber (die dies wohl gesagt hat). Aber sie hat mir gleich gesagt, dass sie weder Medikamente nehmen noch in eine Klinik will. Sie hat dann ein bisschen weiter berichtet und ich war ehrlich gesagt etwas schockiert. Sie empfindet nicht viel für ihr Baby, das ewige stillen und wickeln "kotzt sie an". Verstärkt wird es wohl dadurch, dass sie keine Hilfe hat. Ihr Freund arbeitet 12-14 Stunden und schaut dann TV oder spielt am Computer. Ihre Mutter ruft wohl auch so gut wie nie an um mal zu fragen wie es ihr geht. Niemand nimmt ihr etwas ab. Und wenn die Kleine schläft hat sie das Gefühl, den Haushalt schmeißen zu müssen. Mein Hinweis, dass doch vielleicht eine Gesprächstherpie oder sonst Hilfe in irgendeiner Richtung wichtig wäre hat sie abgebügelt. Sie hat extrem scharf reagiert. ich soll sie bloß in Ruhe lasse damit, immer kluge Ratschläge von allen, sie will das nicht hören, sie will in Ruhe gelassen werden. Aber wenn ich merke, wie schlecht es ihr geht muss ich meine Sorte bzw. meinen Ratschlag äußern dürfen, dass sie Hilfe benötigt, oder nicht? Ich bin doch ihre beste Freundin und mache mir Sorgen... Wenn wir uns sehen lässt sie das auch alles immer raus, sie lässt sich dann auch schwer von mir ablenken (ich erzähle dann immer "lustige" Geschichten, schlage vor raus zu gehen etc.).

Fühle mich sehr schlecht, es setzt mir wirklich sehr zu, dass es ihr so schlecht geht und ich ihr nicht helfen kann. Ich weiß manchmal nicht mehr weiter. Die Freundschaft zu ihr ist seit fast zwei Jahren nur noch anstrengend, ich will sie aber auch nicht verlassen, dazu sind wir (eigentlich) zu gut befreundet. Aber ich kann bald nicht mehr.

Wie kann ich ihr (von Hamburg aus) am besten helfen, was kann ich tun, was möchte sie hören oder nicht hören. Hat hier jemand damit Erfahrungen?

Würde mich über Antworten freuen! Vielen Dank schon einmal und sorry, dass mein Beitrag wieder so lang ist.

Liebe Grüße,

Schnegge

Antworten
LVastSu;mmxer


Hey Schnegge,

ich empfehle zur Information über Postpartale Depression das Forum 'Schatten und Licht'. Da gibt es Berichte von Betroffenen und auch Austausch zwischen Angehörigen und Freunden.

Ich selbst habe darunter gelitten. 7 Monate habe ich mich gequält bis ich Hilf gesucht habe. Es ging nur mit Medikamenten und Therapie. Es ist eine Krankheit!

Heute geht es mir gut und ich bin beschwerdefrei.

@:)

dranahe8x7


Schnegge

Also ganz grundsätzlich wäre es natürlich für das Kind total wichtig das die Mutter sich stabilisiert, aber da würde ich das Thema erstmal ruhen lassen. Deine Freundin scheint bei Druck mit Contra zu reagieren. Grundsätzlich kann ich die GEfühle diener Freundin verstehen, wichtig wäre mal sie nicht als "falsch" zu klassifizieren. Die sind sogar ziemlich normal und verbreitet. Der ganze Babykram macht nicht unbedingt Spaß und glücklich.

Ansonsten wäre wellcome vielleicht eine Idee für deine Freundin. Die helfen beim Alltag, entlasten, zeigen Tricks und und und Zwei Wochen sind auch noch keine Zeit, viele brauchen Wochen, manchmal Monate, um eine Bindung zum Kind aufzubauen. Das ist auch normal und eigentlich jede mUtte rbricht irgendwann weinend neben dem Baby zusammen. Dafür muss man sich nicht schämen.

S[chnneggeE32


Vielen Dank für Eure Antworten!

LastSummer freut mich sehr zu hören dass es dir heute gut geht und du beschwerdefrei bist.

Grundsätzlich klassifiziere ich meine Freundin nicht als "falsch". Ich habe Verständnis für sie und kann auch nachvollziehen dass es besonders am Anfang nicht einfach ist. Es ist ja doch vieles auf einmal ganz anders, die Verantwortung für so ein kleines Lebewesen und die Anstrengungen der Geburt sind sicherlich nicht ohne. Erst recht wenn man so gut wie keine Unterstützung hst.

Da meine Freundin aber auch schon in den Jahren vor der Geburt immer wieder an Depressionen gelitten hat wächst meine Sorge. Ich wünsche mir für sie dass sie ihre Krankheit mal so erkennt und sieht dass es ihr mit professioneller Hilfe besser gehen würde. Sie sieht das leider nicht so, denn der Therapeut kann ja an der Situation (z.b. dass sie nun in bayern wohnt) nichts ändern. Es zieht sich so durch bei ihr. Früher war es: wenn ich endlich einen job habe ist alles gut, dann: wenn ich einen Freund habe ist alles gut. Dann war es: wenn wir endlich zusammen wohnen ist alles gut... und nie war immer alles gut weil die Ursachen für ihre Depressionen tiefer sitzen. Sie hat sich bisher aus den schwer depressiven Phasen immer nach ner Zeit selbst befreien können (was ich wirklich bewundere, es kostet sicher viel kraft) und glaubt daher es auch dieses mal so zu schaffen. Nur insgesamt würde ich sagen dass es schon Spuren hinterlässt. Dass die Depressionen auch in Phasen in denen es ihr gut geht irgendwo präsent sind...

dVanade87


Also erstmal würde ich ihr wie gesagt wellcome empfehlen. Die sind speziell für diese ersten Entlastungen da und dann, wenn es sich ein wenig beruhigt hat, würde ich ihr sagen das es nun aber nicht nur um sie geht sondern auch um das Kind und die Spuren die dieses davon trägt, wenn man sich nicht helfen lässt. Wenn sie sich ihr eigenes Leben schwer machen will kann sie das, aber hier trägt sich Verantwortung.

Aber wie gesagt, erstmal würde ich ihr das als Tipp für rein praktische Hilfe geben, damit sie erstmal sehen kann das du sie ernst nimmst und auch ihre praktischen Nöte erkennst.

S1chnegDge3x2


Danke für deine Antwort und die guten Hinweise.

Ich hatte ihr gestern nach unserem Telefonat noch einmal geschrieben, dass ich es gut finde, dass sie mit ihrer Hebamme spricht. Dass es darüber hinaus aber auch wirklich Hilfe gibt, Menschen die sich damit auskennen für sie da sind. Hatte ihr Schatten und Licht empfohlen, da gibt es ja auch Selbsthilfegruppen etc.

Habe ihr heute noch einmal geschrieben, dass ich ihr für das WE viel Kraft wünsche (ihre Schwiegermutter kommt zu Besuch, das ist im Moment natürlich extrem unpassend) und dass sie jedes Recht hat Ruhe für sich und die Kleine einzufordern. Dass es auch ganz normal ist, dass eine Mama und das Neugeborene am Anfang viel Ruhe benötigen (kann mir nämlich vorstellen, dass die Schwiegermutter ordentlich Unruhe verbreitet, so ist es immer).

Aber sie ignoriert mich leider völlig. Sie hatte mir ja auch gestern am Telefon sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass sie damit in Ruhe gelassen werden will. Daher ist es für mich nicht überraschend, dass sie sich nicht zurück meldet. Ich denke, dass weitere Tipps erst einmal nicht angebracht sind.

Habe mir wellcome aber im Internet angeschaut. Das klingt wirklich toll, ich glaube, dass es ihr sehr gut tun würde. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie diese Hilfe zulassen würde. Das würde ja Schwäche zeigen und sie würde es nicht alleine schaffen (aus ihrer Sicht gesprochen).

Ich schaue mal, wie es weiter geht. Danke aber für den Tipp!

Liebe Grüße

g]a-to


Also erstmal 2 Wochen ist noch nicht lange. Viele Frauen haben am Anfang Schwierigkeiten ihr Kind anzunehmen. Ob es tatsächlich postnatale Depressionen sind oder der so genannte "Baby Blues" wird sich erst zeigen.

Ich befürchte aber, dass du wenig tun kannst. Auch wenn ich verstehe, dass du gerne helfen möchtest, aber du bist weit weg, kannst sie nicht unterstützen und wenn sie nichts von dir hören will, kann sie einfach auflegen. Wichtiger sind jetzt Hebamme und vor allem ihr Freund. Der muss unbedingt mit ins Boot geholt und sensibilisiert werden. Die Frage ist, ob du in der Lage bist, dass dem Freund klar zu machen.

Ansonsten bleibt dir nicht viel übrig als zuhören, Hilfe und Tipps anbieten und ihr klar zu machen, dass du dir Sorgen machst und sie sich Hilfe suchen soll. Vielleicht kannst du sie mal eine Woche besuchen, dann hast du vielleicht mehr Glück.

ZvwaYckx44


Es ist ähnlich wie bei einer Sucht: Wer sich bei einer Depression so verhält wie Deine Freundin, will keine Hilfe Dritter; wer die nicht will, dem ist nicht zu helfen. Meine Depression war zwar nicht postnatal :-D , aber als Familienvater stand für mich fest, dass ich so schnell wie möglich gesund werden mußte. Dass ich es ohne fremde Hilfe nicht schaffen würde, war klar. Nach 3 Monaten stationärer Psychiatrie mit rein medikamentöser Behandlung war ich wieder arbeitsfähig. Eine Bekannte aus Jugendtagen hat sich nach der Geburt ihres Kindes das Leben genommen; der Ernst der Lage ist mir also durchaus bewußt.

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